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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt“ und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 75.
Donnerstag, den 29. Juni
1905.
AIminmk-WMß
auf das
hmleiaer Kreisblatt.
Das Hersfelder Areisblatt bringt außer den amt- ichen Bekanntmachungen zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Areise, der Provinz und Nachbargebieten. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig ausgewählte
spannende Romane,
Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Theil des Lesestoffs.
Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden nötigenfalls durch Extrablätter verbreitet.
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Das ßersfelder Kreisblatt ist das. alleinige mit publihationskraft ausgestattete Organ für den Kreis fiersfeld, wodurch die in demselben veröffentlichten Polizeiverordnungen usw. rechteverbindliche Kraft für das Publikum erhalten.
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Amtlicher teil.
Auf Grund einer kriegsministeriellen Anregung, wonach die Zahl der dem Kriegsministerium, Medizinalabteilung, gemeldeten Erkrankungsfälle an epidemischer Genickstarre in der Zivilbevölkerung nicht unerheblich hinter der dem Königlichen Kultusministerium gemeldeten Zahl zurückbleibt, wird den Ortspolizetbehörden des Kreises die genaue Be
Goldsucher.
Roman von Edela Rüst.
(Fortsetzung.)
„O, ein Staatskerl, sollt ich meinen!"
„Das denkst du als Mitbegründerin — die Firmen loben immer ihr eigenes Fabrikat! Aber nun sieh dir deinen Staatskerl sehr genau an. So l Und nun weiß du, wie ein ganz frisch abgewiesener Freiersmann aussieht!"
„Abgewiesener Freiersmann?" .... Frau Kauffmann zitterte am ganzen Leibe.
„Ja — wegen unüberwindlicher Abneigung — dein Staatskerl I"
„Von?" ....
„Na, von wem wohl?"
„Da steckt die Alexandra dahinter--o diese schreckliche Alexandra!" . . .
„Nichts und niemand steckt dahinter. Eva--Eva schlägt mich aus freiem, unbeeinflußtem Willen rund aus --hat sie dir etwas davon gesagt--da auf dem Balkon?"
„Kein Wort! Ich glaubte, sie weine, weil man ihr Steine m den Weg legt." . . .
„Nein ... sie allein . . . ganz allein . . . ihre Kunst Welt, die Ferne lockt sie hinaus, ich bin für sie ein alt- modischer Geselle, ohne Aesthetik, ohne Ideale--ein Bauer eben! Was soll sie mit dem anfangen!"
Frarl Kauffmann hatte ihre beiden Hände in die Höhe bleckt, um sie ihrem Sohn auf den Scheitel zu legen: „Mein armer Jung', mein lieber armer Jung, das trage ich 1° schon so lange mit mir herum. Aber ich habe doch unmer gemeint, daß Eva dir von Herzen gut sei. Daß
„Ja.....fiel".....
Als nun der alten Frau die Tränen über die bleichen Wangen rannen, brach Konrad einen Augenblick an ihrem Halse zusammen.
„Was wirb nur wckden, mein Herzensjunge —"
achtung des mittelst Verfügung vom 13. Oktober 1902, I. 6319 — Kreisblatt Nr. 122— veröffentlichten Ministerial. Erlasses vom 22. August 1902, betreffend die wechselseitige Benachrichtigung der Militär- und Polizeibehörden über das Auftreten übertragbarer Krankheiten hierdurch in Erinnerung gebracht.
Die vorgeschriebenen Benachrichtigungen sind nicht nur auf die wirklichen Krankheitsfälle zu beschränken, sondern auch auf die zur Anmeldung gelangten VerdachtSfälle aus» zudehnen.
HerSfeld.'den 19. Juni 1905.
I. 4174. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung» Rat.
Hersfeld, den 25. Juni 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Reinhard Wiegand zu Röhrigshof ausgebrochene Rotlauffeuche ist erloschen.
I. 4339. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierunga-Rat.
Bekanntmachung betreffend die Haftpflichtverstcherungsanstalt der Hessen- Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft.
Gemäß § 50 Absatz 2 der Satzungen der Haftpflicht- versicherungsanstalt der Heffen-Naffauischen landwirtschaftlichen BerufSgenoffenschast bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß diese Anstalt mit Genehmigung des ReichS- Versicherungsamte« am 1. Juli d. Js. eröffnet wird.
Ich bemerke dabei, daß die Beteiligung der Landwirte unseres Bezirks an dieser gemeinnützigen Einrichtung eine außerordentlich erfreuliche ist. Nach den Bestimmungen der Satzungen war die Eröffnung der Anstalt davon abhängig gemacht, daß 1S00BetriebSunternehmer mit einem ArbeitSbedarf von 1 Million Arbeitstagen ihren Beitritt erklärten. Diese Zahlen sind in überraschender Weise überholt worden; in dem kurzen Zeitraum von 3 Monaten haben 7500 Betriebsunternehmer mit einem ArbeitSbedarf von über 3 600 000 Arbeitstagen ihren Beitritt erklärt.
Unter diesen Umständen ist auf eine gedeihliche Entwicklung der Anstalt mit Zuversicht zu rechnen. Diese Entwicklung wird umso günstiger sein, je mehr Mitglieder auch in Zukunft ihren Beitritt erklären. ES ergeht daher hiermit erneut die Aufforderung, zu weiterer zahlreicher Beteiligung.
Beitrittserklärungen sind an den unterzeichneten Landeshauptmann der Provinz Heffen-Nassau zu Gaffel zu richten. Es empfiehlt sich, zu diesem Zwecke eine Postkarte mit folgender Erklärung zu benutzen:
„Ich erkläre hiermit meinen Beilritt zur Hastpflicht- VersicherungS-Anstalt der Heffen-Naffauischen landwirt
„Das werde ich dir morgen sagen, Mutter — morgen — darüber will ich mir jetzt meinen armen Schädel zermartern gehen. Gute Nacht, mein armes Mutting — auf morgen!"
Konrad riß sich los und rannte wie gehetzt die Treppe hinauf. Die alte Frau unten ließ sich auf den nächsten Stnhl fallen, schlug beide Hände vors Gesicht und weinte leise, herzbrechend vor sich hin.
Die beiden Mädchen, die noch im Salon abgeräumt und das Licht gelöscht, fanden sie so und brachten sie unter beständigem Zureden nach oben und ins Bett.
Frau Kauffmann war es seit vielen Jahren nicht passiert, daß sie das Wecken und Frühlänten überschlafen hatte. Heute war es geschehen. Man hatte ihr die Ruhe gegönnt. So kam sie einige Minuten nach Zehn zum Kaffee herunter. Konrad war längst draußen in der Wirtschaft, er hatte schon einige Male beim Frühstück nach ihr ausgeschaut — jetzt hatte er sich seinen Schimmel satteln lassen und war eben vom Hof geritten, als Frau Kauffmann die Tür zum Eßzimmer öffnete.
Er trat gefaßt und frei von jener Stimmung, die nach Trost schmachtet, zu seiner Mutter, die noch auf derselben Stelle saß, wo sie sich vor einer Stunde nicdergcsctzt. Sie hatte nur etwas heißen Kaffee zu sich genommen, und starrte- auf alles, was sich ihrem Blick entgegenstellte, aber sie sah sie immer wieder mit großen erkennenden Augen an.
Er hatte also wirklich schon daraus getrunken!
Weiter dachte sie nichts Eigentliches. Es irrte so vieles vor ihren inneren Augen hin und her, aber sie zergliederte nichts, sie wartete, ohne sich auch des Wartens bewußt zu werden.
Sie fuhr zusammen, als Konrad sie von hinten umfaßte und ihr Wangen und Hände küßte: „Guten Morgen Mutting!"
„Guten Morgen mein lieber Junge! Guten Mittag eigentlich. Weißt dn Konrad, ich habe mir alles so überlegt, daß" . . .
„Ich habe auch überlegt, Altchen, und nun hör' mir mal ruhig zu und kränke dich nicht und weine nicht, denn du mußt jetzt beweisen, daß du eine gesunde Saubfrau bist, die
schaftlichen BerufSgenoffenschast. Mit den Satzungen der Anstalt bin ich bekannt und unterwerfe mich ihnen. Ein Exemplar derselben bitte ich mir zuzusenden."
Vor« und Zunamen. Ort (Kreis) den ....... 1905.
Wenn sich die Versicherung auch auf Beschädigung durch Schußwaffen erstrecken ssoll, so ist dies besonders zu beantragen. (§§ 20, 24 der Satzungen).
Caffel, den 23. Juni 1905.
Der Landeshauptmann der Provinz Heffen-Naffau. Niedefel Freiherr zu Eisenbach. , * * *
Hersfelb, den 25. Juni 1905.
Wirb veröffentlicht.
Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Aonigliches Lan-ratsamt.
Sprechstunve: Täglich von 9—12 Uhr
an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Ceil.
Iie Kricgsfurcht in Frankreich.
In den letzten Tagen der vorigen Woche war wieder große Aufregung in Paris. Die Kurse an der Börse fielen, in der Presse - wurde der Zusammenschluß aller Parteien verlangt; denn man fürchtete, es werde zum Kriege mit Deutschland kommen. Irgend ein neuer Umstand, der zur Erklärung dieser Beunruhigung dienen könnte, lag nicht vor, sie entsprang vielmehr lediglich der Vermutung, daß Deutschland die Marokkofrage nur zum Vorwand nehme, in Wahrheit aber die Zeit der militärischen Ohnmacht des russischen Verbündeten benutzen wolle, um über Frank, reich herzufallen. Freilich spielt dabei auch böses Gewissen mit. Der Minister Delcaffs hatte alles so schön einge» fädelt, um Deutschland zu isolieren und für Frankreich ein zukunftsreiches Land ohne alle Rücksicht auf deutsche Interessen zu erwerben. Zwar ist Delcasss gestürzt, aber Deutschland besteht noch immer auf seinem Verlangen, daß die Marokkofrage am zweckmäßigsten auf einer Konferenz geregelt werde.
Rouvier hat in der am Freitag übergebenen Note die Konferenz zwar nicht abgelehnt, aber auch nicht formell akzeptiert. Darauf aber kam es gerade an. In Frankreich würde man es lieber sehen, wenn sich Deutschland auf Sonderabmachungen mit Frankreich wegen Marokko einließe. Dies ist jedoch nach dem Kaiserbesuche in Tanger, nach
auch ein schweres Kreuz zu tragen bereit ist, weil sie einzig und allein damit ihrem großen schiffbrüchigen Jungen helfen kann! Willst du?"
Konrad hatte sich der Mutter gegenüber gesetzt und ihre beiden Hände in den seinen haltend über den Tisch gezogen.
Die alte Dame sah in das Gesicht ihres Sohnes und fand, daß es erregt aber nicht unstet, nicht mehr wild verzweifelt aussah, und sagte aufhorchend: „Ob ich dir helfen will, mein Junge!!"
„ES trifft dich hart, Mutter — ich will fort!"
Einen Augenblick war's Frau Kauffmann, als sei der Blitz eingeschlagen und hätte das Zimmer in ein wüstes Chaos zersplittert, und als müsse sie ihn erst hinauslassen und sich dann mit geschürzten Kleidern auf dem Trümmerhaufen zu- rechtfinden, ehe sie tonlos fragte: „Fort willst du? Von hier fort ■— — du meinst verreisen auf . . . auf ein paar Wochen?" . . .
„Nein Mutter — auf Jahre! Am liebsten möchte ich verkaufen."
„Ich soll hier fort? Von Barken fort, wo deines Vaters Grab ist? Wo ich auch einmal daneben gebettet werden will? Konrad, daS kannst du nicht wollen!"
„Ich sagte ja, am liebsten täte ich es, aber — wenn du es übernehmen willst, daS Gut für dich zu halten" . . .
„Ja — du kommst doch einmal zurück? Oder — oder — wohin willst du denn gehen, mein Gott wohin denn?"
„Ich gehe mit Braun mit Gold suchen!"
„Aber das ist ja doch der Helle Wahnsinn, Junge! Wozu brauchst du Gold? Hast du nicht mehr als genug für deine Ansprüche? Gold suchen!! Gütiger Himmel!"
„Braun hat ja auch mehr als er für sich braucht. Darum ist's ja auch nicht! Das Gold ist Nebensache, die Hauptsache ist das Suchen! Sieh mal, als Junge habe ich immer hinausgewollt, daS Ende der Welt aufzusuchen! Da habt ihr ganz stolz ba^u gelacht, aber gleich hinzugesetzt: „Wer ein Rittergut erbt, bleibt zu Hause unb baut Weizen!" Aber in mir schlief diese Sehnsucht nie ganz, bis sie durch die Liebe zu Eva eingelullt wurde. Da zog das behagliche SeßhaftigkeuS- gcsühl bei mir ein, da versank Indien und der Urwald, und