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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 93.

Donnerstag, den 10. August

1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 5. August 1905.

Die Herren Ortsvorstände der mit Einquartierung be­dachten Gemeinden des hiesigen Kreises werden für die Dauer der diesjährigen Herbstübungen hiermit angewiesen, Häuser in denen ansteckende Krankheiten herrschen oder kürzlich geherrscht haben, ebenso Brunnen und Wasserläufe, deren Benutzung gesundheitlich bedenklich ist, durch Anschläge kenntlich zu machen und außerdem den Quartiermachern bekannt zu geben, damit die Belegung verseuchter Quartiere vermieden wird und der Gebrauch verdächtiger Wasser den Truppen rechtzeitig untersagt werden kann.

I. 3511. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Herrfeld, den 7. August 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Kaufmann» Wil­helm Otto zu Hersfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 5490. Der Königliche Landrat.

I. V :

Thamer.

nichtamtlicher Ceil.

Her Woni in LtM«M-Ma.

Der Verbleib der Herero seit dem Gefecht am Waterberg wird in der neuesten Nummer des Militär-Wochenblattes aus Anlaß des nahe bevorstehenden Jahrestages dieser Kämpfe einer näheren Prüfung unterzogen. Die Absperrung der Omoheke ist mit der Aufhebung der Besetzung von Otjimbinde als nutzlos aufgegeben, das Volk der Herero ist nicht mehr zu finden. Wo ist es geblieben? Nach General v. Fran« yois wurden vor und während des Aufstandes die Herers auf 30,000 bis 40,000 Menschen, darunter 4000 bis 6000 Krieger geschätzt. Ob diese Zahl auch nur annähernd richtig ist, wird schwer festzustellen sein. Da« unseren Truppen zur Belehrung über Südwestafrika mitgegebene Büchlein schätzt die Herero und OvambondjeruS (Ost-Herero) zu­sammen auf 80,000 .bis 100,000 Seelen, also da» Doppelte der Franyoi»schen Angabe. Nachweislich im Gefecht ge­fallen sind, nach genauer Berechnung aller gemeldeten Zahlen und bei vorsichtigster Abschätzung der Verluste in solchen Gefechten, in denen genaue Zahlen nicht festgestellt worden sind, rund 1400 Krieger. Gefangen waren Ende Mai 1853 Männer, 6187 Frauen und Kinder; die Zahl der Gefangenen nimmt seitdem dauernd zu. Viele Herero sind in der Gefangenschaft an Krankheiten gestorben. Die ein­

Cebenskrisen.

Roman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.

(Fortsetzung.)

Zum ersten Male fühlte sich die junge Witwe zu einem Herrn hingezogen. Sie sagte sich, daß es hauptsächtlich das Mitleid, daß es kein tieferes Interesse sein könne. Ihr Wesen erhielt dadurch etwas sehr Anziehendes; es machte ihre Stimme sanfter, wenn sie Schmitt anredete, es brächte ein Licht in ihre Augen, das sie in himmlischer Milde verklärte.

Sie ist ein Engel", dachte der Förster,ich mußte sie kennen lernen, damit sie mir zuni Segen werde."

Sie saßen am Nachmittage auf der Veranda; Margarete hielt eine Stickerei in den Händen. Auf dem Tische lag ein Buch, das Hedda dort vergessen hatte; es waren Reisebilder an§ Rußland von einem bisher unbekannten Verfasser. Mar­garete bat den Förster, ihr vor^zulesen. Er tat es, und da er sehr gut vortrug, bereitete er ihr einen wahren Genuß. Sie ließ bald ihre Arbeit sinken und lauschte seiner modulations- sähigen Stimme. Dazwischen unterbrach Schmitt sich und erläuterte manches, kannte er doch Land und Leute, die der Schriftsteller schilderte.

Im Garten summten die Bienen, und die Rosen dufteten süß. Die beiden Menschen fühlten, wie ein Zauber auf dieser Stunde lag. Schmitt hatte schon lange das Buch geschlossen, er und Margarete unterhielten sich lebhaft. Im regen Aus- dahm '^" Gedanken schwand ihnen die Zeit unmerklich

Eine Uhr schlug sechs.

ga erwachte wie aus einem Traume; er verabschiedete gejagt^' ^m9e 'E er im Walde umher, unftät und wie . ^ ^sollen, als die junge Baronin hier einzog", lachte e»,ich hätte das, was gekommen ist, vorhersehen müssen. ^ch fliege wie die Motte um das Licht unb verenge mir die Flügel. Nun habe ich meine Rcisebeglcitung den Damen zngefagt, ich kann mein Wort nicht mehr zurück­nehmen."

zigen erreichbaren Zahlenangaben darüber bringen die Polizeiberichte von Swakopmund, die in der Deutsch-Süd- westafrikanischen Zeitung veröffentlicht sind. Danach starken in Swakopmund, wo die meisten Gefangenen sind, vom 16. Januar bis 19. Mai 490 Herero, darunter auffallend viele Männer. Sehr dürftig und jedenfalls unzuverlässig find wieder die Angaben über die ins englische Gebiet ent­kommenen Herero.

Nach dem Gesagten ist es klar, daß der Versuch ver­geblich sein würde, den Verbleib der Herero zahlenmäßig nachzuweisen. Danach müßten noch drei Viertel des Volkes hungernd im Lande umherziehen. Das Verschwinden eines recht bedeutenden Teils ist nur durch die Verluste zu er­klären, die das fliehende Volk in der Omaheks erlitten hat. Sie werden in ihrer vollen Höhe nie nachgewiesen werden können.

Ueber die Opfer der Flucht hat ein zwölstägiger Patrouillenritt, den Oberleutnant Graf Schwcinitz in die Omaheke unternahm, interessante Aufschlüsse gegeben. Dieser hatte den Auftrag, den Oljosondjou-Omuramba abwärts zu erkunden und eine etwaige Verbindung diese» Revier« mit Omuramba u Omatako aufzusuchen. Von der Wasserstelle Ondowou (20 km nordöstlich Otjosondju) an fand er auf der etwa 150 km langen Strecke, die er dem Laufe des Otjosondjou Omuramba folgte, einen ausgetretenen Fußpfad, der offenbar den Weg bezeichnete, den große Scharen flüchtender Herero im August oder September vorigen Jahres genommen hatten. Tausende gefallenen Viehs, namentlich Großvieh, zahlreiche Gerippe von Menschen und Pferden bleichten an der Sonne und bezeichneten mit entsetz­licher Deutlichkeit, daß der Zug des Todes diesen Weg ge­gangen war. Besonders in den dichteren Gebüschstellen am Wege, wo die durstenden Tiere Schutz vor den Sonnen­strahlen gesucht hatten, lagen die Kadaver zu Hunderten dicht neben- und übereinander. An vielen Stellen hatten die mit dem Dursttode Ringenden mit fiebernder Hand 15 bis 20 m tiefe Löcher aufgewühlt, um Wasser zu graben vergeblich! Hilflos verfielen Mensch und Tier den entsetzlichen Qualen des Durstes.

DieNat.Ztg." erfährt, daß die Nachricht der Deutschen Zeitung", weitere Verstärkungen in Höhe von fünftausend Mann würden nach Deutsch-Südwest­afrika geschickt werden, aus der Luft gegriffen ist. Geringe Verstärkung sollen auf dringenden Wunsch Trotha» nur die zum Schutze der Etappenlinien bestimmten Detache- ment» erfahren. Für diesen sind die kürzlich ausgereiften 300 Mann bestimmt. Die Formierung dieser Truppe mußte mit Rücksicht auf die augenblickliche Kriegslage, spieziell im Hinblick auf die durch den bevorstehenden Haupt- angriff gegen Hendrik Witboi notwendigen Truppenkonzentrationen, derart beschleunigt werden, daß, selbst wenn der Reichstag hierzu einberufen wäre, er keiner, falls vor der Ausreise des betreffenden Woermanndompfers

In den nächsten Tagen vermied der Förster eine Begegnung mit den Schwestern. Er ritt nach einem entfernten Walde, wo Nutzholz geschlagen wurde; unermüdlich arbeitete er und gönnte sich nur einige Stunden Ruhe.

Am 20. Juni war der Todestag Rodens.

Nur heute möchte ich ihr nicht begegnen", dachte Schmitt, ich könnte ihre traurigen Augen nicht ruhig sehen, sie haben so viel durch meine Schuld geweint."

Müde und innerlich zerschlagen kehrte er abends ans dem Walde, der mehrere Kilometer von dem Forsthause entfernt lag, heim.

Die Sonne war im Untergehen; sie fiel rot durch die Stämme der Bäume, sie fiel auch auf die Frauengestalt, die, in Gedanken verloren, sich an die prächtige Buche lehnte. Wie eine Gloriole umfloß Margarete der Strahl der sterben­den Tageskönigin. Eine große Sehnsucht sprach aus ihren sanften Zügen, wie sie so, leicht erhobenen Hauptes, träumend in das Abendgold blickte. Jetzt lösten sich zwei Helle Tropfen von ihren Wimpern und rollten langsam über ihre Wangen. Sie faltete die Hände, ihre Lippen bewegten sich lautlos. Und er, der ihr Leben geknickt hatte, er war kaum zwanzig Schritte von ihr entfernt, er erriet die Gedanken, die sich hinter der weißen Stirn kreuzten, und er sah sie vor dem Schmerzeuslager ihres Mannes nieberfinfen und die kalte Hund des Toten küssen. In jener Stunde mußte sie feinem Mörder fluchen I

Das Pferd wieherte ungeduldig. Langsam wendete Mar­garete den Kopf nach der Richtnng, von wo der Laut kam, der sie aus ihrer trübe» Erinnerung aufgeweckt hatte.

Entschuldigen Sie, gnädige Frau, ich habe Sie in Ihrem Alleinsein gestört", sagt Schmitt, der vom Pferde ge­stiegen ist.

Es lag eine so flehende Betonung in seiner Stimme, daß sie erstaunt schien.

Es ist heute ein trauriger Erinnerungstag für mich", sagte Frau Roden,mein Mann starb vor sechs Jahren in folge eines Jagdunsalles, nachdem ich ihn vier Wochen gepflegt hatte."

Ihre Stimme versagt, und sie kehrt den Kops fort.

zusammentreten konnte. Die weiteren Abteilungen, welche noch im Laufe des August in Stärke von achthundert Mann nach demAusstandsgebiete abgehen, stellen dagegen ausschließlich Ergänzungen der durch Gefechtsverluste und Krankheiten entstandenen Lücken der Schutztruppe dar.

3u den FrickMrhMilWN.

Der 8. August 1905 wird als der Tag, an dem die Friedentverhandlungen zwischen Rußland und Japan in einer ersten Sitzung der beiderseitigen Bevollmächtigen in PortSmouth bei New-Dork eröffnet worden sind, denkwürdig bleiben. Das öffentliche Vorspiel zu den Beratungen war dadurch getrübt worden, daß beide Teile in ihren Mit­teilungen an die amerikanische Presse schroff entgegengesetzte Anschauungen verlauten ließen und nur in einem Punkte einig schienen, in dem Vorgefühl eines sichern Mißerfolges ihrer Arbeit. Diese ungünstigen Eindrücke find in letzter Stunde durch das persönliche Hervortreten des Präsidenten der Vereinigten Staaten gemildert worden. Herr Roosevelt hat sich redlich bemüht, eine erste Begrüßung zwischen den Unterhändlern der kriegführenden Mächte so zu vermitteln, daß die Grundstimmung auf beiden Seiten versöhnlicher wurde; und es ist ihm gelungen, wenigstens den Eintritt in die Besprechungen der Form nach freundlich zu ge­stalten.

Sachlich bleiben allerding» Schwierigkeiten zu über- winden, für die einstweilen noch niemand einen Ausweg sieht. Japan will nicht nur auf den Ersatz seiner Kriegs­kosten nicht verzichten. Es will sich auch anscheinend diese Geldsorderung nicht, sei es ganz, sei es zum Teil, auf die ihm zusallenden erheblichen Wertobjekte, wie das gesamte Material der mandschurischen Bahnen ober die an Natur­schätzen reiche Insel Sachalin, anrechnen, sondern es ver­langt Auszahlung einer Kriegsentschädigung in bar. Für die Annahme dieser Bedingung ist aber Rußland noch nicht mürbe genug. Buch würde Herr von Witte, selbst wenn um die Sache, also um die Beschaffung von Geldmitteln für Japan nicht herumzukommen sein sollte, mindesten» eine Form zu finden haben, in der die Flüssigmachung der Summen äußerlich und finanztechnisch nicht als Zahlung einer russischen Kriegsschuld an Japan erkennbar wäre, eine wahre Rätselaufgabe. Wäre diese gelöst, so würde die Vereinbarung der sonstigen Friedensbedingungen Verhältnis, mäßig leicht sein. Einstweilen kann man beim Prophezeien über das Ergebnis der Verhandlungen von PortSmouth nicht weiter gehen als bis zu der Annahme, daß die russi­schen und japanischen Bevollmächtigten es möglich finden werden, nach mündlicher Aussprache die nach ihrer Ansicht für Rußland wie für Japan annehmbaren Bedingungen schriftlich abzufassen und vielleicht ein gemeinsames Protokoll darüber ihren Regierungen zur weiteren Beschlußfassung vorzulegen. Damit wäre immerhin für die friedliche

Ich weiß es, ich hörte von Ihrem Schicksale", preßt Schmitt zwischen den aufeinandergebissenen Zähnen hervor.

Ja, es machte zur Zeit viel von sich reden, Sie waren wohl damals in Rußland?"

Er beantwortete die Frage nicht.

Der Unglückliche, der meinen Mann durch einen Zufall tötete, war ein Herr Frankenstein."

Der Förster zuckte hastig zusammen.

Es klingt vielleicht seltsam, fuhr Margarete fort,aber ich habe großes Mitleid mit ihm, ein Schatten trübt sein Leben. Wie soll er es je vergessen, daß er ein Mörder ist?"

Frankenstein litt namenlos", preßte der Förster hervor.

Kennen Sie ihn?" fragte Margarete befremdet.

Ja", entgegnete Schmitt, sich abwendend.

Der arme Mensch!"

Sie hassen ihn nicht, Sie bemitleiden ihn? Das ist mehr als menschlich, das ist göttlich!"

In mächtiger Bewegung ergreift der Förster die Hände der jungen Witwe. Der tolle Wunsch, die schlanke Gestalt an sich zu reißen, sie an seine ivilb klopfende Brust zu pressen, kommt über ihn.

Aber plötzlich läßt er ihre Hände fallen; wie ein Trunkener taumelt er zurück, sich auf sein Pferd stützend.

War Frankenstein ein Freund von Ihnen?"

«Ja, nein, ich ich weiß eS nicht. Oft war es mir, als ob ich ihn verabscheuen müßte", entgegnete Schmitt leise.

Ein Gedanke blitzte in Fran Rodens Kops auf.

Ich sah in Ihrem Zimmer daS Bild des Ehrenbreiten- stems, darunter stand eine Jahreszahl. Es war dasselbe Jahr, in dem Frankenstein auf der Festung in Hast saß. Er stellte sich selbst dem Gerichte, wenige Menschen täten es frei» willig, es spricht für den Mann. Waren Sie je auf dem Ehrrnbreitenstein? Haben Sie Frankenstein dort vielleicht besucht?"

Klar unb sorschend ruhten die blauen Augen Margaretens aus dem Gesichte des Försters.

Ja, ich ich war einige Tage dort."

Er muß sie belügen, er kann nicht anders.