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Herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernfprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 134.
Dienstag, den 14. November
1905.
Amtlicher teil
Hersfeld, den 10. November Nachstehend veröffentliche ich die Nachweisung
1905.
über die
Ergebnisse der Herbstkörung der Zuchtbullen im Kreise.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie haben strengstens darüber zu wachen, daß die zur Körung nicht vorgeführten oder die für untauglich befundenen Bullen zur Nachzucht nicht verwendet werden.
Zuwiderhandlungen gegen die Polizei-Verordnung vom
17. Januar 1879 —Kreisblatt Nr. 8— sind unnachsichtlich zur Bestrafung zu bringen.
I. 8010. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierungsassessor.
Nachweisung über die Körung der Zuchtbullen im Herbst 1905.
s
Gemeinde.
Anzahl der
Bullen.
Namen der Eigentümer.
Datum der
Körung.
Resultate der Körung.
Bemerkungen.
Alter und Race der Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
A. Körungsbezirk Hersfeld.
1
Biedebach
1
Gemeinde
2/11.
16 Monate, Simmentaler
Gelbschack
gut
2
Kohlhausen
1
Joh. Jakob Leist
1/11.
15 Monate, Simmentaler
do.
do.
3
Reilos
1
Jakob Lenz
2/11.
19 Monate, Simmentaler
Rotschack
do.
4
Rohrbach
1
Gemeinde
2/11.
18 Monate, Simmentaler
Gelbschack
do.
6
Sorga (Sölzerhöfe)
1
Peter Schneider
17/10.
19 Monate, Simmentaler
do.
do.
6
Unterhaun
1
Peter Jacob
4/10.
14 Monate, Simmentaler
Rotschack
do.
7
Wippershain
1
Conrad Trinter
30/10.
13 Monate, Simmentaler
Gelbschack
do.
8
Hilperhausen
1
Philipp Altmüller
1/11.
14 Monate, Simmentaler
do.
do.
9
Friedlos
1
Martin Strüber
8/11.
14 Monate, Simmentaler
do.
untauglich
S Körungsbezirk Niederaula.
1
Beiershausen
1
Adam Schüler
20/10. 1
14 Monate, Simmentaler Kreuzung
Gelbschack
tauglich
2
Frielingen
1
Karl Eschstruth
19/10.
P/2 Jahre, Simmentaler Kreuzung
gelb mit weißem Kops
gut
1
derselbe
do.
Gelbschack
untauglich
3
Goßmannsrode
1
Jakob Ruhn
1^/1 Jahre, Simmentaler Kreuzung
Rotschack
do.
4
Kerspenhausen
1
Valentin Grenzebach
20/10.
do.
hellgelb
gut
5
Kirchheim
1
Wilhelm Hold
19/10.
do.
Rotschack
tauglich
6|
Mengshausen
1
Bürgermeister Wegfahrt
20/10.
do.
gelb
do.
Solms
1
Friedrich Horn
do.
Gelbschack
gut
Reimboldshausen
1
Johs. Bornemann
19/10.
IV2 Jahre, Simmentaler Kreuzung
do.
do.
1
derselbe
1V4 Jahre, Simmentaler Kreuzung
gelb mit weißem Kopf
do.
9
Stärklos
1
Bürgermeister Hartwig
30/10.
do.
Gelbschack
do.
C. Körungsbezirk Friedewald.
1
Harnrode
1
Gustav Theune
16/10.
P/4 Jahre, Simmentaler Kreuzung
Gelbschack
gut
2
Herfa
1
Bürgermeister Schaub
17/10.
IV2 Jahre, Simmentaler Kreuzung
do.
do.
3
Heringen
1
। Gemeinde
i Bürgermeister Hahn
16/10.
do.
do.
do.
4
Hillartshausen
1 1
17/10.
do.
do.
do.
D.
Körungsbezirk Schenklengsfeld.
1
Conrode
l
Gemeinde
Georg Bein
IV2 Jahre, Simmentaler
Gelbschack
tauglich
vom 1. März 1906 ab
2
Schenklengsfeld
20/10. ।
1 Jahr Simmentaler
Rotschack
do.
3
Motzfeld
1
Heinrich Scheer 4r
1 Jahr, Simmentaler
Gelbschack
do.
vom I. März 1906 ab
Wüstfeld
1
Johs. Heusner
2 Jahre, Simmentaler
do.
do.
Hersfeld, den 9. November 1905
Denjenigen Gemeinden, Korporationen und Amtspersonen, welche nur ganz geringe oder noch gar keine Mittel für Gründung einer Bibliothek zur Verfügung haben, bietet der mit dem „Christlichen Zeitschriftenverein" in Berlin in Verbindung stehende Zentralverein für Gründung von Volks- Bibliotheken (Berlin 8. W. 13, Alle Jacobstraße 129) die Geleginheit, durch Zahlung des geringen Jahresbeitrages von 6 Mk. auf mindestens 4 Jahre sofort eine Sammlung von 50 Büchern zu erwerben. Näheres über die Auswahl der Bücher ergibt ein von dem genannten Verein Heraus- gegebener Prospekt, der Interessenten auf Wunsch kostenfrei zugesandt wird.
I. 7970. Der com. Landrat
von Gruneliu», Regierungsassessor.
Hersfeld, den 6. November 1905.
Die Schafherde des Schäfers Valentin Weppler in Niederjoffa ist räudeverdächtig. L 7870. Der com. Landrat
von Gruneliu»,
Regierungsassessor.
Am 1. Dezember 1905 wird der an der Strecke Frankfurt a/M. — Bebra, zwischen den Stationen Hersfeld und Mecklar gelegene Haltepunkt Friedlos für den Personen- und Gepäckverkehr eröffnet.
Frankfurt a/M., den 8. November 1905.
Königliche Eiscnbahn-Direction.
nichtamtlicher teil.
Str eiche Friede.
In Luzern war kürzlich wieder einmal ein Weltfriedenskongreß versammelt, auf dem die nicht mehr ganz neue Frage erörtert wurde, daß es doch weit schöner und menschenfreundlicher sei, wenn die Staaten und Völker, sich vertrügen und gegenseitig liebten, statt zu hassen und mit dem Schwerte auseinander loszufahren. So viel sie auch geschrieben, so laut sie auch gerufen haben, die Mahnungen der Friedensapostel sind im Winde verhallt und haben kein Echo gefunden. Wohin wir blicken, überall wird weiter gerastet und mit Ernst an dem Ausbau der Wehrkraft zu Lande und zu Wasser weiter gearbeitet. Warum geschieht dies? Warum scheinen die Regierungen aller Völker
ohne Ausnahme blind oder taub zu sein. Ist e« nicht viel richtiger, die ungeheuren Militärlasten abzuschütteln und sich um so ernster in die ertragreiche Friedensarbeit zu vertiefen ? O gewiß, aber dann dürfte es unter den Menschen Neid, Haß, Eifersucht, Zwietracht, Begehrlichkeit, Eigennutz und wie alle die menschlichen Schwächen heißen mögen, nicht mehr geben; dann müßten wir aushören, Menschen zu sein, die unter dem Druck der Sünde leben.
Es liegt in der Natur der Sache, daß sich alle Fehler und Schwächen, ebenso wie alle Vorzüge der einzelnen Glieder eines Volkes auch in der Gesamtheit wiederfinden, denn das Volk besteht au» einzelnen Gliedern. Wie also gleiche Ausgaben die Menschen zusammenführen, so daß sie sich eng aneinanderschließen, so bald sie dadurch eher und um so sicherer zum Ziele zu gelangen wähnen, oder umgekehrt von einander trennen, wenn Neid, Rachsucht oder dergleichen zwischen sie tritt, so schließen auch die Völker untereinander Bündnisse oder sie sind sich mehr oder weniger feindlich gesinnt. So haben Deutschland, Oesterreich und Italien dasselbe Interesse am Frieden, und um diesen zu wahren, sind sie in den — wie wir wissen — sehr wirksamen Drei- bund eingetreten; so standen Rußland und Japan im Kriege, weil sie durch ihre ostasiatischen Interessen aneinander geraten waren und keiner dem andern weichen wollte.
Wie aber bei Streitigkeiten einzelner, wenn es sich um persönliche Dinge handelt, die Stimme eines Dritten in den meisten Fällen ungehört verhallt — in der Regel kommt es zu Zank und Streit, ja zur Prügelet — so werden auch die ganzen Völker sich niemals dem Urteilsspruch eines Schiedsgerichts fügen, sobald sie ihre wohlerwogenen Pläne gefährdet sehen, denn der Unterlegene wird den Wahrspruch niemals als gerecht und richtig anerkennen. Das ist menschlich durchaus erklärlich, denn nur der Schwache ober der Feigling kriecht zu Kreuz, der Starke dagegen kämpft für seine Ueberzeugung und geht lieber zu Grunde, als daß er diese preisgibt, sobald es sich für ihn um Wichtige» handelt. Wie viel Blut ist seit der Einsetzung des Haager Schiedsgerichts geflossen I Selbst der als friedliebend in der ganzen Welt bekannte russische Kaiser hat ju den Waffen greifen müssen; es kann eben niemand im Frieden leben, wenns dem bösen Nachbar nicht gefällt. Der Ruf „die Waffen nieder 1" wird übertönt durch die Kriegstrompete, durch den weithin vernehmbaren Donner der Kanonen; der ewige Friede ist ein liebliches schönes Märchen aus einer fremden fernen Welt; unter den Völkern der Erde ist der Krieg die Tat.
Das gilt, wie die Geschichte lehrt, nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Gegenwart, nicht nur für fremd« Völker und Erdteile, sondern auch für uns und
unser geliebtes Vaterland. Leben wir auch heute noch unter der Wohlfahrt des Friedens, will es auch so scheinen, als ob es unserm erhabenen, friedliebenden Kaiser gelingt, den Frieden noch lange zu erhalten, wer wollte so kühn sein und zu behaupten wagen, daß nicht doch der Krieg gleich dem Diebe in der Nacht über uns hereinbrechen kann? Welche Gefahren uns bedrohen, da« dürfte die jüngste Geschichte auch dem blödesten Auge gezeigt haben. Die Minen sind geladen; ein einziger Funke hinein und die Explosion ist unvermeidlich.
Die sicherste Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens ist — das kann nicht oft genug gesagt werden — ein starkes Heer und eine schlagfertige, den Forderungen der Neuzeit entsprechende Flotte.
Italien in IeM-Wrika.
Gouverneur Graf Götzen telegraphiert unter dem 10. d. Mt«., daß am 8. November während einer Meldung der Station Kilossa über einen gegen sie gerichteten Angriff die telegraphische Verbindung unterbrochen worden sei. Eine Bestätigung liege bis jetzt nicht vor. In und bei Kilossa befinden sich heute Bezirk-amtmann Lambrecht, Feldwebel Colberg, Unteroffizier Ernst und etwa 60 Askari«. Ein Teil der Marineinfanterie ist am 9. d. von Morogoro auf Kilossa abmarschiert. — Von Langenburg meldet da» dortige Bezirksamt über Kapstadt, daß die Ausständigen bet Songea in fünf Gefechten geschlagen wurden und große Verluste erlitten. Die vereinigten Abteilungen des Bezirksamtmanns Richter, Hauptmanns Nig- mann und Leutnants Klinghardt haben am 21. Oktober bei Nyamabengo—Songea ohne eigene Verluste 4000 Wangoni geschlagen. Der Feind hatte schwere Verluste.
Vor Daressalam ankert jetzt, wie der Köln. Zig. geschrieben wird, nur der Kreuzer Seeadler. Das Schwester- schiff Bussard hat unter seinem neuen Kommandanten, Korvettenkapitän Mark«, den Dienst als Stationär im Süden angetreten. Die Theti» mit dem Kommodore Fregattenkapitän Glatzel an Bord ist von Daressalam ab. gegangen, um eine Kreuzfahrt an der Küste auszuführen. Das Schiff hat 2 Offiziere und 40 Mann zur Sicherung des Küstengebietes gelandet. Leutnant z. S. Köhler steht mit der einen Abteilung in der Gegend von Kirmangao, Leutnant z. S. Hollmann mit der anderen bei Kiswere. Thetis kehrt nach beendeter Küstenfahrt nach Daressalam zurück. Obwohl unsere Marinemannschasten vielfach eilige» griffen und heftige Zusammenstöße mit den Aufständischen gehabt haben, ist ihr Verlust gering. Der Bussard hat in