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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na

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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 117 Donnerstag, den 5 Oktober 1905»

Stellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für

das vierte Quartal

von allen Postanstalten, Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher teil

HerSseld, den 2. Oktober 1905.

Aus Grund eines Beschlusses des Bundesrates vom 18. März d. I. findet am 1. Dezember d. I. wiederum eine allgemeine B o l k S z ä h l u n ß im deutschen Reiche statt, welche ähnlich wie in den früheren Jahren ausgeführt werden wird. Mit der Volkszählung ist eine Aufnahme der bewohnten und unbewohnten Wohnhäuser, sowie der sonstigen bewohnten Baulichkeiten verbunden.

Die erforderlichen Formulare sowie die Anweisungen über die Ausführung der Zählung werden den Herren Ortsvorständen des Kreises demnächst von hier ^u« zugehen. Sollten die Formulare sowie die Anweisungen bis spätesten» zum 15. Oktober d. I. nicht einzetroffen sein, ist mir als­bald hiervon Anzeige zu erstatten.

In Anwendung kommen:

1. die Zählkarte A,

2. das Haushaltung-verzeichnis B,

3. der Zählbriesumschlag C/D mit der Anleitung C und Mustern ausgefüllter Formulare A und B,

4. die Anweisung E für die Zähler mit dem Muster einer ausgefüllten Kontrolliste F,

5. die Zählerkontrolliste F,

6. die OitSliste G,

7. das Muster einer ausgefüllten Ortsliste G und

8. die Anweisung H für die Behörden.

Sofern die übersandten Formulare in dem einen oder anderen Falle wider Erwarten nicht au-reichen sollten, ist der Mehrbedarf schleunigst hier anzumelden und kurz zu begründen.

Die Zählung erfolgt unter der unmittelbaren Leitung der OrtSbehörden. Letztere wollen sich unverzüglich mit den ihnen nach der Anweisung H unter Abschnitt B aufge- tragenen Obliegenheiten eingehend vertraut machen. Zu­

Das Glück.

Novelle von F. S u t a u.

lNachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Leonorens Antlitz erglühte im heißen Dankgefühl als sie sah, wie sich die junge Frau so vertrauensvoll an ihren Gatten lehnte und dadurch erkannt werden konnte, daß ihr Glück durch die wahnwitzigen Ausbrüche SteinwegS nicht ge­stört schien, und daß Steinweg selbst seinen Gemütszustand wieder beherrschte.

Leonore wandte ihre Augen dem Schauplatz des Schreckens zu, nach den Hänsern, in welche jetzt das Wasser unaufhaltsam weiter eindrang. Es war ihr, als sähe sie die kleine Christine dort an dem Fenster eins der letzten Häuser stehen, und plötzlich zuckte ein tollkühner Gedanke durch Leonorens Hirn. Sie wollte das Kind retten und mit einer großen guten Tat aus dem Leben scheiden, wenn ihr das Rettnngswerk den Tod bringen sollte. So konnte sich auch ihre Seele noch einmal aus der Verzweiflung schön und groß .jtt Gott erheben und ihr der Frieden werden, den sie nur schon so lange vergeblich gesucht hatte.

Allerdings allein war Leonore nicht imstande, das Rettungs­werk zu vollbringen. Aber wenn sie handelte, sie das schwache Weib, in dieser bangevollen Stunde, so konnten die Männer, die dort wie in dumpfer Erstarrung standen, es doch nicht ruhig teilnahmlos mit ansehn, sie würden ihr helfen, und den vereinbarten Kräften gelang eS vielleicht, durch das wogende Wasser hindurch zu dringen.

Leonore eilte die Treppe hinunter und hinaus in den Garten. Entschlossen trat sie mitten hinein in den Kreis der Männer.Kommen Sie, Paschke, zu den Kühnen, da drüben kann man noch hingelangen. Eilen Sie!" rief sie dem ver­zweifelten Alten zu.Ihre Nachbarn hier werden miß helfen, ich komme auch mit, um die kleine Christine zu retten!"

Erstaunt richteten sich Aller Blicke aus Leonore, aber ihre kurzen entschiedenen Worte blieben nicht ohne Wirkung, und

nächst ist die Abgrenzung der Zählbezirke, wo dies erforder­lich ist, vorzunehmen, sodann für jeden Zählbezirk ein u n - bedingt zuverlässiger Zähler und tunlichst ein Vertreter zu bestellen, welchem da» für den Zählbezirk erforderliche Quantum der Zählpapiere zu übergeben ist. Diese Arbeiten müssen spätesten» bi» zum 16. November be­endet sein.

Bei der Abgrenzung derZählbezirke ist mit der größ­ten Sorgfalt zu Werke zu gehen, damit keine Wohn- stätte Übergängen wird, auch über die Zugehörigkeit der einzelnen Häuser zu dem einen oder anderen Zählbezirk keinerlei Zweifel obwalten.

Die Austeilung und Wiedereinsammlung der Zählpapiere ist Sache de» Zähler« und geschieht nach den in der An­weisung E hierfür besonder» gegebenen Vorschriften.

Da« Zählmaterial muß von dem Zähler bis spä­testens zum 6. Dezember an die Ortsbehörde zurück- geliefert werden. Letztere hat das Material hierauf einer genauen Prüfung zu unterziehen und insbesondere auch darauf zu achten, daß die Aufnahme der Wohnstätten (auf Seite 4 der Kontrollisten) ordnungsmäßig erfolgt ist. Notwendige Ergänzungen und Berichtigungen find alsbald vorzunehmen. Sodann ist nach der Anleitung des Musters die Ortsliste G aufzustellen.

Die Reinschriften der Zählerkontrollisten F. sowie die Ortsliste 6. find bis s p ä l e st e n s zum 21. Dezem - b e r d. I, mir einzureichen.

Da« übrige Zählmaterial ist nach Vorschrift geordnet und verpackt, einschließlich der etwa unbenutzt gebliebenen Formulare bi» spätestens zum 31. Dezember hierher einzusenden.

J. I. 6495. Der com. Landrat von Gruneliu «, Regierungsassessor.

Hersfeld, den 2. Oktober 1905.

Bei den Anschreibungen für die Fleischbeschaustatistik ist von den Fleischbeschauern bisher nicht überall gleichmäßig verfahren worden. Zur Beseitigung wahrgenommener Ab­weichungen ist höheren Ort» Folgende» bestimmt worden.

In den Spalten 37 de« Postkartenformular» sind einzutragen al»

1.Ochsen" in Spalte 3 die geschlachteten Stück Rind­vieh männlichen Geschlecht«, welche kastriert sind und ein Alter von zwei Jahren bereit« erreicht haben;

2.Bullen" in Spalte 4 die geschlachteten Stück Rind­vieh männlichen Geschlecht«, welche ein Alter von zwei Jahren bereit« erreicht haben;

3.Kühe" in Spalte 5 die geschlachteten Stück Rindvieh weiblichen Geschlecht«, welche bereit« gekalbt haben;

4.Junglinder" in Spalte 6 die geschlachteten Stück Rindvieh nach erreichtem Alter von 3 Monaten,

a) wenn sie weiblich find und noch nicht gekalbt haben,

als sie mit dem alten Paschke voran eilte, folgten ihr schon wenn auch noch zögernd, einige der Männer.

Ein kühnes, wagehalsiges Unternehmen war es allerdings, mit einem der leichten und nicht großen Kähne vorwärts dringen zu wollen. Es war kein Flußbett, worin das Wasser dahin strömte, die Wogen fluteten schon weit, weit über die User hinweg, über Bäume und Strauchwerk, Gerölle, Stakete und Zäune. Man würde mit zahllosen Hindernissen zn kämpfen haben, sagten sich die erfahrenen Leute, und doch schloß sich einer nach dem andern dem kleinen entschlossenen Trupp an.

Steinwegs Blicke hatten erstaunt ans Leonore geruht, als sie da gestanden, das blasse schöne Antlitz von dem ver­wirrten Haar umrahmt, mit dem Zug edler Entschlossenheit um die Lippen.

Noch nie war ihm die Aehnlichkeit mit dem Antigonekopfe so frappierend gewesen, wie in diesem Augenblick. Wollte sie auch in den Tod gehn, wie jene griechische Heldin und für wen? Und warum? Dünkte ihr ihr Leben wertlos, oder war sie dabei, eine Heldentat der Nächstenliebe zu voll­bringen!

In seinen Gedanken bemerkte er kaum, wie Eva sich dichter an ihn schmiegte. Wie gebannt blickte Steinweg noch auf Leonorens Tun, die ihre ganze Umgebung ignorierte und nur von dem RettungSgedanken beseelt zu sein schien.

Plötzlich raffte er sich aber auf und tat einige Schritte vorwärts, um den Männern, die mit Leonore nach den Kähnen eilten, zu folgen. Eva jedoch hielt ihn fest umklammert.

Du darfst nicht, Bruno", flehte sie,Du darfst Dein Leben nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen; eS sind Männer genug da, die daS Rettnngswerk vollbringen können. Bleibe, bleibe bei mir", rief sie voll namenloser Angst.

Steinweg aber stieß die zarte Gestalt fast unsanft von sich.

Laß mich!" rief er finster.Soll sie, ein Mädchen, mehr Mut zeigen wie alle Männer und uns so beschämen, daß wir vor der ganzen Welt blamiert sind?"

Eva taumelte zurück und stieß mit der Stirn hart an einen Baumstamm; mit einem leisen Ausschrei legte sie beide Hände an die Schläfen, und durch die zarten weißen Finger sickerte

b) wenn sie männlich oder kastriert find und ein Alter von zwei Jahren noch nicht erreicht haben;

5.Kälber" in Spalte 7 die geschlachteten Stück Rindvieh im Alter bi« zu drei Monaten, gleichviel ob männlich, weiblich oder kastriert.

Diese Grundsätze haben auch für alle übrigen sta­tistischen Anschreibungen der Ergebnisse der Schlacht­vieh» und Fleischbeschau, bei denen die bezeichneten Gruppen vorkommen, insbesondere auch für die Führ­ung der Tagebücher der Fletschbeschauer, als Richt­schnur zu dienen.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden veranlaßt, den Schlachtviehbeschauern schleunigst hiervon Kenntnis zu geben, damit die Anordnung vom 8. Oktober d. Js. ab beachtet werden kann.

I. I. 6911. Der com. Landrat von Grunelius,

Regierungsassessor.

HerSseld, den 28. September 1905.

Es ist wahrgenommen worden, daß die Ortspolizeibe- hördea mehrfach die Requisitionen an den Königlichen Kreis- tierarzt in einer Form ergehen lassen, welche nicht das Ersuchen um Vornahme einer Amtshandlung sondern nur eine Mitteilung von dem Vorhandensein eine» gewissen Zustandes enthält. Ich mache darauf aufmerksam, daß die Vornahme von Dienstreisen auf derartige Mitteilungen hin im Allgemeinen nicht zulässig ist, zu denselben vielmehr Requisitionen und Aufträge" erforderlich find, was künftighin von den Ortspolizeibehörden zu beachten ist. Im Uebrigen weise ich hierbei nochmals darauf hin, daß von allen an den Kreiülterarzt gerichteten Rc^urfirioneu mir eine Abschrift alsbald einzureichen ist. (vergl. Ausschr. vom 23. August d. J. I. Nr. 5549 Kreisblatt Nr. 101.) I. 6694. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsassessor.

Mainz, 26. September 1905.

Es wird gebeten, den dortigen Landwirten in geeignet erscheinender Weise bekannt geben zu wollen, daß der An­kauf von Hülsensrüchten (gelbe Erbsen, weiße Rund- und Langbohnen, sowie Linsen) neuer Ernte anfangs Oktober er. ausgenommen wird.

Angebote find entweder direkt an die Fabrik oder an das dem Verkäufer zunächst gelegene Proviant-Amt zu richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufers auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann.

Den Angeboten sind Proben von mindesten» Va 1 bei- zufügen. Zur Preisbemessuog wird bemerkt, daß die Abfuhr­kosten vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 8 Pfennig für 100 kg betragen und vom Verkäufer zu tragen sind.

das Blut aus einer Stirnwunde. Niemand jedoch achtete in diesen schrecklichen Augenblicken auf sie, aller Augen waren auf den Kahn gerichtet, in dem schon. Leonore und drei Männer saßen und in welchen jetzt Steinweg hereinsprang und dann ein Ruder ergriff. Eva sah noch, wie sich der Kahn jetzt langsam in Beivegung setzte. Dann schwankte sie nach dem Hause. Nachdem sie dort ein Tuch um die blutende Stirn gebunden, stieg sie die Treppe hinauf. Oben auf dem Saal lehnte sie sich an eines der Fenster und starrte wie geistes­abwesend auf die unheimlich wogende und steigende Wasser­fläche und auf den kleinen Kahn, der immer wieder von den andrängenden Wassern zurückgeschleudert würde.

Wie sie ruderten, wie sie mit den Wogen kämpsten, um vorwärts zu kommen und für ein einziges, armes Menschen- dasein ihr Leben einsetzten. Und der, der dort hoch über die andern emporragte, das war ihr Mann! Und er hatte sie von sich gestoßen und war der andern nachgeeilt, o sie wußte alles, alles war ihr jetzt klar. War sie auch nicht betrogen und hintergangen, so sah sie doch jetzt mit eigenen Augen, daß Steinweg diese Leonore Wurden über alles zu schätzen schien. Und dann, dann war sie, die arme Eva, ganz elend. Wie gering dünkte ihr das Unglück all der Leute da unten, die nur um ihre armselige Habe jammerten, gegen ihr Elend. Was diese verloren, konnte und würde ersetzt werden, aber wer aus der weiten Welt konnte ihr die verlorene Liebe ihres Mannes wieder zurückgeben? Und welch ein Mann war er! Er konnte es nicht ertragen, den stillen, ängstlichen Zuschauer zu spielen, wo ein schwaches Mädchen und drei mutige Männer es unternahmen, ein Menschenleben zu retten! Der armen kleinen Frau dünkte ihr Gatte jetzt wie ein großer Held, jetzt, in den kritischen Augenblicken, wo sie ihn doppelt verlieren konnte.

Aber lange konnte sich Eva solchen Gedanken nicht hin geben. Rufe des Schreckens tönten zu ihr plötzlich heraus. Ihr wurde schwarz vor den Augen, sie sah den Kahn nicht mehr, er schien versunken zu sein in den Fluten.

Herr Gott im Himmel, nur daS nicht! Rette ihn, wenn ich auch keinen Teil mehr an ihm habe!" stöhnte Eva und hob die Hände flehend zu dem grauen Himmel empor. lind