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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 36> Sonnabend, den 25. März 1905.
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Politischer Wochenbericht.
Während der verflossenen Woche ist der preußische Staat von einem herben Verluste betroffen worden. Mitten au» regstem Schaffen wurde der Minister des Innern, Freiherr v. Hammerstein, durch einen jähen Tod fortgeriffen. In allen könig-treu und patriotisch empfindenden Volkskreisen herrscht aufrichtige Trauer über den Tod diese» verdienstvollen Staatsmanne». Aus langdauernder erfolgreicher Wirksamkeit in der Verwaltung Elsaß-Lothringen» auf seinen hohen Posten in Berlin berufen, hat der Hingeschiedene es verstanden, sich in überraschend kurzer Zeit mit allen Detail» seine» um. fastenden, vielverzweigten Restarts vertraut zu machen und der schwierigen Ausgabe seines verantwortungsvollen Amte» in vollstem Maße gerecht zu werden. Umsicht und Energie geben der vierjährigen ministeriellen Amtsführung der Verstorbenen die auszeichnendste Signatur. König und Staat haben einen treuen Diener verloren, dessen rastlose», von hoher Einsicht und großer Schaffenskraft getragene» Wirken zum Wohle des Vaterlandes sicherlich nicht vergeben» gewesen ist.
Der Hauptinhalt der Reichstags-Debatten während der BerichtSwoche betraf den Etat des Reichskanzlers. Mehrfach griff der Reichskanzler Graf ». Bülow selber in die Verhandlungen ein, um insbesondere zu der Frage der deutsch- russischen Beziehungen, die von einzelnen sozialdemo- kralischen Abgeordneten in der bekannten hetzerischen Manier der Umsturzpartei angeschnitten worden war, das Wort zu nehmen. Mit der leichten, spielenden Eleganz, die den rednerischen Leistungen des Reichskanzlers eigen ist, streckte er auch diesmal seine Gegner in den Sand und stellte das frevle, unverantwortliche Spiel, da» die Sozial- demokratie mit ihrer Rußlandshetze treibt, vor der Ocffent- iichkeit gebührend an den Pranger. Zugleich aber fand er warme Worte sympathievoller Teilnahme für die gegen- wärtige Lage des Zarenreiches und des Vertrauens auf die trotz aller Schicksaisschläge »«erschüttert bleibende russische Großmachtestellung
Die Antwort, welche Gras Bülow der Sozialdemokratie erteilte, hat in Rußland einen überaus freudigen Widerhall gefunden. So schreibt die „Deutsche St. Petersburger Zeitung": „In schweren Zeilen, die unter dem Stern eines nationalen Unglücks, nationaler Enttäuschungen und Demütigungen stehen, berühren Aus- führungen, wie die des Grafen Bülow, »»gemein warm und erhebend; umsomehr, als hier ein vortrefflicher
Staatsmann und der Vertreter des großen deutschen Reiches gesprochen hat. Ungewollt ist in den Worten des deutschen Kanzlers ein so freudiger Glaube an Rußlands Erhebung aus dem gegenwärtigen Niedergänge zum Ausdruck gekommen, daß sich mancher pessimistische Reichs- genosse bei uns beschämt fühlen könnte. Wie ein freundschaftlich vertrauensvoller Händedruck in schlimmer Lage berührt die Versicherung, Deutschland werde seine Beziehungen zu Rußland in der bisherigen Weise pflegen, ohne sich in Gegensatz zu ihm bringen zu lassen." Dieser Widerhall der jüngsten Reichatags-Reden des Reichskanzlers in Rußland ist auch auf deutscher Seite als Hoch- erfreuliches Symptom zu begrüßen, und es wäre dringend zu wünschen, daß die künftige Tonart in der gesamten russischen Presse von demselben nachhaltig beeinflußt werden möchte.
Wenn die „Petersburger Zeitung" von einem Stern nationalen Unglücks und nationaler Demütigung für das gegenwärtige Rußland spricht, so hat sie damit nur zu recht. Draußen auf dem mandschurischen Kriegs« s ch a u p l a tz e dauert der Rückzug der russischen Armee zur Zeit noch fort. An Stelle Kuropalkins ist General Linewitsch zum Oberstkommandierenden in der Mandschurei ernannt worden, während der erstgenannte an die Spitze der ersten mandschurischen Armee getreten ist. Es bleibt abzuwarten, wie weit dieser Wechsel in den obersten Kommandvstellen geeignet sein wird, eine günstige Wendung in der Krtegslage für Rußland herbeizuführen. Richt minder traurig aber sieht es im Innern Rußlands au». Die Nachrichten von Bomben-Attentaten, Mordanschlägen, wüsten Brand- und Aufruhr-Szenen drängen sich in atemloser Hast. So lastet gegenwärtig in der Tat ein schwerer Bann aus Rußland und seinem Geschicke, von dem wir als befreundete Nachbarnation nur herzlich wünschen können, daß er, sobald wie möglich, gebrochen werden wöge.
Endlich hat in den letzten Tagen der bevorstehende deutsche Kaiserbesuch in Tanger vielfach Anlaß zu Erörterungen gegeben. Alle Versuche, die Kaiser« reise als den Ausgangspunkt einer Aenderung unserer Politik hinsichtlich Marokko» darzustellen, sind durchaus verfehlt. Nach wie vor bleibt unser Bestreben Marokko» gegenüber nicht auf Gebietserwerb, sondern ausschließlich auf Wahrung der „offenen Tür", b. h der wirtschaftlichen Gleichberechtigung aller Nationen gerichtet. Allein diesem Streben dient auch der geplante Besuch Kaiser Wilhelms in Tanger, und es erscheint unerfindlich, daraus die Möglichkeit einer Störung der deutsch-französischen Beziehungen herleiten zu wollen.
At Kaiserreilt non Bremen.
Kaiser Wilhelm hat noch unmittelbar vor Antritt seiner Mittelmeerreise eine überall» bemerkentwerte Rede in Bremen gehalten, wo er am Mittwoch nachmittag auf der Fahrt von Berlin nach Cuxhafen mehrstündigen Aufenthalt nahm, um dort der feierlichen Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmal» beizuwohnen. Bei der Festtafel, welche im historischen Rathause der Denkmalsfeier nachfolgte, hielt nun der Monarch in Beantwortung einer Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dr. Pauli die erwähnte Rede, in der er von der Denkmalsfeier ausging und zunächst das Gedenken seines edlen Vaters Kaiser Friedrich und seines Großvater», Kaiser Wilhelms I. feierte, daran erinnernd, wie deren Feldherrentaten die Grundlage zum neuen Reiche geschaffen hätten. Im weiteren berührte der kaiserliche Redner die schmerzliche Episode aus der deutschen Geschichte, wie sie durch die Versteigerung der ersten deutschen Flotte dargestellt wird, und betonte, wie er als Jüngling die damals der deutschen Flotte zugefügte Schmach zornig empfunden habe. Dann nahm seine Rede einen hochpolitischen Schwung, er bekannte, daß er sich bei seinem Regierungsantritte gelobt, nicht nach der Weltherrschaft zu streben, und wies an der Hand der Geschichte nach, daß alle die früheren sogenannten Weltreiche nach dem Tode ihrer Begründer wieder zerfallen seien. Der Kaiser fuhr hierauf wörtlich fort: „Das Weltreich, das ich mir geträumt habe, soll darin bestehen, daß das neu erschaffene Deutsche Reich von allen Seilen das absolute Vertrauen als ein ruhiger, ehrlicher, friedlicher Nachbar genießen soll, und daß, wenn man dereinst von einem Deutschen Weltreich oder einer Hohenzollernweltherrschast in der Geschichte reden sollte, nicht begründet sein soll durch da» Schwert, sondern durch gegenseitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen. Kurz ausgedrückt, wie ein deutscher Dichter sagt: Nach außen hin begrenzt, nach innen unbegrenzt." Des Ferneren hob der Kaiser die Notwendigkeit für Deutschland hervor, seine Seerüstung zu vervollkommnen, zugleich jedoch darauf hinweisend, daß jedes neue deutsche Kriegsschiff nur eine Bürgschaft mehr für die Erhaltung des Weltreiches sei. Im Schlußteile der Rede mahnte der Kaiser zur Einigkeit nach Innen, richtete ernste Ermähn- ungen speziell an die deutsche Jugend, und wies auf die
stete Kriegsbereitschaft Deutschlands hin, welch' letzterem Hinweis er indeffen sofort den Wunsch nachfolgen ließ, daß Deutschland die Segnungen des Friedens noch weiter- hin erhalten bleiben möchten. Die Rede klang in einem Trinkspruch auf die Stadt Bremen aus.
Es ist jedenfalls kein bloßer Zufall, daß der Kaiser diese Rede in dem Moment gehalten hat, in welchem er im Begriff stand, den Boden der Heimat auf längere Wochen zu verlaffen und seine geplante Mittelmeerreise auszuführen. Bekanntlich wird der hohe Herr im Verlause derselben auch afrikanischen Boden betreten, indem er die in neuerer Zeit vielgenannte marokkanische Hafenstadt Tanger besucht. Dieser Entschluß des deutschen Herrschers ist in einem Teile der ausländischen Presse und selbst auch in manchen deutschen Blättern dahin ausgelegt worden, als ob nunmehr ein aggressives Vorgehen der deutschen Auslandspolitik, etwa im Sinne von Landerwerbungen in Marokko zu erwarten stehe, woran dann schon Hinweise auf mögliche Verwirke!» ungen Deutschlands mit Frankreichs geknüpft wurden. Der« artigen Ausstreuungen ist man nun bereits von Berliner offiziöser Seite mit erfreulicher Entschiedenheit engegenge« treten und offenbar ist auch die Bremer Kaiserrede durch ihre wiederholten friedlichen Wendungen dazu bestimmt, allen derartigen Deutungen des bevorstehenden Kaiserbe» suches in Marokko die Spitze abzubrechen. Zugleich bilden die Worte, welche Kaiser Wilhelm jetzt in Bremen ge« sprachen hat, eine erneute Bekräftigung der Friedensbestrebungen Deutschlands überhaupt. Wohl verfehlt der Monarch hierbei nicht, zu betonen, wie Deutschland allzeit gerüstet dastehe, aber er läßt anderseits auch nicht den geringsten Zweifel daran, daß diese Rüstung lediglich dazu dienen solle, Deutschland und Europa den Frieden zu wahren, wie sich denn der Kaiser geradezu als Friedensfürst bekennt. An diesen friedlichen Gesinnungen Kaiser Wilhelms 11. ist ja überhaupt niemals zu zweifeln gewesen, der erlauchte Monarch hat ihnen schon bei zahlreichen Gelegenheiten markanten Ausdruck verliehen, und dies ist jetzt soeben in Bremen wiederum in bedeutsamer Weise geschehen.
In Aiifstiilih in Itiiisch-Mmtsl-Afrikn.
Nach Meldung des Generals v. Trotha vom 21. d. M. hatten in die Komasberge westlich Wind- Huk unternommene Streifzüge kleinerer Abteilungen zur Folge, daß sich zahlreiche Herero in Gr.»Barmen stellten. Zusammenstöße mit größeren feindlichen Abteilungen fanden bis jetzt dort nicht statt. — Major v. Estorff hat am 15. März den Vormarsch von Gobabis den großen Naffobfluß abwärts angetreten. Die unweit Rietmonl gelegene Signal- station Marienthal wurde am 17. d. M. von etwa 50 Hottentotten angegriffen und der Gegner nach etwa zweistündigem Gefecht in Richtung der großen Fischfluffe» zurückgeworfen. Drei Reiter wurden verwundet. Hauptmann v. Zwehl entsandte von Gibeon aus die 2. Kompagnie Feldregiments 1 in nördlicher Richtung, um die Gegend des großen Fischflusses zu säubern. Nach Meldung des Obersten Deimling vom 17. März aus NurudaS hat die unter Hauptmann v. Erckert zur Abteilung Kirchner nach Lofis entsandte Kompagnie mit zwei Geschützen am 15. abends die Verbindung mit dieser hergestellt, ohne mit dem Feinde in Berührung gekommen zu sein.
Der russisch-japanische Krieg.
Während die Truppen Des General» Lenewitsch nach wochenlanger, schwerer Bedrängnis jetzt etwas Ruhe ge» funden haben, jedenfalls vor der Gefahr der völligen Zertrümmerung vorläufig gesichert sind, beschäftigt man sich in Rußland allen Ernstes mit den weitgehendsten Plänen, um eine zweite Phase des Krieges mit ganz gewaltigen Heeresmassen zu eröffnen. Darüber vergehen freilich selbst bestenfalls noch mehrere Monate.
Paris, 23 März. Im Generalstabe in Petersburg wird erklärt, daß das 4. Armeekorps zur Verstärkung der Eisenbahnwache in Tsitsikar, nördlich von Charbin bleiben konnte, weil General Lenewitsch seine letzten auf 105 000 Mann bezifferten Verluste aus den Reserven von Tieling, Charbin und Wladiwostok zu decken vermochte, so daß er gegenwärtig wieder über 200 000 Kampffähige verfügt. Die Mobilisierung des 14, 15., 18, 19 und 21., sowie des 1. und 2. Kaukasischen Korps soll derart erfolgen, daß alle diese Korps Cadres in den Garnisonen zurück- laffen, die bestimmt find, nach Einberufung der Reserven den innern Dienst zu versehen. Das gleiche gilt von den zu mobilisierenden 100 Marschbataillonen. Zu den zur sofortigen Abreise nach dem Kriegsschauplatz bestimmten Abteilungen gehören die 10. Kavalleriedivision und Teile der 22., 23. und 24. Artilleriebrigade. Die Garde bleibt bis auf weiteres in Rußland. Man hofft, bis zum Hochsommer über 600 000 Mann in vier Armeegruppen zu verfügen, deren Höchstkommandierender Großfürst Nikolaus werden soll. Je zwei dieser Gruppen sollen von Lenewitsch und Kurv patkin befehligt werden.