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herssel-er Kreisblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 89t Dienstag, den 1. Atugust 1905t
Bestallungen
auf das
Bersfelder Kreisblatt
werden für die Monate
August und September von allen Postanstalten, Landbriefträgern, sowie von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil
Berlin, den 28. Juni 1905.
Nachdem nunmehr für den Fährverkehr auf öffentlichen Wegen in ganz Preußen durch Polizei-Verordnungen ein. Hettlich vorgeschrieben ist, recht» auszuweichen und links zu überholen, erachten wir ss für geboten, daß von den Nachgeordneten Behörden auf die strenge Durchführung dieser . Bestimmungen mit Nachdruck hingewirkt wird. Gleichzeitig wird dafür Sorge zu tragen sein, daß auch die sonst für den Fuhrverkehr bestehenden polizeilichen Vorschriften mit größerer Strenge gehandhabt werden, als dies bisher geschehen ist.
Wie die Erfahrung lehrt, pflegen namentlich die Führer der Pferdefuhrwerke jenen Bestimmungen nur geringe Beachtung zu schenken. Bei der Begegnung mit Fuhrwerken weichen sie nicht immer nach rechts, sondern nach der besser befestigten Straßenseite aus.
Wenn sie von anderen Fahrzeugen, insbesondere von Kraftwagen überholt werden sollen, beachten sie die vom Führer des überholenden Wagens gegebenen Zeichen häufig nicht und machen außerdem nicht immer links, sondern je nach dem Zustande der Straße auf der einen oder auf der anderen Seite zum Vorbeifahren Platz. Sehr oft wird ferner gegen die Vorschriften verstoßen, die verbieten, daß die Lenker von Fuhrwerken während der Fahrt schlafen oder die Gespanne unbeaufsichtigt auf der Straße stehen lassen. Endlich werden die Wagen während der Dunkelheit häufig nicht vorschriftsmäßig beleuchtet. Ein großer Teil der Unfälle im öffentlichen Fährverkehr dürfte lediglich aus eine solche nicht ausreichende Befolgung der polizeilichen Vorschriften zurückzusühren sein. Die« gilt namentlich mit bezug auf den stetig zunehmenden Verkehr mit Kraftwagen,
Eebenskrisen.
Roman von Freifrau G. v. Schlippe nbach. (Fortsetzung.)
„Du tatest ein schweres, unsühnbares Unrecht", spricht Hedda weiter, „ich habe zu dir aufgeschaut wie zu meinem Ideal, du hast es zertrümmert, es liegt vor mir im Staube. Kannst du ermessen, was das heißt? Es erschüttert den Glauben an die Menschen, an alles, was groß und gut ist, du hast mich bettelarm gemacht."
Wie gebrochen sitzt die junge Frau da. Sie hält den Kopf tief gesenkt und kann das heiße Mitleid in Horsts Gesicht nicht sehen, nicht den Strahl der Zärtlichkeit, der aus feinen Augen bricht. Er selbst ist sich ein Rätsel. Hat sich sein Gefühl für sein junges Weib in den wenigen Monaten so sehr verändert? Ist bereits an Stelle kühler Berechnung etwas Wärmeres getreten? Wenn er jetzt auf Hedda zuträte, meun er sie in die Arme risse und ihre Tränen sortküßte, sie bäte, ihm wieder zu vertrauen, an seinen redlichen Willen zu glauben, sie glücklich zu machen? Wenn er es ihr eingestehen mürbe, daß der Zauber ihres Wesens, ihre Anmut und kindliche Unschuld ihn gewonnen haben, daß es ihr leicht fallen müßte, sich den Platz zu erobern, der ihr von Rechts megen gebührt? Er sieht in Hedda nicht mehr das reizende Kind, er hat in ihr das Weib schätzen gelernt, daS zu ihm gehört, das Weib, das seinen Namen trägt, und das er einst lcidcn- schastlich lieben könnte.
Aber sie hat ihn derb zurückgestoßen, und sein Stolz bäumt sich dagegen auf und duldet eS nicht.
„vich bitte dich nicht, zu vergeben", beginnt Horst nach einer fdjmeren, langen Pause, „ich wiederhole nur, schenke uns m <l,iea0^’ ,na^®blauf desselben trennen sich unsere Psadc. >uh miß meine Mutter nach und nach vorbereiten' hoffentlich erträgt sie dann den Schlag besser, alS eS »löblich der Fall wäre." J
Noch immer zögert Hedda.
Da ergreift Horst ihre Hand und sagt sehr leise mit großer
der sich nur dann glatt vollziehen kann, wenn die bestehenden Vorschriften von allen auf den öffentlichen Wegen verkehrenden Fuhrwerken genau befolgt werden.
Hierbei machen wir auf das Ersuchen des Herrn Kriegsministers besonders darauf aufmerksam, daß die Bedeutung der Kraftfahrzeuges als militärisches Verkehrs- und Nach« richtenmittel stetig zunimmt, so daß die Notwendigkeit besteht, den höheren Führern in den Manövern mehr als bisher Gelegenheit zur kriegsmäßigen Ausnutzung dieses Verkehrsmittels zu geben. Bei den Herbstübungen der Truppen werden daher in Zukunft in wachsendem Umfange Kraftwagen zur Verwendung gelangen. Es erscheint geboten, zur Verhütung von Unfällen vor Beginn der Herbst- Übungen die Bevölkerung in geeigneter Form hierauf sowie auf die Notwendigkeit ein« strengen Befolgung der bestehenden Fahrvorschriften mit dem ausdrücklichen Hinzu- fügen hinzuweisen, daß gegen alle Verletzungen jener Vorschriften unnachsichtlich vorgegangen werden müsse.
Eure Exzellenz ersuchen wir, die Nachgeordneten Behörden mit entsprechender Weisung zu versehen und es den Polizei- exekutivbeamten zur Pflicht zu machen, gegen jede Ueber» tretung der Vorschriften unnachsichtlich einzuschreiten.
Hinsichtlich des Krastwagenverkehrs bleibt es Eurer Exzellenz Ermessen überlassen, die geltenden Bestimmungen, insbesondere die Vorschriften über die Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge und die Beleuchtung des Kennzeichen» nach Eintritt der Dunkelheit, insoweit ein Bedürfnis hierzu hervorgetreten ist, erneut in Erinnerung zu bringen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, gez.: v. B u d d e.
Der Minister des Innern.
I. V. gez. :*t) o n Bischoffshaufeu.
III. B. 3. 362. Ang. I. M. d. ö. A. Ha. 4469. M. d. J. An sämtliche Herren Ober-Prästdenten.
*
Caflel, den 7. Juli 1905.
Abschrift übersende ich Ew. Hochwohlgeboren zur ge- fälligen weiteren Veranlassung.
Der Ober-Präsident, gez. von Windheim.
An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier. (Nr. 6205.)
* * *
Cassel, den 18. Juli 1905.
Abschrift zur weiteren Veranlassung. Im übrigen ver. weise ich auf die Polizeiverordnung vom 30. März 1887 betreffend den Verkehr von Fuhrwerken und Reitern auf den öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. (S. Amtsblatt 1887 S. 126.) (A. II. 6416 )
Der Regierungs-Präsident. J. V.: M e j e r.
An die Herren Polizei-Direktoren und Landräte des Bezirks und die städtischen Polizeiverwaltungen zu Marburg und Eschwege.
* * *
H-rsfeld, den 28. Juli 1905,
Den vorstehend abgedruckten Ministerial-Erlaß bringe
Weichheit: „Tue es, um der Liebe willen, die du einst für mich hattest, tue es, Hedda!"
„Die Liebe ist gestorben, du selbst hast sie gemordet", sagt sie tonlos, die eiskalte Hand schlaff in der ihres Mannes ruhen lassend, „aber wenn die Liebe auch nie mehr zum Leben erwachen wird, ich miß versuchen, das zu tun, was du forderst, Gott helfe mir dazu!"
Horst will ihr danken; sie winkt ihm zu gehen.
Und als sie allein bleibt, verläßt ihre Fassung sie. Im schluchzenden Gebete wirst sie sich auf die Knie und hält Zwiesprache mit ihrem Leide.
Als die junge Frau die Schwelle ihres Hauses betritt, denkt sie an das alles voll Bitterkeit. Sie bemerkt in ihrem hübschen Zimmer kaum, mit wie großer Sorgfalt und Rücksicht auf ihren Geschmack alles gewählt worden ist, nichts erfreut sie mehr. Nur die großen Photographien der Eltern tun es, und lange vertieft sie sich in den Anblick der geliebten Züge. Hierher miß sie sich flüchten, wenn sie der schweren Aufgabe zu erliegen glaubt, der Aufgabe, eine glückliche Frau zu scheinen, ohne eS zu sein.
Eine große Müdigkeit schleicht über Hedda; sie ist nicht bloß körperlich, ihre Seele ist wund und tvdcsmatt. Sie möchte schlafen, vergessen, für kurze Zeit in daS Nirwana Ver- siiikc». Auf dem EiSbäreufelle kauert sie nieder, die nassen Wimpern senken sich über ihre traurigen Augen, sie atmet ruhiger, und zuletzt befreit ein tiefer Schlaf sie von ihren quälenden Gedanken. Sie ahnt nicht, daß ihr Gatte leise eingetreten ist und in ihren Anblick versunken dasteht.
„Nein", sagt Horst, „ich will dich nicht wecken, du armes Kind, schlafe und vergiß, eS wäre grausam, dir die kurze Rast zu rauben."
Er breitet sorgsam eine warme, weiche Decke über die schlanke Gestalt. Eine Träne zittert noch an der langen Wimper, die schmalen Hände liegen ineinandcrgeschlungcn da, alS sei sie betend eingeschlafen, und ein Zug der Wehmut liegt auf der jungen Stirn Das Leben hat seine grausame Runen schrist hineingegraben. Noch ehe dieses junge Geschöpf die Kraft hatte, die Last und Hitze des Tages zu tragen, stellte das Schicksal hohe Anforderungen an sie.
ich zur Kenntnis der Ortspolizeibehörden und Gendarmerie des Kreises mit bet Weisung, gegen jede Ueber» tretung der den Verkehr von Fuhrwerken rc. regelnden Vorschriften unnachsichtlich einzuschreiten.
J. I Nr. 5191. Der Königlich« Landrat
Freiherr von Schleinitz,
• Geheimer Regierungs-Rat.
Berlin, W 66, den 6. Juli 1905. Leipzigerstrabe 2.
Zur Vereinfachung des Schreibwerks werden die Ortspolizeibehörden hierdurch angewiesen, die Urschrift der Un« fall-UntersuchungSverhandlungen (G. U. V. G. § 66, L. U. V. G. § 73, B.U.B.G. 8 37) an die Vorstände der beteiligten Berufsgenossenschaften oder die beteiligten Sektionsvorstände oder die Ausführungsbehörden zu übersenden. Die Be- ruf-genossenschaften haben sich verpflichtet und die in Frage kommenden Ausführungsbehörden find angewiesen, die Untersuchungsverhandlungen ordnungsmäßig aufzubc- wahren und den Ortspolizeibehörden auf Erfordern zum Gebrauche herzugeben.
Die See-Berufsgenossenschaft bleibt von dieser Regelung ausgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit wollen Sie die Ortspolizeibehörden an eine sorgfältige Vornahme der Unfalluntersuchung und an eine leserliche Niederschrift erinnern. Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
J. A. gez.: 29 e f e n e r.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
J. A. gez : N e u m a n n.
Der Minister des Innern.
J. V. gez.: von Bischoffshausen.
III. 4123 /I. 5632. M. f. H. I. Nr. I. Ab. 4329. M. f.
L. Ic. 509. M. d. I.
An die Herren RegierungS-Präfidenten.
* *
Cassel, den 20. Juli 1905.
Abschrift übersende ich zur Kenntnis und Veranlassung des Erforderlichen. (A. II. 6581.)
Der Regierungs-Präsident. J. V.: von K a m e k e. An die Herren Polizei-Direktoren und Landräte des Bezirk«.
Hersfeld, den 27. Juli 1905.
Vorstehende» wird den Ortspolizeibehörden des Kreise» zur Kenntnisnahme und Nachachtung mitgeteilt.
I. I. 5193. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 29. Juli 1905.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden hierdurch angewiesen, in den mir vorzulegenden Zu- und Abgangskontrollauszügen stet» den Tag de» Zugang» bezw. Abgang» der Steuerpflichtigen genau anzugeben. Außerdem mache ich daraus aufmerksam, daß einige Orte- und Guts-
„Ich will dir deine schwere Ausgabe erleichtern, so viel es in meiner Macht liegt", denkt Horst und verläßt leise das Zimmer. Er leistet seiner Mutter an der Tafel Gesellschaft; ein auserlesenes Mahl sollte das junge Paar erwarten, nun fehlt die junge Hausfrau. Horst sagt der Blinden, daß Hedda übermüdet ist und nicht geweckt werden darf; er plaudert fröhlich und erweckt den Eindruck, zufrieden und glücklich zu sein. Er ertappt sich darauf, daß er gern von seiner Frau spricht und ihr liebliches Wesen schilderr.
Frau von Horst lächelt dazu und sagt: „Du bist ein recht verliebter Gatte, das freut mich, mein Sohn."
Gegen Abend erwacht Hedda endlich. Sie ist wie betäubt, nur das drückende Gefühl einer großen Last liegt auf ihrem Herzen, jenes Gefühl, das man beim Verlassen des wohltätigen Schlummers hat, wenn ein Leid uns heimsuchte. Nun wuchtet es wieder auf der Seele.
Etwa eine halbe Stunde später betritt die junge Baronin Horst das Speisezimmer, in dem ihre Schwiegermutter, deren Gesellschafterin und Horst sie erwarten.
Auch für Hedda beginnt jetzt ihre Aufgabe; sie ist fest entschlossen, ihr gerecht zu werden. Ihr Mami soll sehe», daß sie nicht mehr daS Kind ist, das neben ihm am Altare stand, er soll sie achten lernen, ihre Energie bewundern.
Hedda hat ihrer Schwiegermutter den Arm gereicht und führt sie zu dem runden Tische in -ber Mitte des großen Zimmers. Horsts Blicke umfassen die beiden Frauen, die ihm gleich nahe stehen, die ein gleiches Anrecht auf ihn haben. Hedda trägt ern schlichte?, dunkles Hauskleid, dessen tadelloser Sitz ihre Gestalt vorteilhaft hervorhebt; sie sieht ruhig, fast glücklich aus und spricht freundlich mit der Greisin. AlS sie ihren Mann begrüßt, erbleicht sie einen Moment, aber sie hat sich gleich wieder in der Gewalt und gewinnt es über sich, ihn so anzureden, daß weder die Blinde noch die Gesell schafterin etwas merken.
„Bitte, übernimm dein Amt als Hausfrau", sagt Horst und führt seine Frau auf ihren Platz an der schöngedeckten Tafel, auf der eS von altem Silber und Kristall funkelt, die köstlicher Damast deckt, und auf der Früchte, duftendes Gebäck und Blumen arrangiert sind.