Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Seile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vDV«^^s

hersselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 29.

Donnerstag, den 9. März

1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 4. März 1905.

Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern des hiesigen Kreises teile ich im Anschlüsse an meine Verfügung vom 18. Juli 1904, J. A. Nr. 2870, im Kreisblatt Nr. 88, anderweite Verwertung der Glasereien an den Landwegen betreffend, hierdurch mit, dah eine Nutzung durch Abhüten mit Vieh aller Art ausgeschlossen ist, weil durch eine solche Handlung eineBeschädigung derGrasfläche herbeigefühlt wird.

Etwaige Uebertretungen dieserhalb sind mit angemessenen Strafen zu ahnden.

A. 751. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 6. März 1905.

Der bisherige Bürgermeister Philipp Ringler zu Dünkel- rode ist für einen weiteren achtjährigen Zeitraum gewählt und bestätigt worden.

A. 700. Der Königliche Landral.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

a. Die Zustellung derKriegsbeordernngen" wird in der Zeit vom 22. bis 25. März d. Js. durch die OrtS- behörden erfolgen.

b. Die noch nickt zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungs-Veränderungen" sind sofort zu melden.

c. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben, falls sie während der obengenannten Zeit nicht selbst zu Hause sein können, eventuell eine andere Person des Hausstandes mit Empfangnahme der Kriegsbeorderung zu beauftragen.

d. Die jetzt in Händen der Mannschaften befindlichen vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten KriegSbeorder- ungen sind beim Empfang der neuen Beorderung ab= zugeben. Werden sie bis zum 31. März nicht einge. zogen, so sind sie zu vernichten.

Hersfeld, den 7. März 1905

Königliches Bezirkskommando,

ASnigliches Landratsamt.

Sprechstunde r Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Gefundene Gegenstände: Auf der Straße von Solms nach Mengshausen eine

Der Stern des weissen Dauses.

Roman von I. I n e s.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ein lautes Hurrahrufen, welches mehr einem Schluchzen glich, erscholl von der geringen Anzahl Männer, die sich an Bord derLibelle" befanden. Die in dem Boote hoben die Blicke zu ihnen auf und dankten dnrch ein heiteres Lächeln. Ein zweites Hurrahrufen stärker als das erstemal er­tönte von der Jacht herunter, und dann war das Boot in der Tiefe der hochgehenden Wogen verschwunden Es folgten Sekunden atemloser, qualvoller Spannung, dann, als eine schäumende Welle es wieder hoch emporhob, tauchte das kleine Boot wieder vor den Blicken der Zurückbleibenden auf. Während es einen Moment lang fast in der Luft schwebte, fiel der erste bleiche Sonnenstrahl darüber hin und zeigte den Augen der Freunde die entschlossenen, edlen Gesichter der Ruderer fest wie im Glorienschein.

Bei diesem Anblick schlugen aller Herzen höher, und ohne Ausnahme entblößten sie das Haupt, schwenkten freudig die Mützen und über das Wasser hin erklang zum drittenmal, jetzt aber in lautem Jubelton, ein weithin schallendes Hurrah |"

* * *

Die ganzen finsteren, schrecklichen Stunden hindurch hatte icSeemöve" mit den empörten Elementen gekämpst, und oer anbrechende Morgen fand sie steuerlos und traurig zu gerichtet ihren. Schicksal entgegentreibenb.

Hun zehn Jahre lang war sie ihre Wasserstraße gefahren und hatte in fernen Meeren Sturm und Unwetter getrotzt. Und nun, dem^heimatlichen Strand so nahe, lag sie da, ein ianriges Wrack zerschellt an den grausamen Felsenriffen - ein crbarmungsvolles, trostloses Bild. Das Schiff war gerade m der Mitte auseinander geborsten und der Hintere Leck fortgeschwemmt worden. Ueber dem vorderen Teil

l Felsen eingeklemmt war, schlössen sich r .i ? ^ 1)16 Wogen; in der nächsten Stunde mußte das letzte Bruchstück des Wrackes, welches die Wut des Sturmes

Taschenuhr. Meldung des Eigentümers bei dem OrtSvor« stand zu SolmS.

nichtamtlicher teil.

Sie Vorgänge in RHanL.

Es ist der russischen Regierung nicht gelungen, die Petersburger Arbeiter zur Ausgabe ihres Widerstandes gegen die unter dem Vorsitz des Senators Schidlowski eingesetzte Kommission zur Beratung der Arbeiterfragen zu bestimmen. Die Kommission ist vielmehr, da die Arbeiter sich weigern, Vertreter für sie zu wählen, auf kaiserlichen Befehl ge­schlossen worden, noch ehe sie ihre Wirksamkeit beginnen konnte. Dafür nimmt nun die Ausstandsbewegung wieder gewaltige Dimensionen an.

Petersburg, 7. März. Fast in sämtlichen Fabriken Petersburgs ist die Arbeit abermals eingestellt worden; auch das Arsenal und die baltische Schiffswerft streiken. Die Administration der Werft kündigt an, daß ihre Fabriken einstweilen geschlossen bleiben, bis eine solidarische Erklärung der Arbeiter erfolgt, daß sie insgesamt die Arbeiten wieder ausnehmen wollen. In der Zwischenzeit wird weder Lohn noch Unterstützung gezahlt. Die Putilow-Fabriken sind ebenfalls wieder in den Ausstand getreten, einige Abteilungen wollten dort arbeiten, wurden aber von anderen Arbeitern daran verhindert. Es kam zu einer großen Schlägerei, wobei verschiedene Arbeiter arg zugerichtet wurden. Auch die Fabriken des Schlüsselburger Distrikts streiken, darunter die NewSky-Schiffswerft. Vom Finanzministerium wird bekannt gegeben, daß die Frage der Stornierung des Ar­beitstages und der Feiertagsruhe bereits ausgearbeitet fei und im nächsten Monat in endgültiger Formulierung dem Reichsrat zur Bestätigung zugehen werde.

Auf Grund ihm vom Kaiser erteilter Vollmacht hat der Verkehrsminister angeordnet, daß die Arbeiter der Werk­stätten und LokomotivdepotS der Staatsbahnen Vertreter wählen sollen, durch welche die Bedürfnisse dieser Arbeiter zur Kenntnis der Vorgesetzten gebracht werden.

Warschau, 7. März. Wie aus Lodz telephonisch gemeldet wird, wurde dort in den Garten einer Silber« steinfabrik eine Bombe geworfen, die nur geringen Material­schaden verursachte. Zwölf Teilnehmer einer Versammlung, welche sich mit der polnischen Schule beschäftigte, wurden verhaftet. Eine Deputation der polnischen Intelligenz, be­stehend aus 18 Personen, hat sich unter Führung des Grasen Ladislaus Tyszkiewicz nach Petersburg begeben, um dort die Schulforderungen zu verfechten. In der gleichen An­gelegenheit ist eine mit über 30 000 Unterschriften ver­sehene Petition nach Petersburg abgegangen.

noch verschont hatte, von der steigenden Fliit verschlungen sein.

Von der ganzen, zahlreichen Schiffsmannschaft waren drei übrig geblieben. Von diesen stand einer allein und starrte auf das tobende Meer. Die anderen zwei hatten sich ein paar Schritte von ihm entfernt zusammeugekauert. Um sie herum ragten die spitzen Felsen empor, auf denen Stücke des Wracks umherlagen, welche die Wellen hinaufgeworfen hatten. Auf der schwindelnden Höhe über ihnen waren eine Menge Männer, Frauen unb Kinder zum großen Teil Fischers­leute versammelt und schauten mit entsetzten Gesichtern und feuchten Augen auf die bedrängten Seeleute herab, denen sie nicht zu helfen vermochten. Inzwischen stieg die Flut immer höher, und immer näher rückte der Augenblick, welcher den letzten Rest des Wrackes, an welchen die drei unglücklichen Scannet sich noch klammerten, in den Abgrund reißen mußte.

Der Himmel ist dem Meer so nahe wie dem Lande, hat man mir immer gesagt," meinte der eine zu seinem Ge­fährten.

Mir scheint er unendlich weit, viel zu weit, als daß er uns erreichen könnte, aber" hier brach ihm die Stimme, ich würde nichts danach fragen, wäre es nicht um meiner Grete und der Kinder willen."

Vielleicht," nahm der erste etwas zögernd wieder das Wort,wäre uns leichter, wenn jemand ein Gebet spräche."

Ich kenne keins. Ich habe alle vergessen, die ich einst gelernt," lautete die trübe Antwort.

Vielleicht weiß der Kapitän eins. Ich will ihn fragen."

Sie krochen über die Planken und Pfosten, welche sie von ihm trennten und sprachen ihm ihre Bitte aus.

Ja, er wollte beten. Er konnte es so gut, denn es war ihm keine ungewohnte Aufgabe. Er brauchte nur die Worte laut werden zu lassen, die ihm stets im Herzen geschrieben standen.

Sie knieten aus den Brettern nieder die drei hartge- prüften Seelen während die Wogen immer näher kamen und der herausdämmernde Morgen sie wußten, es war der letzte, den sie schauen sollten zum Hellen Tag er» wachte.

Der russisch-japanische Krieg.

Noch immer wogt das erbitterte Ringen fort. Russische Meldungen berichten schon von großen Erfolgen Kurv« patkins, freilich auch nur in der Defensive; auf japanischer Seite erwartet man dagegen nach wie vor einen baldigen Zusammenbruch des russischen Widerstandes. In Wahrheit ist offenbar noch keine Entscheidung erfolgt, und nach dem Beispiel der Riesenschlachten des letzten Herbstes mag baß wilde Kämpfen vielleicht noch mehrere Tage andauern.

Das Hauptgefecht des gestrigen Tage» wurde südlich von Mukden, in der Umgegend von Taschitschan, etwa 13 Kilometer von Mukden, an der Sinmintingbahn und in der Nähe von Jansytun geführt. Gegen Abend hielten sich beide Seiten in ihren Stellungen, nachdem sie vor« zugsweise durch Artilleriefeuer beiderseits Verluste erlitten halten. Im Zentrum war es verhältnismäßig ruhig. Auf dem linken Flügel setzten die Japaner ihre Angriffe im Bezirk Kandolisan und gegen die Abteilung des Generals von Rennenkampf fort. Heute wurde bei Tagesanbruch der Kampf bei Mukden erneuert. Das Artilleriefeuer nimmt große Stärke an.

London, 7. März. Aus Tokio meldet Reuter» Bureau, es werde berichtet, daß die Russen sich zum Räumen von Mukden und Fuschun, sowie zum Rückzug auf Tieling rüsten. Kuropatkin scheine die größte Energie auf die Beschützung FuschunS verwendet zu haben, um seinen Rückzug offen zu halten; er hatte Massen von Reserven dahin gesandt. Die blutigsten Kämpfe fanden um die Stellungen südlich und östlich von Fuschun statt. Im linken Teil des Zentrums verbleiben die Japaner siegreich und werden wahrscheinlich die Bahn nördlich von' Mukden abschneiden.

London, 7. März. Aus Niutschwang wird von gestern gemeldet: Hier eingetroffene Händler berichten, daß die Japaner in Stärke von 30 000 Mann gestern Nacht bis zu einer fünf Meilen westlich von den Toren von Mukden gelegenen befestigten Stellung vorgedrungen find. Bei Tagesanbruch dauerte das Handgemenge fort, doch hatte noch keine der beiden Seiten einen Vorteil errungen. Die Russen haben die RegierungSgebäude in Mukden in Brand gesteckt und bereiten sich zum Rückzug vor. Die flüchtende Bevölkerung strömte nach Tieling und Sinmin« ting. Eine russische Abteilung geht auf dem Ostufer der Liauflusses nach Süden vor, um die Japaner im Rücken anzugreifen. Die Japaner haben das Telegraphenamt von Sinminting besetzt und dort eine militärische Zensur ein­gerichtet, trotz des Widerspruchs der chinesischen Beamten. Chinesische Flüchtlinge treffen hier zu Tausenden ein. Japanische Offiziere erklären, Kuropatkin sei unschlüssig, ob er in Mukden Widerstand leisten solle. Er habe die schwere Artillerie nach Tieling gesandt, baß von Tschunt« schufen eingeschossen sei. Dort herrsche ein Schreckens,

Matter und matter wurde das Licht ihrer Augen schwächer und schwächer tönte das Brausen der Wogen an ihr Ohr näher und näher kamen die gierigen Wellen. Schon bespülten sie ihre Füße schon rüttelten sie, ohne Widerstand zu finden, an den letzten Brettern, welche den Unglücklichen noch Halt boten. Nur eine kleine Weile noch und dann

Plötzlich ertönte vom Wasser her ein klarer, Heller, leben- kündender Ruf. Er drang in jede Fiber ihrer Herzen und ließ ihre ersterbenden Pulse hoch aufschlagen. Und dort dort mit jeder Woge näherkommend von kräftigen, Willensstärken Armen geführt war ein Boot mit drei Männern, welche kamen, sie zu retten!"

O, gesegneter Anblick! O, dreimal gesegneter Klang. Es war keine Vision, kein Trugbild der sterbenden Sinne. Der Himmel hatte sie in ihrer bitteren Not nicht verlassen. Sie waren gerettet.

32.

Zwei Stunden harter, körperlicher wie geistiger Arbeit für die, welche das gefährliche Werk unternommen hatten; zwei Stunden qualvoller Erwartungen für die, welche an Bord derLibelle" zurückgeblieben waren und dann streckten sich eine Menge eifriger Hände den Rettern wie den Geretteten zum Willkommen entgegen.

Bleich, verstört, durchnäßt standen sie in dem Siorgen» glühen. Der Graf erzählte später oft, wie die starken Männer zusammenbrachen und schluchzten als sie sich herandrängten, um den Helden, welche soviel für sie gewagt und getan hatten, die Hände zu drücken.

Inmitten all der Aufregung und Verwirrung trat der Graf zu dem Baron Werner hin, welcher sich matt an einen Stützpunkt gelehnt hatte. Die Sonne fiel hell in sein Ge­sicht, und Graf Böhlen schrie erschrocken aus, als er des Freundes braunes Haar von Blut getränkt und solches aus einer klaffenden Wunde an der Schläfe fließen sah.

Es ist nichts," erwiderte Werner von Roßlingen schwach als Antwort auf des Grasen Ausruf.Ein Srück des Wrackes traf mich, als wir ihnen in das Boot halfen. ES