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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
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Nr. 1M. Sonnabend, den 28. Oktober 1905.
Amtlicher teil.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 21. August 1905 — A. II. 7116. — (abgedruckt in Nr. 35 des Amtsblatts vom 30. August 1905) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 19. September cr. III. B 3. 617. M. d. ö. A./IIu. 7201. M. d. J. zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen für den Regierungsbezirk Münster die weiteren Nummern 2301 bis 2600 überwiesen haben. (A. II. 8515.)
Caffel am 5. Oktober 1905.
Der Regierungs-Präsident. gez. J. V.: M e j e r.
* * *
Hersfeld, den 11. Oktober 1905.
Wird veröffentlicht.
I. 7176. Der com. Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 24. Oktober 1905.
Die Räude unter den Schafen in Oberellenbach (Kreis Rotenburg o/F. ist erloschen. I. 7485. Der com. Landrot.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 23.^Oktober 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Hrch. S^o m m e r in H eetn e s ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 1. 7447. Der com. Landrat
von @ r u n e I i u 8 , RegierungS-Assessor.
Hersfeld, den 23. Oktober 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Heinrich Otter in Sölzerhöfe (bei S o r g a) ausgebrochene Schweine- feuche ist erloschen.
I. I. 7449. Der com. Landrat.
J. V.:
T H a m e r.
Saatenstand um die Mitte des Monates Oktober 1905 im Kreise HerSfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 — Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901. — I B C 9476 M. f. L. — l d 3646 M. d. I. —)
Fruchtarten
Durchschnittsnoten für den
Winterweizen
Sommerweizen
Winterspelz
Winterroggen
Staat
Reg.-Bez. Caffel
2,7
2,7
2,8
2,6
2,6
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen
Noten CQ | I T
5
1
2
4
4
1
1
4
1
1
Sommergerste Hafer . . Kartoffeln . Klee. . . Luzerne. .
Wiesen: Bewässerung»- Andere
Königliche«
latistisches
Bureau.
Dr. Blenk.
j)sliz<i«Verordn«ng.
Auf Grund des § 5 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizei-Verwaltung und des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeindeversammlung folgende, für den hiesigen Gemeindebezirk gültige Polizei- Verordnung erlassen:
§ 1.
Das Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen einschl. der Wendewege in hie< figer Gemarkung verboten.
§ 2.
Das Beschädigen der Wege einschl. der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschaften ist verboten.
8 3.
Das Verunreinigen der Gräben sowie das Befahren derselben an Wegen außer den vorgesehenen Uebersahrten ist verboten.
8 4.
Das unbefugte Befahren sämtlicher WirtschaftSwege mit
Lastfuhrwerken jeglicher Art ist für alle diejenigen, welche nicht Grundbesitzer in hiesiger Gemarkung sind, ver. boten.
§ 5.
Das Befahren hiesiger Wege von Grundbesitzern an» derer Gemarkung zum Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist verbeten.
§ 6.
Das Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.
8 7.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizei-Verordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe bis zu 9 Mark oder entsprechender Haft bestraft.
Aua, den 25. Oktober 1905.
Der Bürgermeister
Bechstein.
Nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Während der Berichtrwoche haben in Baden die Landtagswahlen stattgefunden. Dieselben beanspruchen diesmal ein besonderes Interesse, weil sie zum ersten Male nach dem System des allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechtes vorgenommen wurden. Als Folge hiervon hat sich eine vollkommen veränderte Gruppierung der Parteien ergeben. Während sich nämlich bisher die Nationalliberalen, als die mächtigste Partei in Baden, dem Ansturm der vereinigten übrigen Parteien, des Zentrum», der Demokratie, Freisinnigen und Sozialdemokratin aus* gesetzt sahen, haben sie sich bei den letzten Wahlen mit den übrigen Parteien der Linken, ausschließlich der Sozialdemc- kratie, zu dem sogenannten liberalen Block zusammengeschloffen, um gemeinsam das Zentrum zu bekämpfen. Das Wahlergebnis ist zur Zeit noch ein durchaus unvollständiges, da zahlreiche Stichwahlen stattzufinden haben. Für diese ist bedauerlicherweise ein taktisches Abkommen zwischen dem Block und der Sozialdemokratie getroffen worden. Da» durste unter keinen Umständen geschehen und am allerwenigsten von Leuten, die auf da» Wort „national" in ihrer Parteibezeichnung Gewicht legen. Mag der Gegensatz zwischen den bürgerlichen Parteien hier und da auch noch solche Schärfe zeigen, bei der Wahl zwischen einem Vertreter beS Bürgertums und einem Sozialdemokraten muß die Losung unter allen Umständen lauten: Gegen die Sozial- dcmokratie! Hoffentlich folgt die Masse der Wähler trotz entgegenstehender Weisung der Führer auch bei den badischen Stichwahlen dieser Parole.
Wie Baden unter dem Zeichen beS WahlkampfeS so steht ein anderer deutscher Bundesstaat, nämlich Sachsen, zur Zeit unter dem Zeichen des K a i s e r b e s u ch e ». Der überaus herzliche Empfang, der unserm Kaiser am sächsischen Königshofe zuteil geworden, sowie die begeisterten Huldigungen, die ihm von der Bevölkerung Dresden» dargebracht worden sind, haben im ganzen Reiche freudigen Widerhall gefunden. Sind sie doch ein beredtes Zeugnis für das innige Einvernehmen zwischen Kaiser Wilhelm und König Friedrich August sowie für die Macht des nationalen Gedanken» im Sachsenvolke. Jeder Patriot wird von ganzem Herzen wünschen, daß es immerdar so bleiben möge.
Auch außerhalb der Grenzpfähle Deutschlands hat die Chronik der verflossenen Woche von einer Zusammenkunft zweier Staatsoberhäupter zu berichten: Präsident Lo übet hat seinen angekündigten Besuch am spanischen Königshofe zur Ausführung gebracht. Er fanden zahlreiche Festlichkeiten statt. Bei dem Diner, das Präsident Loubet zu Ehren des Königs von Spanien gab, wechselten der Präsident und der König Trinksprüche, die äußerst warm gehalten waren und insbesondere auch in ein Hoch auf die beiderseitigen Armeen ausklangen. Interessant war es, daß sowohl Präsident Loubet wie der König in ihren Toasten ein starkes Heer als sicherste Friedensbürg- schaft priesen. In der Tat dürste sich in unserer Zeit kein verantwortungsvoller Staatsleiter der Wahrheit dieses Urteils mehr entziehen können.
In Rußland hat die revolutionäre Bewegung infolge der Ausstandes der Eisenbahnangestellten in Petersburg, Moskau und an anderen Orten augenblicklich wieder einen recht bedenklichen Umfang angenommen. Die Idee des politischen Massenstreiks, mit dem die deutsche Sozialdemokratie seit Jena so eifrig kokettiert, ist in Rußland bereits mord. und bluterfüllte Wirklichkeit geworden. Für politische Forderungen, deren Unersüllbarkeit bei dem derzeitigen Bildung-stande der Bevölkerung Rußland« sowie der Gesamtlage der dortigen Verhältnisse jedem halbweg vernünftigen Menschen sofort einleuchten muß, lassen sich die russischen Arbeiter von gewissenlosen Einbläseru und
Aufwieglern, hauptsächlich jüdischer Herkunft, fortgesetzt zu Streiks und schweren Ausschreitungen verleiten. Den Haupt, schaden hiervon hat natürlich die Arbeiterschaft selbst.
In N o r w e g e n ist die Frage der künftigen StaatS- verfassung, wenigstens formell, noch ungelöst. Für eine KönigSwahl kommt als einziger Kandidat Prinz Karl von Dänemark in Betracht. Völlig müßig sind die von englischen Blättern angestellten Betrachtungen darüber, ob die Wahl dieses Prinzen zum Könige von Norwegen in Deutschland gerne gesehen werde, da eS nicht zu den Ueberlieferungen deutscher Politik gehört, sich in die Ausübung bes Selbstbestimmungsrechte« anderer Nationen zu mengen.
In der Angelegenheit der mazedonischen Finanzkontrolle, deren Einführung sich die Pforte hartnäckig widersetzt, finden zur Zeit zwischen den Mächten Verhandlungen über die weiteren Schritt« statt, während die bereits ernannten Finanzdelegierten in Uesküb mit den beiden Zivilagenten Beratungen pflegen, in welcher Weise sie ihre Aufgaben erfüllen sollen. Im Interesse der Ruhe und bes Fortschritte» im europäischen Orient wäre sicherlich die Herbeiführung einer gütlichen Verständigung dringend zu wünschen.
Hefeematbnefeft.
31. Oktober.
Da» ReformationSfest ist ein Fest dankbarer Erinnerung. Vor unseren Augen stehen die großen Gestalten der Männer auf, die vor nun bald 400 Jahren zuerst im deutschen Lande dk Predigt bes lauteren Evangeliuns wieder haben erschauen lassen. Wir gedenken der geistigen Not, in der damals unser Volk versunken lag, der inneren Zerfahrenheit und Haltlosigkeit, der es verfallen war, des sittlichen Niederganges und der staatlichen Schwäche, die trotz hoher wirtschaftlicher Blüte und eifriger kirchlicher Frömmigkeit das deutsche Wesen mit dem Verluste seiner Eigenart bedrohten. Dann aber hören wir die Stimme des Mönchs von Wittenberg, und mit einem Male ist dem deutschen Geiste das Bewußtsein über sich selbst, der trieb- fähige Keim eines neuen, höheren Daseins, das Heiligtum einer Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit, bas Kleinod einer Beherrschung der Welt durch die Freiheit und die Liebe gewonnen, und eine neue Stufe der Bildung des menschlichen Geschlechtes, die geistige Grundlage einer neuen Zeit ist der Menschheit geschenkt worden, die in den Völkern unseres Weltteils neue Kräfte wachruft und noch heute uns allen die Bahn zum Fortschreiten auf dem Wege der edelsten Gesittung offenhält. Das ist vom Herrn geschehen und ein Wunder vor unsern Augen. Wir beten den Gott an, der allemal, wenn die Zeit erfüllet ist, durch seinen Geist sich die Werkzeuge erweckt, die der Welt seine Botschast zu verkünden und ihr die neuen Wege auswärts zu weisen haben. Und wir freuen uns und rühmen: der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich.
Erinnerung aber ist mehr als ein flüchtiges Gedenken vergangener Dinge; sie ist ein innerliches Festhalten und Einprägen, ein neues Gewinnen und Lebendigmachen dessen, was noch immer von bleibendem Werte und heiliger Bedeutung für uns ist. So pflegen wir jeder im besonderen die Erinnerung an unsere Heimgegangenen Lieben und an schöne und ernste Tage unseres eigenen Erdenwallens. So pflegt ein Volk das Gedächtnis feiner großen Männer und der ihm durch sie anvertrauten dauernden Güter. Was die Reformation gewirkt und vollbracht hat, das stammt alles aus dem einen großen Heilsgute her, bas für die Menschheit damals gleichsam neu entdeckt werden mußte, aus dem Evangelium. Mit der Predigt des Evangelium« ist der Geist des deutschen Volkes zu einem neuen Leben erweckt, die Gedankenwelt und die Gefühlsweise des Mit^elalterS überwunden und eine höhere Form der Stellung des Herzens und des Willens zu Gott und zu der Well geschaffen worden. Alle Veränderungen, die jene große Umwälzung in den menschlichen Zuständen und Anschauungen hervorgerufen hat, gehen auf diesen einen alles bestimmenden Ursprung des reinen und lauteren Evangeliums zurück.
Solche Erinnerung tut dem heutigen Geschlechte doppelt not. Durch unsere Zeit geht ein Geist der Verachtung alles Jenseitigen ebenso wie alles Geschichtlichen. Man empfindet die Geschichte wie eine Last, die zu tragen man zu schwach ist, und man zieht es vor, sich in die Knechtschaft der flüchtigen Gegenwart zu begeben, die man mit dreister Verdrehung der Tatsachen die Wirklichkeit nennt. Aus dieser Gesinnung der Diesseitigkeit und des EchmeichelnS um die Gunst des Augenblicke» ist die Gleichgültigkeit gegen die evangelische Wahrheit zu erklären, die heute weite Vo'.k«- kreife beherrscht. Nicht eine vorübergehende Aufwallung des protestantischen Ehrgefühls, sondern nur eine gründliche Bekehrung von allem Götzendienste bes Zeitgeistes und der so* genannten modernen Anschauungen vermag uns von dem Drucke unevangelischer Zeitmächte zu befreien.
Soll unserem Volke die evangelische Freiheit wieder geschenkt werden, bann muß in ihm der evangelische Glaube