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Herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Änschlutz Nr. 8

Nr. 132. Donnerstag, den 9» November

1005»

Amtlicher teil.

Setsfeih, den 4. November 1905.

Den Herren Standesbeamten des Kreises gehen in den nächsten Tagen die Formulare zu den gemäß § 46,7 der Wehrordnung vom 22. November 1888 anzufertigenden Aus­zügen aus den Civilstandsregistern zu.

Die in Rede stehenden Auszüge sind alsbald anzusertigen und die aus den Geburtsregistern denOrtSvor - ständen der betreffenden Gemeinden zum 1 5 Januar 1906 zu übersenden. Die aus den Sterberegistern sind alsbald dahier einzureichen. Die An­gabe des Geburtstages, Monats und Jahres hat bei den Letzteren in SpalteBemerkungen" zu erfolgen, falls das genaue Datum, das aus dem Sterberegister nicht hervor- geht, anderweit bekannt geworden ist. Es wird noch be­sonders darauf aufmerksam gemacht, daß für jeden einzelnen Kterbesall ein besonderer Au « - zua angefertigt werden muß.

3. II Nr. 4935. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

HeiSfeld, den 4. November 1905.

Der. Gastwirt und Metzger Heinrich Hassenpflug zu Nieveraula beabsichtigt in seinem daselbst belegenen Haus grundstück No. 99 (Kartenblatt 8 Parzelle No. 275/116) einen

Schlachtraum einzurichten und hat um die Genehmigung hierzu nach, gesucht.

Es wird dieses hiermit zur öffentlichen Kenntnis ge­bracht, mit dem Bemerken, daß Einwendungen hiergegen innerhalb 14 Tagen schriftlich in zwei Ausfertigungen ooer zu Protokoll bei mit angebracht werden können. Ueber die etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen (nach Ablauf der vorerwähnten Frist können solche nicht mehr geltend gemacht werden) wird am

Sonnerfing hen 23. November ü. M

morgens 10 Uhr

im Geschäftslokal des hiesigen Landratsamtes mündlich verhandelt werden und zwar auch im Falle des Ausbleibens der Interessenten.

Die Zeichnung und Beschreibung von der projektierten Anlage liegen während der GeschästSstunden zur Einsicht­nahme für die Beteiligten offen.

II. 4893. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Morsch.

Roman von Friedrich Jacobsen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Es war eine Frage, deren Bedeutung nicht mehr mißver­standen werden konnte, die Frage nach Schuld oder Unschuld, die ein Rechtsbeistand nur selten in nackten, dürren Worten zu stellen pflegt, an der er stumm vorübergcht in der still­schweigenden Voraussetzung, daß sein Klient im Rechte ist. Aber in diesem Falle mußte sie, wenn auch in verhüllter Form, gestellt werden, denn der Zeuge, um den es sich han­delte, war eine zweischneidige Waffe, und Senta fühlte das auch in der Tiefe ihrer Seele. Aber dennoch wich sie nach Frauenart aus; es war ihr unmöglich, diesem kühl denkenden Juristen ihr ganzes Herz zu öffnen.

Giebt es keine andere Lösung?" fragte sie beklommen und legte die Hand aus den Arm des neben ihr stehenden Mannes.Mein Gott, wenn ich daran denke, daß die beiden Unglücklichen aufgefunden werden, sie müßten ja so oder so in das schreckliche Zuchthaus zurückwandern!"

Eine Lösung?" entgegnete Dr. Wangemann.Ich wußte keine, die in unsern Händen ruht. Wir wünschen doch nicht, daß der Himmel selbst ein Einsehen hat und Ihren Gatten sterben läßt, bevor das Urteil die Rechtskraft beschritten hat. Das wäre freilich eine einfache Lösung aller Wirrsal, aber mit Menschen hängen am Dasein, und darum wünschen wir auch unserm Gegner das Leben. Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich von dieser einen Möglichkeit spreche, aber ich wollte Ihnen nur damit beweisen, daß die rollende Kugel ihren Lauf nehmen muß. Ist unsere Unterredung damit ab­geschlossen ?"

Dr. Waugemau» sprach die letzten Worte noch kühler, als er überhaupt zum Schluß gesprochen hatte, und er empfand in der Tat etwas, das einem körperlichen Frösteln glich.

Es war vielleicht der rauhe Tag und die feuchte Seeluft die sich durch eine vffenstcheudc Scheibe deS Fensters hcreiu-

Ansprache an die Bevölkerung über

die Bedeutung und Ausführung der Uolks- Bhlung am 1. Dezember 1905.

Mit dem 1. Dezember d. I. kehrt in Preußen wie im ganzen Teutschen Reich der Tag der Volkszählung wieder.

Die unbedingte Notwendigkeit regelmäßiger Aufnahmen dieser Art ist allgemein anerkannt. Kein Volk vermag sie zu entbehren, das sich über die Grundlagen seiner Größe und Entwickelung, insbesondere über Zahl, Geschlecht, Alter, Familienstand, Beruf, Religionsbekenntnis und sonstige persönlichen Eigenschaften seiner Angehörigen unterrichten will. Die Ergebniffe der Volkszählung dienen aber bei uns nicht nur der wissenschaftlichen Erforschung wichtiger Verhältniffe des Volkslebens, sondern auch mancherlei prak­tischen Zwecken, wie der Verteilung gemeinsamer Einkünfte und Lasten der einzelnen Bundesstaalen, der Regelung der Münzprägung, sowie der Ordnung vieler Verhältniffe, welche sich nach der Volkszahl richten, wie j. B. die Zuständigkeit von Behörden der allgemeinen Landesverwaltung, die Bil­dung von Stadtkreisen und Urwahlbezirken, die Wahl von Abgeordneten zu den Kreis- und Provinziallandtagen, die Gemeindewahlen usw.

Eine Ausnahme von dem Umfange der Volkszählung ist nicht ohne erhebliche Mühe durchzuführen. Ein Blick auf den Verlauf des Zählverfahrens zeigt aber sogleich, daß der Bevölkerung selbst hieraus verhältnismäßig nur wenig Arbeit erwächst.

In den Tagen vom 28. bis 30. November d. I. wer­den im ganzen Staate etwa eine Viertelmillion Zähler bei den einzelnen Haushaltungen vorsprechen, um für jede in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember d. I. voraussichtlich dort anwesende Person eineZählkarte A* und für jede Haushaltung einHaushaltungSverzeichniS B" zu überreichen. Als Umschlag für diese Papiere dient ein Zählbrief C/D", dem zugleich eineAnleitung C* zur Ausfüllung der Zählkarten sowie je eine Musterausfüllung aufgedruckt ist.

Die Haushaltungsvorstände, b. h. die Familienhäupter haben nur

a) die Zählpapiere in Empfang zu nehmen,

b) sie gemäß der Anleitung C auszufüllen oder durch geeignete Vertreter ausfüllen zu laffen und

c) sie vom 1. Dezember d. J. mittags zwölf Uhr an zur Abholung durch den Zähler bereit Hallen.

Die Fragen der Zählpapiere sind nicht zahlreich, durch­weg einfach und völlig unverfänglich. Niemals wer­den die durch die Zählung gewonnenen Nachrichten über einzelne Pers onen ver­öffentlicht der sür andere alSstatistische, besonders auch nicht für steuerltcheZwecke

drängte; vielleicht hatte er auch die unbestimmte Empfindung, daß diese schöne Frau, die noch immer dicht neben ihm stand, unlösbare Rätsel in ihrer Seele barg.

Sie hatte ihn soeben mit großen, sonderbaren Augen an­gesehen, und er bereute es fast, aus jene Möglichkeit hiuge- wiefen zu haben, die nie und unter keinen Umständen den Gegenstand menschlicher Berechnungen bilden darf.

Denn der Gedanke an den Tod eines Menschen könne zum Wunsch werden, und schon dieser Wunsch ist ein schwerer sittlicher Makel.

Als der Rechtsanwalt das Zimmer mit einer Verbeugung verlassen hatte, blieb Senta noch eine Weile regungslos stehen und starrte auf die Tür, die schon längst wieder geschlossen war. Ihre großen schwarzen Augen bräunten wie Feuerflammen in dem blassen Gesicht, und das Atmen schien ihr schwer zu werben.

Dann riß sie mit einer hastigen Bewegung das Fenster aus und ließ sich den Seewind um die Stirn streichen.

Er fuhr mit Schnauben herein wie ein Dämon, der draußen gelauert hat, und Senta sah, daß er da unten an dem Strande schon Unheil angerichtet hatte.

Es wollte wohl Sturmflut geben.

Die Strandwärter liefen wie Ameisen durcheinander und schleppten die Strandkörbe unter den Schutz der Wandelbahn; links, wo man die Flagge des DamenbadeS flattern sah, war eine vollständige Flucht vor den heranbrausenden Wellen ein- getreten, und wenn anet) nach Weuningstedt zu, wo der Herrenstrand lag, einzelne besonders kecke Schwimmer aus dem Gischt der Brandung emportauchten, so vernahm man doch in kurzen Pausen den warnenben Hornruf des Bademeisters, und das Geschrei der tiesfliegenden Möven vermehrte nur den Eindruck einer Naturgewalt, die mitten im Frieden des Sommers aus grauen Wolken hervorbrach.

Joseph Richter hatte nicht viel Zeit dazu gebraucht, seine Habseligkeiten zusammenzupacken, denn er war nur mit einem Ranzen auf die Insel gekommen, nud nicht einmal die Geige gehörte ihm zu eigen, sondern das Instrument war ihm und seinem Kapellmeister zur Benutzung überlassen worden.

benutzt. Die aus den Zählpapieren gewonnenen Er­gebniffe gehen in allgemeine Tabellen über, in welchen der einzelne Mensch nicht mehr erkennbar ist. Die Zählpapiere selbst werden nach beendigter Arbeit eingestampft; jedermann darf danach sicher sein, daß die Angaben seiner Zählkarte über Aller, Religion, Staatsangehörigkeit, Militärverhältnis, Beruf und Erwerb, etwaige Mängel und Gebrechen u. f. w. nicht vor unberufene Augen kommen oder an die Ocffent- lichkeit gelangen.

Auf ein vertrauensvolles Entgegenkommen der HauShal- tungsvorstände wie überhaupt der ganzen Bevölkerung, auch hinsichtlich der nicht vom Staate, sondern von einzelnen Gemeinden gestellten Fragen dürfen die Zähler hiernach wohl um so eher rechnen, als diese Männer ihre umfang­reiche und mühevolle Arbeit fast sämtlich freiwillig über­nommen haben und dem Gemeinwesen dadurch wertvolle Dienste leisten. Nachdem die zuständigen Behörden Anord­nung getroffen haben, daß den Beamten der verschiedenen Verwaltungen die sür ihre rege Beteiligung am Zählge- schäfte erforderlichen Diensterleichterungen zu gewähren sind, darf erwartet werden, daß alle noch hinreichend rüstigen, dienstlich abkömmlichen Reicht-, Staate- und Gemeindebeam' ten einschließlich der an höheren, Mittel- oder Volksschulen angestellten und wegen Ausfallens des Unterrichts am Zähl- tage dienstfreien Lehrer einer Aufforderung der Gemeinde­behörde, das Ehrenamt eines Zählers zu übernehmen, bereitwilligst Folge leisten werden.

Das Gelingen der Aufnahme hängt we­sentlich von dem Zusammenwirken der Zähler mit den Haushaltungsvorständen ab. Diese werden deshalb ersucht, den Zählern ihr Amt nach Möglichkeit zu erleichtern und ihnen unnütze Gänge ober Arbeiten zu ersparen. Sie können dieses tun, durch richtige, deutliche Ausfüllung der Zählpapiere, bereitwillige Auskunft über etwaige Lücken oder Undeutlichkeiten in der Ausfüllung und durch die Sorge für sichere und schnelle Empsangnahme der Zählpapiere sowie deren Bereithaltung zur Wiederabholung auch für den Fall, daß der HauS- Haltungsvorstand selbst nicht zu Hause sein sollte. Die Zähler genießen in der Ausübung ihrer Pflichten den be­sonderen Schutz der Gesetze; es wird aber wohl kaum einer von ihnen diesen anzurufen brauchen, sondern alle werden ohne weiteres die Rücksicht finden, die jeder für das allgemeine Beste arbeitende Staatsbürger beanspruchen darf.

Das Königliche Statistische Landesamt wird das Seinige tun, um den Urstoff bet Aufnahme möglichst schnell auszu- bereiten und ihn durch ausgiebige Veröffentlichungen für die Gesetzgebung, Verwaltung, Wissenschaft und Volks­wohlfahrt nutzbar zu machen.

Berlin, im November 1905.

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.

Dr. Blenck, Präsident.

Was er aber jetzt begann, das machte bald den Eindruck einer heimlichen Flucht.

Er überzahlte zunächst seine Barschaft, sonderte einen kleinen Betrag ab, der als Entschädigung für Kost und Logis gelten könnte, legte das Geld mit einem Zettel neben den Geigen­kasten und warf sodann das gepackte Felleisen über die Schulter.

Der Fischer hatte sich in die Wohnstube zurückgezogen, um den versäumten Schlaf der Nacht etwas einzuholen, während Lene in der Küche mit einer häuslichen Arbeit beschäftigt war; diese Gelegenheit benutzte Joseph, um durch die Stalltür das Freie zu gewinnen, und wenige Minuten später hatte er die nächste Düne erreicht, deren Kamm ihn den Blicken der Dorf­bewohner entzog.

Wenn es denn überhaupt jemand der Mühe wert erachtet hatte, im nachzuschauen.

Es war noch früh, und die meisten Insassen der wenigen verstreuten Häuser saßen wohl noch am Kaffectisch oder be­schäftigten sich in Stall und Scheuer; erst in einer Stunde, wenn der nach Hörnum fällige Zug vorüberkam, pflegten sie auf die Feldarbeit zu gehen, denn dieses zweimal am Tage wiederkehrende Ereignis war ihre Uhr, und wenn einer unter ihnen einen anderen Zeitmesser besaß, dann wurde er nach der ersten Rauchwolke gestellt, die über dem haldversandeten Bahn- körper aufivirbcltc.

Der Morgenzug stand mit dem Dampfschiff in Verbindung, welches während der Sommermonate einmal täglich von Hörnum über Helgoland nach Hamburg fuhr und von sehr vielen Reisenden benutzt zu werden pflegte; es richtete sich natürlich nach der Flut und mußte heute in etwa zwei Stun­den fällig sein.

Joseph ging in der Richtung nach Süden.

Wenn eS seine Absicht war, zu Fuß das Schiff zu er reichen, so mußte er tüchtig ausschreiten, und der Zug sonnte ihm dabei auch nichts nützen; denn c§ gab zwischen Neu Rantum und dem Bahnhof von Hörnum kaum eine einzige menschliche Wohnung und infolgedessen auch keine Haltestelle,- es war eine auS Dünen und dazwischen gelagerten Tätern bestehende Einöde.