Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersfeld vierteljährlich
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herrselLer Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-änschlutz Nr. 8
Nr. 54.
Dienstag, den 9. Mai
1905.
Amtlicher teil.
Herrfeld, den 8. Mai 1905.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden: Allendorf, Arbach, Ausbach, Bengendorf, Conrodr, Dünkelrode, Eitra, Friedlos, Frielingen, Gershausen, Harnrode, Hattenbach, Heddersdorf, Heimboldshausen, Hilmes, Holzheim, Kalkobes, Kathus, Kemmerode, Riebt Kleinensee, Kohlhausen, Kruspis, Lautenhausen, Menget», Malkome«, Mecklar, Obergeis, Oberhaun, Oberlengsfeld, Petersberg, Philippsthal, Reilos, Röhrigshof, Schenksolz, Tann, Unterneurode, Wehrshausen, Widdershausen, Wölfershausen, Wüstfeld werden an die sofortige Einsendung der Kossen-PrüfungSverhandlungen vom 29. bezw. 30. April b. J. — Rechnungsjahr-Abschluß — hierdurch erinnert.
Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 5. Mai 1905.
Der auf Donnerstag, den 11. Mai b. I. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt- gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgen» begonnen werden.
I. 3116. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs Rat.
ASnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr
an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Todestage.
3« Schillers
An einem blühenden Lenztage, am 9. Mai 1805, hörte in Weimar da« große und edle Herz des Liebling-dichters des deutschen Volke«, Friedrich Schiller«, zu schlagen auf, aber wie der Lenz in der Natur un« neue Liebe und Leben und die Offenbarung herrlicher Segnungen immer und immer wieder bereitet, so ist auch der herrliche Geniu« des großen Schiller« am 9. Mai 1805 dem deutschen Volke nicht gestorben, sondern er lebt in den besten seiner Werke fort und spendet reichen Segen allen Herzen, die für Große« und Erhabene«, Schönes und Gute« empfänglich find.
Die Macht der Liebe.
Roman von A. v. Lilien cro n.
(Fortsetzung.)
Grete saß an HanneS' Bett, mit bange pochendem Herzen jeden röchelnden Atemzug belauschend. Sie glaubte sich allein mit dem Bewußtlosen und gab ihren Tränen freien Lauf. „Du Guter, du Lieber," flüsterte sie, „du darfst mir nicht wegsterben, es wär halt zu schrecklich," und sie preßte das Tuch vor den Mund, um nicht aufzuschluchzen.
Da hörte sie ein Geräusch hinter sich und sah sich um.
' Am Fenster stand Klaus, blaß und verstört, und blickte sie mit einem unbeschreiblich traurigen Ausdrucke au. In dein Mädchen tauchte nun wieder lebhaft die Erinnerung an die letzrverflossenen Stunden auf. Sie war zurückgedrängt worden durch die erschütternde Nachricht, die der Förster gebracht hatte; aber als sie jetzt wieder lebendig in ihr mürbe, fühlte Grete in neuer Qual, welche Stütze ihr entrissen wurde, wenn der Jugendfreund daniederlag. Zürnen konnte sie dem Klaus jetzt nicht, ihr war das Herz zu weh, um irgend ein anderes Gesicht auskommen zu lassen, als das des Schmerzes.
Behutsam stand sie aus, ging zu Klaus unb streckte ihm Hand hin. „Laß Fried' sein zwischen uns," bat sie.
Der Bursche hielt ihre Hand ganz fest. „Ich möcht' nichts lieber,“ murmelte er.
„Weißt," fuhr sie leise fort, „wenn einer, dem man so von 9llt ist, ganz plötzlich vor einem liegt, sterbenswund Qnrn^k ^""' erschrickt man schier zu Tode, und mit allem mnrh™ „ £ro£ ^i's vorbei. Das Herz ist ganz demütig ge- .r' .mT ^" wcht mehr miteinander bös sein, '§ alles vergeben! Denkst nicht auch so?"
^''. b,"^ er lauter hervor, als er wollte. £** C§ ^ll alles vergeben sein?" forschte er
Sie nickte. „Vergeben und von neuem ansangen - mit @ütl — so wollte es der Hannes — und der hat recht der ^be.Gute." — Sie hatte in abgerissenen Sätzen gesprochen das Weinen war ihr nahe, und sie sah in banger Sorge aus
Welch ein Geist und welch ein Herz! So muß man bei der Betrachtung von Schiller« Leben und Wirken ausrufen.
Für alle«, was das Leben edel gestaltet und es überhaupt Lebenswert macht, hatte Schillers Herz das reinste, tiefste und größte Empfinden und in seinem Geiste bräunte das Feuer edelster Begeisterung, die Schätze seines Herzens poetisch zu heben und zu verklären. So wurde Schiller der erste und größte Neuschöpfer des deutschen Idealismus, der glühende Freiheitssreund, aber auch der gute Mahner zur schönen Ordnung und guten Sitte, der begeisterte Sänger edler Frauenliebe und Tugend, der Lobpreiset der Arbeit, der Bürgertugenden des unermüdlichen Fleiße» und der Verklärer der Vaterlandsliebe. So mußte es kommen, daß schon der jugendliche Dichter Schiller alle diejenigen, die seine Erstlingswerke lasen, zur Begeisterung entflammte, und da, wie sein großer Zeitgenosse Wolfgang Gölhe, urteilte, Schiller in jedem seiner Werke ein anderer, ein fortschreitender Dichter und Denker, Kämpfer und Tröster war, so wuchs Schiller mit jedem seiner neuen Werke über seine frühere Größe hinaus. Es ist nicht möglich, hier alle die zahlreichen Werke Schillers in diesem poetischen und geistigen Wachstum anzusühren, aber erwähnen wollen wir doch, daß auf die Gedichte aus seiner Sturm- und Drangperiode Meisterwerke wie „Das Lied von der Glocke" folgten, das Göthe für so groß und bedeutend hielt, daß er einen Epilog zu demselben schrieb. Auch in den Schauspieldichtungen zeigte Schiller den unverkennbaren Fortschrittsdrang und seine Arbeit war so tief und gründlich und zugleich seine Phantafie so schöpferisch, daß er immer neues schuf und neue große Wahrheiten in seinen durch philosophische Studien geläuterten Geiste prägte. Die Reihenfolge seiner Dramen von den „Räubern", „Fieeko", „Kabale und Liebe", „Die Jungfrau von Orleani", „Don Carlos", Wilhelm Tell" und „Wallenstein" zeigen in herrlicher Weise diese aussteigenden Linien und so mag der große Poet immer ein Lieblingsdichter unseres Volkes bleiben und Jung und All für Schönheit und Tugend und für Freiheit und Vaterlandsliebe begeistert. Er lebt in uns fort nach seinen eigenen Worten in „Wallenstein":
Denn wer den Besten seiner Zeit genug getan, Der hat gelebt für alle Zeiten.
Die deutsche Flotte in englischer Beleuchtung.
Die in letzter Zeit nicht gerade rühmlich genannte Army and Navy Gazette bringt an leitender Stelle unter der Kopfschrift „Die Haltung Deutschlands" einen Artikel, der sich hauptsächlich mit der deutschen Schlachtschiff- Flotte beschäftigt. Das Fachblatt der englischen Marine macht sich in höhnischer Weise über die deutsche Flotte, den Bau und die Bestückung ihrer Linienschiffe und ihrer Bemannung lustig. Den Gipfel der Unverschämtheit erreicht
den Jngendgefährten. Klaus fand nicht den Mut, ihr zu ant« Worten.
Grete schien anch nicht daraus zu warten, ihre Gedanken waren schon wieder völlig durch Hannes in Anspruch genommen. „Wie ist denn eigentlich das furchtbare Unglück gekommen ?" fragte sie nun plötzlich ganz unvermittelt. „Der Hannes hätt' doch im Leben keine Rauferei angesaugen, wie konnte ihm denn jemand mit dem Messer zu Leibe gehen? Sag', Klaus, weißt du was davon?"
Das war die gefürchtete Frage, die der Bursche jeden Augenblick erwartet hatte, vor der er am liebsten feige geflohen wäre, und die er dennoch jetzt kurz, doch voll scharfer Wahrheitstreue beantwortete. Gretes Augen wurden immer größer, immer entsetzter, sie öffnete ein paarmal die Lippen, um ihn durch eine Frage zu unterbrechen, aber sie vermochte keinen Laut vorzubringen.
Jetzt war Klaus zu Ende mit seiner Beichte. „Gelt, nun magst mich gar nicht mehr, derweil ich doch schuld bin an dem Unglück," setzte er trübe hinzu. Ehe das Mädchen antworten konnte, hörte sie ihren Namen rufen, so leise, säst nur wie ein Hauch! Aber sie hatte es doch vernommen und eilte zu Hannes. Er war aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht und hatte wohl einen Teil von des Klans Geständnis vernommen.
Mühsam deutete er dein Mädchen au, ihm gauz nahe zu kommen, da ihm das Sprechen unsagbar schwer wurde.
Als sie getan, wie er wollte, sagte er leise mit einem matten Lächeln, „nun hab' ich doch deinen Schatz retten können vor dem bösen Messerstiche, der ihm galt. — Es wird doch noch alles gut — weißt, den Tag vergißt der Klaus nicht."
Der Bursche hatte sich leise Heraugeschlichcu und war am Bette auf die Knie gesunken. Er hatte die Worte gehört. „Nein, nie, nie I" schluchzte er.
Hannes schob jetzt saust daS Mädchen zurück, dann legte er ihre Hand in die des Klaus. „Vergeben," brächte er leise hervor, — „alle beid vergeben — nun ist wieder Fried — denn — denn die Liebe überwachet alleS." Die letzten Worte waren fautn verständlich gesprochen. Müde sank sein Kops
das genannte Blatt in dem Satze, „daß jeder offenkundige Akt der deutschen Flotte der sofortigen Vernichtung des neuen mechanischen Spielzeuges des Kaisers begegnen würde." Englands Macht auf die Probe zu stellen, ist kein Hintergedanke der deutschen Flottenpolitik, trotzdem es gerade von der Army and Navy Gazette immer wieder behauptet wird. Wenn übrigens das englische Blatt meint, die deutsche Flotte sei nur ein Spielzeug, warum denn in aller Welt die laute englische Entrüstung über die Vermehrung dieses Spielzeuges. Ueber fremde Spielzeuge regt man sich doch nicht auf! Recht hat das Blatt mit der Annahme der englischen Ueberlegenheit. Sache der deutschen Vaterlandsfreunde ist es, dafür zu sorgen, daß sich der Unterschied mehr und mehr ausgleiche.
Der russisch-japanische Krieg.
Da» Rätsel der Bewegungen der Flotten Rußland« und Japan« in den ostasiatischen Gewässern ist noch immer nicht ganz gelöst, e« herrscht Ungewißheit darüber, wo sich Admiral Roschdjestwensky mit seiner Flotte befindet, nach« dem er aus dem so willkommenen Zufluchtshafen, der Kamranh« bai in Französisch-Jndien, wieder fortkomplimentiert worden ist, und noch viel weniger weiß man, wo da« japanische Hauptgeschwader unter Admiral Togo steckt. Die Ungeduld, mit der man allgemein dem Entscheidung-kampf zwischen Roschdjestwensky und Togo entgegensieht, wird unter solchen Umständen auf eine harte Probe gestellt, vielleicht, daß nun aber da« so lange erwartete große maritime Schlachtendrama in Ostasien nächsten« doch vor sich geht. Denn für diesen Sonnabend oder Sonntag wurde der Vereinigung des ursprünglichen baltischen Geschwader» mit dem dritten russischen Geschwader unter Admiral Nebogatow entgegengesehen, und dann dürfte sich Roschdjestwensky wohl stark genug fühlen, den entscheidenden Waffengang mit dem Gegner zu wagen. Durch das Geschwader erfahren seine Streitkräfte vor allem eine Vermehrung um vier Panzerschiffe, so daß Roschdjestwensky wenigsten» in Bezug auf die Zahl der Schlachtschiffe dem japanischen Oberadmiral erheblich überlegen sein wird. Allerdings können die Japaner diese» Manko durch ihre Ueberlegenheit an Panzerkreuzern und Torpedobooten einigermaßen wieder wett machen, immerhin ist aber die russische Streitmacht im südlichen Meere durch die Vereinigung der Geschwader Roschdjestwensky» und Nebogatow« eine höchst respektable geworden, vielleicht werden es die Japaner noch bedauern, dies nicht durch einen rechtzeitigen Angriff unmöglich gemacht zu haben.
Was den Kriegsschauplatz in der Mandschurei anbelangt, so ist es dort in den letzten Wochen ziemlich still gewesen, abgesehen von Rekognoszierung«- und Patrouillen« gefechten. Doch geht neuerdings die Rede von einem um» fassenden Unternehmen des japanischen Höchstkommandieren, den Marschalls Oyama gegen die russischen Stellungen auf
zurück. Auf dem Hofe fuhr rasselnd ein Wagen vor. Der Doktor war angekommen.
Was dieser nach sehr eingehender Untersuchung feststellte, war tief schmerzlich. Er erklärte rund heraus, daß nicht die geringste Hoffnung auf Wiederherstellung sei, da durch den Stoß edle Teste bedenklich verletzt wären, er könne nichts anderes tun, als zur Linderung der Schmerzen beitragen. Diese niederschmetternde Mitteilung hatte er dem Bauern unter vier Augen gemacht; der geriet darüber ganz außer sich, und die alte Bäuerin hatte Mühe, den Sohn nur einigermaßen zu besänftigen. Der Arzt verließ mit einem bedauernden Achselzucken den Erregten und rief Grete, die beim Kranken zurückgeblieben war, in den Hausflur.
„Kind," redete der alte Herr das Mädchen an, „soll ich Ihnen eine Pflegerin besorgen? Es wird bald starkes Wund- fieber eintreten. Der arme Kerl muß Tag und Nacht jemand um sich haben."
„Ich brauche keine Pflegerin, ich werde nicht von seinem Bette gehen," antwortete das Mädchen. Sie war kreideweiß, ihre Lippen zuckten, aber voll Willensstärke beherrschte sie sich.
„Tochterchen, das werden Sie nicht aushalten," wehrte der Doktor, „es kann Wochen dauern."
„Mein Bräutigam hilft mir beim Pflegen. Wir zwei bringend schon allein fertig!"
Der alte Herr blickte sie mitleidig an, er sah, wie sie mit sich kümpste. Ihre Hände waren fest miteinander verschlungen, den Kopf hielt sie gesenkt, und mit stockender Stimme fragte sie jetzt: „Stcht's sehr schlimm mit dein HanneS?"
Ihr die volle Wahrheit zu sagen, dazu konnte sich der Doktor nun nicht entschließen, er wollte ihr nicht jede Hoffnung nehmen und meinte, „schlecht steht's, aber man soll nicht gleich das Schlimmste denken, ehe es da ist! So — und nun warten Sie hier auf mich, Kind. Ich will nochmal nach dem armen Burschen sehen, und dann werde ich Ihnen genaue Verhaltungsmaßregeln geben."
Grete sah ihm mit brennenden Augen nach, als er jetzt wieder zum Hannes hineinging. Sie hatte seine Antwort verstanden