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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

^ernsprech-^nschlutz Nr. 8

Nr. 17.

Sonnabend, den 10. Februar

1906.

Amtlicher Ceil.

Hersseld, den 6. Februar 1906.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Heinrich Fischer in Heimboldshausen ist die Schweineseuche aus- gebrochen.

I. 1037. Der com. Landrat

von GruneliuS, Regierungsassessor.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher Ceil

Politischer Wochenbericht.

Unter den innerpolitischen Ereignissen der verflossenen Woche steht ohne Frage die Annahme der Hamburger Wahlrechtsvorlage obenan. Den Hanseaten ge­bührt für ihr kluges und entschlossenes Vorgehen, durch das ste die Gefahr einer sozialdsmokratische» Mehrheit in der Volksvertretung unserer größten See» und Handels­stadt für alle Zukunft abgewandt haben, seitens ganz Deutschlands Dank und Anerkennung. Es erscheint be­merkenswert, daß dieser vorbildliche Schritt gerade von einer Bürgerschaft ausgegangen ist, die wie kaum eine zweite mitten im werktätigen Leben der Gegenwart steht und deshalb geneigt ist, der praktischen Erfahrung den Vorzug von jeglicher Doktrin zu geben. Die Arbeitgeber Hamburgs haben fast samt und sonders schon die Ver­heerungen, die das von der Sozialdemokratie erzeugte Streik- fieber im modernen Wirtschaftsleben anrichtet, am eigenen Leibe kennen gelernt, und sie wissen auch, daß Zahl und Größe der wirtschaftlichen Wahlkämpfe sich in demselben Maße steigern, in dem die politischen Erfolge der Revo- lutionspartei wachsen. Eben die letztere Erkenntnis unter­scheidet die praktischen Hamburger, die der Wahlrechtsvorlage ihre Sanktion erteilt haben, aufs vorteilhafteste von jenen Bannerträgern eines öden Doktrinarismus, wie er in der Köln. Ztg." und Organen verwandten Schlages sein Wesen treibt. Hier wird die Annahme der Hamburger Wahlrechtsvorlage getadelt, weil wirtschaftliche Interessen oder die Interessen des Arbeitgebertums angeblich aufs strengste von der Wahrnehmung politischer Interessen zu trennen seien. Solcher Meinung kann nicht laut und ent­schieden genug widersprochen werden. Nein, wirtschaftliche und politische Interessen find aufs engste miteinander ver­knüpft, und, wer unser Wirtschaftsleben vor seiner völligen Zerrüttung durch die Ueberhandnahme von Arbeit-kämpfen bewahren will, muß den Quell des Uebels zu verftspfen suchen, und dieser Quell ist nirgends anders als in dem Machtkitzel der Sozialdemokratie, also auf dem politischen Gebiete zu suchen.

In Algecira« gewinnt e« den Anschein, al« ob der bisherige glatte Verlaus der Beratungen durch die Be­handlung der Polizeisrage von feiten Frankreich» eine gewisse Störung erfahren soll. Vermutlich ist diese Frage auf Drängen der öffentlichen Meinung Frankreichs bereits von dem franzöfischen Vertreter Revoil in vertrau­lichen Besprechungen mit dem deutschen Botschafter von Radowitz angeschnitten worden, und zwar in dem Sinne, daß Frankreich, wenn nicht allein, so doch mit einer an­dern ihm nahestehenden Macht, etwa Spanien, zusammen das Polizeimandat erhalten soll. Der Anspruch auf eine solche Vorzugsstellung in ganz Marokko aber ist, nachdem Frankreich bereits die Ordnung der Polizei in den algeri­schen Grenzbezirken überlassen worden ist, durchaus nicht berechtigt. Eine Verständigung dürfte daher nur zu er* warten sein, wenn Frankreich sich zu wesentlichen Modi­fikationen seines Standpunktes entschließt. Sollte aber auch eine Einigung in der Polizetsrage nicht erzielt werden, so dürfen wir uns dennoch des Erfolges unserer Morokko- Politik freuen. Wir haben mit derselben Frankreich ge- nötigt, die Delcasslschen Bahnen zu verlassen, und haben erreicht, daß gegenüber den franzöfischen Protektoratsbe­strebungen die Unabhängigkeit Marokko« und die Sou­veränität des Sultans nochmals von den Signatarmächten der Madrider Konferenz feierlichst verkündet worden ist.

In Frankreich erscheint der innere Frieden äugen- blidliß arg gestört. Dos Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat verlangt nämlich in einem seiner ersten Paragraphen die Aufnahme des gesamten Inventar« aller Kirchen innerhalb der Grenzen Frankreich«. Diese Jnventurausnahme nun ist in Paris wie in den Provinzen auf zahlreichen hartnäckigen Widerstand gestoßen. Die

Blocleute find hiervon sichtlich überrascht. Man hatte auf solchen Ausbruch des Volksunwilleps bei der ersten Gelegen­heit, wo das TrennungSgesetz fich in der Oeffentlichkeit be- tätigen sollte, ficher nicht gerechnet. Glaubte doch Briand, einer der Führer des Blocs, den Satz aussprechen zu dürfen:Es gibt keine ober fast gar keine wahrhaft Gläubigen in Frankreich mehr; das Gesetz wird seinen Weg unbemerkt gehen, und alle Welt wird stch ganz leicht daran gewöhnen."' Und heute? Heute macht stch der machtvollste Widerstand gegen das Gesetz vom 9. Dezember 1905 geltend und bringt die Regierung in eine äußerst schwierige Lage. Stellt fie die Inventur- ausnahme ein, so zeigt sie eine Schwäche, die üble Folgen haben kann; fährt sie aber in der gewaltsamen Unter­drückung der Kundgebungen fort, so schafft sie eine gefähr­liche Erregung im ganzen Lande. Aus jeden Fall dürfte demnach Frankreich politisch sehr erregten Zeilen entgegen­gehen.

In Italien endlich ist das im Dezember vorigen Jahres neugebildete italienische Kabinett, durch eine bunt­scheckig zusammengesetzte Mehrheit zu Falle gebracht worden. Die erste sich darbietende Gelegenheit wurde benutzt, um dem Ministerium FortiS nach mehrtägiger Debatte ein Ende zu bereiten. Diesem Ministerium ist damit die Gelegenheit genommen worden, seine Fähigkeit für die Durchführung von Reformen, deren Notwendigkeit allseitig anerkannt wird, zu erweisen. Zu solcher Durchführung ge­hört eine sichere Mehrheit, auf die sich der leitende Staats­mann zu stützen vermag. Hoffentlich gelingt es dem neu­zubildenden Kabinette, das jüngsten Nachrichten zufolge, unter Sonntnos Führung bereits zustandegekommen ist, diese Mehrheit zu finden. Vorläufig find allerdings die Aussichten hierfür bei der gegenwärtigen Zersplitterung des italienischen Parteiwesens nicht besonder« günstige.

Kille bittere Krkeiilltilis für bis W Soll

Wohl hat die Mäßigung der maßgebenden französischen Staatslenker und Politiker in der Regierung und in den Kammern, und wohl auch die Furchtvor der großenUeberlegen- Heit des deutschen Landheeres, Frankreich von einem von England begünstigten Revanchekriege gegen Deutschland ab­gehalten, aber dennoch ist im Grunde genommen, die poli­tische Lage für Deutschland dem Auslande gegenüber nicht verbessert, sondern durch die Tatsache, daß England stets auf Frankreichs Seite gegen Deutschland zu finden sein wird, eher verschlechtert worden. Nur der unbedingt zum Frieden mahnende Zustand Rußlands unterstützt auch Deutschlands Friedensliebe und im Koalitionsfalle stehen auch Oesterreich-Ungarn und Italien an Deutschlands Seite. Es bleibt also für Deutschland die bittere Erkenntnis voll und ganz bestehen, daß es bei größter Friedensliebe auch die größte Kriegsbereitschaft andauernd fördern muß, und daß unsere im Verhältnis zu der englischen Kriegsflotte kleine Kriegsmarine gewissermaßen die Gegner einmal zum Kriege reizen kann. Hätte Deutschland eine Kriegsflotte ähnlich groß wie die englische, so würde England bald sehr friedlich gesinnt werden und den germanischen Vetter nur durch Frieden und Freundschaft zu gewinnen suchen. So­lange wir aber die gegenüber der englischen Flotte kleine Kriegsmarine haben, ist eben diese kleine schwache deutsche Flotte eine Gefahr für den Frieden. Deutschland« Wahl- spruch kann also nur lauten: Zur Stärkung des Frieden« wachse unsere Macht vor allem auch zur See! Fragen wir nun, ob Deutschland auch die Mittel zu einer viel stärkeren Flotte besitzt. Wir glauben, diese Frage bejahen zu können, wenn man das Wachsen von Deutschlands Wohlstand, Handel und Industrie richtig würdigt. Im letzten Jahre stieg die Gesamteinnahme de« Deutschen Reiche« um über 1 Milliarde, der deutsche Außenhandel von 7,3 aus 12,2 Milliarden, der Wert der Handelsflotte von 327 Millionen aus über eine Milliarde. In ähnlichem Verhältnis stieg der allgemeine Wohlstand des Volkes, so ist z. B. in Preußen in 12 Jahren da» veranlagte Ein­kommen von 5,7 auf 9,12 Milliarden gestiegen. Im Ver­hältnis zu anderen Staaten hat Deutschland» Handel im letzten Jahrzehnt um 66 pCt. zugenommen, England» um 38 pCt., Frankreich» um 28 pCt. und Amerikas um 59 Prozent. Daß die anderen Staaten und unter ihnen das am meisten betroffene England diesem ungeheuren Aufschwung nicht freudvoll zujauchzen, sondern ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen suchen würden, konnten wir uns an fünf Fingern abzählen. Wir mußten uns deshalb zum Schutz unserer anwachsenden Interessen eine ganz gehörige Sicher- Heilsprämie auferlegen. Wie es aber damit steht, zeigen folgende Zahlen: Deutschland zahlte 1903 für Armee, Marine und Staatsschuld 959 Millionen, England 2044, Frankreich 1754 und Amerika 980 Millionen. Deutschland zahlte für Marine allein 233 Millionen, England 681, Frankreich 255 und Amerika 424 Millionen. Und schließlich: Deutschland zahlt pro Kopf für seine Marine

3,7 Mark, England 17,7, Frankreich 6,7 und Amerika 4,6 Mark. Für Bier zahlt der Deutsche aber pro Kopf unge­fähr 30 Mark. Deutschland hätte also sehr wohl die Mittel, über den Flottenplan hinaus noch 20 große Panzer­schiffe zu bauen. Kommt es einmal zum Kriege, so wird unsere Flotte ihre Pflicht in vollem Maße tun. Alle Ach­tung vor der Tüchtigkeit unserer jungen Marine, aber gegen die erdrückende Uebermacht Englands, und, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, ohne Bundesgenosse. wird sie sicher unterliegen, oder aber, falls sie dem Kampf ausweicht, wie esBeowulf" zeigt, zur Untätigkeit und Zwecklosigkeit verurteilt sein. Damit soviel Energie und Menschenleben nicht nutzlos geopfert werden und zahllose Millionen nicht halb umsonst ausgegeben werden, muß man eine baldige erhebliche Vergrößerung unserer Schlachtflotte fordern, und zwar in einem schnelleren Tempo, als es das Flottengesetz von 1900 vorsieht.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch wurde die Beratung des Etats des Mini­steriums des Innern beendet. In der Debatte, die neue Momente nicht ergab, -beklagte sich Abg. Korfanty (Pole) über die Beeinträchtigung des Vereins- und Versammlungs- rechtS in den polnischen Landesteilen. Der Minister des Innern lehnte es ab, auf die allgemein vorgebrachten Be­schwerden sinzugehen, zumal kürzlich ein polnischer Abge­ordneter gesagt habe, man solle sich mit Beschwerden nicht an den Minister wenden, sondern zum OberverwaltungS- gericht gehen. Der Etat wurde in zweiter Lesung bewilligt.

Am Donnerstag gelangte die Interpellation Brust über das Unglück auf der Zeche Borussia zur Be­sprechung. Die Interpellation fordert vom Handelsminister darüber Auskunft, ob die an dem Unglück schuldigen Per­sonen zur Verantwortung gezogen würden ober ob das Er­gebnis der eingeleiteten Untersuchung über die Ursachen noch nicht vorliege; ferner ob der Minister die nach dem Vorfall von den Behörden getroffenen Maßnahmen als ge­nügend erachte, um derartige Vorfälle künftig zu verhindern. Handelsminister Delbrück beantwortete die Interpellation.

Reichstag.

Im Reichstage erlitt die daselbst zur Zeil im Gange befindliche, ziemlich einförmige sozialpolitische De­batte über den Etat des Reichsamtes des Innern am Mittwoch dadurch eine Unterbrechung, daß an diesem Tage einSchwerinstag" abgehalten wurde. Die Sitzung wurde vollständig durch die Diskussion über den sozialdemokratischer-. seit« als besonderen Gesetzentwurf eingebrachten Initiativ­antrag ausgefüllt, wonach in jedem Bundesstaate, auch in Elsaß-Lothriagen eine auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes gewählte Volksvertretung bestehen soll und wonach alle über 20 Jahre alten Reichs­angehörigen ohne Unterschied des Geschlechtes das Wahl­recht haben sollen. Der Sozialdemokrat Bernstein begründete diese mehr als radikale Wahlrechtsänderung in längerer Rede, worauf der Hanseatische und BundeSratSbevollmächtigle Klügmann gegen mehrere ihm mißfällige Aeußerungen Bernsteins in scharfen Worten protestierte, welche bei Der äußersten Linken lärmenden Widerspruch hervorriefen. Namens des Zentrums erklärte Abgeordneter Graf Hom- pesch, daß das Reich nicht kompetent zur Abänderung des Landtagswahlrechtes der Bundesstaaten fei, in welchem Sinne sich auch die Abgeordneten v. Normann (konf), Baffermann (natl.-lib.), Arendt (ReichSp.) und Graf Reventlow (wirtsch. Verein.) äußerten, doch betonten mehrere dieser Redner, daß da« Wahlrecht vieler Einzelstaaten allerdings reform­bedürftig sei. Anderseits sprachen sich die Abgeordneten Träger (fr. Volksp.) und Schröder (fr. Volksp.) für eine Reform des Wahlrechtes der Einzelstaaten von rechtswegen au«. Staatssekretär Graf Posadowsky griff mit einer be­merkenswerten Rede in die Verhandlung ein, wobei er an die Stellung des Fürsten Otto BiSmarck zur Wahlrechts­frage erinnerte und sich weiter über das preußische Wahl­recht verbreitete. In einer zweiten Rede bekämpfte der Staatssekretär energisch mehrerr Ausführungen des Abge. ordneten Arendt. Nach einer Rede des Elsäffers Dalsor trat Vertagung ein.

Her W in IeM«M-Wka.

Nach einer in Berlin veröffentlichten amtlichen Meldung saßen Morenga und Johannes Christian laut Aus­sage aus dem Hottentottenlager entflohener Raffern noch am 29. Januar bei Hartebeestmund. Unsere Patrouillen fanden die Linie EndoornKaimas und östlich vom Gegner frei. Major v. Estorff zieht die Abteilung Heuck (1. Komp. Regt«. 1, 7. Komp. Regt«. 2 und 2 Geschütze der 9. Batterie) von Groendoorn nach Velloor heran.

Am 31. Januar raubte eine aus den kleinen Karasbergen gekommene Hottentottenbande von etwa 3040 Gewehren