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Herzsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 19.

Donnerstag, den 15. Februar

1999.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 9. Februar 1906.

Der Polizei-Commissar Schuster zu Hannover hat eine Zusammenstellung der gesetzlich festgesetzten Arbeitszeiten und Pausen usw. für Fabriken und Werkstätten mit Motor- betrieb rc. in denen jugendlicheArbeiter und Abeiterinnen beschäftigt werden" angefertigt.

Mittelst dieser Zusammenstellung ist der revidierende Beamte in der Lage, in kürzester Frist zu ersehen, ob in dem jeweiligen Betriebe die gesetzlichen Bestimmungen hin. sichtlich der Arbeitsdauer, des Beginnes und Endes der Arbeitszeit und der vorgeschriebenen Aushänge befolgt sind.

Den Ortspolizeibehörden des Kreise» wird dieZusammen­stellung" zur Anschaffung empfohlen. Der Preis für das Exemplar beträgt 30 Pfennig.

I. 1097. Der com. Landrat von GruneliuS, RegierungSasieffor.

Hersfeld, den 12. Februar 1906.

Der auf Donnerstag den 22. Februar d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Auftrieb darf um 73/< Uhr morgens begonnen werden.

I. I. 1122. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Gefundene Gegenstände:

Ein Mantel. Meldung des Eigentümers bei dem Orts- vorstand in Beiershaufen.

Zugelaufen: Ein kleiner Hund mit gelben Beinen. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Beiers Hausen.

nichtamtlicher teil.

Der Bund der Landwirte.

Wieder hat in Berlin im Zirkus Busch unter außer­ordentlich zahlreicher Beteiligung von Landwirten aus allen Gauen Deutschlands die Generalversammlung des Bundes der Landwirte stattgefunden. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Bundes Dr. Rösicke-Görsdorf mit einer längeren Ansprache eröffnet, die in das begeistert aufgenommene Kaiserhoch ausklang. Den Geschäftsbericht erstattete der Bundesdirektor Dr. Diederich Hahn. Es geht daraus hervor, daß gegenwärtig 272 000 deutsche Landwirte im Bunde der Landwirte organisiert sind, wovon

Auf den öogen des Schicksals.

Novelle von A. Peters.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Und so sahen sie sich wieder und wieder, und Cecil wurde, obschon sie weniger Hoffnung hatte, denn je, wieder heiter und vergnügt; die Rosen blühten wieder frisch auf ihren Wangen, ihre Augen leuchteten und strahlten, und lustige Weisen ertönten von ihren Lippen, wenn sie über eine Hand­arbeit gebeugt saß, sie war glücklich für die Gegenwart, blind für die Zukunft.

Granville fiel es nicht so leicht, so sorglos glücklich in der Gegenwart zu leben, doch er war nicht imstande, sich loszu- reißen, und zwei bis drei mal in der Woche kam er, Cecil zu sehen, ihre Stimme zu hören, ihre Hand zu berühren und blutenden Herzens wieder von ihr zu gehen, da sie doch nio sein eigen werden konnte. Eines Tages sprach er zn Doktor Lester:

Herr Doktor, ich habe eine Bitte an Sie. Eine Dame, eine Freundin von mir, ist krank. Es ist ein ganz be­sonderer Fall und ich möchte so gern, daß Sie sie besuchten. Wollen Sie? Tun Sie es mir zu Liebe," fügte er bittend hinzu.

Denken Sie wirklich, daß ich Ihnen zu Liebe etwas tun könnte?" entgegnete der Doktor lächelnd.Doch reden Sie, wer ist die Dame?"

Lady Arville, eine alte Dame, wenigstens halte ich sie sür alt, da sie ganz grau ist," erwiderte Granville.Ihr Gemahl, Lord Arville, war ein entfernter Verwandter meines Vaters; er starb vor vierzehn oder fünfzehn Jahren und seit jeiiem Tage hat sie nur mit Widerstreben jemanden in ihre Nähe gelassen. Ich machte vor mehreren Jahren bei einem kleinen Unfälle ihre Bekanntschaft, und ich bin wohl der einzige Fremde, dem sie den Zutritt in ihre Wohnung ge­stattet, denn ich treffe niemals jemanden bei ihr. Nun ist sie neulich die Treppe hinunter gefallen, und als ich sie gestern besuchte, klagte sie über heftige Schmerzen in der Hüfte. Ich net ihr, nach einem Arzte zu schicken, doch davon wollte sie

55 b. H. westlich und 45 v. H. östlich der Elbe wohnen. Als erfreuliches Moment konnte hervorgehoben werden, daß zur Zeit auch die Großgrundbesitzer wieder in verstärkter Zahl dem Bunde beizutreten beginnen. Einen Höhepunkt der Verhandlungen bildete das Auftreten des Führers der österreichischen Agrarier, Reich«ritter Simitsch von Hohenblum. Seiner kurzen aber kernigen Rede folgte ein minutenlanger, stürmischer, sich immer wiederholender Beifall.

An sachlichen Referaten wurden solche über die Fleisch­teuerung, unsere Handelsbeziehungen zu dem Auslanve und die Steuerreform gehalten. Referenten hierzu waren die BundeSmitglieder Aus dem Winkel-Logau, Reichs- und Landtagsabgeordneter von Oldenburg-Januschau und Chef­redakteur Dr. Oertel. Zum Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, in der mit Entschiedenheit gegen dir Aus­dehnung der Reichserbschaftssteuer auf Kinder, Eltern und Gatten Stellung genommen wird. Endlich verdient noch der einstimmig gefaßte Beschluß auf Erhöhung der Mitgliederbeiträge um die Hälfte Erwähnung. Der Bund darf auch mit dem Verlaufe seiner diesjährigen General­versammlung vollauf zusrieden sein und in demselben mit Fug und Recht einen neuen Erfolg der Bundesbestrebungen erblicken.

In den weitesten Kreisen der Bevölkerung aber wird man aus den Verhandlungen der 13. Generalversammlung des Bundes der Landwirte mit Befriedigung wahrgenommen haben, daß der Geist der Unzufriedenheit und des Miß- muteS, der lange Jahre in den Kreisen der Landbevölkerung vorherrschend war, in steigendem Maße den Gefühlen der Sicherheit und Zufriedenheit zu weichen beginnt. Zweifellos sprießt in den Herzen der deutschen Landwirte eine neue Saat talenfreudigen Hoffen» empor.Wir fühlen wieder festen Boden unter den Füßen" da« war eine» der Leit­motive, da» diese Verhandlung durchdrang. Es liegt auf der Hand, daß dieser Umschwung der Stimmung in erster Linie als ein Erzeugnis der Handelsvertragspolitik des Reichskanzlers Fürsten von Bülow angesehen werden muß. Aber auch die sonstige agrarfreundliche Haltung des obersten Beamten des Reiches, seine feste, unerschütterliche Wahr­nehmung der Interessen bes deutschen Viehzüchter« gegen­über dem sozialdemokratisch-freisinnigen ,Fleischnot"-Gc- schrei, sein treues kameradschaftliches Zusammenstehen mit dem von der gesamten agrarischen Welt hochverehrten LandwirtschaftSminister von Podbielski, wie endlich seine mehrfach, so erst neulich bei dem Festmahl des deutschen LandwirtschaftSrateS, in spontaner und begeisterter Weise zum Ausdrucke gebrachte Wertschätzung des Bauernstandes haben da» ihrige dazu beigetragen. Mit Recht mischte sich daher auf der diesjährigen Generalversammlung des Bun­de« der Landwirte den Regungen neuerwachten Hoffens auch ein Gefühl warmen Dankes gegenüber dem leitenden Staats­manne Deutschlands bei.

nichts wissen, weil sie, wie sie sagte, Fremde haßt, da diese nur kämen, um ihres Elendes zu spotten. Ich fürchte in­dessen, daß sie sich ernstlich Schaden getan hat, und ich bitte Sie, mich zu ihr zu begleiten. Ich werde alles auf mich nehmen und nicht wahr, Sie werden es mir verzeihen, wenn sie Ihnen, ohne weitere Umstände zu machen, die Türe weist."

Ja, ich verspreche es Ihnen, erwiderte Doktor Lester lachend,die gute Dame scheint mir ein wenig verrückt zu sein. Wenn es Ihnen recht ist, fahren mir sofort zu ihr hin, mein Wagen hält soeben vor der Tür."

Sie sind außerordentlich gütig," sprach der junge Baron. Cecil," suhr er, zu dieser gewendet, fort,sobald wir Lady Arville verlassen haben, komme ich wieder hierher zurück. Wirst Du auf mich warten?"

Cecil versprach es und die beiden Herren fuhren davon. Wenige Minuten später hielt der Wagen vor einem eleganten, aber düster aussehenden Hause, und dem Doktor voraueilend, sprang Granville die Stusen hinan und zog an der Mocke. Ein alter, grauköpfiger Diener in Trauer öffnete und der junge Mann fragte:

Wie geht es Lady Arville? Kann ich sie sehen?"

Ja, Herr Baron," erwiderte der alte Mann;aber es geht ihr schlecht, sehr schlecht."

O," sprach Granville bedauernd, worauf er Doktor Lester bat, näher zu treten.

Sie schritten durch die stille, öde Vorhalle die breite Treppe hinan, und dann öffnete der voranschreitende Diener die Türe zu einem düsteren Gemache.

Doktor Lester prallte förmlich zurück, als er beim Eintreten nur schwarz darin sah. Vorhänge, Möbel, selbst der Teppich war schwarz, während die Wände mit einer dunkelgrauen, kalten Tapete beklebt waren. In der Mitte dieses grüstähn- lichen Raumes lag auf einem schwarzen Sofa eine alte Dame in tiefer Trauer; ihr weißes Haar, das kaum weißer war, als ihre abgezehrten Gesichtszüge, verbarg sich fast gänzlich unter einer dichten Crcppehaube, und ihre abgemagerten weißen Hände staken in weißen Halbhandschuhen. Sie wollte auf­springen, als ihre Singen aus den Fremden fielen, doch mit

Wer patriotisch empfindet und Sinn für die Macht- fakloren des Staate» besitzt, der wird sich wir wieder­holen es dieses Eindrücke«, den die Verhandlungen im Zirkus Busch offensichtlich barboten, von Herzen er­freuen. E» ist in der Tat so, wie Freiherr von Wangen- heim schön und sinnvoll ausführte: der wahre Schatz der Nibelungen, er ruht in treuen deutschen Bauernherz n, er ist nichts anderes als das Gold der Dankbarkeit und Treue auf dem Grunde deutscher Bauernseelen. Glücklich der Staat, dessen Leiter diesen Schatz zu heben und dauernd auszubewahren wissen; er wird unwiderstehlich sein. Mögen alsdann die Reyolutionsstürme auch noch so brausen, mag das von internationalen Fremdlingen betörte und verführte Jndustrieproletariat der Großstädte auch noch so frech und drohend sein Haupt erheben. Thron und Altar schützt ein lebender Wall, an dem sich jeder Anprall machtlos brechen wird. Auf dem platten Lande, auf dem Acker, in grünen­der Saat und goldigem Aehrenselds, da ist unsere Zukunft verankert, da liegen die starken Wurzeln unserer Kraft. Mögen sie niemals zerstört werden!

Reichstag.

Der Reichstag ist mit der zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern noch nicht fertig; er widmete ihr am Montag die siebente Sitzung, die zum größten Teil durch sozialdemokratische Reden ausgefüllt wurde. Der Abgeordnete Stadthagen polemisierte zwei, der Abgeordnete PSu» anderthalb Stunden gegen die bürgerliche Gesellschaft und die Regierung. Zur Abwehr und zum Gegenangriff brauchte der nationalliberale Abge­ordnete Dr. Beumer eine Stunde, Dr. Stöcker 45 und der Zentrumsabgeordnete Freiherr von PfetteN, der bei dieser Gelegenheit seine Jungfernrede hielt, zehn Minuten. Zu bemerken wäre nur, daß Herr Beumer den schon mehrmals ausgesprochenen und zurückgewiesenen Vorwurf gegen den Grafen Posadowsky wiederholte, er habe einseitig den Ar­beitern das Verdienst um die Entwicklung der deutschen Industrie zugeschrieben. Da der Staatssekretär nicht an­wesend war, übernahm der Direktor im Reichsamt des Innern Caspar die Erwiderung.

Abgeordnetenhaus.

Vor Eintritt in die Tagesordnung am Dienstag erbittet und erhält Präsident v. Kröcher die Ermächtigung, Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin zur silbernen Hoch­zeit, sowie dem Prinzen Eitel-Friedrich und der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg zur Vermählung die Glück­wünsche des Hauses darzubringen. Darauf wird die 2. Lesung des Etats bei dem Etat der Berg-, Hütten« und Salinen- verwaltung fortgesetzt. Abg. v. Arnim Züsedom (!) spricht sich, bei der großen Unruhe des Hauses schwer verständlich,

einem schmerzlichen Aufschrei fiel sie in die Kissen zurück.

Granville, wer ist jener Herr?" fragte sie zürnend.Sie haben meinen Wünschen entgegengehandelt."

Verzeihen Sie, Lady Arville," antwortete der junge Mann, ihre Hand ergreifend,ich konnte nicht anders, da ich sah, wie krank Sie sich fühlten. Es ist Doktor Lester, mein bester Freund, der Sie untersuchen wird. Tun Sie es mir zu Gefallen und lassen Sie es geschehen."

Lady Arville antwortete nicht. Einige Augenblicke lang richtete sie ihre klaren, blauen Augen fest auf die edlen, trau­rigen Züge des Arztes, und in ihrem Antlitze, welches noch immer Spuren großer Schönheit trug, zeigte sich ein tiefes Interesse.

Sie wissen, was Kummer ist, Herr Doktor Lester," sagte sie endlich ruhig.Das lese ich in ihren Zügen. Sie mögen tiefen Kummer kennen gelernt haben; doch nicht so, wie ich. Das ist nicht möglich."

Sie müssen allerdings unsagbar schwer getroffen worden sein, wenn Ihr Kummer den meinen noch überstiegen hat," entgegnete der Arzt. Ich verlor Weib, Sohn und Tochter innerhalb weniger Tage und blieb, aller Bande entblößt, in der Welt zurück."

Weib, Sohn und Tochter," wiederholte die Kranke und sah ihm starr ins Gesicht.Weib, Sohn und Tochter, und Sie vermochten weiter zn leben? Mann, Mann, halten sie kein Herz? Nach einem solchen Schlage konnten Sie wieder mit der Welt leben? Ich verlor meinen Gatten und mein Kind an einem Tage und lebe seitdem im Grabe. Und nun ich endlich daranstehe, ihnen zu folgen, heute, nach sechzehn Jahren endlosen Harrens heute kommen Sie, um mich zu- rückzurufen Sie, der Sie denselben Kummer erfahren haben ? Sie sind ein herzloser Mann. Erscheint Ihnen diese trostlose Welt so schön in ihrer Einsamkeit?"

Der Himmel ist mir sehr gnädig gewesen, erwiderte Doktor Lester feierlich,und hat mir an Stelle der zwei Ver­lorenen ein Kind gegeben, das mir ebenso teuer ist, wie meine eigenen es waren. Ich will nicht eher sterben, als bis ich sie versorgt weiß."

Bei des Arztes letzten Worten erhob sich Granville