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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt fürHersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

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Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 85.

Donnerstag, den 38. März

1905.

AbmmMs-GMWg

auf das hmfelüer Kreisblatt

Das Hersfelder Kreisblatt bringt außer den amt­lichen Bekanntmachungen zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise, der Provinz und Nachbargebieten. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorg­fältig ausgewählte

spannende Romane,

Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Theil des Lesestoffs.

Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden nötigenfalls durch Extrablätter ver­breitet.

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Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher CeiL

HerSfeld, den 21. Mär, 1905.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden ersucht, die Zu- u n d A b g a n g S l i st e n über die im II. Halbjahr des Steuerjahres 1904 vorgekommenen Zu - und Abgänge an Ein­kommen« und Ergänzungssteuer nach Muster XVII und XVIII auf Grund des Artikels 80 der AuSiührungSanweisung vom

Liebe und Leidenschaft.

Erzählung von Carl v. F a l k e n b e r g.

(Nachdruck verboten.)

, (Fortsetzung.)

Dann schritt sie unbehelligt der Ulme zu.

Im Dorfe schlug es 10 Uhr.

Vom Stamme der Ulme löste sich dann eine dunkle Ge­stalt ab.

Es war Graf Detlef.

Ist mein Mädchen bereit?" fragte er.

Jenny trat ganz hinan:

Detlef, schwöre mir, daß Du mich heiratest."

Er umfaßte sie:

Jenny, ich schwöre es. Siehst Du, Leben und Selig­keit werde ich für Dich hingeben."

Sie küßte ihn heiß und fragte:

Und wann hält der Wagen zu meiner Aufnahme hier?"

Morgen früh um 3 Uhr."

Gut, ich bin da."

Nimm nur Deine besten Sachen mit."

Ja! Gute Nacht, mein Detlef!"

Gute Nacht, mein Lieb! Ach gäbe es doch erst keine Trennung mehr für uns."

Nur noch diese Nacht."

Sie eilte förmlich dem Gute zu, als wolle sie ihrem Schicksale entlaufen.

Unterwegs aber flüsterten ihre bleichen Lippen:

Es ist vergeblich, vergeblich."

Bald war sie wieder in ihrem Zimmer, noch ehe Elisa­beth sie gesucht hatte.

Im Dunkeln erschloß sie die Tür wieder und warf sich aufs Bett.

Als Elisabeth mit Licht eintrat, tat sie, als sei sie mit büHer Kleidung entschlafen. Jene weckte sie, zündete die Lampe an und tröstete sie, morgen früh werde es wohl besser sein.

Nun schloß Jenny wieder die Tür, ließ daS Rouleaux

6. Juli 1900 zum Einkommensteuergesetz 6:6 zum 25. d. MtS. hierher vorzulegen.

Die Formulare sind in der Ludwig Funk'schen Buch­druckerei hierselbst vorrätig.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission.

Freiherr von Schletnitz.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Nhr

an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher CeiL

Her Besuch Kaiser

in Marakka.

Die Nachricht, Kaiser Wilhelm werde im Laufe seiner nunmehr angetretenen Mittelmeerfahrt auch die marokkanische Hafenstadt Tanger berühren, hat rasch ihre Bestätigung gefunden. Der LondonerStandort" berichtet aus Tanger vom 19. März: Amtlich wird bekannt gemacht, daß Seine Majestät Kaiser Wilhelm am 31. d. M. vormittags Tanger anlaufen und durch einen vom Sultan beauftragten marokkani­schen Würdenträger begrüßt werden wird. Die .Nocdd. Allg. Ztg. schreibt zu dem Besuche des Kaisers in Tanger:Wir können bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß der Kaiser bereit» vor Jahresfrist in Vigo während der Zu­sammenkunft mit dem König von Spanien rückhallslo» er­klärte, daß Deutschland in Marokko keine territorialen Vor­teile irgendwelcher Art erstrebe, sondern dort nur für die Fortdauer der wirtschaftlichen Gleichberechtigung einzu- treten habe. Bis jetzt haben wir keinen Anlaß, zu ver­muten, daß der Sultan von Marokko Verpflichtungen ein- zugehen beabsichtigt, die seine Unabhängigkeit beschränken und ihn künftig verhindern würden, allen handeltreibenden Völkern auf feinem Gebiete eine gleiche Behandlung zu Teil werden zu lasien. Uebrigens bringt es die Lage von Marokko mit sich, daß bei dieser Frage die Interessen des Weltverkehres in Betracht zu ziehen sind." Jedenfalls werden durch das Erscheinen des Kaisers in Tanger die deutschen Interessen in Marokko in markanter Weise be­tont, und dies ist gerade im gegenwärtigen Moment, in welchem sich Frankreich als eine Art Protektor dieses ein­zigen noch selbständigen Staatswesens Norsafrika» ausspielt, doppelt beachtenswert. Sicherlich liegt dem erlauchten Mo­narchen durch seinen Besuch Tanger» nichts ferner, als hiermit irgendwie gegen Frankreich und die französische Regierung zu demonstrieren, ober immerhin kommt bei dem

herab und begann Wäsche und ihre beste Kleidung in ein Köfferchen zu packen, dann schrieb sie zwei Briefe. . Der erste war an Elisabeth gerichtet und lautete:

Süderkuhl, am 7. August

189 ... .

Meine liebe Elisabeth!

Sorge Dich nicht um mich! Wenn Du diese Zeilen liesest, bin ich mit Graf Detlef längst viele Meilen weit fort. Er hat mir geschworen, mich heiraten zu wollen.

Unser Sparkassenbuch habe ich mitgenommen, um im et­waigen Falle einen Notgroschen zu haben! Lebe wohl! Es war mein Schicksal, dem ich nicht entrinnen konnte, daß ich Detlef folgen mußte; für Georg hätte ich doch allezeit keine passende Frau abgegeben.

Die gute Frau Hanna mag mir vergeben, daß ich so un­dankbar gewesen, doch ich konnte nicht anders.

Deine Jenny."

Sie schloß das Kuvert.

Der zweite Brief machte ihr Mühe.

Er lautete:

Lieber Georg!

Unsere Verlobung war eine Uebereilung, denn ich sah es nur zn bald ein, daß ich Dich nicht so lieben konnte, wie das Mädchen den Mann lieben muß, den sie sich zum Gatten wählt. Du wirst Dich trösten, mich vergessen.

Elisabeth, die Dir gut ist, paßt viel besser für Dich, als ich unbedeutendes Mädchen, welches viel zu weltlich für Dich ist. Gott segne Dich für alle Liebe, die Du an mir ver­schwendet hast, er tröste Dich und nehme Dich in seinen Schutz. Jenny."

Sie invertierte auch dieses Schreiben und legte beide adressiert auf den Tisch.

Dann brächte sie ihre Stube wieder in Ordnung, ruhte ein wenig und kleidete sich dann festlich an.

Auf dem Gutshof wurde es schon ein wenig hell, als Jenny das Köfferchen leise zum Fenster hinausgleiten ließ, jetzt leichtfüßig nachsprang und mit dem Köfferchen schlank zum Gutshose hinauSschritt.

Niemand sah sie, denn alles schlief doch noch im Hause.

Vorgänge mindesten» das Interesse Deutschlands an der marokkanischen Frage zum Ausdruck. Gewiß wird mit dem Besuche des deutschen Herrschers in der in neuester Zeit so oft genannten nordmarokkanischen Hafenstadt der heute schon erhebliche deutsche Einfluß in dem alten Maurenreiche nur noch an Stärke gewinnen und wenn man hierüber in PariS, vielleicht auch in London und Madrid, verschnupft werden sollte, so kann dies uns Deutsche kalt lassen; wir werden uns unsere Stellung in Marokko zu sichern und sie mit allem Nachdrucke zu verteidigen wissen. Kaiser Wilhelm wird in Tanger, dies steht schon jetzt fest, einen glänzenden Empfang finden; die Nachricht von seinem be­vorstehenden Besuche hat unter der Bevölkerung dieser Stadt große Freude hervorgerufen, man trifft bereits Vor­bereitungen zu einen würdigen Empfange de» erlauchten Oberhauptes des mächtigen Deutschen Reiches. Wie lange der Kaiser dort zu verweilen gedenkt, das entzieht sich einst­weilen noch der allgemeinen Kenntnis, jedenfalls wird aber für ihn der Besuch in Tanger eine der interessantesten Er­innerungen an seine jüngste Mittelmeerfahrt bilden. Im übrigen ist anzunehmen, daß das Erscheinen des deutschen Kaisers auf marokkanischem Boden auch der durch innere Wirren schwer bedrohten Stellung des jungen Sultan» Abdul Astz zu Gute kommen und dazu beitragen wird, da» Ansehen desselben im eigenen Lande wieder zu heben, so daß man am Hofe von Fez alle Ursache hat, den kaiser­lichen Gast mit Freuden zu begrüßen und ihn glanzvoll zu empfangen.

Der russisch-japanische Krieg.

Auf den Wegen nach Charbin und Ktrin fluten die geretteten Teile der russischen Armee immer weiter nord, wärts zurück, hart bedrängt von dem Gegner, der diesmal in der Verfolgung nicht ablassen will. Der innere Halt der weichenden Massen wird durch den fortgesetzten Rückzug sicher nicht verbessert; wie schlimm es damit schon bald nach der Räumung von Mukden bestellt war, erhellt neuer» ding» aus dem Inhalt der nachstehenden Meldung:

Petersburg, 21. März. Nach der Darstellung eine» Berichterstatters von der Front war der Rückzug der Russen von Mukoen, im Vergleich mit dem geordneten Abmarsch von Liaujang, ein vollständiges Chaos. Von den aufgelösten Massen wurden zahlreiche Räubereien ver­übt; auch gab es so viel Deserteure, daß ganz besondere Maßregeln getroffen werden mußten, um die Ausreißer wieder ihren Truppenteilen zuzustellen. Das gleichzeitige Marschieren der zweiten und dritten Armee auf einer Straße, die von allerlei Fuhrwerk bedeckt war und zudem von beiden Seiten beschossen wurde, vermehrte die entsetz­liche Verwirrung. Dazu waren die Wege sehr schlecht, und es fehlte jede Aufklärung über die Stellungen und Märsche des Feinde». E» verlautet mit Bestimmtheit,

Einen Augenblick blickte sie noch zurück, dann ging sie der wohlbekannten Ulme zu, wo pünktlich der Wagen hielt.

Jetzt öffnete sich der Schlag, zwei liebende Arme zogen sie samt dem Köfferchen herein, Detlefs Stimme ertönte:

Kutscher, nach der Stadt!"

Die Kalesche der Gräfin rollte sogleich dem Dorfe zu, am Deiche entlang und lenkte dann in die Chaussee ein.

Eine Stunde später stiegen Graf Detlef und Jenny am Bahnhöfe aus. Detlef schickte Jean mit der Kalesche heim, er selbst aber betrat mit Jenny das Restaurant. Hier tranken sie Kaffee.

Und wohin nun, Geliebter? fragte sie schüchtern demütig.

Bis zur Hauptstadt!" entgegnete er.Dort machen wir Rast und ich ertunbige mich nach den Zügen. Wisse Herz, heiraten können wir uns erst in England. Deine Papiere hast Du doch, wie ich Dir geraten?"

Ja."

Nun also, schaue getrost in die Zukunft, wir haben ja unsere Liebe und die Hoffnung, daß uns Mama bald zurückruft."

Sie schmiegte sich an ihn.

* *

*

Elisabeth hatte sich pünktlich um 5 Uhr erhoben, denn heute begann die Roggenernte.

Frau Hanna von Jachau war um dieselbe Zeit abge­standen und trat mit Elisabeth zusammen in die Küche.

Sie trugen eine Stunde später den Kaffee in der großen Weinstube aus und Elisabeth sagte, als Georg mit einem Guten Morgen" eintrat:

Jetzt will ich schnell unsere Kranke holen!"

Georg aber sagte:

Laß sie schlafen, Elisabeth, damit sie gekräftigt am Mittagstische erscheint."

Du verwöhnst Jenny gründlich," rief Frau Hanna.

Nun, so hole sie," sagte Georg kurz.

Elisabeth ging. ^ - 8

Als Elisabeth in Jennys Zimmer trat, schlug der Zug-