Einzelbild herunterladen
 

Lrsch-i^ wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Vezugspreir beträgt für hersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. tu

chen rl ntz. Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer r^"' gespaltenen Zeile wpfg., im amtlichen Teile 20 ^mehr Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei MiederholuNt er­wirb ein entsprechender Rabatt gewährter«'» an*

e die in*

Serrsel-er Kteistte

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- t e i l u n g ®r. Stübel

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche !^"^

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 zu Hohenlohe.

Nr. 136.

Sonnabend, den 18. November

AV ist der »» «a

Mtlicber teil.

Cassel, den 9. November 1905.

Die in unseren Rundverfügungen vom 14. Oktober 1904 F W 0 9267/04, 29. November 1904 F W 0 10716/04 und 4. März 1905 F W 0 744 über die Stempelpflichtigkeit der Zahlungsfähigkeitsbescheinigung bei forstfiskalischen Holzverkäufen gemachten Ausführungen haben in den Entscheidungen der Steuerbehörden eine einheitliche Anerkennung nicht gesunden. Auch hat der Herr Provinzial- Steuer-Direktor es abgelehnt, uns über einige hiernach streitige Fragen eine allgemeine Auskunft zu erteilen, uns vielmehr auf die Verfolgung der streitigen Fragen in jedem Einzelfall auf dem Beschwerdewege verwiesen. Da der Forstfiskus aber re­gelmäßig nicht legitimiert sein wird, im Einzelfalle Beschwerde zu erheben, so muß es den Käufern oder Bürgen, welche sich die Zahlungssähigkeflsbescheinigung ausstellen lassen, künftig überlassen bleiben, ihnen ungerechtfertigt erscheinende Entschei­dungen der Stempelpflichtigkeit selbst durch Beschwerde bei den Steuerbehörden anzufechten.

In Zukunft sind daher die Bestimmungen unserer genann­ten Rundversügungen nicht mehr als allein maßgebend zu betrachten, vielmehr hat der zuständige Beamte in jedem Ein- zelsalle selbstständig zu prüfen, ob eine Stempelpflicht vorliegt und in welcher Weise der Stempel einzuziehen sein wird. So­bald ihm die Rechtslage nicht ganz zweifellos erscheint, sind die Urkunden zu etwaiger Stempelverwendung an das zu­ständige Steueramt abzugeben. Etwaige Beschwerden der Betroffenen gegen die Entscheidungen des Steueramtes sind alsdann nicht an uns weiterzureichen, sondern den Beschwerde­führern mit dem Anheimgeben zurückzusenden, ihre Rechte durch Beschwerde bei der übergeordneten Steuerbehörde selbstständig zu verfolgen.

Königliche Regierung,

Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten.

H i n tz. B e h r e n d t.

An 1. die Herren Landräte des Regierungsbezirks, 2. die Herren Königlichen Oberförster des Regierungsbezirks (mit Ausnahme der zu Orb und Brotterode und des Kreises Rin- teln), 3. die Forstkassen und Domäneurentämter des Regie­rungsbezirks.

* . ~- *

Hersseld, den 16. Noveinber 1905.

Vorstehend abgedruckte Verfügung bringe ich mit Bezug auf das Ausschreiben vom 14. März d. J. 1. Nr. 1698 (Kreisblatt Nr. 33) zur Kenntnis der Ortspolizeibehörden des Kreises mit der Veranlassung, die Interessenten hiernach zu bescheiden.

I. I. 8229. Der com. Landrat von Grunelius, Regierungsassessor.

Hersfeld, den 13. November 1905.

Unter der Schafherde Nr. II zu Eikshausen und unter derjenigen des Viktor Hüter in DenS (Kreis Rotenburg o/F) in die Räude ausgebrochen.

I. 8092 Der com. Landrot von Grunelius, RegierungSasieffor.

Hersseld, den 14. November 1905.

Die in der Gemeinde Asbach neuerbauten Wohnhäuser Nr. 94 bis einschließlich 100 sind dem II Beschaubezirk daselbst zugeteilt worden. Der zuständige Fleischbeschauer ist der Landwirt Jakob Nuhn zu Asbach. I. 8095. Der com. Landrat.

I V.:

T h a m e r.

Aonigliches Can^ratsamt

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Unser heutiger Bericht hat von einem Feste zu melden, das hohen nationalen Schwung atmete und den deutschen Einheitsgedanken zu glanzvollstem Ausdrucke brächte. In der alten Reichsstadt Nürnberg ist in Anwesenheit bei Kaiserpaare», des Prinzregenten von Bayern, des deutschen Kronprinzen, des GroßherzogS und der Großherzogin von Baden, des Reichskanzlers sowie einer glänzenden Reihe weiterer Fürstlichkeiten und ministerieller Gäste das von der Stadt Kaiser Wilhelm dem Großen er­richtete Denkmal enthüllt worden, das erste Denk­

mal, das das rechtsrheinische Bayern dem Gedächtnis des ersten deutschen Kaisers weiht. In einer bedeutsamen, von wärmster nationaler Begeisterung getragenen Rede wußte Kaiser Wilhelm dem feierlichen Ereignisse gerecht zu wer­den. Er griff in die Geschichte zurück, um die alte Waffen­brüderschaft und vielhundertjährigen freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen den Herrscherhäusern Wittelsbach und Hohenzollern zu beleuchten. Seine Rede aber klang aus in ein herrliches Bekenntnis frommen, gottergebenen Sinnes. Es ist, als wenn der ganze Ernst der Zeit unserem Kaiser in den weihevollen Stunden der Nürnberger Festseier vor die Seele getreten und ihm das Gelübde treuer Hingabe an Gott aus die Lippen gelegt hätte. Wir aber wollen mit ihm dieses Gelübde erneuern und allezeit eingedenk sein und bleiben, daß nur ein frommes Volk zugleich ein starkes Volk ist.

In Rußland hat die Regierung in einem gegen die polnischen Selbständigkeitsbestrebungen gerichteten Mani­feste einen außerordentlich energischen Ton angeschlagen. Es geht daraus hervor, daß die gegenwärtige russische Regierung ebenso wie die frühere die Gewährung einer Selbständigkeit an Polen für unmöglich erachtet, weil mit ihr die Auflösung des Reiches beginnen würde. Der scharfe Wind von Petersburg hat in Warschau wie ein kalter Wasserstrahl gewirkt. Man ist etwa» beklommen geworden und bemüht sich zu betonen, daß die polnische National- bewegung niemals der LoSreißung von Rußland gegolten habe. Anders dagegen hat das Manifest in Petersburg gewirkt. Hie: ist als Demonstration für die Polen ein erneuter Generalstreik in Szene gefetzt worden. Inzwischen dauern an zahlreichen anderen Orten in Rußland die Un­ruhen fort. Noch immer erscheint daher die Zukunst des Zarenreiches in dunkle Wolken gehüllt, aus denen kein Licht­strahl einen froheren Morgen kündet.

In O e st e r r e i ch hat der Ministerpräsident Freiherr v.Gautfch einer Abordnung von Industriellen Mitteilungen von großer politischer Bedeutung gemacht. Er wandte sich zunächst gegen die Unsitte, die Krone in die Wahlrechts­agitation hineinzuziehen, um alsdann daran Erklärungen zu knüpfen, die jeden Zweifel an der bevorstehenden Ein­führung des allgemeinen Wahlrechtes für Oesterreich auS= schließen. Wird durch diese Erklärung der wühlerischen Agitation der Sozialdemokratie der Boden entzogen, so sollte eigentlich und wird auch hoffentlich die zweite Er­klärung die Eisenbahner zur Vernunft bringen. Die öster­reichische Regierung ist nämlich nach den Mitteilungen des Ministerpräsidenten zu dem Entschlüsse gelangt, sofort eine beträchtliche Summe für die Ausbesserung des Gehaltes der Eisenbahnangestellten zu verwenden. Wenn die Eisen- bahner sich damit nicht begnügen, so dürsten sie wohl die Sympathien, die sie jetzt vielfach im Publikum besitzen, gründlich verscherzen, und zwar um so mehr, als sich die Folgen ihrer Obstruktion bereits breiten Volksschichten fühl­bar zu machen beginnen.

Die Volksabstimmung in Norwegen, die darüber entscheiden sollte, ob das Land künftig eine Republik ober eine Monarchie fein soll, hat eine gewaltige Mehrheit für die Monarchie ergeben. Der zum künftigen norwegischen Herrscher erkorene dänische Prinz dürfte demnach in wenigen Wochen seinen Einzug in die Hauptstadt Norwegens halten. Das Amt, das der neue König antritt, wird nicht leicht fein, dafür zeugen schon die 60 000 Stimmen, die sich bei der Volksabstimmung für die Republik erklärten. Will er nicht zum Vertreter eines Schattenkönigtums herabsinken, so wird er ein hohes Maß von Kraft und Umsicht anwenden müssen. Hoffen und wünschen wir, daß Norwegen unter dem neuen Königshause einer ruhigen segensreichen Zukunft entgegengehen möge.

Ier Ausßlilld in LM-MnchWkn.

Die früheren englischen Mitteilungen über den Aufent­halt der über die Grenze geflüchteten Herero im britischen Betschuanalande, und über die Art, wie sie dort gehalten werden, finden in neuester Zeit eine zuverlässige Bestätigung. In Nuchei unweit Quaggonei, einer kleinen Polizeistation, die mit 8 BasuloS unter dem Kommando eines weißen Sergeanten besetzt ist, sitzen etwa 700 Herero, darunter 230 Männer mit etwas über 300 Rindern und 200 BokkieS. Unter diesen Herero befinden sich folgende Großleute: Traugott TjeljdS Sohn, Justus Kavizeri, Jan BoiS, Kausi- pau, der früher in OaS ansässig war, Baratjo von Otji- haenea. In Tschau sitzen gegen 300 Herero, davon 75 Männer mit nur 30 Rindern. Dabei sind Samuel Ma- harero» Friedrich Maharero, Alfred, Johannes Mupurua, der Schulmeister Wilhelm, Kajato, Katjahingi, Mutate von Omaruru, Kaununia, Kambasembis Sohn. Timotheus und Salatiel von Waterberg sind, wie die soeben eingetroffene Deutsch'Südwestafrikanische Zeitung" berichtet, zu Nechale ins Ovambo gezogen. Die Engländer haben den Herero sämtliche Waffen abgenommen.

Aus > und Husland.

Berlin, 16. November 1905.

S e. Majestät der Kaiser, der Fürst Max Egon zu Fürstenberg sowie die Gäste des Fürsten begaben sich gestern, wie aus Donaueschingen gemeldet wird, auf die Fuchsjagd, von welcher sie Nachmittags 5 Uhr zurück- kehrten. Abends fand im Fürstlichen Schlosse Diner statt, bei dem die Musikkapelle des Konstanzer Regiments kon­zertierte. Heute findet Jagd auf Hochwild statt.

Die Königl. Justiz-Prüfungskommission in Berlin kann in diesen Tagen auf ein 150jähriges Bestehen zurückblicken. Sie wurde gegen Mitte November 1755 von Friedrich dem Großen ins Leben gerufen und hatte ihren Sitz zunächst im Gebäude des ehemaligen Ober- tribunals in der Lindenstiaße, feit der GerichtSreorganisation im Jahre 1879 aber im Justizministerium. Jeder Jurist, der als Richter, Staats- oder Rechtsanwalt tätig fein will, muß vor dieser Kommission da» Assessorexamen ablegen. Die Prüfungskommission, deren Mitgliederzahl infolge des Andranges zur juristischen Laufbahn allmählich auf 15 ge­stiegen ist, setzt sich aus vortragenden Räten des Ministeriums, sowie Räten de» Kammer- und de» OberverwaltungSgerichtS zusammen; dem jetzigen Justizminister ist es zu verdanken, daß auch RechtSanwalte in die Kommission berufen werden. Ihr Präsident ist gegenwärtig der Wirkl. Geh. Rat Dr. Eccius; er übernahm das Amt aus den Händen des be­kannten RechtSlehrerS Dr. 8. Stölzel, der es im vorigen Jahre aus Gesundheitsrücksichten niederlegte.

Ausländische Blätter fahren fort zu behaupten, daß die Haltung des russischen Ministerpräsidenten Grafen Witte gegenüber dem Verlangen der A u t o n o m i e in Russisch- Polen von deutscher Seite beeinflußt worden sei, und daß die deutsche Regierung diplomatische und militärische Vorbereitungen treffe, um in Russisch-Polen einznrücken. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle erklärt, daß alle diese Gerüchte auf plumper Erfindung ruhen. Die deutsche Regierung hat seit vielen Jahren überhaupt keinen Gedanken, aurtausch mit der russischen Regierung über polnische An­gelegenheiten gepflogen.

Die Insurgenten auf Kreta werden nach einer zwischen ihrem Führer Veliselos und den Konsuln der Schutzmächte getroffenen Vereinbarung am nächsten Sonntag die Waffen niederlegen.

Wie man in Christiania annimmt, wird eine Deputation des norwegischen Storthingsan den Prinzen Karl von Dänemark am Freitag oder Sonnabend entweder auf dem Kreuzer Heimdal oder auf dem Panzer­schiff Norge nach Kopenhagen absahren. Auf der Tages­ordnung des StorthingS steht heute die Apanagefrage, am Freitag die Regierungsvorlage betreffend die Königswahl. Dem Blatt Astenposten zufolge wird der Name des neuen Königs Karl V. fein. In einer Konferenz beim Minister des Auswärtigen wurde gestern festgesetzt, daß die KönigS- flagge purpurrot mit einem goldenen Löwen fein soll.

Die Ergingt in Wand.

Während man acht Tage lang hoffen konnte, daß sich die Zustände in Rußland gebessert, daß die Streiks, Tu­multe und Aufstände zum größten Teile aufgehört hätten, und die Revolution in eine gesunde Reformbewegung durch die Umsicht und Klugheit des Ministerpräsidenten Graf Witte verwandelt werden könnte, kommen nun doch wieder sehr schlimme Nachrichten aus Rußland. Der Empörung der Matrosen in Kronstadt ist eine solche in Wladiwostok gefolgt und in Sebastopol, Odessa und Libau befürchtet man ebenfalls den Ausbruch neuer Empörungen der Matrosen. Dabei geht es niemals ohne schreckliches Blut­vergießen und furchtbare Plünderungen ab. So sollen die aufständischen Malrosen in Wladiwostock alle Läden der Stadt geplündert und viele Häuser in Brand gesetzt haben. Hunderte von Menschen verloren bei den Plünderungen ihr Leben, und den Nachrichten aus Petersburg, daß die Zustände in Wladiwostock wieder geordnet seien, ist ni^t recht zu trauen, da eine Meldung aus Schanghai wissen will, daß Wladistostock in den Händen der Aufrührer sei. Und was sind meistens die erbärmlichen und schändlichen Ursachen der Matrosenrevolten?! Schlechte Verpflegung und törichte und brutale Behandlung der Matrosen! So sind die Gesuche um Entlassung der Reservisten jetzt zwei Monate nach Beendigung des russisch-japanischen Krieges noch nicht berücksichtigt worden, und die russische Regierung kann dieserhalb auch noch einen Ausstand im Heere selbst erleben. Aber neben dem roten Gespenst der Revolution droht in Rußland noch ein anderer furchtbarer Dämon, der in geradezu tierischer Weise den Kampf aller gegen alle in Rußland entfesseln kann. Au» Warschau, Lodz, Odessa und anderen russischen Jndustrieplätzen wird nämlich der Ausbruch einer großen Hungersnot, der Mangel an Leben-mitteln, Kohlen, Winterkleidern und G-ld unter den