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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nv. 34. Dienstag, den 21 März 1905.

Amtlicher-teil.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Frühjahrskontrollversamm­lungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:

Zu Hersfeld I.

(Turnplatz an der Hainstraße.)

Montag den 3. Hpril 1905 Vormittags 9 Uhr

für sämtliche Reservisten der Stadt Hersfeld.

Zu Obergeis

(Bei Gastwirt Ernst.)

Montag den 3. Hpril 1905 JSacbmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hos Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdors, Obergeis und Untergeis.

Zu Heringen. (Schulplatz.) freitag den 7. Hpril 1905 Nachmittags 1230 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendorf, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölfershausen.

Zu Heimboldshausen. (Bei Gastwirt Echtermeyer.)

freitag den 7. Hpril 1905 ffacbmittags 2SO Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Heimboldshausen, AuSbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, Röhrigshos mit Nippe und Unterneurode.

Zu Friedewald.

(Auf dem Schloßplatz.)

Sonnabend den 8. Hpril 1905 Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Lautenhausen und Hillartshausen.

Zu Schenklengsfeld.

(Bei Gastwirt Kroneberg.)

Sonnabend den 8. Hpril 1905 Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkel- rode, Malkomes, Motzseld, Oberlengsseld, Hilmes, Lamperts- feld, Landershausen, Ransbach, Schenklengsfeld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstseld.

Zu Unterhaun.

(Bei Gastwirt Sandlos.)

Mittwoch den 12. Hpril 1905 Vormittags 1080 Uhr für die Mannschaften ans den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhann, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.

Zu Niederaula. (Kirchplatz.)

Donnerstag den 13. Hpril 1905 Vormittags 1030 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershausen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk

Liebe und Leidenschaft.

Erzählung von Carl v. F a l k e n b e r g.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Elisabeth seufzte und dachte:

Was für eine Ehe wird das abgeben? Kann so ein oberflächliches Geschöpf wie Jenny einen Mann, der wie Georg von Jachan geartet ist, glücklich machen?"

Aber Georg hatte eine Stunde später Jenny im Garten gesprochen, und beide kamen nun, strahlend vor Glück, wie ein seeliges Brautpaar, ins Haus.

Frau Hanna nahm sie beide mit Tränen aus und die arme Elisabeth stotterte ihren Glückwunsch, dann weinte sie sich in der Einsamkeit aus.

Frau Hanna hatte die Hochzeit auf den Tag festgesetzt, wo das Trauerjahr um Jennys Vater zu Ende sein würde.

*

Es war Sommer geworden, und wer behauptet hätte, in Süderkuhl sei es in dieser Jahreszeit nicht schön, der hatte ganz gewiß nicht die Wahrheit gesagt.

Wie grünte und blühte es nicht auf den Wiesenflächen, wie wehte das Korn auf den Feldern, untermischt mit Klatschmohn und blauen Chanen, wie flatterten die Falter durch die Luft, wie jubelten die Lerchen in der Luft, wie schallte Kuckucksruf aus den Wäldchen, welche sich hier und dort angesiedelt hatten.

Jenny durchschweiste die Felder und Wäldchen und sang manchmal mit den Lerchen um die Wette. Sie war auch -u glücklich, denn jetzt erst lernte sie Georgs, ihres Verlobten, edlen Charakter richtig schätzen.

Wie gut war doch Georg! Nie fuhr er zur Stadt, ohne fhr reizende und kostbare Geschenke mitzubringen, die freilich m seiner Unbeholfenheit oft nicht ganz passend ausgewählt waren. Aber sie zeigten doch, daß er in jeder Minute an sein Lieb dachte.

Und dann die schönen Abende, wenn er an ihrer Seite unter den Ulmen vor dem Hause in Süderkuhl saß und ihr erzählte. Ja, was wollte sie denn wohl noch Besseres wünschen?

Engelbach mit Hof Sternberg, Kruspis, Mengshausen, Nieder­aula, Niederjossa und Holzheim.

Zu Kirchheim.

(Bei Gastwirt Eydt.)

Donnerstag den 13. Hpril 1905 stlackmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Frielingen, Gersdors, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Siebenmorgen, Heddersdors, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba,Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode mit Hof Beiers- graben und Willingshain mit Hof Löscher.

Zu Hersfeld IL

(Turnplatz an der Hainstraße.)

freitag den 14. Hpril 1905 Vormittags 9 Uhr

für sämtliche Wehrleute l. Aufgebots sowie die Ersatz-Reservisten aus der Stadt Hersfeld.

Zu Hersfeld III.

(Turnplatz an der Hainstraße)

freitag den 14. Hpril 1905 Nachmittags 3 Uhr

für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbe­zirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Eichmühle, Heeues, Rohrbach, Tann, Hermannshof und Wehneberg.

Zur strengen Beachtung für die Beteiligten fügt das Be­zirkskommando folgende Bemerkung hinzu:

1. Zu den Frühjahrskontrollversammlungen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marinereserve, Landwehr und Seewehr 1. Aufgebots, der Ersatzreserven und Marineersatzreserven angehören, sämtliche zur Dis­position der Ersatzbehörden entlassenen, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Marineteile beurlaubten Mannschaften zu gestellen. Ferner sämtliche Invaliden der Reserve und Landwehr I mit Ausnahme der dauernd abgefundenen Ganzinvaliden.

Nur diejenigen Wehrmänner und Seewehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1893 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen zur Landwehr zweiten Auf­gebots übertreten, sind von der Frühjahrskontroll-Ver­sammlung d. Js. entbunden.

2. Die Einberufung zu den Kontrollversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.

Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontroll- Versammlungen hat Arrest zur Folge.

3. Die Mannschaften aus den einzelnen hier nicht ge­nannten Höfen, Mühlen rc. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.

4. Die Mannschaften haben den Militär­paß und das Führungsatte st mit zur Stelle zu bringen.

5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind

Und doch tat sie es.

Elisabeth dachte oft daran, was sich die Leute zugeflüstert hatten, als ihr Vater eines Tages die zweite Frau Jenny, so hieß sie auch, mit ins Haus gebracht.

Tante Ulrike hatte Elisabeth einst, viel später, erzählt, daß ihre Stiesmutter nicht die rechte Frau für ihren Vater ge­wesen. Sie sei allerdings ein liebenswürdiges Wesen und von Herzen gut gewesen, das ließe sich nicht leugnen, aber auch oberflächlich und leichten Sinnes.

Solche Eigenschaften aber, pflegte Tante Ulrike dann hinzuzusetzen, vererbten sich auf die Kinder, das sähe man auch schon an ihrer Stiefschwester. Art ließe nicht von Art.

Oft ging das Elisabeth durch den Kopf, wenn sie das Verhältnis Jennys zu Georg bedachte, dann aber unterdrückte sie alle diese Gedanken und sagte sich:

Sie ist so gut und liebenswürdig ; sie muß nur richtig geleitet werben. Freilich, wenn das nicht geschieht, so wäre es schlimm, und ich glaube, Georg verzieht die schon von Mutter und Vater Verzogene nun noch vollends."

In dieser Zeit erzählte der alte Johann, das Haus­faktotum, der in der Küche, eines Tages:

Die Frau Gräfin ist auch wieder da. Gestern ist sie gekommen und am Abend auch der junge Herr."

Ist die Zofe, die Mirja, die fatale fremdländische Person auch wieder mitgekommen?" fragte Katharina, die Köchin.

Freilich," meinte der Alte wichtig, ohne die Mirja kommt doch die Gräfin nie."

Und wie sieht der junge Herr ans?" fragte Katharina weiter.

Blühend, sehr hübsch, wie ich selten einen jungen Mann getroffen I" meinte der Alte.

Als Knabe war er bleich und hohlwangig, aber jetzt! Sapperlot, ich glaube schon, daß der einem Frauenzimmer den Kopf verrücken kann."

In dieser Zeit wurde nun Jenny plötzlich mißlaunig und kein Mensch wußte, weshalb.

Eines Tages war Jenny nämlich, als das Heu geerntet wurde, hinausgegangen, weil sie auf die Wiese wußte.

Plötzlich stand Gras Detlef vor ihr.

rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Be- zirks-Kommandos Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt werden. Er­hält der Betreffende keinen Bescheid, so hat er zu der Kontrollversammlung zu erscheinen.

6. Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstigeVerhinderungs- sälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Kontrollplatz abzugeben sind, bescheinigt wer­den. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit an- zugeben.

Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontroll-Versammlung ge­hindert ist, ohne Angabe des Grundes, sind ungültig und werden nicht angenommen.

7. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchen sie zur Kontrollversammlung berufen sind, zum aktiven Heer und sind demnach dem Militärstraf- gesetzbuch unterworfen.

8. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mann­schaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrollversamm­lungsort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch auf Verabfolgung einer Militärfahrkarte seitens der betreffen­den Eisenbahnstation haben.

Hersfeld, den 14. März 1905.

Königliches Bezirkskommando.

* *

Hersfeld, den 16. März 1905.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekannt­machung in ihren Gemeindebezirken alsbald wiederholt zur öffentliche» Kenntnis zu bringen und namentlich den betreffen­den Mannschaften noch besonders mitzuterlen.

Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Kontrollort gehört, hat zwecks Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrollversammlungen zugegen zu sein.

I. II. 1252. Der Königliche Landrat..

I. B.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 29. März 1905.

Die Herren Bürgermeister bezw. Gutsvorstände zu All­mershausen, Ausbach, Beiershausen, Biedebach, Biengartes, Engelbach, Friedewald, Frielingen, Gethsemane, Harnrode, Hattenbach, Heddersdors, Heimboldshausen, Herfa, Hersfeld, Hillartshausen, Kalkobes, Kathus, Kirchheim, Kleba, Kleinensee, Kohlhausen, Kruspis, Lampertsfeld, Lautenhausen, Lengers, Mecklar, Meisebach, Niederjossa, Oberhaun, Oberrode, Phi­lippsthal, Röhrigshos, Rohrbach, Rotterterode, Schenksolz, Sieglos, Sorga, Tann, Unterhaun, Widdershausen, Wil­helmshof, Wippershain, Wüstfeld werden hiermit an die Er­ledigung meiner Verfügung vom 4. d. Mts. (Kreisblatt Nr. 28), betr. Feststellung der Haushaltungsvorstände dezw. selbst-

Beide, der Graf und Jenny, waren von ihrem Anblick betroffen. Sie erblickte plötzlich ihr Ideal vor sich, wie sie es sich immer geträumt: einen Jüngling mit einem feinen bartlosen Gesichte und langen, rabenschwarzen Locken; und er sah nur Jenny und stand da, als blende ihn die aufgehende Sonne. Das Mädchen war ja der Inbegriff aller weiblichen Schönheit.

Wer hätte in diesem Erdenwinkel, der dem jungen Grafen stets unsympathisch gewesen, eine solche Schönheit vermutet? Umgab nicht das goldblonde Haar üppig das feine Ma- donnengesicht, wie der Heiligenschein die Madonna auf den Bildern alter Meister? Geblendet stand er da.

Dann war sie vorüber und der Gras starrte ihr nach. Aber Mirja mußte ja wissen, wer das schöne Mädchen fei.

Er ging zu ihr, schenkte ihr einen Taler und flüsterte:

Erkläre mir doch, Mirja, wer das schöne Mädchen im Dorfe ist ?"

Die Goldblonde drüben im Gutshofe?"

Ich sah nur ein Mädchen mit solchem Haar in der Gegend," erwiderte der junge Graf erregt.

Sie meinen gewiß Fräulein Jenny Weber, die jüngere Tochter des verstorbenen Oberförsters."

Also Jenny heißt sie?"

Jawohl, aber sie ist verlobt!"

Mit wem?" frug der Graf ungeduldig.

Mit dem steifen Töffel drüben vom Hofe im Binnen- deiche."

Bah, kein Hindernis, kein Hindernis," näselte der Graf.

Herr Graf, ich warne Sie vor dem riefenftarfen Menschen, dem Herrn Georg von Jachan. Er hat gedient und steht, glaube ich, im Leutnantsrange."

Ah so I Mirja, Du bist eine Perle. Es ist sehr gut, daß Du mir gesagt hast, daß Herr von Jachan Offizier ist."

Er ging.

Vergeblich durchstreifte er die Gegend, er fand Jenny nicht.

Aber er hatte Eindruck auf daS Mädchen gemacht, denn eS träumte nur gehend und stehend von dem schönen Grafen, war zu Hanse mißlaunig und gereizt und erzürnte sogar