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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

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Nr. 99* Donnerstag, den 24. August 1905*

Amtlicher teil.

Die zweite Stelle an der evangelischen Schule in Widdershausen ist frei und werden etwaige Bewerber um dieselbe hierdurch nochmals veranlaßt, ihre MeldungSgesuche nebst Zeugnissen bis zum 12. September b. Js. bei dem Königlichen OrtSschulinspektor Herrn Pfarrer Kappes in Obersuhl oder dem Unterzeichneten einzureichen.

Das Einkommen besteht neben freier Wohnung in 1000 Mark Grundgehalt und der Einheitssatz der Dienst- alterszulage beträgt 120 Mk.

Hersfeld, den 21. August 1905.

I. 5819. Der Königliche Schulvorstand.

In Vertretung des beurlaubten Landrats:

Braun,

Kreisdeputierter.

nichtamtlicher teil.

Unruhen in MiHWi

Ueber das Expeditionskorps, das nach Ost. afrika von hier entsandt wird, meldet man der Köln. Ztg. aus Kiel: Am Sonntag herrschte in der Kaserne des 1. Seebataillons rege Tätigkeit. Der Mobilmachungsbefehl war ganz unerwartet in der Nacht angekommen. Jede Kompagnie stellt 20 Mann; das 1. Seebataillon sendet drei Offiziere: Hauptmann Schlichting, Oberleutnant Stieler v. Heydekamp und Leutnant Engelbrecht. Schlichting ist zum Führer des Expeditionskorps ausersehen. Die 160 Mann meldeten sich auf Aufforderung freiwillig. Sie gehören durchweg dem Jahrgang 1904 an. Die Truppe nimmt neun Maschinengewehre mit. Da» in Wilhelmshaven garnisonierende 2. Seebataillon entsendet, wie derVoss. Ztg." gemeldet wird, Leutnant Frhrn. v. Stengel und Leutnant v. Milchewski. Eine Maschinengewehrabteilung mit vier Geschützen, sowie SanitätS- und Zahlmeisterpersonal begleiten die Expedition. Die Mannschaften des 2. See­bataillons gehen am 23. August von Wilhelmshaven nach Kiel, und von dort wird das gesamte Expeditionskorps, das als Marinefeldkompagnie von Schlichting bezeichnet wird, noch Triest in Marsch gesetzt.

Zu dem Ausstand in Ostafrika wird halbamtlich mit­geteilt: Ein Telegramm aus Lindi vom 22. August meldet: Der Kreuzer .Bussard" hat in Lindi den Ober­leutnant z. S. Werneeke mit einem Detachement von 12 Mann und 1 Maschinengewehr zurückgelassen. Der Kreuzer ist heute früh nach Mikindani gegangen und hat dort ein Detachement bestehend au» einem Maschinisten und 8 Mann nebst einem Maschinengewehr zurückgelassen. Heute abend

Eebenskrisen.

Roman von Freifrau G. v. Schlippenbach.

(Fortsetzung.)

Es war für Wiesbaden die beste Zeit. Die Hitze hatte köstlichen, warmen Septembertagen Platz gemacht. Das Laub der Bäume prangte im bunten Schmucke, der Kurpark und die reizende Umgegend forderten zu Spazicrgäugcu und Ausflügen aus. Baron Horst und seine Frau machten fast jeden Morgen einen Spaziergang, ehe sie sich der Pflege des Kranken wid­meten, in der Hedda besonders liebevoll war.

Nachdem das Ehepaar eine Woche in Wiesbaden gewesen war, ballten sich die schwarzen Wolken über ihrem Lebens­himmel wieder zusammen. In dem stillen Zimmer des Obersten schwiegen die Leidenschaften und Mißverständnisse, die nahende Majestät des Todes ließ kleinliche Empfindlichkeiten und Reibereien schweigen.

Horst kam jeden Morgen in den hübschen Salon, der an das Schlafzimmer seiner Frau stieß er selbst wohnte eine Etage höher um den Kaffee zu trinken. Beide freuten sich immer auf die gemütliche Stunde, ohne es sich einzugestehen. In Buchenau war Horst gewöhnlich schon um diese Zeit fort= gefahren, hier lebten sie näher zusammen, als in dem großen Hanse; zuweilen fiel die Schranke, und sie unterhielten sich lebhaft.

m Auch heute stand der zierlich gedeckte Tisch vor der offenen Balkontür. Man genoß von hier eine entzückende Aussicht auf die bewaldeten Ausläufer des Taunus, aus die Villen, vie überall aus dem farbigen Laube hervorlugten.

. ^ie ^f^ungen lagen bereit. Horst las sie jeden Morgen , ZEresse, Hedda studierte mit Vorliebe denWiesbadener Lokal-Anzeiger , die Annoncen und Vergnügungen.

Soeben trat die junge Frau aus ihrem Schlafzimmer in juh blühend wie eine Rose in ihrem weißen, ruchgcsticUen Morgenkleide aus. Ihr wnndervollcs Haar war noch nicht frisiert; es hing in einer dicken, goldigen Flechte nieder, und ihre Augen strahlten wie Sterne unter der dunklen Pracht der Wimpern. Wie jeden Tag, ging ihr Mann ihr

gehtSuffjrb* nach Kilwa Kiwinje im Bezik Lindi. In Mikiwani sind bisher keinerlei Unruhen ausgebrochen.

grinnernng on Hit WM Don Größtem.

23. August 1813.

Der erste Akt des großen europäischen Freiheitskampfes gegen Napoleon war vorüber, die Schlachten von Groß-Görschen und Bautzen von den Verbündeten zwar ruhmvoll, aber unglücklich geschlagen. Voll banger Erwartungen wurden auf feiten der allerdings inzwischen ja durch Oesterreichs am 12. August er­folgten Beitritt zur Koalition verstärkten Verbündeten nach Ab­lauf des großen seit dem 4. Juni währenden Waffenstillstandes von Poischwitz die Feindseligkeiten wieder ausgenommen. Da erfolgte am 23. August 1813 der erste erlösende Schlag zur Zurttckwerfung Napoleons aus Deutschland, der erste entschiedene Sieg, den Preußen feit 1807 über Franzosen errang.

An diesem ewig denkwürdigen Augusttage schlugen die preußischen Generale von Bülow und Grafen Tauentzien unter dem Oberkommando des schwedischen Kronprinzen Bernadotte, des Befehlshabers der Nordarmee, den mit 70 000 Mann gegen Berlin vordrängenden Marschall Oudinot und retteten damit den preußischen Waffenruhm und die preußische Hauptstadt vor der Rache eines erbarmungslosen Siegers. Ein Erfolg besonders in moralischer Hinsicht ohnegleichen, ein glänzendes Blatt im Ruhmeskranze der jungen preußischen Landwehr, die sich von nun ab ebenbürtig den Linientruppen zur Seite stellen durfte. Der schon geschwundene Glaube an große dauernde Erfolge war wieder hergestellt, die eventuelle Rückzugslinie der Nordarme und des schlesischen Heeres ein für allemal gesichert, anderseits die von Napoleon geplante Verbindung der Garnisonen der Elbfestungen mit denen an Oder und Weichsel dauernd ver­nichtet!

Ununterbrochen hatte es den ganzen 23. August über in Strömen geregnet, die preußischen Truppen waren vom frühen Morgen an mutig durch Schmutz und Morast marschiert, vom Abkochen und Essen war keine Rede gewesen, ja ein Teil hatte sogar am Tage vorher bei Wietstock im Feuer gestanden und war die Nacht hindurch marschiert. Da kam Bülows Befehlwir greifen an", dem ein tausend und abertawenfaches Hurra seiner braven Truppen folgte. Und dann ging es todesmutig auf die nichtsahnenden Franzosen los, die bei ihrem am Nachmittag er­folgten Angriff das brennende Groß-Beeren besetzt und nun vor allem in anbetracht des fürchterlichen Wetters nicht im ent­ferntesten mehr an einen nochmaligen Angriff gedacht hatten. Die Lunten verlöschten infolge des strömenden Regens, und die Geschütze mußten infolgedessen mit Zündlichtern abgefeuert werden. Trotzdem widerstanden die braven sächsischen Grenadier­bataillone in der Mitte des Dorfes, aber bald waren die Be­dienungsmannschaften der Kanonen niedergestochen, und nun drehte die pommersche und märkische Landwehr die durch die Nüsse vollständig unbrauchbar gewordenen Gewehre um und schlug mit dem Kolben darauf los unter dem Rufedet fluscht better".

Krachende Schädel und markerschütternde Todesschreie ver­kündeten alsbald allenthalben die grausige Wirkung der preußi­schen Bajonette. Solchem Ungestüm gegenüber entfiel den Feinden der Mut, eine wilde Panik bemächtigte sich seiner, alles suchte sein Heil in der Flucht, und wer nicht aus Groß-Beeren entrann, war tot oder gefangen. Selbst ein bei hereinbrechender Nacht unternommener glänzender französischer Reiterangriff ver­mochte das traurige Schicksal der geschlagenen französischen Armee nicht mehr zu retten. Die beginnende Dunkelheit und das Nicht eingreifen der Schweden allein retteten sie vor völligem Unter«

höflich entgegen. Er streifte ihre Hand mit einem Kusse und erkundigte sich, ob sie gut geschlafen habe. Es fiel ihm schwer, sein liebliches Weib nicht in die Arme zu ziehen, sie nicht zu herzen, ihr nicht tausend törichte, zärtliche Worte zu sagen. Heute war ihr Verlobungstag. Horst hatte durch einen Gärtner ihren kleinen Salon schmücken lassen, überall standen Töpfe mit Blumen; es duftete und blühte in wahrer Früh- lingspracht. Hedda liebte Maiglöckchen besonders, ebenso dunkelrote Rosen, und beide Gattungen waren vertreten. Sie schien über die zarte Aufmerksamkeit erfreut, aber sie tat, als habe sie die Veranlassung dazu vergessen.

Es sieht so aus, als feiertest du heute ein Fest", sagte sie mit dem leisen, spöttischen Tone, den ihr Mann nicht leiden konnte, unter dein sich ihr zuckendes Herz verschanzte. Horst wußte es nicht, es machte ihn ungeduldig, und er antwortete oft scharf.

Heute überwand er sich und sagte nur:Es ist heute unser VerlobungStag."

So", klang es gedehnt zurück.

Du hast eS vergessen, ich konnte es nicht. Gern hätte ich dir ein Andenken geschenkt, aber das hättest du zurück- gennefen, so wählte ich Blumen, ich weiß, wie sehr du sie liebst. Mein Gott, das kann am Ende jeder Herr, auch der fremdeste, einer Dame schenken."

Eine traurige Erklärung lag in diesen Worten.

Ich danke dir", sagte Hedda,obgleich ich nicht weiß, warum mir diesen Tag feiern sollten."

Sie geht von einer Blume zur anderen und pflückt einige Maiglöckchenstengel, sie an der Brust befestigend.

Der Diener hat den Kaffee hereingebracht, Hedda schenkt ihn ein; ziemlich schweigsam verzehren sie ihre Mahlzeit.

Es hilft alles nichts", denkt Horst,sie will mich nicht verstehen."

Hedda liest denLokal-Anzeiger", während ihr Staun sich in den Leitartikel derKrcuzzeitnng" vertieft.

Die Viola Sternau ist hier sür die eben beginnende Spielzeit engagiert", sagt die junge Frau,sie trittt in einigen Tagen auf; ich freue mich sehr, sie wieder spielen zu sehen."

gang unh ermöglichte einen allmählichen Rückzug unter die schützenden Kanonen der Festung Wittenberg. 14 Geschütze, 60 gefüllte Munitionswagen, 1500 Gefangene und 3000 besonders zur Ausrüstung der Landwehr höchst brauchbare Gewehre bildeten die Trophäen dieses denkwürdigen Tages, dem gegenüber hatte man auf preußischer Seite nur 1050 Mann an Toten und Ver­wundeten, während der Verlust aus der feindlichen Seite mindestens das Dreifache betrug.

In Berlin hatte inzwischen die Einwohnerschaft voll ängst­licher Spannung auf den herüber hallenden Kanonendonner ge­lauscht. Als dieser endlich verstummte und die Siegesnachricht die Einwohner über das Schicksal ihrer Stadt beruhigte, brach ein allgemeiner Jubel aus, der sich noch steigerte, als am folgen­den Tage die erbeuteten Kanonen und die Gefangenen herüber geschafft wurden. Trotz aller Unbilden der Witterung strömte alt und jung hinaus auf das Schlachtfeld, brächte Fuhren mit Lebensmitteln, Wagen für die Verwundeten, Erfrischungen und Hülfe jeder Art für Freund und Feind. Selbst der Magistrat erschien am 24. August bei den siegreichen Truppen und sprach auf dem Schlachtfelde dem schwedischen Kronprinzen als Ober­befehlshaber seinen wärmsten Dank aus für die glückliche Rettung der Stadt. Auch der Toten vergaß man nicht, schwarze Tafeln in Domen und Dorfkirchen künden noch heute in unvergänglicher Sprache den Nachkommen die Namen jener Helden, die hier auf märkischer Erde am 23, August 1813 in ruhmvoller Aufopferung ihr junges Leben aushauchten als Opfer für ihren .König und ihr Vaterland. Dr. Esch

^M her WiWmßMiiM?

Die Meldungen aus Portsmouth über die russisch­japanischen Friedensverhandlungen bieten ein klassisches Beispiel dafür, wie durch Vielseitigkeit der Berichterstattung das öffentliche Urteil nicht geklärt, sondern verwirrt wird. Auch für den Näherstehenden ist es schwer, sich von dem weiteren Verlauf der Dinge ein Bild zu machen. Man sieht einstweilen nur, daß Prasioeni Roosevelt eine auch bei ihm ungewöhnliche Geschäftigkeit entfaltet, um den Abbruch der Verhandlungen wenn möglich noch auszuhalten. Das erklärt sich schon aus persönlichen Gründen: denn Roosevelt betrachtet die Konferenzen von Portsmouth als fein eigenster Werk, dessen Mißerfolg auf ihn selbst zurücksallen würde. Aber auch sachlich erwirbt sich das Oberhaupt der Ver­einigten Staaten ein Verdienst um die Ruhe der Welt, wenn er keinen geeigneten Schritt unversucht läßt, um die russischen und japanischen Bevollmächtigten zur Fortsetzung ihrer Arbeit zu bewegen, die schon bisher in manchen Punkten, allerdings nicht in den leider entscheidenden Fragen der Gebietsabtretung und Geldentschädigung, fruchtbar ge« wesen find. Reißen die dünnen Fäden, die sich in Ports- mouth zwischen der russischen und der japanischen Diplomatie angesponnen haben, wieder ab, so dürfte eine erneute An­knüpfung von Friedensverhandlungen für absehbare Zeit nicht möglich sein.

Denn, so hoch man immer die Erfolge Japans an­schlagen mag, das asiatische Jnselreich kann nicht einen Frieden diktieren, dessen Abschluß Rußland verweigert. Es kann mit neuen großen Opfern die Armee des General

Horst ist sehr blaß geworden. Mit einer raschen Be- ioegung nimmt er das Blatt, und seine Augen übcrfliegeu die Notiz.

Er denkt, daß er Hedda jetzt alles sagen muß; sie darf es durch niemand anders erfahren.

Und sie begreift, noch ehe er spricht; sie lieft in seinen veränderten Zügen. Auch ihre rosige Wange wechselt die Farbe.

Max", sagt sie schwer und langsam,ist ist sie es, die zwischen uns steht?"

Sage stand", entgegnet er.Ja, Hedda, du hast es erraten."

Ich begreife dich jetzt, sie ist eine große Künstlerin, sie schlägt die Menschen in Bande."

Es ist sehr still im Zimmer. Ein Vöglein singt sein frohes Lied dicht unter dem Balkon, und die Blunicn duften betaubenb.

Ich wollte es dir sagen, du darfst nicht ungewappnet sein", beginnt Horst,so wie ich die Sternau kenne, wird sie versuchen, dich zu sprechen. Sie ist unberechenbar. Versprich mir, daß du mich von allem unterrichten wirst. Vergiß nicht, daß ich dein Schutz bin, ich beanspruche dieses Recht und werde nie erlauben, daß man dich beleidigt."

Horst ist aufgeftanben. ES blitzt kampfbereit in fehttw- Augen, seine stattliche Gestalt reckt sich stolz.

Du sprichst, alS ob du dir nichts mehr aus der Sternau machst", sagt Hedda,vergiß e§ nicht, in einigen Monaten bist du frei, und wer weiß, ob der Onkel lange lebt, dann kannst du ja die Schauspielerin wieder lieben, ich gehe zu meinen Eltern zurück."

Entgeistert starrt Horst aus sein Weib. Diese weiße, kleine Hand versteht es, hart znzuschlagcn; ihre Worte treffen ihn wie Keulenschläge.

Das das habe ich nicht verdient", murmelt er dumpf, er taumelt und lehnt sich gegen die Wand.

Hedda bedauert ihre häßlicheil Worte, aber sie gesteht eS nicht ein; sie geht in ihr Zimmer und schließt die Tür hinter sich zu.

Sie ist unversöhnlich", sagt Horst halblaut.--