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herrsel-er Kreisblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 41.
Donnerstag, den 6. April
1905.
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 3. April 1905.
An einem am 31. März b. I. getöteten Hunde des Gastwirts Diehl zu Kruspis ist die Tollwut konstatiert worden.
Auf Grund der §§ 20 und 21 der Instruktion vom 27. Juni 1895 (R. G. Bl. S. 358) wird folgendes angeordnet: 1. Alle Hunde in Kruspis und in den bis vier Kilo- Meter von Kruspis entfernten Ortschaften eins41- der Gemarkungen derselben finb für einen Zeitraum von drei Monaten festzulegen. Die gefährdeten Gemeinden finb Kruspis, Holzheim mit Heisenstein, SlärkloS Engelbach, WetzloS, Schletzenrod und Rhina.
2. Ohne polizeiliche Erlaubnis dürfen Hunde nicht aus dem Cperrbeziik ausgeführt werden.
3. Ziehhunde dürfen benutzt werden, sofern dieselben fest angeschirrt, mit einem sicheren Maulkorb versehen und außer der Zeit des Gebrauchs festgelegt werden.
4. Die Verwendung von Schäfer-, Fleischer- und Jagdhunden kann unter der Bedingung gestattet werden, daß die Hunde außer der Zeit des Gebrauchs festgelegt oder mit sicherem Maulkorb versehen an der Leine geführt werden.
5. Sofern Hunde zuwider diesen Vorschriften frei umherlaufend angetroffen werden, ist seitens der beteiligten Ortspolizeibehörde sofortige Tötung anzuordnen.
Vorstehendes ist in den beteiligten Gemeinden u n v e r - z ü g l i ch und wiederholt zur Kenntnis der Einwohner zu bringen.
1. 2056. Der Königliche Landrat.
I. V. :
T h a m e r.
Bekanntmachung.
Auf Antrag von mehr als zwei Dritteln der beteiligten Gewerbetreibenden wird hiermit in Gemäßheit des § 139 f der Netchsgewerbeordnung nach Anhörung des Magistrats zu Hersfeld ungeordnet, daß in der Stadt Hersfeld die offenen Verkaufsstellen aller Geschäftszweige im Sommer- halbjahr (1. April bis 30. September) von 9 Uhr abends bis 53Ä Uhr morgens und im Winterhalbjahr (1. Oktober bis 31. März) von 9 Uhr abends bis 63/i Uhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen.
Im Anschluß hieran wird auf die Bestimmung im § 146 a der Netchsgewerbeordnung hingewiesen, wonach mit Geldstrafe bis zu 600 Mark, im Unvermögenssalle mit entsprechender Hast bestraft wird, wer vorstehender Anordnung zuwiderhandelt. A. II. 3293.
Cassel, den 30. März 1905.
Der Regierungs-Präsident. Trott zu S o lz. Anmerkung: Die Wiederholung der in Nr. 6 der Amtsblatts
Dir Macht her Lieb«.
Roman von A. v. L i l i e n c r o n.
I.
Sie waren ein schönes, stattliches Paar, die beiden, die nebeneinander unter dem alten Nußbaume standen, sich glücklich in die Augen sahen und lachend von allerhand fröhlichen Dingen plauderteu.
In Spreewitz, dein Ober-Lansitzer Dorfe, gab es wohl Neider, die dem reichen Bancrnsohne Klaus Jürk die schöne Grete nicht gönnten, die er sich als Braut erkoren hatte, und klatschsüchtige Zungen fanden sich dort auch genügend, die allerhand wilde Streiche von Klaus gehörig anfgcbauscht um- hertrugeu und, der Grete die Hölle auf Erden prophezeiten. Doch trotz alles Geredes kamen die meisten darin überein, daß es ein ganz gescheites Ding um diese Verlobung sei. Gleich geselle sich zu gleich, Geld käme zu Geld, und die Bauerngüter, die aneinander grenzten, würden, zusammengenommen ein gar stattliches Gewese ausmachen. Was könne man da noch mehr wünschen?
Das junge Paar aber, das in den letzten Tagen den guten Dörflern so viel Stoff zu allerhand Bemerkungen gegeben hatte, kümmerte sich wenig darum. Ihm hing der Himmel voller Geigen, und es empfand nichts anderes als eitel Lust und Sonnenschein.
„Weißt, Schatz, es ist mir halt zu Mute, als ob Ostern und Pfingsten auf einen Tag gefallen wären," sagte der Klans und zog sein Mädchen fest an sich. Die lachte ihn an mit Augen und Mund, und dabei blitzten ihre weißen Zähne neckisch aus den roten Lippen heraus. Sie nickte ihm zu und meinte: „Bei mir kommt noch Kirchweih und Weihnacht dazu. Das ist halt noch eine viel größere Frend, und dauern svll's bis — bis —
Er ließ sie nicht weiter reden, schloß ihr den lachenden Mund mit einem herzlichen Kusse und schwatzte ihr allerhand wunderliches Zeug vor, das weder besonders klug war, noch etwas absonderlich SteucS enthielt, daS aber der Grete das hübsche Köpfchen und das warme junge Herz ganz ausfüllte,
für 1901 (S. 28) erlassenen Anordnung gleichen Inhalts vom 26. Januar 1901 erfolgt, weil in ihr der Hinweis darauf fehlt, daß die Anhörung des Magistrats vor dem Erlaß stattgefunden hat (§ 139 f R. Gew. O.).
Hersfeld, den 3. April 1905.
Im Anschluß an die trigonometrischen Vermessungen finden nunmehr die topographischen Aufnahmen im hiesigen Kreise statt.
Die von Seiten der Königlichen Landesaufnahme hiermit betrautenVermeffungS-Dirigenten, Offiziere undTopographen sind mit „Offenen Ordres" versehen, welche die ihnen zu gewährenden Hülseleistungen enthalten; die HülfSmann- f (basten, welche nicht Soldaten sind, tragen auf der Biust ein Messingschild mit der Inschrift „Königlich Preußische Landesaufnahme."
Alle Grundeigentümer und Einsaffen des Kreises, sowie die Ortsbehörden werden hiermit wiederholt ausgefordert, zur Ausführung dieses gemeinnützigen und wissenschaftlichen Unternehmens den betreffenden Vermessungs - Dirigenten, Offizieren und Topographen nach Kräften entgegen zu kommen und sie mit gewohnter Bereitwilligkeit in Allem zu unterstützen, dessen sie zuc Beförderung und Erleichterung ihres Auftrages bedürfen.
I. 1. 2284. Der Königliche Landrat.
J. V.:
. T h a m e r.
Cassel, den 13. März 1905.
Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß ein Teil der Eusrer Hochwohlqeborcn unterstellten Bürgermeister sowohl die Totenlisten unpünktlich und erst auf ro i e b rt • Holte Aufforderung einreicht, als auch in der Beantwortung der durch die mangelhafte Ausfüllung der Totenlisten notwendigen Rückfragen recht säumig ist. Da hierdurch der Geschäftsverkehr des Amtes gestört und erschwert wird, so würde ich Euer Hochwohlgeboren dankbar sein, wenn die Bürgermeister auf die pünktliche Erledigung diesseitiger Anfragen und die rechtzeitige Einreichung der Totenlisten hingewiesen würden. Die Bearbeitung der Totenlisten würde wesentlich erleichtert werden, wenn die etwa erforderlichen Ermittelungen je bei Anmeldung eines Todesfalles und nicht, wie es vielfach zu geschehen pflegt, erst am Schluß des Vierteljahrs ober gar erst infolge einer besonderen Anfrage des EcbschastSsteueramtS vorgenommen würden.
Königliches Stempel- und ErbschaftS-Steueramt Abteilung 1. zu Cassel, Kölnische Straße Nr. 24 11.
I. V.: gez. G a u p p.
An den Herrn Landrat in Hersfeld. 1. A. Nr. 74.
so daß sie für den Augenblick nichts anderes sah als den lieben Burschen vor sich und nur seine Beteuerungen hörte, daß sie das schmuckste Mädchen weit und breit sei und eine so herzige Dirne, wie es keine zweite gäbe auf der weiten Welt.
Sie bemerkte dabei nicht, daß hinter ihr ein junger Mann an der Hockür vorüberschreiten wollte, aber stehen blieb, mit finster zusammengezogeuen Brauen auf sie starrte und dann sich anfraffend weiter hastete.
Klans war diese flüchtige Erscheinung nicht entgangen. Ein jähes Rot schoß über seine Züge; er ließ daS Mädchen aus seinen Armen und fragte barsch: „Was hat der Hannes hier bei ench zu suchen? Mag er doch seiner Wege gehen! Er spionierte schon wieder nach Dir herum. Was schert es ihn, wo Du steckst?"
„Haunes ist des Vaters Bruder Sohn. Er ist halt auf Urlaub gekommen, jetzt wo er sein Jahr beim Militär ab- dient. Wo anders soll er denn hin als zu uns? Die Eltern sind ihm ja beide gestorben! Bist eifersüchtig, Schatz?" Sie zupfte ihn neckend am Aeiniel und drehte sein abgewandtes Gesicht zurück.
Der Bursche griff nach ihren beiden Händen und hielt sie fest. Die Falte war noch nicht von seiner Stirn verschwunden, aber seine Stimme klang nicht mehr so rauh wie vorhin, als er sagte: „Ich kann's nicht haben, wenn Dich ein anderer mit solch ein Paar Augen ansieht, wie der da. Weil er Dein Vetter ist, meint er, ein Recht zu haben, um Dich herum 51t gehen; aber ich leid's nicht, darauf kann er Gift nehmen! Bildet sich dabei noch ein, daß er klüger wär als ich. Weil er ein Schulmeister geworden ist, meint er, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben!"
Grete schüttelte den Kopf. „Unsinn. Der denkt nicht an so was, und wenn er eS tät', was macht's? Mit Dir könnt' er sich doch nicht messen! Für mich bist und bleibst allemal der schönste, der beste und der liebste Bursche auf der weiten Welt."
Mit einem stolzen Blicke und einem sicgessrohcn Lächeln hörte Klans diese übersprudelnde Liebeserklärung an. Die aufstcigeude Wolke zerfloß in ein Nichts; er legte den Arm
Hersfeld, den 27. März 1905.
Indem ich Vorstehendes zur Kenntnis der Herren Standesbeamten und Bürgermeister des Kreises bringe, ver« anlasse ich dieselben, künftig die T-tenlisten pünktlicher als bisher einzureichen, auch dieselben sorgfältiger aufzustellen, besondere Anfragen der ErbschaftSsteueramte» aber alsbald und eingehend zu erledigen, damit Weiterungen vermieden werden.
1. 2158. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 5. April 1905.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden: Dünkelrode, Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kleinensee, Malkomes, Obergeis, Petersberg, Reckerode, Röhrigshof, Rohrbach, Widdershausen, Wippershain und Wölfershausen werden an die soso - t i g e Einsendung der Kassen-Prüfungsverhandlungen voin 30. bezw. 31. März d. Js. hierdurch erinnert.
Der Königliche Landrat.
I. B.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ceil.
Ae MittelMttW M Kaisers.
Aus Port Mahon auf der Balearen-Jnsel Minorca wird unterm 3. b. gemeldet: Dir Fahrt der Kaperschiffe von Gibraltar hierher war wundervoll, die See ganz ruhig und das Wetter herrlich. Die Schiffe fuhren gestern früh an Cartagena, am Abend an den Pilyusen vorüber. Gestern vormittag hielt Se. Majestät der Kaiser selbst Gottesdienst im großen Speisesalon ab und verlas eine Predigt, deren Textworte aus der Leidensgeschichte Christi, LukaS 22, Vers 63 bis 71, entnommen waren. Die Gemeinde fang mit Begleitung durch die Kapelle der Hohenzollern Ein' feste Burg ist unser Gott und das Niederländische Dankgebet. Heute früh kam ein kleiner spanischer Kreuzer den deutschen Schiffen entgegen, er hatte Flaggenparade angelegt. Er geleitete die Schiffe in den Hafen und gab bann zusammen mit einem zweiten im Hafen liegenden spanischen Kriegsschiffe den Salut. Während die Hamburg die lange und schmale tiefe Hafeneinfahrt passierte, bereitete die Einwohnerschaft vom Ufer und von zahlreichen Booten aus Seiner Majestät dem Kaiser eine lebhafte Huldigung. Nach der Ankunft in Mahon kamen der deutsche Konsul und Vertreter der spanischen Behörden an Bord der Hamburg.
Se. Majestät der Kaiser landete um 10Va Uhr Vormittags in Port Mahon und besichtigte in Begleitung des
um sein Mädel, und so schritt er mit ihr bis zum Hoftore. Da schüttelten sie sich die Hände und der Klans nahm Abschied von seiner Grete, denn es gab noch allerhand aus des Vaters Feldern zu tun, das er nicht den Knechten überlassen wollte.
Trotzdem ihm die Arbeit auf deu Nägeln bräunte, kehrte er noch einmal um, weil ihm immer von neuem Hochwichtiges ciufiel, das er der Grete notwendig sagen mußte.
Sie schob ihn zuletzt lachend mit beiden Händen weg und trieb ihn zur Eile an. Widerwillig gehorchte er, aber er sah sich noch um, schwenkte den Hut und suchte dabei laut, daß es weithin schallte.
Das Mädchen winkte ihm zu, bis er um die Ecke bog, dann wandte sie sich zum Gehen. Da fiel ein Schatten quer über den Weg und eine Stimme fragte: „Kannst Dich wohl nicht satt sehen an deni Herzallerliebsten, Grete, und hast keinen Blick mehr übrig für den alten Spielkameraden!"
Das Mädchen warf den lockigen Blondkopf in den Nacken. Es wollte trotzig antworten, aber es begegnete den grauen Augen des Vetters, die so finster und traurig aussahen, daß es nicht den Mut zum Aufbegehren fand und einlenkend meinte: „Ein bissel ist halt doch noch übrig geblieben für Dich. Wir sind ja verwandte Lent', da müssen wir auch all'weil Zusammenhalten."
Sein Gesicht hellte sich auf. „Das ist brav geredet, Grete. Gieb mir die Hand daraus und versprich mir, daß es so bleiben soll."
Sie tat, wie er wollte, und er drückte die kleine hräun- liche Hand herzhaft, die sie ihm hinhielt. Ein Seufzer ent fuhr ihm. „Hab' freilich immer gedacht, eS müßte einmal ganz anders kommen mit uns beiden, und wie ich mich drein schicken soll, daß Du den Klaus mir vorgezogen hast, das will mir noch immer nicht in den Kopf."
Grete hatte schon bei seinen ersten Worten ihre Finger hastig aus seiner Hand gezogen. Sie war rot geworden unb schritt abgewandten Kopses durch das Tor in den Hos zurück. „Wirst Dich schou drin finden. Es giebt ja viele Mädels!"
„Aber keine so wie Du!" Er murmelte die Worte hastig und leise, aber sie verstand sie doch und wehrte ihm mit einer