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Herrsel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 18.
Dienstag,, den 13. Februar
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Amtlicher teil
Cassel, den 31. Januar 1906.
Im Selbstverläge des Preußischen LandeS-Kriegerver- bände» in Berlin W. 62, Kurfürstenstr. Nr. 97 ist soeben ein von dem 1. stellvertretenden Verband»vorsttzenden Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Westphal bearbeitetes „Handbuch für die Kriegervereine de« Preußischen Lande»- KriegerverbandeS" erschienen, da» sich ausschließlich Porto auf 2 Mark stellt.
Ich mache hierdurch auf dieses Handbuch besonder» aufmerksam. (A. 11. 710.)
Der Regierungs-Präsident. Graf v. Bernstors f. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizeidirektoren in Hanau und Fulda und die Herren Landräte de» Bezirks.
*
Hersfeld, den 9. Februar 1906.
Wird veröffentlicht.
1. 1093. Der com. Landrat
von GruneliuS, Regierungsaflessor.
Hersfeld, den 9. Februar 1906.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 5. Juli 1882 J. I. Nr. 8773, Kreisblatt Nr. 53, betr. Berichtigung des Verzeichnisses über die Pflichtfeuerwehr erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben bis zum 1 5. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe entgegen.
Der com. Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 9. Februar 1906.
Die ^Herren Bürgermeister des Kreises werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 9. Februar 1884 J. I. Nr. 1721, Kreisblatt Nr. 20, betr. Revision der Feuerungsanlagen 2C. erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben bns z u m 1 5. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe entgegen.
Der com. Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Auf den mögen des Schicksals
Novelle von A. Peters.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Die alten Schimmel, die in ihrem zehnjährigen Dienste genau die Länge der Schritte und das Zeitmaß der Bewegungen gelernt hotten, die mit der Würde des alten Barons harmonierten, hatten ihn Cecils Augen bald entführt, und mit einem Seufzer sprach diese leise, zu Doktor Lester gewandt:
„Papa, er ist ganz anders als Granville. Ich glaube nicht, daß ich mich in seiner Gesellschaft jemals behaglich fühlen werde."
Ein Tag reihte sich schnell an den andern, das Laub siel gelb und rot von den Bäumen herab, und jagte im Wirbeltanze die Landstraße entlang, die Hecken wurden lichter, die Wiesen verloren das lichte Grün; das Rotkehlchen war noch der einzige Sänger in der Vogelwelt, und Cecil harrte ungeduldig dessen, der ihrem Herzen so unaussprechlich teuer geworden war, ohne zu ahnen, welch schwere Wolke sich über ihrem Haupte zusammenzog.
Vierzehn Tage waren sie schon in Midvale, als Granville Rodney kam, und die Freude des Wiedersehens entschädigte die Glücklichen hinreichend für die dreiwöchentliche Trennung. Stundenlang saßen sie zusammen am Kaminfeuer, bis die Sonne in purpurner Pracht sich zum Unter« gange neigte und die Nacht wild und stürmisch hereinbrach. Da erhob sich Granville widerstrebend und sagte zum Ab- schiede:
„Schlaf wohl, mein Lieb, damit Dir morgen die schönsten vioien auf den Wangen blühen, und vergiß nicht, Dich so hübsch zu kleiden wie nur möglich, denn gleich nach dem Frühstück hole ich Dich mit dem Einspänner ab, um Dich meinen Eltern als Tochter zuzuführen."
Lady Rodney war seit mehreren Jahren lahm und verließ nur selten das Haus; und während Granville eilig heim- wärts ritt, malte er sich seiner Mutter Glück aus, wenn Eecils liebliches, süßes Gesicht und ihre weiche, gewinnende
Gefundene Gegenstände:
Eine Achse. — Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Asbach.
Nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Freitag zunächst die Vorlage betr. die Abänderung des Gesetzes über die frei« willige Gerichtsbarkeit, debattelos in erster und zweiter Lesung, und setzte hierauf die Beratung des Etats des Reichsamtes des Inneren fort. Abg. GieSbertS (Zentr.) äußerte eine Anzahl Wünsche sozialpolitischer Natur und machte im übrigen namens der christlichen Gewerkschaften Front gegen die Sozialdemokratie. Abg. Prinz Schönaich- Carolath (nat.-lib.) widerlegte mehrere Behauptungen des Sozialdemokraten Hus über die Zustände in den schlesischen Stahl- und Eisenwerken und verurteilte im weiteren die Auswüchse des Aulomomobilsportes. Staatssekretär Graf Posadowsky machte die Mitteilung, daß sich der Bundesrat in 14 Tagen über eine Polizeiverordnung zur Regelung des Automobilverkehrs fchlüffig machen werde und daß ferner genannter Körperschaft ein Gesetzentwurf über die Haft- Pflicht der Automobilfahrer vorliege. Weiter kündigte der Staatssekretär ein neues Vogelschutzgesetz an. Abg. v. Bieberstein (kons.) wie» die Behauptungen des Abgeord. neten Gerlach über die schlechte Löhnung der landwirt' schaftlichen Arbeiter in Ostpreußen zurück, Abg. Roeren (Zentr.) verbreitete sich über die Mißstände im AuSverkaufS- wefen und Abg. FrSedorf (soz.) betonte die Notwendigkeit der Teilnahme der Arbeitervertreter an der Vermal- tung der Krankenkassen. Abg. Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib.) erörterte eingehend die Heimarbeiterfrage und Abgeordneter v. Oldenburg (kons.) kritisierte die sozialpolitische Tätigkeit der SatatSsekretärS Grafen Posadowsky abfällig. Letzterer antwortete recht energisch und wies namentlich die Behauptung des Vorredners, es bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm (dem Staatssekretär) und dem Reichskanzler, zurück. Die Debatte schloß mit einer Hochflut persönlicher Bemerkungen.
Die Besprechung der von der Regierung nicht beant» warteten sozialdemokratischen Interpellation über das Unglück auf der Zeche „Borussia" nahm die ganze Sitzung am Sonnabend in Anspruch. Zwei Sozialdemokraten, zwei Zentrumsabgeordnete, ein Freisinniger und ein Pole stellten sich in ihren Reden durchaus auf dem Boden der Jnler- pellation, gaben der Meinung Ausdruck, daß der Reichstag zuständig fei, über den tragischen Vorfall, bei dem 39 Menschenleben verloren gegangen sind, zu urteilen, tadelten daher, daß die Regierung die Antwort abgelehnt, und namentlich auch, daß Graf Posadowsky mit seinen Kom
Stimme das alte, stille Haus beleben würden. Armer Granville! Er glaubte, als er seinen Eltern am Abende seine Liebe gestand und ihnen seine Verlobung mitteilte, nicht anders, als daß sie sich aufrichtig freuen und ihm von Bergen gern ihre Einwilligung geben würden ; war er doch von jeher gewöhnt, alle seine Wünsche gebilligt und erfüllt zu sehen, und war nicht außerdem seine Cecil reizend, schön, klug, liebenswürdig, zartfühlend, kurz alles, was man von einem Mädchen erwarten kann?
Doch als er schwieg, lagerte sich über feines Vaters Stirn eine dunkle Wolke, wie er dort noch nie gesehen hatte. Des alten Mannes kleine, blaue Augen blitzten, und seine bleichen Wangen wurden hochrot vor Wut, während er zornig ausrief:
„Niemals, niemals werde ich zugeben, daß jenes Mädchen Deine Frau wird. Wie! Ein Rodney sollte eine Kunstreiterin heiraten! Vergißt Du ganz, wer Du bist, und wer sie ist? Lieber will ich Dich im Grabe sehen, als das Bewußtsein in mir tragen, daß mein Sohn der erste unseres Geschlechtes ist, der das reine Blut der Rodneys mit dem einer Niedriggeborenen, einer Seiltänzerin, eines Findelkindes gemischt hat. Gib den Gedanken auf, Granville, denn ich schwöre Dir bei allem, was mir heilig ist, und Du weißt, daß ich mein Wort halte, daß nicht ein Pfennig meines Vermögens in Deine Hände kommt und Dich mein Fluch trifft, wenn Du Dir ein Mädchen zum Weibe nimmst, in deren Adern nicht ebenso reineS Blut fließt, wie in den Deinen."
Granville bat, flehte seinen Vater an, sich erweichen zu lassen, doch vergeblich. Hätte er Cecil auch gern sein Vermögen, seine Besitzungen geopfert, so war er doch ein zu guter Sohn, um den Befehlen seines Vaters direkt zuwider zn handeln, auch kannte er Cecil und wußte, daß sie unter solchen Umständen niemals die Seine werden würde.
Seine Mutter bat anfangs ihren Gatten unter heißen Tränen, er möge doch nachgeben; dann ihren Sohn, er solle feiner Liebe entsagen; doch ihre Bitten und Vorstellungen fanden bei dem einen so wenig Gehör wie bei dem anderen. Granville verbrachte Nacht schlaflos und unter heißen Seclen-
missaren vor Beginn der Diskussion den Saal verlassen hatte. Einen anderen Standpunkt vertrat einzig und allein der nationalliberale Ahg. Dr. Beumer, da die Rechte, die wohl überwiegend seiner Ansicht huldigte, sich an der Debatte gar nicht beteiligte.
% Marokko-Konferenz.
Nicht nur aus Algeciras sondern auch aus London und Paris kommen immer noch Stimmen, welche glauben machen wollen, daß auf der Konferenz der Großmächte in Algeciras wahrscheinlich keine Einigung erzielt und die Forderung Frankreich» auf allgemeine Polizei - Organisation durch französische Beamte in Marokko an dem Widersprüche Deutschlands scheitern und die ganze Einigung der Mächte in der marokkanischen Frage unmöglich machen werden. Nach Kundgebungen deutscher, englischer und französischer Diplomaten wird aber der Verlauf der Konferenz in Algeciras wahrscheinlich ein ganz anderer sein. Frankreich hat nach einer Aeußerung des Ministerpräsidenten Rouvier gar nicht die Neigung, sich die Polizeiverantwortung für ganz Marokko aufzubürden. Auf der anderen Seile sind aber die Großmächte und auch Deutschland geneigt, wegen seiner Stellung als Grenzland in Algier der französischen Regierung ein gewisses Vorrecht in Bezug auf die Organisation der Polizei in Marokko bezw. in den Grenzgebieten ein- zuräumen. Die wiederholten Beratungen der Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Englands in Algeciras werden aber wohl dahin geführt haben, daß alle Fragen und Aufgaben von internationalem Interesse auch der internationalen Kontrolle der Großmächte unterstellt werden. Die praktische und naheliegende Lösung der marokkanischen Frage liegt also in erster Linie darin, Frankreich wohl das Polizeimandat für Marokko zu gewähren, die Tätigkeit der Polizei aber in Marokko unter die Kontrolle der Großmächte bezw. aller auswärtigen Gesandten, Agenten und Konsuln in den marokkanischen Hauptstädten Tanger und Fez zu stellen. Dasselbe muß natürlich auch mit der marokkanischen Bank und Staatsschuld geschehen. Das Prinzip der freien Konkurrenz und des freien Handels für alle Mächte in Marokko ist übrigens das Ziel der deutschen Politik von Anfang an in der marokkanischen Streifrage gewesen, und wie man hört, stehen Oesterreich, Italien, Rußland und die Vereinigten Staaten von Nordamerika auf demselben Standpunkt wie Deutschland, und wenn Frankreich mit Unterstützung England« nicht im letzten Augenblick nach einem Monopole in Marokko strebt, so kann die Einigung der Mächte in Algeciras nur noch eine Frage von wenigen Tagen sein. Das Prinzip, allgemeine Interessen bes Handels und Verkehrs in Marokko international zu ordnen, ist durchaus billig und verletzt die Interessen keiner Macht. Es giebt allerdings auch keiner Macht ein besonderes Vorrecht, nur die Ausnahmestellung
qualen und sagte seinen Eltern am folgenden Morgen, er wolle Cecil Lebewohl sagen und ins Ausland gehen, bis die Zeit den Schmerz des augenblicklichen Schlages geheilt habe. Seine bleichen Züge, seine wildblickenden Augen verrieten Cecil sofort, daß ein tiefer Kummer ihn befallen haben mußte, und sie nahm alle Kraft zusammen, um ihn ruhig anzuhören; doch was er ihr zu sagen hatte, überstieg alles, was der Schreck über sein Aussehen ihr vorgemalt hatte, und wenige Minuten lang war sie nur fähig, zwischen den weißen Lippen hervorzustoßen:
„Für immer! O, Granville, das kann, das kann ich nicht!"
Dann riß die Seelenqual, die sich auf des Geliebten Antlitz spiegelte, sie aus ihrem eignen Elende heraus, und es zeigte sich in ihr der ganze Heldenmut einer edlen Frauenliebe, als sie, das schmerzliche Aufschreien ihres Herzens unterdrückend, versuchte, ihn mit Worten der Liebe und des Trostes auszuheitern. „Bis zu einem gewissen Grade heilt die Zeit alle Wunden, und wenn der Himmel es so will, dann muß es auch gut sein," sagte sie.
Brechenden Herzens schieden sie von einander, und Granville kehrte nach Hause zurück, um seine Vorbereitungen für die Abreise zu treffen.
An einem klaren Herbstmorgen, der Cecil mit seinem buntgefärbtem Laube und dem kalten, wolkenlosen, blauen Himmel lebhaft an den schmerzlich qualvollen Morgen im vergangenen Jahre erinnerte, sagten sie Midvale und all ihren Freuden für lange Zeit Lebewohl.
Es war, um nach London zu ziehen, eine schlechte Zeit; Cecil jedoch war alles neu, trotzdem sie sich dunkel erinnerte, in ihrer frühesten Kindheit schon dort gewesen zu sein; und das rege Leben und Treiben tat ihr wohl nach der für sie so trostlosen Stille und Leere in Midvale. Sie mieteten sich eine freundliche Wohnung im Westend Londons, und Doktor Lester sah sich in seinen Hoffnungen auf gute Praxis nicht getäuscht.
In seinen Mußestunden führte er Cecil viel auS und tat alles, sie aus ihrer gedrückten Stimmung zu reißen, was ihm auch nicht ganz mißlang, denn bald begann wieder ein zartes