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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 137.
Dienstag, den 21. November
1905.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 13. November d. J., durch welche die beiden Läufer des Landtages der Monarchie auf den 5. Dezember d. I. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrich tigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses, hier Leipzigerstraße Nr. 3. und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten hier Prinz Albrechtstrabe 5/6 am 4. Dezember d. Js. in dm Stunden von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends und am 5. Dezember d. I«. in den Morgenstunden von 9 Uhr früh ab offen liegen wird.
In diesen BüreauS werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mitteilungen in bezug auf diese gemacht werden.
Berlin, 14. November 1905.
Der Minister des Innern, gez. von Bethmann-Hollweg.
Ic 913 Ang. I.
Cassel, den 7. November 1905.
Der Herr Oberpräsident hat durch Erlaß vom 31. vor. Monats Nr. 10623 dem Magistrat zu Fulda zu der am 22. Februar 1906 beabsichtigten Verlosung von Pferden, Wagen, Ackergeräten rc. zum Besten der Hebung des Fuldaer Pferdemarktes die Genehmigung erteilt. Das Absatzgebiet der Lose erstreckt sich auf die Kreise Fulda, Geln- hausen, Hanau Stadt und Land, Schlüchtern, Gerrseld, Hünseld, Hersfeld, Rotenburg und Eschwege.
Die etwa erzielten Uebelschüsse sind der LandwirlschaftS- kammer nachzuweisen und unter deren Mitwirkung zur Hebung der Landwirtschaft zu verwenden.
Ich ersuche dafür zu sorgen, daß dem Vertrieb der Löse keine Schwierigkeiten bereitet werden.
Der RegierungS-Prästdent. I. V.: M e j e r.
An den Herrn Landrot in Hersfeld. (A. II. 8620 III.)
* * *
Hersfeld, den 17. November 1905.
Vorstehendes wird den OrtSpolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Nachachtung mitgeteilt.
J. I. No. 8272. Der com. Landrat
von ® r u n e l i u 6, RegierungSassessor.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 19. v. MlS, — A. II. 8982 — (abgedruckt in Nr. 45 des Amtsblatts vom 1. d. MlS.) bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch die Erlaffe vom 13. v. Mts.
Morsch.
Roman von Friedrich Jacobsen.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Senta antwortete nicht. Sie zerrte ein paar Halme aus dem Boden und zerriß sie mit ihren kleinen Händen, Dann warf sie mit unterdrückter Leidenschaft die Stücke von sich.
„Warum haben Sie das getan, Herr Doktor?!"
Franz richtete sich ein wenig aus und stützte den Kopf in die Hand.
„Das, Frau Senta? Was denn? Aber nein, wozu das Tasten, wir müssen ja von allem sagen, wie es anfing und endete. Es kommt nur auf die Tonart an. Sind Sie unbedingt eine Anhängerin der sogenannten bürgerlichen Moral?"
„ Nein!"
„Ein seltenes Wort in dem Munde eines Weibes," sagte er mit aufrichtiger Bewunderung. „Ein rundes, deutliches Stein, ohne Wenn und Aber. Das erleichtert nur die Beichte vor diesen Frauenohren, denn ich selbst bin auch kein Anhänger ewiger Werte. Also meine Augen haben damals nicht falsch gesehen, Sie setzten die bürgerliche Moral in einer schwachen Stunde aufs Altenteil und ließen sich von einem Freunde über den Gatten trösten. Mir dürfen Sie das sagen, Frau Senta, ich verschweige es, wcnn's sein muß, noch zum zweitenmal."
Senta nickte.
„Sie waren ja Zeuge von meinem Zusammentreffen mit Joseph Richter. Diese Tatsache mag zwischen uns beiden genügen, Herr Doktor, denn ich hege die Ueberzeugung, daß Sie eine Frau nicht nach dein Grunde ihrer Handlungsweise fragen werden."
„Niemals," versicherte er ernsthaft, „es wäre das auch vollkommen zwecklos. Aber wir Männer müssen Rechenschaft geben von allem, was wir tun — mitunter sogar vor den
III. B 3. 868. M. b. ö. A./IIa 7901. M. d. I. und III. B 3 869. M. b. ö. 21 /lla. 7869. M. d. J. zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen für den Regierungsbezirk Frankfurt a/O. die weiteren Nummrrn 3500—4000 und für den Regierungsbezirk Liegnitz die weiteren Nummern 3201 bis 3500 überwiesen haben. (A. II. 9236.)
Cassel am 4. November 1905.
Der Regierungspräsident. I. V.: M e j e r. * * Hersfeld*den 10. November 1905.
Wird veröffentlicht.
I. 8048. Der com. Landrat
von Grunelius, RegierungSassessor.
Hersfeld, den 17. November 1905.
Auf Grund ministerieller Ermächtigung wird der Gewerbebetrieb in den offenen Verkaufsstellen an dem vorletzten Sonntage vor Weihnachten, d. i. dem 17. Dezember b. Js., bis 8 Uhr abends für die Dauer von 10 Stunden freigegeben.
Am ersten und dritten Sonntage vor Weihnachten, also am 10. und 24. Dezember b. I. ist nach der Bekanntmachung des Herrn Rsgieiungs-Präsidenten vom 22, August 1892 (Amtsblatt für 1892 Seite 208) in allen Zweigen des Handelsgewerbes die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr abends zulässig. Auch an diesen beiden Tagen ist die BeschästigungSzeit für je 10 Stunden freigegeben.
Die für den Hauptgottesdienst festgesetzte Pause muß innegehalten werden. Während des übrigen Gottesdienstes dürfen an den genannten 3 Tagen die Geschäfte geöffnet sein.
Die Herren Ortspolizeiverwalter des Kreises wollen Vorstehender alsbald auf ortsübliche Weise bekannt machen lassen.
I. I. Nr. 8269. Der com. Landrat
von G runeliuS, RegierungSassessor.
Hersfeld, den 15. November 1905.
An Stelle des Fleischbeschauers Robert Prötsch zu Sieglos ist der Landwirt Karl Loch daselbst als Schlachtvieh- und Fleischbeschauer für die Gemeinden Eitra und Sieglos bestellt und unler'm heutigen Tage dahier eidlich verpflichtet worden.
[. 8213. Der com. Landrat
von Grunelius, RegierungSassessor.
Die Herren Standesbeamten des Kreises werden benach
Schranken eines sehr moralischen Gerichtshofes. Also Sie wollen wissen, Frau Senta, warum ich meine Hand aufgehoben und einen sogenannten Meineid geschworen habe? Ich muß Sie da ziemlich tief hineinführen in die Nachtseiten der menschlichen Natur —"
Er rückte etwas näher heran, so daß sein Kopf fast die Schulter der jungen Frau berührte und sah ihr fest in die Augen.
„Ich verachte einen großen Teil der Menschen, weil ich von der Mehrzahl dieser gottähnlichen Geschöpfe nur Schlimmes erfahren habe. Ich bin von armen Eltern geboren und in einer großen Bergeinsamkeit ausgewachsen, die Familienüber- lieferung verwies mich daraus, ein Holzknecht zu werden und nebenbei ein Wildschütz, der gegen das Gesetz frevelt. Aber meine Intelligenz war größer als es durchschnittlich bei den Söhnen vornehmer Leute der Fall zu sein pflegt und meine Willenskraft war noch zehnmal größer als die Intelligenz. So habe ich mir die sogenannte Bildung und schließlich meine Wissenschaft zusammengehungert, und was ich geworden bin, das verdanke ich meiner eigenen Kraft, während die Menschen nichts weiter dazu beigetragen haben, als daß sie mir Knüppel in den Weg warfen.
Denn ich galt ihnen als ein Eindringling in ihre festgeschlossenen sozialen Kreise, und sie ahnten in mir einen Teil jener von unten heranswachsenden Macht, die das Oberste um- wenden wird.
Dazu tarnen die rauhen Sitten der Naturmenschen, vor denen ihre perversen Nerven zusammenzitterten, und was endlich daS andere Geschlecht betrifft, so tat meine verfluchte Physiognomie ihre Schuldigkeitund raubte mir das Beste, was ein Mann haben kann, wenn er warmes Blut in den Adern spürt, und ein sehnsehnsüchtiges Herz hat.
Es geschah nicht von heute aus morgen, daß ich ein Menschenverächter wurde, denn dazu gehört ein Stück brutaler Arbeit, um den Herdentrieb in der Kreatur totzumachen, aber endlich war ich anch so weit, daß meine Seele, wenn es so'n Ding gibt, in derselben Einsamkeit lebte, wie der Leib des Knaben zwischen den Bergen gehaust hatte, wo man nur Abgründe sieht, und Gletscher und Geröll.
richtigt, daß die Haupt» und Nebenregister für das Jahr 1906 dahier eingetroffen sind. Dieselben sind im Laufe der nächsten beiden Wochen durch einen schriftlich bevollmächtigten Boten hier abholen zu lassen. Der Bedarf an Formularen zu Registerauszügen ist besonders rc. anzumelden. Die Formulare können sodann gleich mit in Empfang genommen werden.
Hersfeld, den 17. November 1905.
I. A. Nr. 3312. Der com. Landrat
von Grunelius, RegierungSassessor.
Hersfeld, den 17, November 1905.
Die Firma A. Rechberg dahier hat um die Genehmigung zur Errichtung einer
Stauanlage in der Fulda, am sogenannten Weerd, behufs Entnahme des zu ihrem Fabrikbetrieb erforderlichen Wassers aus dem Fuldaflusse nachgesucht.
Es wird dieses zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß Einwendungen hiergegen innerhalb einer Frist von 2 Wochen vom Tage der Veröffentlichung ab gerechnet, bei dem Unterzeichneten angebracht werden können.
Die Zeichnungen über die vorerwähnte Stauanlage können während des obigen Zeitraums von Interessenten im Geschäftslokal des Landcatsamts während den Dienst« stunden eingesehen werden.
I. I. Nr. 8278. Der com. Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Asnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Ceil.
Sie ManntMlM
Das Flottengesetz vom 14. Juni 1900 legte den Sollbestand der Flotte und die Grundsätze für die Personal- berechnung fest, überließ aber die Ausführung dieses Programms der jährlichen Bestimmung im Reichshaushalt. Hiernach sollte die Schlachtflotte bestehen aus 38 Linienschiffen, 8 großen und 24 kleinen Kreuzern, die Auslonds- flotte aus 3 großen und 10 kleinen Kreuzern, die Material-
Wenn man aber so geworden ist, Frau Senta, dann wird man frei.
Was die Bande sich zusammengeleimt hat von der Zeit der Urmenschen ab bis zu den Tagen der Kultursexe, was sie sich zu Haus geträumt und gegrübelt und gelogen hat an Sitte und Moral, das ist ein Kartenhaus, wo ich hinein- puste.
Und auf der Spitze des Kartenhauses steht das Verhältnis zwischen Mann und Frau, wie es in der Ehe zum Ausdruck kommt. Wenn ich zwei Menschen sehe, die der Irrtum oder der hochweise Familienrat zufammengckoppclt hat, und wenn ich sehe, daß in einer geheiligten Stunde der Plunder von ihnen absällt, daß ihre Seele nackt ist wie die ersten Menschen, dann fühle ich einen Hauch der unverfälschten Natur über mich hinwehen, und ich falte meine Hände über dem, was die Leute so fein und vornehm „Eheirrung" nennen. Und ich dachte daran, als ich zum Zeugnis vor die Schranken des Gerichts gerufen wurde, daß ich dem Geschwätz und der Gehässigkeit durch meine Rede eine Posaune geben sollte, und daß man von mir forderte, der gesellschaftlichen Lüge zum Siege zu verhelfen über die Wahrheit der Natur.
Da log ich, daß meine Augen nichts gesehen hätten —“
„Und Sie lügen auch heute" — sagte Senta ohne Ab scheu, aber mit einem seltsamen Blick ihrer großen, dunklen Augen.
„Wie Sie dem Gericht die Wahrheit verschwiegen, so verschweigen Sie heute auch mir die Wahrheit, obwohl ich Sie um Aufrichtigkeit gebeten habe. Es war in Ihren Augen recht, was ich getan habe, ein Mann von Ihrer rücksichtslosen Energie wäre hingetreten und hätte laut hinausgerufen, daß seine Augen sahen, waS recht war!"
„So bin ich umsonst in da? Zuchthaus gegangen,“ ent» gegnete der Mann leise.
Der Sturm hatte sich säst plötzlich gelegt unb es war eine atemlose, lauernde Stille eingetreten. Die beiden einsamen Menschen standen auf und gingen langsam nebeneinander her, Aber sie schlugen nicht den Weg nach dem Strande ein, wo die neugierigen und schwatzenden Menschen sich wie der versammelt haben mochten, sondern sie wendeten sich, wie