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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 143. Sonnabend, den 9. Dezember

1903.

Elftes Statt.

MM" Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 4. Dezember 1905.

Am Mittwoch den 20. Dezember d. Js. Vor­mittags 10 Uhr findet im Sitzungssaal im hiesigen Landratsamtsgebäude eine Kreistagssitzung mit folgender Tages­ordnung statt.

1. Nachträgliche Genehmigung der Mehrausgabe für den Landwegebau im Rechnungsjahre 1904 in Höhe von 27094.51 M.

2. Prüfung und Feststellung der Rechnung der Kreiskommu- nalkasse für das Rechnungsjahr 1904, sowie Erteilung der Entlastung an den Rechnungssührer.

3. Begutachtung des Projekts zur Verlegung des Landwe­ges Hersfeld Kirchheim innerhalb der Gemarkung Reckerode, sowie Beschlußfassung über die Aufnahme der projektirten Wegestrecke in den Landwegebauverband und Ausscheidung der abfällig werdenden Strecke aus dem­selben.

4. Mitteilung über den Stand der Angelegenheit wegen Uebernahme der Kosten der Schweine-Jmpsung auf den Kreis.

5. Beschlußfassung über ein Gesuch des Pfarrers Martin und a. Personen in Heringen um Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskommunalkasse zu den Kosten der Erbauung eines Gemeindehauses in Heringen.

6. Mitteilung über die Ausführung des Kreistagsbeschlusses vom 8. Oktober 1904 betreffend das Projekt einer nor- malspurigen Kleinbahn von Hersfeld nach Heimbolds­hausen. Weitere Beschlußfassung in dieser Angelegen­heit und Bewilligung der Kosten, soweit sie den Betrag übersteigen sollten, welche unter Titel VIII des Kreis­hanshaltsetats für das Rechnungsjahr 1905 ausgewor­fen ist.

A. 3547. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 5. Dezember 1905.

Die Herren Bürgermeister des Kreise» werden veranlaßt, mir bis zum 15. Dezember d. I s. diejenigen taub­stummen Kinder im Alter von 612 Jahren namhaft zu machen, welche etwa noch nicht zur Aufnahme in die Taub. stummen-Anstalt zu Homberg angemeldet worden sind. Fehlanzeige ist nicht erforderlich.

J. I. 8791. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 6. Dezember 1905.

Die Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich hierdurch ergebenst, mir gefälligst innerhalb 14 Tagen angeben zu wollen, ob und welche Tchulspar« lassen in den einzelnen Echulgemeinden ihre« Bezirk» be­stehen, sowie ob und inwieweit Lehrer an deren Verwaltung beteiligt find, ob den Lehrern die Genehmigung hierzu von Königlicher Regierung erteilt und ob die Kassenverwaltung durch Satzungen geregelt ist.

I. Nr. I. 8737. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, -den 5. Dezember 1905.

Die bei dem Pferde des Bernhard Kirschner in Unter- geis festgestellte Räude ist erloschen.

I. 8790. Der com. Landrat.

J. V.-

T h a m e r.

Hersfeld, den 2. Dezember 1905.

Im Anschluß an das Ausschreiben vom 16. Dezember 1901, I. 1. 6978, betreffend die Vorschriften für den Ge­werbebetrieb der Personen, die fremde Rechtsangelegenheiten und bei Behörden wahrzunehmende Geschäfte besorgen oder die über Vermögensverhältnisse oder persönliche Angelegen­heiten Auskunft erteilen (Sonderbeilage zum Amtsblatt für 1901 Seite 313) mache ich darauf aufmerksam, daß nach

8 148 Ziffer 4a in Verbindung mit § 38 Absatz 4 der Reichsgewerbeordnung Zuwiderhandlungen gegen diese Vor­schriften mit Geldstrafe bis zu 150 Mark und im Unver- mögenüfalle mit Hast bis zu 4 Wochen bestraft werden.

Die Ortspolizeibehörden werden angewiesen, bei Zu­widerhandlungen namentlich im Hinblick auf die Vor­

schrift unter Ziffer 7 erforderlichenfalls die gerichtliche Bestrafung herbeizuführen.

I. 8740. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, den 6. Dezember 1905.

Bei dem Schweine des Maurers Konrad Fahls zu Tann ist die Schweinepest festgestellt worden.

I. 1. 8826. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Die Zeit der parlamentarischen Hochflut ist für Deutsch­land gekommen. Kurz nach dem Reichstage hat nun­mehr auch der preußische Landtag seine Arbeiten wieder ausgenommen. Im Reichstage ist soeben mit der ersten Lesung des Etats in Verbindung mit der Flctten- vorlage und der Reichsfinanzreform begonnen worden. Die Verhandlungen wurden vom Reichskanzler Fürsten von Bülow mit einer trefflichen Begründung der ReichS- finanzreform eingeleitet. Der Reichskanzler betonte mit allem Nachdrucke, daß die der Reichsfinanzreform dienenden Gesetzentwürfe die wichtigste und bedeutsamste Vorlage seien, denn von ihrem Schicksal hänge nach der Ueberzeugung der verbündeten Regierungen die Wohlfahrt und Sicherheit, die gedeihliche Entwicklung und die Zukunft de« Reiches sowie der verbündeten Einzelstaaten ab. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese ernsten und nachdrucksvollen Worte ihre« Eindruckes auf die Volksvertretung nicht verfehlt haben möchten. Der preußische Landtag ist vom Minister- Präfidenten mit einer Thronrede eröffnet worden, die eben­falls ausgiebigen parlamentarischen Arbeitsstoff ankündigt. Unter den gesetzgeberischen Aufgaben, die hier ihrer Lösung harren, steht das SchulunterhaltungSge- s etz obenan. Möge die Lösung zu allseitiger Befriedigung gelingen.

Als höchst erfreuliche Tatsache find die Zeichen einer Wandlung zum Beffern in den deutsch-englischen Beziehungen aus den letzten Tagen zu vermerken. Es gehören hierher die britischen Kundgebungen in der Caxton Hall, im Lyceum Klub und im Junior United Ser­vice Klub sowie die Rede unseres Botschafters Grafen Wolff-Metternich und die Ausnahme, die diese Rede in der öffentlichen Meinung England« gefunden. In Deutschland wird jeder verständige Politiker gern und freudig in die von englischer Seite dargebotene Hand einschlagen. Auch wir leben der Ueberzeugung, die in den erwähnten britischen Kundgebungen mehrfach ihren Ausdruck gefunden hat, daß die beiden großen germanischen Nationen bestimmt find, in friedlichem Wettbewerbe und verständnisvoller Eintracht nebeneinander an der Förderung der menschlichen Fort­schritte» und der Lösung der großen Kulturaufgaben der Zeit mitzuarbeiten. Hoffentlich wird solche Ueberzeugung recht bald zum Gemeingute der britischen Nation.

Eine gewisse Stütze findet die Hoffnung auf eine fort­schreitende Besserung der deutsch-englischen Beziehungen in dem Ka binettrwechsel, der fich soeben in England vollzogen. Dar konservativ-unionistische Ministerium Balfour ist zurückgetreten und der Führer der Liberalen Campbell- Bannermann hat die Bildung eines Ministerium» über­nommen : gerade au» den Kreisen der englischen Liberalen aber find während der letzten Zeit die deutschfreundlichsten Stimmen erklungen. Mit dem Rücktritt Balsours hat die mehr als zehnjährige Herrschaft der Konservativen im Lon­doner Parlament ihr vorläufiges Ende gefunden. Unter Salisburys Führung hatten im Jahre 1895 die verbündeten Konservativen und Unionisten einen glänzenden Wahlsieg erfochten, der dem Kabinett eine Mehrheit von 150 Stimmen sicherte. Die Neuwahlen de« Jahres 1900 zeigten, daß diese Mehrheit im wesentlichen »«erschüttert geblieben war. Zwei Jahre später trat Lord Salisbury zugunsten seines Neffen Balfour zurück, der seinerseits heute den Platz räumt, ohne durch eine parlamentarische Niederlage dazu gezwungen zu sein. Es offenbart sich hierin ein geschickter taktischer Zug. Campbell-Bannermann, der die Bildung des neuen Ministeriums übernommen hat, muß zunächst das Parlament auslösen und wird bei den Wahlen sofort aus der Offensive in die weniger günstige Defensivstellung gedrängt. So hoffen die Konservativen trotz der Zersetzung, die Chamber- lain mit der Frage der Fiskalreform in ihre Reihen ge- tragen hat, und die den Rücktritt BalfourS als geboten erscheinen ließ, dennoch, daß das liberale Regiment nur ein kurzes Zwischenspiel sein wird.

Aus Deutsch-Südwestafrika ist während der BerichtSwoche die erfreuliche Kunde von der Unterwerfung der Hottentotten eingetroffe«. Das freiwillige Angebot der

Unterwerfung beweist, daß die Hottentotten erkannt haben, daß sie die Schwächeren sind und sich der deutschen Regie, rung fügen müssen. In den Bedingungen, unter denen sich die Ergebung vollzogen hat, ist den Aufrührern nur das zugestanden worden, worauf sie billigerweise Anspruch machen können, und dieser Friedensschluß mit den Hottentotten wird voraussichtlich auch seine günstige Wirkung auf Morenga nicht verfehlen. Im übrigen lenken sich gerade angesichts des nahenden Weihnachtsseste»Me^Gedanken>>ller national und patriotisch empfindenden Kreise mit verdoppelter Macht hinüber nach Afrika zu unseren tapferen Kriegern, die in nie versagender treuer Pflichtersüllung Leistungen verrichten und Taten vollführen, deren schlichtes Heldentum sich ge­trost mit allem messen kann, was vergangene Zeiten an Kriegsruhm und soldatischer Größe aufzuweisen haben. Möge Gottes Huld unseren Tapferen drüben schützend und schirmend zur Seite stehen und die asrikanischen Kämpfe recht bald zu einem^glücklichen, siegreichen Ende führen.

Her AM i» HtM-SMch-Afrika.

Berlin, 7. Dezember. General von Lindequist meldet, daß der Kapitän der Hoachanafler -Hottentotten Ma nasse nebst 23 Anhängern im Gefechte bet GubnamS gefallen sei. Kapitän Michael von Omorurn und sein Bruder Hugo haben sich mit acht Begleitern der Behörde in Walfischbai gestellt.

Aus 3n- und Ausland.

Berlin, 7. Dezember 1905.

Se. Majestät d e r Kaiser nahm gestern den Thee beim General Grafen Schuwalow und fuhr um 6 Uhr von Berlin mit dem Automobil nach dem neuen Palais. Heute morgen machte Se. Majestät der Kaiser einen Spazier- gang in Sanssouci und hörte von 9Va Uhr ab die Vor- träge des Kriegsministers, beS Chefs des Generalstabes der Armee, der Generalinspekteurs der Fußartillerie, des In­spekteurs der Feldartillerie, des Chefs des MililärkabinettS und des Präf-S der ArtillerieprüfungSkommission. Später nahm Se. Majestät die Meldung des JustizministerS Beseler entgegen, der auch zur Frühstückstafel geladen war.

Der Reichstag hat am Mittwoch einen sogenannten großen Tag gehabt. Auf der Tagesordnung stand die erste Lesung des Etats in Verbindung mit der Marinevorlage und der Reichsfinanzreform samt den Steuergesetzen. Gleich zu Beginn der Verhandlungen nahm der Reichskanzler Fürst von Bülow das Wort, um die Vorlage über die Reichsfinanzreform in streng sachlicher, von hohem Ernste durchwehter Rede nach den leitenden Grundgedanken hin zu rechtfertigen und ihre Annahme den Volksvertretern warm ans Herz zu legen. Die Einzelbegründung gab alsdann in mehr als zweistündiger Rede der Staatssekretär des Reichs­schatzamts Freiherr von Stengel. Nach ihm sprach der Abgeordnete Fritzen vom Zentrum, der gemäß der Taktik seiner Partei im großen und ganzen eine zurückhaltende Stellung beobachtete. Die Steuern auf Bier und Tabak gefallen ihm nicht, dagegen möchte er bei der Erbschastssteuer noch weit über die Vorschläge der Regierung hinausgehen. Schließlich richtete er eine ganze Anzahl konkreter Fragen über die auswärtige Politik an den Reichskanzler, deren Beantwortung diesem Gelegenheit zu einer außerordentlich bedeutsamen Rede gab. Fürst Bülow verhehlte nicht, daß die Lage ernst sei, soweit Frankreich und England in Be­tracht kommen. Zwar seien gewisse Verstimmungen besei­tigt, aber weitere Verstimmungen seien für die Zukunft leider nicht ausgeschlossen, jedenfalls müsse man auf der Hut sein; denn heutzutage müsse, selbst wenn die Regieren­den friedfertig gesinnt seien, mit feindseligem Aufflammen der Volksleidenschaft gerechnet werden. Der Kanzler be­tonte zum Schlüsse die seit der Einigung der deutschen Stämme andauernde Friedensliebe des Deutschen Reiches, die nur Böswilligkeit anzweifeln könne. Die Rede fand im ganzen Hause mit Ausnahme der Sozialdemokratie andauernden und lebhaften Beifall.

Im preußischen Ab geordneten Hause hat die Beratung der von den Abgeordneten Strosser (Ions.) und von Schenkendorff (natt.) eingebrachten Interpellation über das Spremberger Eisenbahn-Unglück fialtgefunden. Minister der öffentlichen Arbeiten von Budde stellte fest, daß nicht die Eingleisigkeit der Strecke da» Unglück ver­ursacht hat, sondern ein Umstand, den man fast al» außer- jalb de« Bereiches der Möglichkeit liegend ansehen sollte, nämlich rie gleichzeitige Schuld von sieben erfahrenen Beamten von denen jeder eine Bummelei begangen hat. Im Vollbe­wußtsein der absoluten Betriebssicherheit der Strecke Görlitz- Spremberg kündigte der Minister sogar an, daß er vom nächsten Frühjahr ab einen O-Zug auf dieser Strecke ver­kehren lassen würde. Auch die Erledigung der zweiten Eisenbahn-Interpellation des Abg. Hilbck (natl.) über den Wagenmangel im Güterverkehr fiel durchaus zugunsten der