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Herrsel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 37. ”"= Dieuftag den 28. März 1905.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen F r ü h j a h r s k o n t r o l l v e r sammln n g e n im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
Zu Hersfeld I.
(Turnplatz an der Hainstraße.)
JVfontag den 3. Sprit 1905 Vormittags 9 Uhr für sämtliche Reservisten der Stadt Hersfeld.
Zu Obergeis
(Bei Gastwirt Ernst.)
JMontag den 3. Sprit 1905 JSacbmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Ana, Biedebach, Gittersdorf, Obergeis und Untergeis.
Zu Heringen. (Schulplatz.) freitag den 7. Sprit 1905 flacbmittags 1230 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendorf, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershansen und Wölfershausen.
Zu Heimboldshausen. (Bei Gastwirt Echtermeyer.) freitag den 7. Sprit 1905 ftacbmittags 280 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Heimboldshansen, Ansbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, Röhrigshof mit Nippe und Unterneurode.
Zu Friedewald.
(Auf dem Schloßplatz.) Sonnabend den 8. Sprit 1905 Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Lantenhansen und Hillartshausen.
Zu Schenllengsfeld.
(Bei Gastwirt Kroneberg.)
Sonnabend den 8. Sprit 1905 piacbmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkel- rode, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Hilmes, Lamperts- feld, Landershausen, Ransbach, Schenklengsseld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
Zu Unterhaun.
(Bei Gastwirt Sandlos.)
/Mittwoch den 12. Sprit 1905 Vormittags 1030 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
Zu Niederaula. (Kirchplatz.)
Donnerstag den 13. Sprit 1905 Vormittags 1030 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershaufen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk
Liebe und Leidenschaft.
Erzählung von Carl v. F a l k e n b e r g.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
„Jenny I Was sind das für Reden."
„Ach, ich bin zu unglücklich durch diese Heirat geworden," schluchzte Jenny.
„Also Du bist wirklich mit dem Grasen verheiratet und wärest sonach rechtmäßige Gräfin Telkenburg."
„Ja, das bin ich," entgegnete Jenny, aber demnach bin ich auch das unglücklichste Weib unter der Sonne. Wir sind in England nach den dortigen Gesetzen rechtmäßig getraut worden, aber die Gräfin will unsere Ehe nicht anerkennen, sie verlangt vielmehr, daß der Graf sich schleunigst wieder von mir scheiden lassen soll."
„Wie kann die Gräfin Ihrem Sohn, der majorenn ist, solch ein Ansinnen stellen?" frug Elisabeth empört.
„Weil der Gräfin fast das ganze Vermögen gehört und sie testamentarisch die Herrin auf Schloß Telkenburg ist. Das ganze große Vermögen stammt auch von der Gräfin her und sie will eine Bürgerliche niemals als ihre Schwiegertochter anerfeunen. Sie ist sogar so weit gegangen, seit etwa einem Jahre ihrem Sohne jede Unterstützung zu versagen, so lauge er nicht ernstlich gewillt ist, sich von mir scheiden zu lassen."
„Und Dein Gatte, Graf Telkenburg, was tut der in dieser schlimmen Lage?"
„Er sagte, ich bleibe Dir treu und suchte sich als Sekretär vder Administrator eine Existenz zu gründen. Da aber mein Mann nicht viel gelernt hat und viele Leute sich an den adligen Namen bei Stellenbewerbungen stoßen, so kamen wir 111 ein furchtbares Elend. Um nicht zu verhungern, nahm mein Mann unter einem anderen Namen eine Stelle als Bereiter in einem Zirkus an, ich selbst aber wurde in dem Unglücke und Elende krank und geistesschwach und flüchtete mich mit den letzten paar Mark, die mir mein Mann geben kannte, hierher zu Euch, unverdiente Zuflucht suchend."
„Du armes, unglückliches Weib," seufzte Elisabeth in
Engelbach mit Hof Sternberg, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa und Holzheim.
Zu Kirchheim.
(Bei Gastwirt Eydt.)
Donnerstag den 13. Sprit 1905 piacbmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Siebenmorgen, Heddersdorf, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba,Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode mit Hof Beiers- graben und Willingshain mit Hof Löscher.
Zu Hersfeld II.
(Turnplatz an der Hainstraße.)
freitag den 14. Sprit 1905 Vormittags 9 Uhr für sämtliche Wehrleute I. Aufgebots sowie die Ersatz-Reservisten aus der Stadt Hersfeld.
Zu Hersfeld III.
(Turnplatz an der Hainstraße)
freitag den 14. Sprit 1905 ptachmittags 3 Uhr
für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Eichmühle, Heeues, Rohrbach, Tann, Hermannshof und Wehneberg.
Zur strengen Beachtung für die Beteiligten fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkung hinzu:
1. Zu den Frühjahrskontrollversammlungen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marinereserve, Landwehr und Seewehr 1. Aufgebots, der Ersatzreserven und Mariueersatzreserven angehören, sämtliche zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Marineteile beurlaubten Mannschaften zu gestellen. Ferner sämtliche Invaliden der Reserve und Landwehr I mit Ausnahme der dauernd abgefundenen Ganziuvaliden.
Nur diejenigen Wehrmänner und Seewehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1893 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen zur Landwehr zweiten Aufgebots übertreten, sind von der Frühjahrskontroll-Ver- sammlung d. Js. entbunden.
2. Die Einberufung zu den Konttollversammlungen findet lediglich dnrch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.
Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontroll- Versammlungen hat Arrest zur Folge.
3. Die Mannschaften aus den einzelnen hier nicht genannten Höfen, Mühlen rc. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.
4. Die Mannschaften haben den Militärpaß und das Führungsatte st mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Be-
Tränen, „Du verdienst doch nur Mitleid, und wenn Alles sich so verhält, wie Du sagst, so verdient auch Graf Detlef unsere Hochachtung, denn er will Dich nicht verstoßen."
„Nein, nein, das will er nicht," rief Jenny „und ich schwöre Dir, daß ich wahr gesprochen habe."
In tiefes Sinnen versunken, ging Elisabeth hinaus in den Garten, wo sich Georg befand und erzählte ihm alles, was ihr Jenny offenbart hatte/
„Gott sei Dank", rief da Georg laut, „der junge Graf ist ein Ehrenmann und Jenny ist feine rechtmäßige Frau. Die Ehre und treue Liebe steht hoch über allen unteren Gütern der Erde, und ich kann Dir gar nicht mit Worten ausdrücken, Elisabeth, wie es mich freut, daß Graf Detlef sich als Ehrenmann in dieser traurigen Sache zeigt und Jenny seine rechtmäßige Frau ist. Und den Trotz und Haß der alten Gräfin wird die Zeit schon noch brechen. Wo steckt aber Graf Detlef?"
„Ich weiß es nicht," entgegnete Elisabeth. Da müssen wir Jenny fragen."
Sofort eilten beide in Jenny's Zimmer.
„Wie bedauere ich Dich, Du arines Kind, daß Du nun um Deiner großen Liebe zu Detlef so unglücklich geworden," sagte' Georg freundlich und herzlich zu Jenny, inbem er ihr die Hand reichte. Aber verzage nicht, Du hast als rechtmäßige Gattin des Grafen Telkenburg gute und unveräußerliche Rechte. Sage mir jetzt nur, wo Detlef ist, daß wir auch ihm helfen können."
„Du edler großmütiger Mann," rief Jenny unter Freudenträncu. „Du willst auch Detlef in der Not bci- stehen. Er lebt in traurigen Verhältnissen in London und ist Bereiter im Zirkus Harrison, er heißt dort aber William Word."
„London liegt nicht aus der Welt, in einigen Tagen reise ich dahin und werde Detlef hierherholen."
„Das könntest Du tun, Georg I" rief Jenny srendig erregt.
„Ich denke doch, daß er mein Schwager ist und sich meiner nicht zu schämen braucht."
„Ach, Du lieber Gott," seufzte Jenny. „Georg hat allen
zirks-Kommandos Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt werden. Erhält der Betreffende keinen Bescheid, so hat er zu der Kontrollversammlung zu erscheinen,
6. Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstigeVerhinderuugs- sälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens aus dem Kontrollplatz abzugeben sind, bescheinigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit an- zugeben.
Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontroll-Versammlung ge- hindert ist, ohne Angabe des Grundes, sind ungültig und werden nicht angenommen.
7. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchen sie zur Konttollversammlung berufen sind, zum aktiven Heer und sind demnach dem Militärstraf- gesetzbuch unterworfen.
8. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrollversammlungsort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch aus Verabfolgung einer Militärfahrkarte seitens der betreffenden Eisenbahnstation haben.
Hersfeld, den 14. März 1905.
Königliches Bezirkskommando,
* *
*
Hersfeld, den 16. März 1905.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebezirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und namentlich den betteffen- den Mannschaften noch besonders mitzuteilen.
Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Konttollort gehört, hat zwecks Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Konttollversammlungen zugegen zu sein.
I. II. 1252. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Cassel, den 17. März 1905.
Mit Rücksicht auf die späte Lage des Osterfestes in diesem Jahre ist auf Anordnung des Herrn Unterrichts» ministerS darauf Bedacht zu nehmen, daß Kinder, die zum 1. April eine Berufsstellung (Lehre, Dienst rc.) antreten müssen, auf Antrag ihrer Eltern oder Pfleger rechtzeitig ander Schule entlassen werden.
Sollte aus dem oben angeführten Grunde die Schließung des gegenwärtigen Schuljahres am 31. März oder 1. April, und der Beginn des neuen Schuljahres am 3. April als erwünscht erscheinen, so ermächtigen wir den Schulvor, stand, nach Anhörung der Herren Kreirschulinspektoren das Erforderliche zu veranlassen.
Adelsstolz abgelegt und er weiß jetzt ganz genau, daß nur Ehre und Pflichttreue des Menschen wahren Stolz ausmachen können. Aber wenn Du nach London reist, dann mußt Du auch unseren Sohn mitbringen," fuhr jetzt Jenny wie verwirrt redend fort und die roten Blutwellen schössen ihr in das bleiche Gesicht. „Ja, wir haben einen Sohn, einen prächtigen Knaben mit goldigem Lockenhaar. Das arme Kind mußten wir in unserem Elende der Liebe und Pflege einer guten Frau anvertrauen, damit es in unserem Unglücke nicht umkomme. Der Knabe ist auf den Namen Euch, Graf Telkenburg, getauft und er ist jetzt über ein Jahr alt."
„Da muß Stina mit nach London fahren, um das Kind zu holen," rief Elisabeth begeistert aus.
„Statt der alten Stina, welche die Seereise wahr- scheinlich nicht vertragen wird, werden wir da wohl eine tüchtige, jüngere Kinderwärterin annehmen müssen," erklärte Georg.
* *
Wie ein Blitzstrahl traf es eines morgens den Grasen Detlef, in London William Word genannt, als Georg von Jachan plötzlich in seinem kleinen Hinterstübchen in der englischen Hauptstadt erschien und sich dem jungen Grasen als sein Schwager und Retter in der Not vorstellte. Alle Vorurteile und alles Trennende schwand zwischen den beiden edeln Männern sofort, und wenige Stunden später drückte Georg auch seinen Neffen, den kleinen Grafen Erich an sein Herz, der im Hause einer ehrbaren Londoner Schneidersfrau in Pflege war.
Nur wenige Tage Aufenthalt gönnte sich Georg in der englischen Hauptstadt, um deren Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, dann trat er mit seinem Schwager, dessen Kinde und einer Wartefrau die Heimreise nach Deutschland an.
* *
Zu dieser Zeit weilte auch die Gräfin wieder auf Schloß Telkenburg, und jeden Morgen erwartete sie in ihrem strengen, kalten Stolze, daß ihr einziger Sohn reuig zurück- kehren und sich ihren Bedingungen in Bezug auf die Lösung einer Ehe unterwerfen werde. Aber es fum ganz. anders.