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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 16.

Donnerstag, den 8. Februar

1906.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 3. Februar 1906.

Es wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, hob der Gewerbe-Inspektor zu Eschwege (Büceou Friedrich Wilhelm- straße 7) an jedem 1. und 3. Sonntage im Monat, vor­mittags von 8 bis 9^2 Uhr und an jedem 2. und 4. Sonnabend im Monat, vormittags von 8 bis 10 Uhr für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Sprechstunden festgesetzt hat, in welchen unentgeltlich Auskunft erteilt wird. I. 885. Der com. Lanvrat.

3- V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 6. Februar 1906.

In der Zeit vom 26. Februar bis 31. März d. J. wird im hiesigen Schlachthofe ein Kursus für Trichinen- und Fleischbeschauer abgehalten werden.

Anmeldungen hierzu sind an den Schlachthofverwalter Herrn Tierarzt Friederich hier zu richten. I. 989 Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

In Ergänzung des Ausschreibens vom 29. v. MtS. betr. die Verletzung des Kriminalschutzmanns Trott wird mitgeteilt, daß der Heizer Wilhelm Flaudergan als Täter nicht in Betracht kommt, daß der Täter vielmehr dessen Papiere widerrechtlich benutzt hat. Es wird ersucht, aus den unbekannten Täter und seinen Begleiter Metzger KarlHuber weiterzusahnden. Das Ausschreiben gegen Flaudergan und die Aussetzung der Belohnung auf die Ergreifung des Flaudergan werden hiermit zurückge- nommen. Dagegen wird eine Belohnung von 300 Mark auf die Ermittelung und Ergreifung des unbekannten Täters ausgesetzt.

Hanau, den 2. Februar 1906.

Königliche Polizei-Direktion. ». B e ck e r a t h.

nichtamtlicher Ceil.

Reichstag.

Im Reichstage wurde am Montag die zweite Be» ratung des Etats für das Reichsamt des Innern fortge- h^t, kam aber nicht erheblich vorwärts, da parteipolitische Auseinandersetzungen einen sehr großen Raum in der De­batte beanspruchten. Herr von Kardorff, noch einer der Wenigen Parlamentarier aus der allen Schule, die sich kurz fassen können, brauchte wenig mehr als eine Viertel­stunde, um zu sagen, was er auf dem Herzen hatte, Herr

Auf den mögen des Schicksals Novelle von A. Peters.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

3. Kapitel.

Es fing an zu dämmern. Die Sonne war untergegangen und hatte nur an wenigen leichten Wölkchen noch einen röt­lichen Schimmer zurückgelassen, die Berge, der Wald begannen sich in nachlliches Dunkel zu hüllen und blauer Nebel senkte sich aus ein liebliches Tal in der Normandie herab, als ein junges Mädchen schnellen leichten Schrittes die Landstraße entlang kam, welche sich durch das Tal zog. Der dichte, sich herabsenkende Wald trat bis an den Weg heran, und ängst­lich warf daö Mädchen zuweilen einen verstohlenen Blick zu dem dunklen Gehölz. Der Schnitt des seinen Gesichtes, sowie der Anzug ließen sofort die Engländerin erkennen, und zwar chic der höheren Klasse angehörende. Sie war groß und schlank, das weiße und rosige Gesicht, aus dem ein paar große, tiefblaue Augen schauten, umrahmten volle, goldblonde Locken; den kleinen, wohlgeformten Kopf trug sie ein wenig stolz, und eine gewisse Miene der Unabhängigkeit verriet, daß das Schicksal sehr mild mit ihr verfahren sein mußte. Während sie in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit den Weg entlang eilte, fielen ihre Augen plötzlich auf die Gestalt eines Mannes, der eine kurze Strecke vor ihr auf einem Meilensteine faß, und das Herz begann ihr heftig zu klopfen, während sie sich ihm näherte. Wahrscheinlich sah er ihre Furcht, und wie bei allen Feiglingen erregte das in ihm die Lust, sie zu erschrecken.

Holla, mein schönes Fräulein," rief er ihr zu,wohin in solcher Hast?"

Während er so sprach, hatte er sich erhoben und war dicht an ihre Seite getreten. Cecil aber, die der Leser gewiß schon in dem jungen Mädchen erkannt hat, achtete seiner Rede nicht und setzte ihren Weg mit hochroten Wangen und flammenden Blicken eiligst fort.

Seien Sie doch nicht so unnahbar," begann er wieder

Erzberger schon iVt und Herr Stücklen gar 2Vi Stunden. In bell Ausführungen des Abg von Kardorff war die klare Erklärung bemerkenswert, daß die Reichspartei not1 erst keine Fortführung, sondern eine Revision der sozialen Gesetzgebung miü, in der Rede des Abg. Erzberger, der die sozialpolitischen Verdienste des Zentrums rühmte, ein hef­tiger Angriff gegen den deutschen Flottenverein. Das Haus vertagte sich, nachdem noch der sächsische RegierungSvertreter Fischer und der nationalliberale Abgeordnete Wassermann gesprochen hatte.

Abgeordnetenhaus.

Am Montag begann die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Der WohlfahrtSantrag des Grafen Douglas wurde nach kurzer Debatte der Budget- kommiffion überwiesen. Frhr. v Zedlitz (kons.) wandte sich scharf gegen die revolutionäre Sozialdemokratie. Abg. Cassel (fr. Vp.) verlangte eine Revision deS Kommunalabgaben- gesetzes und Verstärkung der Selbstverwaltung. Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg erklärte, daß seine An­sichten über die Selbstverwaltung noch weit über manche Ansichten in diesem Hause hinausgingen. Zum Schluffe sprachen noch die Abgg. v. Czarlinski (Pole), Friedberg (ntl), Dahlen (Z) und v. Schuckmann (kons.),

Am Dienstag brächte bei der fortgesetzten Beratung des Etats des Ministeriums des Innern, nachdem der Abg. Haussen (Däne) Klagen über die Behandlung der Optanten vorgebracht hatte, der Abg. Goldschmidt (frets. Vp) noch­mals die Frage der Wahlrechtsreform zur Sprache. Dabei kam es zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen ihm und dem Präsidenten. Der Abgeordnete hatte ausgeführt, daß Preußen sich durch sein Landtagswahlrecht in der ganzen Welt lächerlich mache, worauf ihn Präsident v. Kröcher zur Ordnung rief. Abg. be Witt (Zentr.) trat dafür ein, daß die Polizeibeamten in den größeren Städten ebenso organi­siert und besoldet werden, wie in Berlin. Minister von Bethmann-Hollweg lehnte diese Forderung ab und versprach dem Abg. Hanffen wohlwollende Behandlung der Optanten« frage. Darauf wurde die Debatte geschloffen und der Titel Ministergehalt bewilligt.

Jer AusslakS in WÄtWt.

Dem Reichstag ist eine neue (die 3) Denkschrift des Großen Generolftabes über den Verlauf des AufstandeS in Südwestafrika zugegangen. Sie beginnt ihre Darlegungen mit dem Tage der Abreise des Generalleutnants v. Trotha aus dem Schutzgebiete und der Uebernahme des Kommandos durch Oberst Dame. Nachdem sie dargelegt, daß im Herero- gebiet die Anwesenheit einer stärkeren Truppenmacht noch auf längere Zeit erforderlich sein wird, geht sie auf die Operationen gegen Cornelius und Morenga ein. Ueber

in frechem Tone,Sie sind viel zu hübsch, um allein gehen zu können. Darf ich Ihnen meinen Arm anbieten?"

Cecil schwieg nvch immer. Das Herz klopfte ihr zum Zerspringen, am liebsten wäre sie davongelaufen, so schnell sie ihre Füße tragen konnten, doch sie fühlte, wie nutzlos das sein würde. Die Hände in der Hosentasche, starrte ihr der Mensch unverschämt ins Gesicht, dabei immer gleichen Schritt mit ihr haltend. Plötzlich fing er wieder an:

Komm, schönes Kind, sei doch nicht so unfreundlich! Willst Du meinen Arm nicht nehmen? Dann muß ich den Deinen nehmen."

Dabei ergriff er ihren Arm. Cecil indes sprang einen Schritt zurück und rief zornig:

Wie können Sie es wagen, mich anzurühren? Feigling! Schämen Sie sich nicht, eine Dame anzugreifen, weil sie allein ist?"

Wahrhaftig," rief der Mann mit frechem Lachen,in solcher Leidenschaft bist Du noch weit schöner: ich muß und werde mit Dir gehen. Du siehst also, es ist schon besser, wenn Du mir selbst ruhig den Arm gibst."

Während er so sprach, faßte er sie bei der Hand. Cecil wehrte sich nach Kräften und schrie um Hilfe. Sie fühlte, wie er sie fester an sich zog, und schloß die Augen, als seine rohen Züge ihrem Gesichte immer näher kamen. Plötzlich ließ er sie los, sprang mit einem Satze in den Wald hinein und verschwand in der Dunkelheit, Und Cecil sah sich atemlos und erglühend einem jungen Manne gegenüber, der eben des Weges daher geritten und vom Pferde gesprungen war, als jener sie sreiließ.

Hat er Ihnen etwas zuleide getan?" fragte er hastig in französischer Sprache.Ich bedauere außerordentlich, daß ich nicht früher dazu kam."

Ich danke Ihnen," entgegnete Cecil, bemüht, ihre Fassung wieder zu gewinnen;er hat mir nichts getan, nur das Handgelenk etwas gequetscht," und sie hielt ihm das zarte Handgelenk hin, das die rohe, derbe Hand rot und blau gedrückt hatte.

Der gemeine Mensch!" rief der Fremde im reinsten Englisch.Wäre ich nur schneller gewesen!"

ersteren sagte bekanntlich die letzte Meldung, daß ihn am 19. Januar Oberleutnant von W'tlenburg in den TiraS- bergen in die Flucht geschlagen hat. Ueber Morenga führt die Denkschrift folgender aus:

Im äußersten Süden steht Morenga noch mit einem Anhang von mindestens 400 gut bewaffneten Leuten in ungebrochener Kraft in der Gegend von Hartebeestmund. Das dort am 24. Oktober gelieferte Gefecht hat ihm keinerlei Abbruch getan. Im Gegenteil ist feine Unter­nehmungslust eher gewachsen, was er durch mehrfache Ueber- fälle und Beutezüge, besonders an der Etappenstraße RamansdriftWarmbad noch in den letzten Tagen zur Genüge bewiesen hat. Unzufriedene Elemente von Diesseits und jenseits der Grenze haben sich ihm angeschloffen, und seine Streits rast erhöht. Landeskundig, bedürfnislos und unabhängig von rückwärtigen Verbindungen, weiß er sich immer wieder Munition und Proviant zu verschaffen. Morenga ist als ein beachtenswerter Gegner einzuschätzen. Seine Niederwerfung wird aller Wahrscheinlichkeit noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Am 5. Januar hatte Hauptmann v. Lettow-Vorbeck bei Duurdrist ein Gefecht mit Teilen von Morengas Bande, wobei unter anderen dessen Bruder Mathias fiel. Er wurde damals vermutet, daß Morenga in diesem Gefecht persön­lich geführt hätte. Auch stellten unsere Patrouillen am 8. Januar bei Heirachabis eine starke Holtentottenbande fest. So entstand die Befürchtung, es sei Morenga gelungen, an den deutschen Truppen vorbei nach Norden durchzubrechen. Kundschafter meldeten auch, er befände sich bereits mit 300 bis 400 Kriegern bei Sprinpüts. Damit wäre für Morenga der Weg nach den Rarasbergen, wie nach der Gegend von Rietfontein S. offen gewesen. Sofort wurden die Truppen dementsprechend verschoben. Hauptmann Siebert, der für den schwer verwundeten Hauptmann v. Lettow-Vorbeck das Kommando übernommen hatte, verfolgte über Heirachabis und stellte dabei fest, daß die Nachrichten über einen Durch­bruch Morengas falsch seien. Aber selbst wenn Morenga und sein Anhang bei Hartebestmund, wo sie zuletzt gemeldet sind, bleiben sollten, werden sich die Operationen noch in die Länge ziehen. Die unwirtlichen, weg- und wosserlosen Oranjeberge sind mit einem europäischen Kriegsschauplatz nicht zu vergleichen. Jede Unternehmung erfordert bis in die Einzelheiten sorgfältigste Vorbereitung. Weg und Steg müssen erkundet, Proviant und Munition genau berechnet werden.

Major v. Estorff hat seit dem 28. Dezember das Kommando gegen Morenga übernommen. Er zieht alle verfügbaren Kräfte, im ganzen 13 Kompagnien, 11 Ge­schütze, 6 Maschinengewehre, zusammen. Doch ist zu be= denken, daß diese Truppenteile durch den langen aufreibenden Feldzug stark mitgenommen und geschwächt sind. Sie müssen also vorerst das Eintreffen der am 18. Januar ab = gereiften Ergänzungen abwarten. Auch an Pferden und

Cecil lächelte und antwortete in derselben Sprache.

Und ich bin froh, daß Sie nicht schneller waren, dann wäre es vielleicht zwischen Ihnen und ihm noch zu Tätlich­keiten gekommen. Es war jedenfalls sehr unvorsichtig von mir, allein so spät hier zu gehen."

Allerdings," stimmte der Fremde lächelnd bei; Sie wer­den mir gestatten, Sie nun nach Hause zu begleiten."

Sie sind sehr liebenswürdig," entgegnete Cecil herzlich; es ist nicht mehr sehr weit, ich habe so große Angst, daß ich dem abscheulichen Menschen wieder begegnen könnte! Ich gehe fast nie allein; Papa fühlte sich aber heute nicht ganz wohl und konnte nicht so weit laufen. Ich fürchte, er wird mich nun nie wieder allein gehen lassen."

Das hoffe ich," lautete die Antwort;denn ich würde das Nächstemal wohl kaum wieder so zur Hand fein!

Das Pferd am Zaume führend, schritt er an ihrer Seite hin und beugte das stolze Haupt zu ihr herab. Seine Augen sogen die frische Schönheit des jungen Mädchens ein, bis sie an einem alten Pächterhäuschen mit hohen Giebeln und Gitterfenstern anlangten, hinter den man einen verwilderten Garten, Scheunen, Ställe und Heuschober liegen sah. Hier öffnete Cecil das Tor und der Fremde machte Anstalten, fein Roß zu besteigen.

O nein, Sie müssen mit hineinkommen zu Papa," sagte sie bestimmt.Er würde sehr böse sein, wenn Sie ihm nicht Gelegenheit gäben, Ihnen danken zu können. Bitte, kommen Sie mit."

Der junge Mann lächelte und folgte ihr nach kurzem Zögern langsamen Schrittes den breiten Weg hinunter, wäh­rend sie eilig vorauSlief, um Doktor Lester auf des Fremden Ankunft vorzubereiten und ihm in kurzen Worten ihr Aben­teuer mitzuteilen.

Nachdem der Fremde fein Pferd in den Stall gebracht hatte, kam er an die Türe, klopfte an und trat auf das lauteHerein" näher. Doktor Lester, der im Morgenrocke vor dem flackernden Kaminfeuer saß, erhob sich und rief, dem Eintretenden die Hand entgegenstreckend, ihm zu:

Ich wüß kaum, wie ich Ihnen danken soll, mein Herr.