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Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 30.

Sonnabend, den 11 März

1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 8. März 1905.

Die Liquidationen der Mitglieder der VoreinschätzungS- kommissionen über Reisekosten und Tagegelder sowie über Versäumnisgebühren für die Teilnahme an der Vorein» schätzung für 1905 sind zur Zahlung aus die hiesige König­liche KreiSkasie angewiesen.

Die Herren OrtSvorstände werden ersucht, die Empfangs­berechtigten alsbald aufzufordern, die Beträge umgehend abzuheben.

Der Vorsitzende

-er Einlommensteuer-Veranlagungs-Kommisfion. Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 2. März 1905.

In dem angrenzenden Großherzogtum Sachsen werden im Jahre 1906 u. A. folgende Märkte abgehalten.

1. Berka a/W.: 7. März Viehmarkt, 11. April Kram- markt,, 23. Mai Krammarkt, 6. Januar Viehmaikt, 5. September Viehmarkt, 3. Oktober Krammarkt, 7. November Viehmarkt, 19. Dezember Krammarkt.

2. Gerstungen: 21. Januar Kram- und Viehmarkt, 29. Mai Viehmarkt, 10. Juli Viehmarkt, 19. September Kram- und Viehmarkt, 18. Dezember Krammarkt.

3. Vacha: 15. Januar Schweinemarkt, 12. Februar Kram- und Viehmarkt, 19. März Kram- und Viehmarkt, 21. Mai Kram- und Schweinemarkt, 11. Juni Kram- und Viehmarkt, 23. Juli Kram« und Viehmarkt, 27. August Kram- und Schweinemast, 24. September Kram- und Viehmarkt, 20. Oktober Obstmarkt, 5, November Kram- und Schweinemarkt, 17. Dezember Kram- und Schweinemarkt.

Die Herren OrtSvorstände der Gemeinden des Werra- grundes haben Vorstehendes zur Kenntnis der Ortseinwohner zu bringen.

I. 1438. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Bekanntmachung.

a. Die Zustellung derKriegsbeorderungen" wird in der Zeit vom 22. bis 25. März d. Js. durch die OrtS- behöiden erfolgen.

b. Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungs-Veränderungen" sind sofort zu melden.

c. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben, falls sie während der obengenannten Zeit nicht selbst zu Hause sein können, eventuell eine andere Person des Hausstandes mit Empfangnahme der Kriegsbeorderung zu beauftragen.

d. Die jetzt in Händen der Mannschaften befindlichen vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten Kriegsbeorder­ungen sind beim Empfang der neuen Beorderung ab- zugeben. Werden sie bis zum 31. März nicht einge. zogen, so sind sie zu vernichten.

Herefeld, den 7. März 1905

Königliches Bezirkekommando.

I Asnigliches Landratsamt. Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr j an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Im Reichstage macht sich zur Zeit wieder das alte, längst bekannte Uebel breit. Es werden endlose Reden zum Fenster hinaus gehalten, und an die fachliche Förde­rung der dringenden parlamentarischen Ausgaben denkt nur eine geringe Zahl von Abgeordneten. In wahrhaft schneckenartigem Tempo schreiten, wie stets während der letzten Jahre, so auch diesmal die Verhandlungen über den Waldes R e i ch s a in t e s des Innern fort. Jisieber findet hierbei jenes sozialpolitische Wettrennen statt, ... der gesamten inneren Politik im Reiche schon seit angerer Zeit mit an erster Stelle seinen Stempel auf* Praßt* ^in förmliches Füllhorn sozialpolitischer Wünsche J,rberungen wird da vor der Oeffentlichkeit au»ge° ichUllet, und alle arbeiterfreundlichen Maßnahmen der Ge- n Verwaltung, wie sich solche Jahr aus Jahr «msnVV. folgen, gehen den Stürmern und Drängern Reichstage immer noch nicht weit genug. Wir meinen: bürgerlichen Sozialreformer glauben, damit . ^ozialdemokratie den Wind aus den Segeln zu tzmen, so irren sie sich. Im Fordern und Begehren wird

die Sozialdemokratie doch stets allen anderen Parteien über bleiben, da sie sich von jeder Verantwortlichkeit für die Geschicke des Vaterlandes frei fühlt. Man sollte also das unwürdige Spiel demagogischen Wettlausis ruhig ausgeben.

Je weniger der schleppende Gang der ReichStagS-Ver- handlungen und das leere parlamentarische Strohdreschen das Interesse daheim^zu fesseln vermögen, umso gespannter richtet sich die allgemeine Aufmerksamkeit gegenwärtig wieder auf das gewaltige Völkerringen im fernen Ost - afien, und die dort sich abspielenden Ereignisse geben hierzu auch vollgültigen Anlaß. Seit länger denn zehn Tagen bereits tobt bei Mulden eine Schlacht, die an Größe und Furchtbarkeit die Rümpfe um Liaujang noch übertrifft und zweisellos einen Höhepunkt in dem bis­herigen Verlause des russisch-japanischen Kriege» bedeutet. Soweit die Lage sich überblicken läßt, scheint sich das russische Zentrum zu halten, während aus den beiden Flanken die Japaner anscheinend immer mehr Terrain ge­winnen. Andere Nachrichten freilich wollen bereits von einem allgemeinen fluchtähnlichen Rückzüge der Russen wissen. Wie aber der Ausgang der augenblicklichen Kämpfe um Mulden auch sein möge, so darf doch mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß auch sie die endgültige Entscheidung dieses Krieges noch nicht herbei- führen werden.

In Rußland selbst werden die gewaltigen Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze mit verhältnismäßiger Apathie entgegengenommen. So sehr erscheint zur Zeit alles Interesse durch die Entwicklung der inneren Dinge be­schlagnahmt. Augenblicklich sind es vorwaltend freudige Töne, die sich in der krausen und wirren Melodie, die aus dem Innern Rußlands zu uns herüberschallt, bemerkbar machen. Den Grund hierfür bietet der jüngste Erlaß des Zaren dar, durch den verkündet wird, daß in Zu­kunft von der Bevölkerung zu erwählende vertrauens­würdige Männer mit beratender Stimme zur Teilnahme an der Gesetzgebung herangezogen werden sollen. Der Eindruck dieses Erlasses in Rußland ist geradezu ungeheuer zu nennen. Die guten Elemente der russischen Gesellschaft atmen erleichtert aus und schöpfen Kraft au» dem Be­wußtsein, sich nunmehr zum gemeinsamen Kampfe gegen die trotzig ihr Haupt erhebende Revolution um die Regierung scharen zu können. Mit Zuversicht steht man der Be­ruhigung der Gemüter entgegen. Hoffen und wünschen wir von Herzen, daß diese Zuversicht nicht zu Schanden werden möge.

Auch in Italien haben sich während der BerichtS- woche interessante Dinge abgespielt. Der bisherige Ministerpräsident Giolitti ist dort von der politischen Schaubühne abgetreten. Wenn aber die Sozialisten und ihre Schutzbefohlenen, die streitlustigen Eisenbahner, hierüber ein Siegeslied anstimmen zu können glauben, so dürsten sie sich verrechnet haben. Der zum Nachfolger Giolittis ernannte neue Ministerpräsident Alessandros Forti» wird aller Voraussicht nach in den Bahnen seines Vorgängers wandeln und an dem in der Eisenbahn-Vorlage enthaltenen Streikverbot für Eisen­bahner, wodurch deren Obstruktion hervorgerufen worden war, festhalten. Was die auswärtige Politik Italiens in der nächsten Zukunft betrifft, so steht nach der politischen Vergangenheit FortiS mit Sicherheit zu erwarten, daß der dreibundsfreundliche Kurs weitergesteuert werden wird, zumal der bisherige Minister des Auswärtigen, Tittoni, auch unter dem neuen Ministerprästsenten im Amte verbleibt.

In England endlich hat die jüngste Parla. menls-Ersatzwahl den Anhängern des gegen­wärtigen Kabinetts eine neue empfindliche Niederlage ge­bracht. Sonst ist als das Wichtigste unter den letzt- verflossenen Vorgängen in Großbritannien wohl der Rück­tritt Milners von seiner südasrikanischen Stellung und seine Ersetzung durch Lord Selbourne, den Schwiegersohn Salisburys, zu vermerken. Lord Selbourne wird in feinern neuen Wirkungskreise außerordentlich schwierige Aufgaben vorfinden, und e» wird des größten Taktes bedürfen, um der zahlreichen Schwierigkeiten da­selbst, die sich in erster Linie aus den materiellen und moralischen Nachwirkungen des Burenkrieges ergeben, Herr zu werden.

Str AM in Äulsch-sttivesi-Asrila.

Nach Meldung des Generals v. Trotha vom 7. März verfolgte Major von Mühlensels mit der Abteilung Estorff von einet Bley 40 Kilometer südöstlich Kalkfontein aus, mit den Abteilungen Heyds und Hornhardt von Gobabis aus, Wilhelm Maharero und Traugolt bis in die Gegend von DabiS und Kocika». Er fand nur verlassene Werften und entsandte Hornhardt nochmals nach Riet- fontein zur Säuberung der dortigen Gegend Ob Wilhelm Maharero die Grenze überschritten hat, soll festgestellt werden. Samuel Maharero soll stch beim Häuptling Sekoti am Ngami-See im Britisch-Betschuanaland-Pro-

tektorat befinden. Der Abteilung Oertzen in Grootfonlein sind sechs Rcitkamele von Outjo aus überwiesen und ihr erneut aufgegeben worden, vermittels dieser bis nach Dobe (Kalkfontein) und Neinei aufzuklären.

Geschlossene Hererobanden haben sich nicht mehr zum Kampf gestellt, und es wird beabsichtigt, in nächster Zeit zu Stationsbesatzungen Überzugehen, worüber Einzelheiten später folgen.

Oberst Deimling kann die Offensive gegen Morenga erst ausnehmen, sobald die immer noch sehr bedeutenden Schwierigkeiten der Verpflegung überwunden sein werden. Bi» dahin muß er stch lediglich auf Aufklärung-maßnahmen beschränken.

Berlin, 9. März. Nach einer Meldung des Ge­nerals v. Trotha vom 8. März überfiel das Detachement Zwehl im Marsche von Gibeon nach Hudup am 1. März eine im oberen Kutsub-Revier und am 2, März eine im Hudup sitzende Bande von etwa 100 Witbois und Bast­ards und sprengte sie auseinander. Der Feind verlor 6 Mann, diesseits keine Verluste. Am 4. März wurde zwischen Zwactsontein und Witkranz ein Wagentransport von Witbois Überfällen, wobei unsererseits 11 Mann fielen und 3 Mann verwundet wurden. Die Verfolgung des nach Osten und Nordosten zurückgehenden Feinde» ist durch die 2. Kompagnie des 2. Regiments ausgenommen worden.

Der russisch-japanische Krieg.

Die Einnahme von Mulden durch die Japaner wird als bereits vollzogen bezeichnet.

Tokio, 9. März. Die Japaner sind in Mulden eingerückt. Es herrscht hier große Begeisterung.

Der volle Rückzug der Russen aus ihren bisherigen Stellungen der ganzen Frvnt ist im Gange. Die Hundert­tausende Kuropatkins kämpfen nicht mehr um den Sieg, sondern nur noch um b i e Rettung; die furcht» bare Bedrohung der Rückzugslinie durch Nogi und Oku, deren von anderen Teilen der Front verstärkte Truppen nun schon bis direkt nördlich von Mulden vorgedrungen sind, setzt die russische Armee in eine viel schwierigere Lage als die, in der sie sich bei Liaujang befand. Eine vollständige Katastrophe kann nur durch verzweifelte» Aus­halten des russischen rechten Flügels noch abgewendet wer­den. Die Menschenverluste sind auf beiden Seiten schon jetzt geradezu schreckenerregend.

Tokio, 9. März. Marschall Oyama berichtet, daß die Russen in jeder Richtung geschlagen worden seien. Sie hätten Mittwoch früh den Rückzug be­gonnen, und die japanische Armee verfolge den Feind jetzt energisch.

Alle Meldungen stimmen darin überein, daß es sich bei den jetzigen Kämpfen um die blutigste Schlacht de » Krieges handelt. Nach einer Meldung aus Tokio schätzt man dort die Verluste der Japaner aus 50 000 Mann und die Gesamlverluste auf beiden Seiten auf weit mehr als 100 000 Mann. Die Japaner schneiden, wie man in Tokio annimmt, die Eisenbahn nördlich von Mulden ab, so daß den Russen für den Rückzug nur die Landstraße und die Kleinbahn Fuschun-Tieling übrig bleibt.

Von den Kämpfen bei Mulden meldet ein Reutertele­gramm aus Tokio noch, daß die I-parier die Eisenbahn nördlich von Mulden tatsächlich bereits abgeschniten haben.

P.a riS 9. März. Die hiesige japanische Gesandtschaft erhielt die Bestätigung der Meldung, daß Kuropatkins Rück­zug hurch die Armee OkuS, welche von den anderen Armeen unterstützt wird, gefährdet erscheint. Oku verlor in den Gefechten seit letztem Sonnabend 15 000 Mann, die an­deren japanischen Armeen in demselben Zeitraume über zwanzigtausend. Gestern konnte nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl der Leichen auf dem Schlachtfelds bestattet werden. Unter achttausend russischen Leichen waren etwa 200 Offiziere.

Petersburg, 9. März. Nach den letzten von Kuro- patkin eingegangenen Meldungen gilt hier die Schlacht um Mulden endgültig für die Russen als verloren. Einzelne taktische Geschicklichkeiten ausgenommen, wird die jüngste Leistung Kuropatkins scharf getadelt. Seine Abberufung dürste nunmehr zur Tat werden, um so mehr, als hier festgestellt wurde, daß der russische Oberbefehlshaber bet Mulden über ein numerische« Uebergewicht von schlecht ge­rechnet 50 000 Mann verfügte, trotz der Verstärkung der japanischen Heeressäulen durch die Armee Nogi. Angesichts dieser Lage kann der Beschluß der Kriegspartei nicht über­raschen, die verlangt, eine neue Armee von 400 000 Mann nach Ostasien zu senden. Den Russen stehen zur Bildung dieser Armee noch 15 intakte KorpS zur Verfügung.

London, 9. März. Der Korrespondent des Reuter» schen Bureaus bei der Armee des General» Oku meldet