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hersfelLer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

M. 96.

Donnerstag, den 17. August

1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 15. August 1905.

Die neugegründete Schulstelle in Heddersdors soll zum 1. Oktober d. Je. besetzt werden.

Bewerber wollen ihre MeldungSgesuche nebst Zeugnissen innerhalb 1 4 Tagen bei dem Königlichen OrtSschul- inspektor Herrn Pfarrer Kühn in Frielingen oder dem Unterzeichneten einreichen.

Das mit der Stelle verbundene Diensteinkommen besteht neben freier Wohnung oder entsprechender MielS- entschädigung in 1000 Mk. Grundgehalt und der Einheits­satz der Dienstalterszulaae beträgt 120 Mk.

J. I. Nr. 5651. Der Schulvorstand von Heddersdorf.

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat, Lanvrat.

I ASnigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Ach ®M von England

hat sich über Vlissingen und Jschl, wo er dem Kaiser Franz Josef einen kurzen Besuch abstattete, zur Kur nach Marien- bad begeben. Eine Begegnung mit unserem in Wilhelmr- Höhe weilenden Kaiser hat nicht stattgefunden, was nicht besonders ausgefallen wäre, wenn nicht englische Blätter vorher eine solche Begegnung angekündigt hätten. In London konnte man besser über die Abstchten des Königs unterrichtet sein als anderswo, und es hing lediglich von ihm ab, ob er die Gelegenheit zu einem Besuche des Kaisers benutzen wollte oder nicht. In Wahrheit scheint er den Gedanken, aus seiner Durchreise durch Deutschland den Kaiser zu begrüßen, niemals gehabt zu haben, wenigstens ist an unseren Kaiser eine solche Absicht in keiner Form herangetreten. Es liegt nicht viel daran. Irgend eine Pflicht des durchreisenden Monarchen bestand nicht, und so war auch an unserem Kaiserhofe die Ankündigung einer Begrüßungsabstcht nicht erwartet worden. Läge außerdem ein Versäumnis vor, so könnte es von dem Könige nach seiner Kur in Marienbad immer noch nachgeholt werden. Man kann also aus der Unterlassung keinen posttiven, sondern nur den negativen Schluß ziehen, daß die Inti­mität zwischen beiden Herrschern gegenwärtig keinen so hohen

Eebenskrisem

Roman von Freifrau G. v. S chl ip p e n b a ch.

(Fortsetzung.)

Meinetwegen, wenn dir daran liegt", sagt sie achselzuckend. Sie löst die La France von ihrer Brust.

Er hält die Knospe in der Hand, ein scharfer Dorn hat seine Haut geritzt.

Du meine süße, dornenstarke Rose", denkt Horst,ich werde dich doch noch erobern, du mußt mich wieder lieben, ich will um dich werben mit unermüdlicher Geduld."

Am Tage nach der Heimkehr des Barons bat Schmitt um eine Unterredung. Seit der Förster wieder sein stilles Wald­haus bewohnte, war er menschenscheuer und sonderbarer als je geworden. Er streifte den ganzen Tag in den ausgedehnten Forsten umher, unterzog sich ermüdenden Strapazen und ver­mied eine Begegnung mit den Damen aus Buchenau. Die Wiesbadener Tage erschienen ihm wie ein schöner Traum, das Erwachen war ernüchternd gewesen.

Ich möchte um meine Entlassung bitten, Herr Baron", sagte Schmitt, nachdem einiges Geschäftliche besprochen war.

Warum?" fragte Horst erstaunt,sind Sie mit Ihrer Gage unzufrieden? Ich bin gern erbötig, sie zu erhöhen."

»Es ist nicht das", entgegnete der Förster gedrückt,es gefällt mir in Buchenau, meine Arbeit befriedigt mich, ich habe über nichts zu klagen."

. 7Ich verstehe Sie dann nicht!" rief Horst befremdet, welcher Grund treibt Sie von hier fort?"

r ouu ihn nicht nennen, Herr Baron, erlassen Sie es mir, mehr zu sagen."

f eine solche Qual in Schmitts Stimme, daß Horst aufmerksam wurde und ihn sch^s ausah.

f ^ ?cm ^E'^ Welcher geheime Kummer lastete aus ihm? Nach einer Weile ergriff Horst das Wort.

Gut", sagte er,so schwer es mit wird, ich muß Ihre Bitte erfüllen. Ich schätze Sie hoch und weiß, daß ich schwer cincu Ersatz für Sie finden werde."

Dunkle Röte stieg in des Försters Wang n.

Grad aufweist, daß stch der König zu einem besonderen Höflichkeitrakte verpflichtet zu fühlen brauchte.

König Eduard hat ein starkes Gefühl für öffentliche Stimmungen. Ein großer Teil des englischen Volkes wünscht noch immer keine besonderen 'Freundlichkeiten gegen­über Deutschland. Die deutschfeindliche Presse fährt fort, die deutsche Politik feindlicher Pläne gegen England zu be­schuldigen. So soll jetzt angeblich durch deutsch-dänisch- russtsche Verhandlungen daran gearbeitet werden, die Ostsee zu einem mare clausum zu machen, d. h. die Zugänge um Dänemark für den Kriegsfall zu sperren. Viele Engländer glauben auch an das Märchen, daß Kaiser Wilhelm den norwegischen Thron für einen seiner Söhne erwerben möchte, und haben es mit Befriedigung begrüßt, daß das englische Kanalgeschwader eine UebungSfahrt nach der Ostsee machen soll. Die englische Regierung läßt freilich diese Fahrt als möglichst harmlos hinstellen: Ein Londoner Officiosus schrieb, wenn damit eine demonstrative Abstcht verbunden wäre, hätte die Regierung die Rückkehr der Schlachtschiffe aus Ostasien abgewartet und ste mit dem Kanalgeschwader zu einer imponierenden Macht vereinigt. Imponierend ist aber das Kanalgeschwader auch ohne jene Schlachtschiffe schon genug. Furcht kann uns freilich diese UebungSfahrt nicht einflößen, vielmehr nur die Einsicht stärken, daß das dringendste Erfordernis für uns die angestrengteste und hin. gebendste Arbeit zur Stärkung unserer Seewehr ist.

Der russisch-japanische Krieg.

Die Stimmungtzberichte über die russisch - japanische Friedenskonserenz in Portümuth lauten nach den pessimistisch gehaltenen Meldungen vom Ende der vorigen Woche wieder «twaS hoffnungsvoller. Am Montag Vormittag gelangte in der Konferenz der erste Artikel der Friedensvorschläge zur Erledigung, welcher von Korea handelt; er soll in einer mehr den Russen genehmen Form zur Annahme gelangt sein. In der am Montag Nachmittag abgehaltenen Sitzung wurden die Artikel 2 und 3 besprochen, von denen der erstere die Räumung der Mandschurei durch die Russen und den Verzicht Rußlands auf alle seine Rechte in der Mandschurei, der nvere die Abtretung der sibirischen Bahn von Charbin aus an Japan betrifft. Das Bureau Reuter meldet aus PortSmouth: In der Sonnabenvsitzung erklärte Minister v. Witte bei der Verhandlung über Korea, Japans wahre Absicht sei, aus Korea eine japanische Provinz zu machen. Rußland habe gegen die Besitzergreifung durch die Japaner nichts einzuwenden, aber Japan solle die Absichten in vollem Umfange zugestehen, damit die Welt über die Lage im klaren sei. Japans Absicht laufe den Interessen Europas und Amerikas zuwider; wenn jedoch Japan diesen Interessen Rechnung trage, so werde Rußland keinen Ein­spruch erheben. Baron Komura widersprach den Aeußerungen Wittes in bestimmter, aber freundlichster Weise und erklärte,

Ich habe im August mehrere Herren zur Jagd eiuge- laden", fuhr Horst fort,es wäre mir lieb, wenn Sie noch bis dahin hier blieben, lieber Schmitt."

Es arbeitete heftig in des Försters Wetterkarten Zügen, dann sagte er:Ich darf ihren Wunsch nicht abschlagen, Herr Baron, Sie sind mir stets ein gütiger Herr gewesen, es wäre undankbar, wenn ich nein sagte."

Horst hielt ihm die Hand hin und sagte herzlich:Ich muß Ihnen noch für Ihre Reisebegleitung danken, es wäre mir nicht lieb gewesen, wenn meine Frau und Schwägerin allein nach Wiesbaden gefahren wären."

Bitte sehr", lautete die höfliche Antwort,es hat mir ja selbst Vergnügen gemacht."

Ich muß hier bleiben", dachte Schmitt, als er sich ent­fernte,aber ich will Frau Roden so wenig als möglich sehen."

Eines Tages erwähnte Margarete gegen ihren Schwager, daß sie Viola Steruau in Wiesbaden spielen gesehen hatten. Hedwig war nicht dabei, brächte aber auf Wunsch ihrer Schwester das Bild der Schauspielerin. Horst mußte seine ganze Geistesgegenwart zusammennehmen, um sich nicht zu ver­raten. Scheinbar gleichgültig betrachtete er die Photographie. Ja, das waren noch dieselben Züge, nur waren sie voller ge­worden. Die Augen, in denen er einst den Himmel auf Erden zu finden geglaubt, trugen einen fremden Ausdruck; es lag etwas Herausforderndes in ihnen, um den vollen Mund etwas sinnlich Begehrendes, das ihn abstieß, Hatte er es früher im Rausch der Liebe übersetzen? War eS immer dagewesen, war nur er mit Blindheit geschlagen?

Unwillkürlich ruhte sein Blick auf Hedda. Ihre etwas herbe, keusche Weiblichkeit sprach weniger zu den Sinnen, desto mehr zum Herzen. Wie rein und unschuldig war ihre mädchen­hafte Erscheinung, wie geschaffen, um zu beglücken und selbst glücklich zu sein!

Soll ich ihr sagen, in welchen Beziehungen ich zur Sternall gestanden habe? Soll ich ihr sagen, daß Viola es war, die ich einst liebte? Vielleicht wäre es das klügste, vielleicht risse es den Stachel aus der Wunde, und sie würde heilen."

Japan suche in Korea nur kommerzielle und industrielle Vorteile, wozu es berechtigt sei, und bestrebe sich, diese» Land vor der Anarchie der Verwaltung zu schützen. Nach dem Bericht der Reuter-Bureau» ist die Stimmung allgemein etwas hoffnungsvoller. Den Hauptgrund bildet die Vermutung, daß Japan entweder bereit sei, in den Fragen der Kriegsentschädigung und der Abtretung von Sachalin nachzugeben, oder daß es glaube, der Weg werde gefunden, die Einwendungen Rußlands zu widerlegen, so­bald es zur endgiltigen Entscheidung kommt. Angeblich werden von außenher bei beiden Parteien starke Einflüsse geltend gemacht. Für den Augenblick ist das Bestreben darauf gerichtet, Zeit zu gewinnen.

PortSmouth, 15. August. Tatsächlich herrscht in der Mandschurei Waffenstillstand. ES ist unwahr­scheinlich, daß während der Verhandlungen ein Gefecht stattfinden wird; denn eS wird von beiden Seiten zugegeben, daß, wenn Oyama Linewitsch zu einem Gefecht zwingen würde, in dem Tausende von Menschen umkommen, Japan unvermeidlicher Weise sein Ansehen bei der ganzen Welt verlieren würde.

Ae Vorgänge in WM.

Die unvermindert fortdauernden Unruhen in Rußland nehmen an vielen Stellen mehr und mehr einen antisemi­tischen Charakter an. So begehen in Kertsch seit drei Tagen Volkshaufen antisemitische Ausschreitungen; die Läden und Häuser vieler Juden werden geplündert. Sie aus einem Hause, in dem sich ein jüdischer Klub befindet, auf die Soldaten geschossen und ein Soldat verwundet wurde, gaben auch die Soldaten Schüsse ab, durch die ein Jude getötet und einer verwundet wurde. Viele israelitische Familien haben die Stadt verlassen. Ferner kam e» in Nevel (Gouv. Wilebsk) bei der Beerdigung jüdischer arbeitet zu Unruhen. Als die Polizei die Ruhestörer vertreiben wollte, wurde aus der Menge eine Bombe geworfen, durch die ein Polizeibeamter schwer, ein anderer sowie ein Passant leicht verwundet wurden Auch in den Ostseeprovinzen herrschen völlig anarchische Zustände.

Petersburg, 15. August. Aus Riga wird ge­meldet: In den Kreisen DmitrowSk und Bau«! zerstörten aufgehetzte Bauern 22 Bezirkskanzleien und vernichteten sämtliche Dokumente, darunter auch alle die Einberufung der Reserven betreffenden Papiere. Dann raubten sie Krongelder aus den Kassen. Die Gouvernementsbehörde entsandte sofort Militär, das die Unruhen Niederkämpfen soll. Im Gouvernement Livland find Ueberfälle auf Güter an der Tagesordnung, so namentlich in Segewold und Hintzenberg. Baron Wolff-Hintzenberg erbat schleunigst eine Eskadron Dragoner au» Riga zum Schutz seine» Leben» und Eigentum».

Als er aber das ruhige, in sich gefestigte Benehmen seiner Frau beobachtete, als sie ihm höflich, aber immer mit derselben Kälte begegnete, da lachte er über sich.

Wenn sie einst Wunden trug, so sind sie lange vernarbt", dachte er bitter,ich habe nichts mehr zu hoffen."

Horst hatte an seinen Schwager Kuno geschrieben und ihn und Wilhelm Wendorp znr Jagd eingeladen. Auch der zweite Bruder Heddas, der Kadett Fritz, sollte die beiden Leutnants nach Buchenau begleiten.

Ich will sie zu überraschen suchen", dachte Horst,der Vetter und sie haben sich feit unserer Verlobung nicht gesehen. Ob er sie vergessen hat? Es reizt mich, ihn und Hedda zu beobachten. Es ist vielleicht von mir recht unklug, aber ich muß sie auf die Probe stellen. Wenn Wendorp ihr den Hof macht, und sie mit ihm kokettiert, dann habe ich mich in ihr getäuscht und werde ihre Unsrenndlichkeit leichter über­winden."

Das Hans füllte sich mit Gästen, die Nachbarn fanden sich ein, von nah und fern kamen Freunde und Bekannte. ES sollten zwei Jagdtage abgehalten werden, und dazwischen sollte ein Ball stattfinden; das hatte Baron Horst versprochen, wußte er doch, wie gern Hedda tanzte.

Die Ueberraschung der Schwestern war groß, als der Nach- mittagSzug die Brüder und den Vetter braßte. Besonders Hedda schien hocherfreut und begrüßte den Verwandten mit einer Wärme, die ihrem Manne übertrieben erschien. Der wohlfrisierte Kopf des Leutnant- Wilhelm von Wendorp beugte sich über die Hand seiner Cousine, und sein hübsches Gesicht strahlte, als er rief:Hedchen, endlich sehe ich dich wieder!"

Sie setzten sich entfernt von den übrigen auf ein kleines Sofa, daS nur für zwei Personen Platz hatte, und bald sprachen und schwatzten sie lebhaft mit einander. Horst be­obachtete sie heimlich. Wie sröhlich konnte seine Frau sein, wenn er nicht dabei war! Kaum näherte er sich ihr aber, so erstarb daS Lächeln auf ihren Lippen, und sie wurde ernst und schweigsam.

Ich bin für sie der Störenfried", dachte er bitter,ich, der für sie die Sterne vom Himmel herunierholcn meine.