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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 31.
Dienstag, den 14. März
1905,
Amtlicher feil.
Hersfeld, den 7. März 1905.
Gonnabend den 25. d. Mts. Vormittags 10 Uhr findet im Sitzungssaale im Landratsamtsgebäude dahier eine Kreistagssitzung statt.
Tagesordnung.
1. Beschlußfassung über Uebernahme der Kosten der Schweine-Jmpfung auf den Kreis.
2. Feststellung des Kreishaushalts - Etats für das Jahr 1/4. 1905/6. (§ 84 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885).
3. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzustellen- den Kreiskommunalkassen - Rechnung für das Jahr 1/4. 1904/5. (§ 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.)
4. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Aus- schuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersseld, Niedcraula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung bei der in 1905 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1906. (§ 40 des Ge- richtsversassungsgesetzes vom 27. Januar 1877, Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz vom 24. April 1878, Gesetz - Sammlung Seite 237 von 1878.)
5. Beschlußfassung über die Benutzung der Wettervoraussagen der Weilburger Wetterwarte.
A. 669. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 7. März 1905.
Der Vorstand des Vaterländischen Frauenverein« beabsichtigt, den Wünschen Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin gemäß den Standesbeamten der Monarchie ein Merkblatt. betitelt „Ratschläge zur Ernährung und Pflege der Kinder im ersten Lebensjahre," zur Verteilung unentgeltlich zu liefern.
Die Herren Standesbeamten des Kreises, einschl. der Stadt Hersfeld, werden ersucht, die ihnen demnächst zuge- henden Merkblätter an diejenigen Personen zu verteilen, welche die Geburten lebender Kinder anmelden.
I. 1588. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 8. März 1905.
Der auf Donnerstag, den 16. März 1905 in der Stadt
Der Stern des weissen Dauses.
Roman von I. I n e s.
(Nachdruck verboten.)
(Foitfetzung.)
„Hilda," sprach Werner, „hast Du mir vergeben?"
„Ach, Werner, ich habe nichts zu vergeben," antwortete sie mild.
»Ihrer Worte kaum achtend, fuhr er fort: „Ich habe den Himmel so oft gebeten, mir eine Buße für das Unrecht auf- zuerlegen, das ich an Dir verübte, und als ich wußte, wessen Leben ich retten half, da glaubte ich, mein Gebet fei erhört. Wer brächte Dich zu mir, Hilda? War es Kapitän Korneck?"
„Ja," entgegnen sie freudig.
„Wie muß er nur auf den Gedanken gekommen sein, „fuhr er fort, nicht ahnend, daß er im Fieber sein Geheimnis verraten hatte. „Nun, es tut das nichts zur Sache. Genug — Du bist da — hier an meiner Seite — und die Hand, welche ich halte, ist die Deine. Deine liebe, kleine Hand." Dabei drückte er sie innig. „Wie habe ich nach ihr verlangt."
„Nicht mehr, als ich nach Dir, Werner," flüsterte das Mädchen mit bebenden Lippen.
„Immer?" fragte er, ihr forschend in die Augen schauend. „Schenktest Du mir je einen Gedanken, wenn Fürst Lichten- stcu. Dir zu Füßen lag?"
Nicht um den Preis seines Lebens hätte er in diesem oment ein zornig eifersüchtiges Aufwallen unterdrücken Hilda erbebte ein wenig und schwieg.
erregt fv/t'^ ^ Du ihn nicht geheiratet," fuhr er „Werner!" Es klang tief, vorwurfsvoll.
, »Mein Lieb, verzeihe mir! Aber als ich Euch in Nizza Rammen sah, da war mit — oh, ich kann Dir nicht be= Ichreiben, wie."
--Du sähest uns I Wo?"
"Uns dem Ball. Ich war auch dort."
„O, Werner," rief sie, „dann warst Du eS wirklich!"
Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um SA7 Uhr morgen« begonnen werden.
I. 1618. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m er.
ASnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Zugelaufen: Ein Spitzhund, schwarz mit weißen Füßen. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in WillingShain.
nichtamtlicher feil.
Nach der Schlacht bei Mulden.
Das mörderische Ringen zwischen den Japanern und den Russen, welche» über eine Woche lang rings um Mulden wütete, hat nunmehr mit der völligen Niederlage der Armee Kuropatkin« geendet. Sie ist im fluchtartigen Rückzüge nach Norden begriffen, nachdem sie angeblich 150 000 Mann an Toten und Verwundeten, viele Tausende an Gefangenen
— genau steht die Zahl noch nicht fest — mehr als 100 Geschütze, sowie große Vorräte an Munition, Waffen und sonstigem Kriegsmaterial eingebüßt hatte. Die siegreichen Japaner ihrerseits, welche ebenfalls riesige Verluste ver. zeichnen müssen, haben Mulden, die Hauptstadt der Mandschurei, besetzt und sind von hier aus bestrebt, den zurück, gehenden Russen den Rückzug zu verlegen ; über das Gelingen der hierauf bezüglichen japanischen Manöver lauten die Nachrichten einstweilen widersprechend. Zweifellos überragt aber die Niesenschlacht bei Mulden die im vergangenen Jahre bei Liaujang und am Schahs geschlagenen gleichfalls sehr blutigen Schlachten in ihrer Bedeutuug und ihren Folgen sehr erheblich. In beiden letzteren Schlachten zeigte sich zwar schon die Ueberlegenheit der japanischen Führung und der japanischen Truppen über den ebenso tapferen aber schwerfälligeren und der Offensive abgeneigten Gegner; aber ein entscheidender Erfolg wurde damals von den Angreifern dennoch nicht erreicht, die Angriffsvorbereitungen waren nicht umfassend genug, auch fehlte es an der nume« rissen Ueberlegenheit, um ein durchschlagendes und nachhaltiges Resultat zu erzielen, so konnte die Feldherrnkunst Kuropatkin» seine Armee den drohenden Gefahren noch glücklich entziehen. Diesmal nun hat der Marschall Oyama
Und Hilda barg das Gesicht in den Händen und weinte heftig. Werner sah sie erschrocken an. „Weißt Du, Werner," flüsterte sie mit überströmenden Augen, „daß, wenn ich Dich an jenem Abend nicht gesehen hätte, ich den Fürsten geheiratet haben würde. Ach, sieh mich nicht so drohend an! Ich war so einsam und unglücklich, ich glaubte, Du hättest mich für alle Zeit aufgegeben, und er war so unendlich gut. Ich bin Dir in meinem Herzen niemals untreu gewesen, aber so einsam, so freundlos, und mein Verlangen nach einem liebenden Herzen war so mächtig geworden, daß ich ihm kaum zu widerstehen vermochte. Als ich aber Dich oder Deinen Geist, wie ich damals annehmen zu müssen glaubte, sah, da tauchte die Vergangenheit wieder so lebendig vor mir auf, daß ich dachte, ich müßte sterben, und am folgenden Tage verließ ich Nizza."
„Und der Fürst?" fragte Werner.
„Und der Fürst?" wiederholte Hilda mit mattem Lächeln, woraus sie ernst hinzusetzte: „Der Fürst ist ein edler Mensch, Werner."
„Das bezweifle ich nicht," bemerkte dieser ironisch.
Dann schaute ihm Hilda mit so lieblichem Lächeln in die Augen, daß ihm das Herz heftig zu schlagen begann.
„Komm, küsse mich, mein Lieb," bat er, unb seine törichte Eisersucht war verflogen.
Hilda aber trat einen Schritt zurück.
„Dn verdienst eine solche Gunst nicht, sagte sie.
„Bedeute doch, wie ich hier liegen unb mir daS erbetteln muß, was zu fordern ich das Recht besitze, brauste Werner auf, und dann fügte er plötzlich weich hinzu: „Verweigere mir es nicht, Geliebte. Ich habe so lange mich nach Dir gesehnt."
Dem flehenden Ton war nicht zu widerstehen. Die dunklen Locken mischten sich mit den helleren auf dem Kissen und Werner war zufrieden.
* *
♦
So war es nun gekommen, daß, als die junge Herrin von Hohensitz zum erstenmal durch die hohen Portale des Schlosses schritt, sie es als Gemahlin Werner von Roßlingens tat. Und an dem glücklichen Tage läuteten Hell die Glocken
seinen Angriffsplan auf der breitesten Basis aufgebaut# und dank dem verständnisvollen Eingehen feiner Armee- führer auf feine Absichten gelang es, durch eine Reihe von Kämpfen im Osten und Süden den Gegner über die wahren Ziele der großartig angelegten Operation so lange zu täuschen, bi» die Ausstellung einer starken Heeresmacht an der rechten Flanke der Russen parallel zu ihrer Rückzugs- linie beendet war. Dann erst erfolgte der mit gewaltiger Kraft durchgeführte Stoß gegen Matsjuntan im Südosten der Verteidigungsstellung, die Einnahme dieses Platze« machte das weitere Ausharren im Zentrum zur Unmöglichkeit, und jetzt muß sich der Rückzug nach Norden vollständig unter den von Oyama gewollten Umständen vollziehen, die einen glücklichen Ausgang, selbst für die bestgeschulte Armee, geschweige denn für die ungefügige und schwerfällige Masse des russischen Heeres als sehr schwierig erscheinen lassen.
Jedenfalls hat auch diese neueste und besonders schwere Niederlage der Russen wiederum gezeigt, daß sie den Japanern zu Lande ebensowenig gewachsen sind wie zur See, und so mindern sich für Rußland die Aussichten auf einen schließlichen noch siegreichen AuSgang dieses opferreichen Krieges noch mehr. Allerdings heißt es, Rußland wolle eine neue Kraftanstrengung machen und eine neue Armee in Stärke von 400 000 Mann nach Ostasien entsenden, auch soll General Kuropatkin vom Oberkommando in der Mandschurei enthoben und durch den greifen General Dragomirow, der sich schon in vielen Feldzügen ausgezeichnet hat, ersetzt werden. Ob aber ein Wechsel in der russischen Heeressührung den Russen das ersehnte Waffenglück endlich bringen würde, da« erscheint denn doch noch recht fraglich, der japanische Marschall Oyama und die unter ihm befehligenden Generäle Oku, Kuroki, Nodzu und Nogi haben sich als umsichtige, klugberechnende und energische Feldherrn bewährt, sie können es in ihrer strategischen und taktischen Kunst unbedingt mit -ben besten russischen Generälen aufnehmen. Was ober die angeblich geplante Entsendung neuer großer russischer Verstärkungen nach Ostasien anbelangt, so muß zunächst bezweifelt werden, daß Rußland im Stande sein sollte, in den nächsten Monaten eine frische kriegssertige Armee auf die Beine zu bringen. Und selbst wenn die« gelänge, so würden doch noch weitere lange Monate vergehen, ehe diese bedeutenden Truppenmassen auf dem Krieg«, schauplatze angelangt wären, inzwischen aber könnte sich dort das Schicksal der Kuropatkinschen Armee leicht entschieden haben. Die militärische Situation ist also für Rußland nach Mulden noch schlimmer, als sie es schon nach Liaujang und Port Arthur war; das gedemütigte Zarenreich wird sich also wohl doch genötigt sehen, nächsten« Friedensverhandlungen mit dem siegreichen Gegner anzu- knüpfen.
*
Tokio, 11 März. Die Russen leisten an einzelnen Punkten westlich von Mulden noch immer verzweifelten
von der Braunsdorser Kirche herab, die Leute im Dorfe jubelten und im Gasthaus hatte man die Flaggen aufgezogen und alles mit grünen Reisern geschmückt.
Am Abend standen sie zusammen am Fenster; Hildas Kopf ruhte an des geliebten Mannes Schulter und mild funkelten die Sterne auf sie herab.
„Endlich mein" flüsterte Werner, während er die junge Frau an sein Herz drückte. „Wie oft habe ich von dieser Stunde geträumt als von einer Wonne, die zu groß ist, um sich verwirklichen zu können."
Ein seliges Lächeln verklärte Hildas Züge, während sie zu dem Sternenhimmel empor schaute. Werner zog die kleine Hand, welche den Trauring trug, an seine Lippen.
„Ach, Geliebte, der Gedanke an mein Glück ist so berauschend, daß ich ihn kaum zu ertragen vermag!" flüsterte er. Du bist mein — mein, bis der Tod un§ von einander scheidet!"
35.
In einem eleganten Boudoir sagen zwei junge Mädchen in behaglichem Geplauder. Die jüngere der beiden war eine hübsche Brünette von neunzehn Jahren, die in ihrem ganzen Auftreten wie schon in ihrer Erscheinung etwas Burschikoses hatte. Ihr kurzes gelocktes Haar war an der einen Seite gescheitelt, und mit dem steifen, weißlemenen Kragen, um den sie nach Matrosenart ein buntes Halstuch geschlungen hatte, und der Hundepfeife, welche ihr an einer silbernen Kette von dem Ledergürtel herabhing, erweckte ihre Erscheinung unwillkürlich den Gedanken, daß die Natur einen Fehlgriff getan und an ihr einen wilden Jungen verdorben hatte. Das an= dere Mädchen, welches auf einem niedrigen Stuhl am Kamin sag und die zierlichen Füße auf dem Rand des VorsetzerS ruhen ließ, war Dorothea Schuch.
Zwei Jahre waren verstrichen, hatten Dorothea aber wenig verändert, nur ihren Zügen einen tieferen Ernst ausgeprägt. Ihrem Leben indessen hatten sie manchen Wechsel gebracht. Als sie die Nachricht von Werners Vermählung erhielt, beschloß sie, ihre unglückliche Liebe zu überwindeu, mochte es kosten, waS es wollte. Sie war viel zu edel und gemisst»