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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Donnerstag, den 7. Dezember

1905.

Amtlicher CeiL

Die Königliche Maschinenbau- und Hütten - Schule zu Duisburg eröffnet am 2. April k. Js. in ihren beiden Abteilungen: 1. Maschinenbauschule für Schlosser, Schmiede, Maschinenbauer, Kesselschmiede und ähnliche Ge­werbetreibende; 2. Hüttenschule für Eisen- und Metallhütten- leute und -Gießer, Arbeiter von Kokereien, Glashütten, Ce- mentfabriten und der chemischen Großindustrie einen neuen Lehrgang. Das Programm der Anstalt wird auf Ver­langen kostenfrei zugesandt.

Die Anstalt gehört nach Ziffer 3 der AuSführungsbe- stimmungen zur Prüfungsordnung für die mittleren und unteren StaatSeisenbahnbeamten zu denanerkannten Fach, schulen", deren Reifezeugnisse für die Annahme zum Werk- meisterdienst .folgende Vergünstigungen gewähren: Nur die Reifeprüfungen der von der StaatS-Eisenbahn-Verwaltung anerkannten Fachschulen gelten als Nachweis der erforder­lichen theoretischen Kenntnisse (§ 37,4 der Prüfungsordnung.) Solange Bewerber mit solchen Zeugnissen vorhanden sind, dürfen andere Bewerber nicht angenommen werden. Die Letzteren haben eintretendenfalls eine besondere Prüfung obzulegen und zwar auch dann, wenn sie das Reifezeugnis einer nicht anerkannten Fachschule besitzen. Min. Erlaß vom 23. Mai 1900.

Duisburg, den 1. Dezember 1905.

Der Direktor Barthel.

nichtamtlicher teil.

WtW des DreoSifditn LaMeges.

Die Thronrede, mit welcher der preußische Landtag am Dienstag eröffnet worden ist, beginnt mit einer Betrachtung der Finanzlage des Staates. Das Ergebnis dieser Betrach­tung ist ein durchaus _ befriedigendes. Die Finanzen des preußischen Staates gestalten sich infolge des anhaltenden Aufschwunges des gewerblichen Lebens und der dauernden Steigerung der Erträgnisse aus den meisten Staatsbetrieben im allgemeinen fortgesetzt günstig.

Durch die gesteigerten Einnahmen ist die Regierung in den Stand gesetzt worden, für fast alle Zweige der Staats­verwaltung Mehraufwendungen in größerem Umfange in Aus­sicht zu nehmen. So sind Mittel bereitgestellt, um die Woh- nungsgeldzuschüsse der Unterbeamten um 50 v. H. zu erhöhen, sowie um leistungsschwachen Schulverbänden Beihülsen zur Ausbesserung der Gehaltsbezüge gering besoldeter Volksschulleh- rer zu gewähren. Ferner ist wie in den Vorjahren eine Ge- setzesvorlage zur Bereitstellung von Mitteln behufs Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und gering besoldeten Beamten beabsichtigt.

Morsch.

Roman von Friedrich Jacobsen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Es war Franz ein Bedürfnis, wieder einmal von vor­nehmen Räumen umschlossen zu sein, dieser letzte Aufenthalt imBlauen Hecht" hatte ihn mit brutaler Deutlichkeit daran erinnert, daß er zu den AuSgestoßenen der Gesellschaft gehörte, ohne doch die Bedürfnisse derselben vergessen zu haben.

Er bestellte sich eine Flasche schweren Rotwein und nahm die nächstliegende Zeitung zur Hand. Ein Hamburger Blatt, dessen eine Seite vollständig mit Gerichtsverhandlungen und Polizeiberichten ausgefüllt war:

Einbrüche ein Raubansall ein Mord.

Der Täter war bis jetzt nicht entdeckt, aber man nahm als Motiv nicht Habsucht, sondern Rache an; das Opfer war von außen dnrch das hellerleuchtete Fenster erschossen worden, in seinem Zimmer, am Schreibtisch sitzend.

Der Artikel machte dunkle Andeutungen, daß es sich um Eifersucht, um verratene Liebe handeln könne.

Dann kamen die Verhandlungen am OberlandeSgericht.

Franz Schuberts Hand zitterte, als er das Blatt hastig Umschlag; da stand gedruckt, daß die Ehcscheidnngssache M. gegen M. wieder einmal verhandelt und auf Antrag des An­walts der Beklagten nochmals vertagt worden sei.

Der Rechtsanwalt habe in Aussicht gestellt, daß er einen über zwei wichtige Zeugen in nächster Zeit zu ermitteln hoffe, und das Gericht hätte ihm hierzu noch eine letzte, kurze Frist gesetzt; wenn diese fruchtlos verstrichen, sei, würbe voraussicht­lich daS Urteil ergehen, und man könne kaum zweifelhaft sein, wie es ausfallen werde.

Das war alles ohne Nennung von Namen in jener halb diskreten, halb indiskreten Weise ausgeführt, die dem Uneinge­weihten nur Veranlassung zum Raten und Forschen gibt,

An größeren Gesetzentwürfen wird zunächst die in ihren Grundzügen bereits bekannt gewordene Novelle zum Einkom­mensteuergesetze angekündigt. Großes Interesse erweckt sodann die Ankündigung eines Gesetzes, das den Eigentümern lanb= über forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke die Befugnis zur Festsetzung einer Verschuldungsgrenze gewährt. Es ist, nach­dem für unsere Landwirtschaft durch Neugestaltung der han­delspolitischen Verhältnisse Deutschlands ein wirksamer Zoll­schutz geschaffen worden war, vielfach die Meinung laut ge­worden, daß nunmehr die Hauptaufgabe der Agrarpolitik in einer Verhütung des weiteren Anwachsens der ländlichen Ver­schuldung zu suchen sei. In dem größten deutschen Bundes­staate wird jetzt mit dem angekündigten Gesetzentwürfe der erste diesbezügliche Schritt unternommen. Von Wichtigkeit erscheint fernerhin der angekündigte Entwurf eines Kreis- und Provinzialabgabengefetzes. Die Reform des Äommunal-Ab- gabenwefens, die mit dem Kommunalabgabengesetze vom 14. Juli 1893 eingeleitet worden ist, findet damit ihre organijche Ergänzung und weiteren Ausbau.

Weiterhin werden ein Gesetzentwurf über die Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten, welcher diese Materie aus der Grundlage der im Jahre 1903 beratenen, aber nicht zum Ab­schlüsse gelangten Vorlage neu zu regeln beabsichtigt, einige Abänderungen des Wahlverfahrens zum Abgeordnetenhause sowie eine Teilung übermäßig großer Wahlbezirke und endlich das wichtige Schulunterhaltungsgesetz angekündigt.

Zum Schlüsse wendet sich die Thronrede der Ostmarken- frage zu und nimmt die unliebsamen Fälle verlchiedener Gnts- verkäufe Deutscher an Polen zum Anlaß, um einen warmen Appell an den Patriotismus der Deutschen in der Ostmark zu richten. Diese Worte der Thronrede besitzen gerade in der Gegenwart, wo die polnische Frage angesichts der Zustände in unserm östlichen Nachbarreiche drohender als sonst ihr Haupt erhebt, besonders hohe Bedeutung. Sie lauten:Die Festig­ung des deutschen Besitzes in Verbindung mit einer sachge­mäßen inneren Kolonisation bildet eine der ernstesten Auf­gaben der Staatsregierung. Sie kann aber nur erfüllt werden, wenn sich die deutschen Besitzer in höherem Grade als bisher ihrer nationalen Pflicht bewußt werden, ihren Besitz treu und zäh zu verteidigen und dem deutschen Volkstum zu erhalten. Die Regierung Seiner Majestät des Königs vertraut daraus, daß diese Erkenntnis, in der sie sich mit dem Landtag eins weiß, alle Kreise des Deutschtums mehr und mehr durch­dringen unb mit der Tat bewährt werden wird."

Wollte Gott, daß dieses Vertrauen durch die Tatsache in der Zukunft vollauf gerechtfertigt würde.

$tr AM in IM-MM-Afrika.

Ueber die Kapitulation Samuel Jsaaks, des Nachfolgers Hendrik Witbois und seiner Leute werden jetzt die Einzel- h iten bekannt. Man ersieht daraus, daß es sich um eine

während der Eingeweihte das Verschwiegene ebenso gut heraus- finbet wie die unverhüllt wiedergegebene» Tatsachen.

Aber Franz Schubert bedurfte keines Schlüssels zu dieser Chiffreschrift.

Er legte das Blatt hin unb stützte den Kopf in die Hand; die Flasche war schon fast leer, und der Rest im Glase glühte dnukclrot; es war, als wenn er Blut getrunken hätte.

Und dann wanderten seine Gedanken an einen Ort, den er niemals gesehen hatte und den er sich dennoch in seiner Phantasie mit unabänderlichen Formen ausstattete.

Ein düsteres Haus, von Rüstern umraufcht, einsam ge­legen, dumpf, feucht, eine Wohnung für die grauverschleierte Sorge.

Und in den leeren Räumen ein junges Weib, unter der Sonne geboren, dem Licht entgegenlechzend, ein Weib mit Flammen in den Adern anstatt des langsamen Blutes, das diese nordische Erde erzeugt.

Ein Schwirren von Stimmen um den grübelnden Mann ließ ihn aufblicken. Die Zeit mußte herangekommen sein, wo auch in dein eivig geschäftigen Hamburg das Vergnügen die Arbeit ablöste, und sie waren alle beisammen, denen das Geld ebenso leicht durch die Finger glitt, wie es in die Taschen floß.

Die Männer etwas farblos, wie daS Kontor es mit sich bringt, etwas behäbig von der nahrhaften Kost, klug und kühl ausschauend; die Frauen ein Prachtgeschlecht. Lichtblond und mit zarten Farben, üppige Walkürengestalten, und in den blauen Augensternen daS Feuer des Saphirs.

Fast kein Tisch war mit Herren allein besetzt, zwischen den dunkeln, streng gesellschaftlichen Röcken schimmerten überall helle Robe», nur die eine Ecke, in der Schubert saß, blieb leer und einsam, denn die nordische Sitte, nach der sich niemand so leicht zu einem Unbekannten an den Tisch setzt, trat in bem vornehmen Lokal noch deutlicher hervor, als an anderen Orten.

Franz erblickte darin gewissermaßen ein Bild seines eigenen Lebens.

Seine Neigung zum Beherrschen hatte ihm die Männer

völlige Unterwerfung handelt, bei der die Rebellen sich allen Vorschriften der deutschen Behörde gefügt haben.

Der Gouverneur von Lindequist meldet nach Berlin, daß sich die Unterwerfung der Hottentotten unter folgenden Bedingungen vollzogen habe: 1. Abgabe von Gewehren, Munition und Pferden. 2. Zusicherung des Lebens mit Ausnahme der Mörder. 3. Vieh wird den Unterworfenen soweit belassen, wie solches zum Unterhalte der Frauen und Kinder erforderlich ist. 4. Die Unterworfenen werden vor­läufig nach Gibeon übergeführt.

Diese erfreuliche Kunde würde, fall« sie sich bestätigen sollte, da« Ende der nun schon fast zweijährigen aufstän­dischen Bewegung in Deutsch-Südwestafrika bedeuten, nach­dem schon die endgiltige Besiegung und Zerstreuung der rebellischen Herero gemeldet worden war. Immerhin wird es noch abzuwarten bleiben, ob die Hottentotten bei ihrer Unterwerfung keine Hintergedanken hegen, sondern sie ehrlich und treu meinen. Gerade nicht unmöglich wäre es, daß die Hottentotten lediglich ihre alten Gewehre abliefern, ihre modernen Gewehre aber, in deren Handhabung die schwarzen Rebellen ja Meister sind, vergraben, um sie bei günstiger Ge­legenheit wieder hervorzuholen und aufs neue zu verwenden. Indessen ist doch anzunehmen, daß es den Hottentotten wirklich Ernst mit ihrer Unterwerfung ist; ihre Zahl ist in den steten Kämpfen mit den Deutschen mehr und mehr zusommengeschmolzen, und seit dem Tode des alten Hendrik Witboi sahen sie sich ihre« erprobtesten und einflußreichsten Führers beraubt. Da ist es denn erklärlich, wenn die übriggebliebenen Hottentottenkapitäne, an ihrer Spitze Sa­muel Jsaak Witboi und Jakob Morenga, sich zur Kapitu­lation verstanden haben, die ihnen allerdings auch durch die verhältnismäßig nicht sehr hartenUnterwerfungsbedingungen, welche Herr von Lindequist gestellt hat, wesentlich erleichtert worden sind.

Hiermit stünde also Deutschland am Ausgange des schwierigsten und opferreichsten Kolonialkrieges, den es seit der Gründung der deutschen Kolonialmacht geführt hat. Dem Reiche hat der südwestafrikanische Aufstand bislang weit über 300 Millionen Mark gekostet und daneben schwere Blutopfer auferlegt. Denn Hunderte unserer braven Kämpfer in Südwestafrika find unter den Kugeln der schwarzen Rebellen gefallen, noch mehr sind dem Typhus und anderen Krankheiten erlegen; außerdem sind zahlreiche Ansiedler, zum Teil mit ihren Familien, von den ent­menschten HereroS und Hottentotten niedergemetzelt worden, während ihre Besitzungen verwüstet wurden. Dank der hingehenden Tapferkeit der nach Südwestafrika entsandten Truppen und ihrem wahrhaftigen Heroismus im Ertragen von beispiellosen Entbehrungen und Mühsalen, ist nun dieser opferreiche Krieg beendigt, wie man wenigstens aus Grund der erwähnten Meldung Herrn von Lindequists annehmen und hoffen darf. Jetzt wird es die Aufgabe der Kolonial' Verwaltung sein, dem durch den langen Aufstand der

entfremdet, das Gesicht mit bem Tvteiikopf schreckte die Frauen ab; sein Tisch hatte allein gestanden, nur eine war bereit ge­wesen, den lauschigsten Winkel mit ihm zu teilen unb ihn für alles zu entschädigen, um das die Vergangenheit ihn verkürzt hatte.

Sie wollte ihm ihre Freiheit zu Füßen legen, aber sie mußte erst selbst frei sein.

In ihrem Sinne, den der Scann nicht tadeln mochte. Dennoch, es giebt so wenige, die ihre Freiheit in einer Hütte und an einem Herzen suchen es ist zum Spott geworden, daran zu glauben, daß es ihrer überhaupt noch welche gibt.

Die Flasche war leer, Schubert winkte bem Kellner und legte eine Hnndertguldennote auf den Tisch unb freute sich über die Keckheit, mit der er in eine Unterhaltung über den Kurswert eintrat; es war gar nicht unmöglich, daß sein Steck­brief nebst Belohnung in irgend einer Hamburger Zeitung stand, und dabei sagte er zu dem Kellner mit großer Offen­heit, daß er aus Oesterreich komme und kein deutsches Reicho- gcld bei sich führe.

Aber der feurige Burgunder hatte eine eigentümliche Wir­kung auf ihn ausgeübt, und es gelüstete ihn förmlich, dem ersten besten Polizisten zu sagen, wer er war, um hinterdrein den Mann mit einem Faustfchlag zu Boden zu strecken und die ganze Meute hinter sich drein in daS Berbrecherviertel zu hetzen.

Als er dann den Keller verließ und die Oberfläche der Erde betrat, steigerte sich dieses Gefühl noch einer fast un­erträglichen Spannung.

Er sah jetzt, warum vor dem Rathause ein ungewöhn­liches Aufgebot von Polizeimaimschast versammelt gewesen war. Der Senat hielt eine Sitzung ab, die jetzt ihr Ende erreicht hatte, und die alten ehrwürdigen Herren verließen gerade in ihrer altertümlichen spanischen Tracht das prächtige Gebäude, um die bereitstehenden Karossen zu besteigen.

Franz ging ganz dicht heran und wurde von einem Kon- stabler an den Arm gefaßt.

Bitte, mein Herr, nicht so nahe", sagte der Beamte höflich und Schubert cntgegucte lachend: