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Hersfelder Kreisblatt

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Kernsprech-slnschlutz Nr. 8

M. 123.

Donnerstag, den 19. Oktober

1905

Amtlicher Cell.

Polizeiverordnung betreffend den Krammetsvogelsang.

Aus Grund der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiverwallung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (Ges.-S. S. 1529), des § 34 des Feld- und Forstpolizetgesetzes vom 1. April 1880 (Ges.-S. S. 230), des § 4 Abs. 2 des WildschongesetzeS vom 14. Juli 1904 (Ges.-S. S. 159) und des § 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Ges.-S. S. 195) wird für den Umfang des Regierungsbezirks Caffel unter Zustimmung des Bezirks- ausschuffes folgendes verordnet:

Artikel 1.

Drosseln aller Art (Krammetsvögel) dürfen innerhalb der durch den § 2 Ziffer 19 des WildschongesetzeS vom 14. Juli 1904 (Ges.-S. S. 159 und durch den Beschluß des Bezirksausschusses in Gemäßheit des § 3 Abs. 2 b des WildschongesetzeS hierfür freigegebenen Zeit nur in hoch hängenden Dohnen und zwar unter Beachtung folgender Bestimmungen gefangen werden:

a. Das Anbringen von Schlingen auf dem Fußbügel (Rute) ist verboten.

b. Der Dohnenstieg muß täglich mindesten» zweimal begangen werden.

Artikel 2.

Die Dohnen dürfen nur während der für den Drossel- sang» freigegebenen Zeit fänglich gehalten werden. Nach Ablauf dieser Zeit finb sie abzunehmen ober die Schlingen an ihnen auSzuziehen oder ganz zu entfernen.

(A. II. 4152 III)

Cassel am 4. Oktober 1905.

Der Regierungspräsident. Graf v. Bernstorff.

*

Hersfeld, den 14. Oktober 1905.

Wird veröffentlicht.

1. 7123. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst-Kontrollversammlungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:

Zu Hersfeld I

(Turnplatz an der H a in str a ß e) Mittwoch, den $. JNovember 1905

Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld.

Zu Obergeis (bei G a st w i r t E r n st)

Morsch.

Roman von Friedrich Jacobsen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wie sieht er denn aus?" forschte Wangemann neugierig, und Förster stutzte einen Moment,

Ach so, jetzt entsinne ich mich, Sie waren nicht zugegen, als Dr. Schubert vor dem Bezirksgericht in Innsbruck als Zeuge vernommen wurde, und Sie haben ihn daher niemals gesehen. Ich besitze natürlich eine Photographie von meinem Wild."--

Er suchte in seiner Brieftasche und schüttelte lächelnd den Kops.

Diese Hitze macht die Menschen ganz konfus. Das Bild liegt im Koffer, aber ich habe es gut im Gedächtnis. Dr. Schubert eigentlich darf er diesen Titel nicht mehr führen also der Flüchtling, hat mit mir selbst einige Aehn- lichkeit. Die Größe kann stimmen und ebenso das hagere Gesicht, nur hat er eine starke Glatze und war bei seiner Flucht bartlos. Wenn Sie also auf Sylt einen solchen Menschen an­treffen, dann verabsäumen Sie bitte nicht"

Ihn festzunehmen", ergänzte der Anwalt lebhaft.Da Sie so genau informiert sind, Herr Förster, so ist Ihnen wahr­scheinlich auch bekannt, daß ich selbst ein lebhaftes Interesse an den beiden Ausbrechern habe. Im Ehescheidungsverfahren natürlich."

Förster nickte etwas zögernd.

Gewiß ja. Die Strafakten enthielten einiges darüber indessen"

Die Ehe ist in erster Instanz geschieden", sagte Wange- mann und tippte mit dem Finger auf seine Mappe. Frau Konsul Marxen wurde für den schuldigen Teil erklärt und verlor damit jeden Anspruch auf Alimentation seitens ihres Ehegatten. Sie hat indessen Berusung eingelegt, weil sie nach wie vor ihre Unschuld behauptet, und das Oberlandesgericht hatte die nochmalige Vernehmung der beiden Zeugen Schubert

Mittwoch, den 8. November 1905

Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Ana, Biedebach, Gittersdors, Obergeis und Untergeis.

Zu Heringen (S ch u l p l a tz)

Montag, den 13. November 1905

Mittags 1280 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendors, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölfershausen. Die Mannschaften aus Kleinensce erscheinen in Hönebach.

Zu Heimboldshausen (bei Gastwirt Echtermeyer)

Montag, den 13. Pfovember 1905

Nachmittags 4 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Ausbach, Geth- semane, Harurode, Heimboldshausen, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal und Unterueurode.

Zu Friedewald (auf dem Schloßplatz) Dienstag, den 14. JSovember 1905

Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Lautenhausen und Hillartshausen.

Zu Schenklengsfeld (bei Ga st wirt Kroneberg)

Dienstag, den 14. JNovember 1905

Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkel- rode, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Hilnies, Lampertsfeld, Landershausen, Schenklengsfeld, Schenksolz, Un­terweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.

Zu Unterbaun

(bei Gastwirt San dl 0s) freitag, den 17. JSovember 1905

Vormittags 1030 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterbaun und Wippershain.

Zu Niederaula

(K i r ch p I a tz)

Sonnabend, den 18. JSovember 1905

Vormittags 1030 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershausen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk Engel­bach mit Hof Sternberg, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa und Holzheim.

Zu Kirchheim

(bei G astw irt Nuhn)

und Richter angeordnet, die damals noch auf der Franzens­feste interniert waren. Aus dem Beschluß geht hervor, daß die Berufungsinstanz geneigt ist, die Aussage der beiden Sträf­linge zugunsten meiner Klicntin zu verwerten, oder daß sie mit anderen Worten dem Wahrspruch der Jnnsbrncker Ge­schworenen kein rechtes Vertrauen entgegenbringt. Inzwischen und vor der Vernehmung sind die beiden Herren aus­gebrochen, was ich ihnen kaum verdenken kann"

Und nun suchen wir beide ihrer habhaft zu werden, wenn auch jeder von uns aus sehr verschiedenen Gründen", ergänzte Förster, der sehr gespannt zugehört hatte.Uebrigens wird dieses seltsame Zusammentreffen dadurch möglicherweise ein wenig aufgeklärt ich verfolge die Spur des Arztes, die nach Frau Marxens Heimat hinaufführt; sollte Dr. Schubert kühn genug sein, eine Verbindung mit der Dame anzustreben, um durch ihre Hilfe Mittel für seine weitere Flncht zu erlangen? Sie ist ihm jedenfalls zum Dank ver­pflichtet --"

Der Rechtsanwalt schüttelte nachdenklich den Kopf.

Sie regen da einen merkwürdigen Gedanken an, Herr Förster. Die Spur des Flüchtlings soll nach einer der Bade- inseln führen, sagten Sie vorhin Frau Konsul Marxen be­findet sich momentan aus Sylt, und ich selbst reife dorthin, um in ihrer Ehescheidungssache eine Konferenz abzuhalten; wenn Sie mit ihrer Vermutung recht haben, dann müßte Frau Marxen in eine mir unbekannte Verbindung mit Dr. Schubert getreten sein. Ich mag das kaum glauben; aber der weibliche Charakter birgt Rätsel, die ein Jurist mit seiner Buchstaben­weisheit nicht zu lösen vermag."

Die beiden Herren hatten in einer leeren Abteilung ge­sessen und sich daher zwanglos miteinander unterhalten; nun hielt der Zug in Hoyer-Schlusse und sie wurden im Aus- steigen voneinander getrennt. Es war noch eine Stunde bis zum Abgang des Schiffes, und Förster ging über den Deich, um das einsame Bild des Wattinecres zu betrachten.

Die Abendsonne lag auf der steigenden Flut und beleuchtete am Horizont ein weiteres Dünengebirge; eS waren nach Süden die schroffen Hänge von Hörumm und gegen Norden die Ein­öden der Lister Spitze nach der Fahrt durch die reizlose

Sonnabend, den 18. JSovember 1905

Nachmittags 3 Uhr

für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Frielingen, Gersdors, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Siebenmorgen, Heddersdorf, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode mit Hof Beiersgraben und Willingshain mit Hof Löscher.

Zu Hersfeld II

(Turnplatz an der Hainstraße Montag, den 20. JSovember 1905

Vormittags 9 Uhr

für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbe­zirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhos, Eichmühle, Heenes, Rohrbach, Taun, Hermannshof und Wehneberg.

Zur strengen Nachachtung für die beteiligten Mann- schaften fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkungen hinzu:

1. Zu den Herbstkontrollversammlungen haben zu er­scheinen :

a) diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1893 eingetreten und deshalb zur Landwehr bezw. Seewehr II. Aufgebots übergeführt werden.

b) sämtliche Reservisten und Dispositionsurlauber.

c) die zur Verfügung der Erfatzbehörden entlassenen Mannschaften.

d) sämtliche Invaliden der Reserve mit Ausnahme der dauernd abgesundenen Ganzinvaliden.

2. Die Einberufung zu den Kontrollverfammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung «ab uura, Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.

Die Nichtbefolgung der Berufung zn den Kontroll- Versammlungen hat Arrest gar Folge.

3. Die Mannschaften aus einzelnen, hier nicht genannten Höfen, Mühlen u. s. W. werden zu den Ortschaften ge­rechnet, zu deren Gemeinde sie gehören.

4. Die Mannschaften haben den M ilitär - paß und das F ü h r u n g s a t tc st mit zur Stelle zu bringen.

5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirks -Kommandos in Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt - werden.

Wer vor der Kontrollversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu gestellen.

6. Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstige Verhinderungs­fälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch - Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Kontrollplatz abzugeben sind, bescheinigt werben.

In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben.

Marsch hätte man glauben können, die Küsten eines andern Weltteils vor sich aufsteigen zu sehen.

Förster atmete tief und ein seltsam düsteres Lächeln spielte um seine schmalen Lippen als er sich endlich abwandte, stand Dr. Wangemann neben ihm.

Sie sind Wiener", sagte der Anwaltich vermute, daß dieser Anblick Ihnen fremd ist."

Allerdings, Herr Doktor, aber er erinnert mich an die Alpenwelt meiner Heimat."

Mit ihrer Einsamkeit, nicht wahr? Ich gebe Ihnen die Versicherung, wenn der Mann, den wir beide suchen, sich wirklich da drüben befindet, und wenn er einen Verfolger aus seinen Versen spürt, dann hätte er nirgends bessere Gelegenheit sich verborgen zu Hallen. Das ist ein tüchtiges Stück Land, wo im meilenweiten Umkreis keine menschliche Wohnung steht. Sie sehen eine Gestalt auf bem Kamm der Düne, und im nächsten Moment ist sie spurlos verschwunden; daher stammt auch zum guten Teil jener Aberglaube, der die Insel mit Geistern und Kobolden bevölkert."

Förster lächelte etwas überlegen.

Mein Beruf lehrt eine andere Erfahrung, Herr Doktor. Der Verbrecher sieht die Menschenmenge, da kann er besser untertauchen, als in Moor unb Sand. Aber Sie bringen mich auf einen Gedanken unser Wild darf jedenfalls keinen Argwohn schöpfen. Ich möchte Sie daher bitten, Frau Konsul Marxen vor der Hand nichts über meine Anwesenheit nutzn teilen, ich beziehe mich auf Ihren AnSspruch, daß der weib­liche Charakter unlösbare Rätsel birgt."

Dr. Wangemann nickte.

Vielleicht haben Sie recht. Jedenfalls ist Vorsicht ge­boten, und ich werde daher ein wenig sondieren, ob meine Klientur für ihren Kronzeugen ein lebhafteres Interesse empfindet. In diesem Falle wäre sie vielleicht imstande, auf ihren eigenen Vorteil zu verzichten und dem Flüchtling über die große Pfütze zu helfen. Inzwischen wird eS für unS selbst Zeit die Ueberfahrt anzutreben Sie sehen ein bischen blaß aus, Herr Förster, aber vor der Seekrankheit sind Sie absolut sicher: in dieser Jahreszeit ist daS Wattenmeer so zahm wie ein Ententeich."