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herssel-er Armblatt

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Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 23.

Sonnabend, den 24. Februar

1906.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 21. Februar 1906.

Auf Grund des § 82 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Kreistag des hiesigen Kreises in seiner Sitzung am 17, d. MtS. zu Punkt 1 der Tagesordnung den von dem Herrn Bürgermeister Strauß hier gestellten Antrag:

»Der Kreistag wolle beschließen, auf das ihm gemäß § 24 der Kreisordnung zustehende Vorschlagsrecht zu verzichten und den Herrn Regierungspräsidenten zu bitten, den seitherigen kommissarischen Landrat, Herrn Regierungsassessor von GruneliuS, Seiner Majestät zwecks Ernennung zum Landrat des Kreises Hersfeld in Vorschlag zu bringen"

einstimmig angenommen hat.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung fand der von dem Herrn Tuchfabrikanten Friedrich Rechberg hier gestellte Antrag:

.Der Kreistag beschließt aus Anlaß der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten als Grundstock zur Errichtung von Diakonissenstationen 10 000 Mark zu stiften und diese Summe bis zur Höhe von 20 000 Mark aus (Überschüssen der späteren Jahre zu erhöhen. Weiter beschließt der Kreistag nach Maßgabe der Mittel des Kreises und des hervortretenden Bedürfnisses in Zu­kunft jährlich eine entsprechende Summe in den Etat für diesen Zweck einzustellen"

ebenfalls einstimmige Annahme.

J. A. Nr. 630. Der com. Landrat

von GruneliuS, Regierungsaffeffor.

Heröseld, den 22. Februar 1906.

Mit Einzahlung der am 1 5. d. M t S. fällig gewesenen 4. Rate der im Rechnungsjahr 1905 zu entrichtenden Kreissteuer ist noch eine Anzahl Gemeinden und Guts- bezirke im Rückstände.

Die betreffenden Herren Bürgermeister und GutS- vorsteher ersuche ich deshalb hierdurch, für Einzahlung der fällig gewesenen Beträge bis spätestens zum 2 8. d. M t S. Sorge zu tragen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses von GruneliuS, Regierungsaffeffor.

Hersfeld, den 21. Februar 1906.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 30. Januar d. Js. I. I. Nr. 848 betreffend Verzeichnis über ungetmpfte Kinder erinnert. Ich sehe der Erledigung der­selben bis zum 1. März d. J. bestimmt entgegen.

L 848. Der com. Landrat

von GruneliuS, Regierungsaffeffor.

Hersfeld, den 19. Februar 1906.

Die Königlichen Beschäler werden am 28. Februar aus Station Philippsthal eintreffen. Die Herren OrtSoorstünde wollen dies den Züchtern des Kreise« bekannt geben.

Zugleich werden die Herren Ortsvorstände hierbei darauf auf» merksam gemacht, daß die Abfohlungsergebnisse in die f.Zt. ihnen zugehenden Deckregister recht genau einzutragen und letztere bis spätestens zum 2 0 Juni an den be­treffenden Slationswärter zurückzusenden sind. Außerdem sind die Züchter demnächst daran zu erinnern, daß die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an den Slationswärter gezahlt werden müssen.

I. 1348. Der com. Landrat von GruneliuS, Regierungsaffeffor.

HerSfeld, den 20. Februar 1906.

Unter dem Schweinebestande des Schneider« Konrad Bechstein zu Obergeis ist die Schweineseuche ausgebrochen. I. 1422. Der com. Landrat

von GruneliuS, Regierung-assessor.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag lehnte am Mittwoch den fozialdemo- kratischen Wahlrecht-antrag in zweiter Lesung mit großer Mehrheit ab. Die ziemlich lebhafte Debatte, die der Abstimmung voraufging, hatte denselben Charakter wie die erste Beratung. Nur die Sozialdemokratin sprachen sich für den Antrag au»; die bürgerlichen Abgeordneten betonten je weiter sie nach links standen, desto schärfer die Billigung des Prinzips,1je weiter sie nach rechts standen, desto schärfer

die Unannehmbarkeit des vorliegenden von den Sozial­demokraten eingebrachten Gesetze». Irgendwelche neuen Ge­sichtspunkte brächte die Diskussion nicht; hüben wie drüben wurde mit denselben Argumenten gefochten wie vor 8 Tagen und wie bei zahlreichen anderen Gelegenheiten vorher.

Der Reichstag trat am Donnerstag nach definitiver An­nahme des deutsch-äthiopischen Handelsvertrages in die erste Beratung des Handelsprovisoriums mit Amerika. Der Reichskanzler Fürst ». Bülow selbst legte kurz die Motive dar, die die Regierung veranlaßt haben, das Provisorium abzuschließen, und kennzeichnete als Hauptgrund die Hoffnung, daß es noch gelingen wird, zu einem günstigen Definitivum unter Vermeidung des Zollkrieges zu gelangen. Zu allge­meiner Ueberraschung erklärte sich sodann der Abg. Graf Schwerin-Löwitz namens der großen Mehrheit der Konser­vativen gegen da« Provisorium, das er eine Kapitulation vor Amerika nannte.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause wurden am Donnerstag zunächst die Agg. Dr. Jänicke (natl.), v. Krostgk, v. Weber (tonf.), Abramski, Dr. Rösch (Zentr.) und Losiuski (Pole) vereidigt. Darauf wurde die zweite EtalSberatung fortgesetzt, und zwar bei zwei in die Budgetkommission zurückverwiesenen Titeln des ForstetatS. Es handelt sich hierbei um eine Aufbesserung der Lage der mittleren und unteren Forst­beamten. Die Kommission beantragt, die Königliche Staats- tegierung aufzufordern, die Lage dieser Beamten baldmöglichst aufzubessern. Ein Regierungskommissar erklärt, daß gerade die Gehälter der Förster in wenigen Jahren mehrfach erhöht worden seien. Im übrigen könne die Regierung heute noch keine Stellung zu dem Antrag nehmen. Für den Antrag sprachen die Abgg. Kaute (Zentr.) und Kopsch (freif. Vp.)

In WW in IM-MM-Afrika.

Mit Genugtuung hat man vorgestern die Kunde vernom­men, daß einer unserer gefährlichsten Gegner in Südwestasrika. Cornelius, der Führer der Hottentotten von Bethanien, sich der deutschen Schutztruppe ergeben habe. Heute folgt eine schmerzliche Enttäuschung: der verschlagene Käpitäu hat sich mit einem großen Teil seiner Krieger der Gefangenschaft entzogen.

Nach telegraphischer Meldung hatte ein Teil der Cornelius- Leute nachträglich außer der Zusicherung des Lebens die Zu- sichernng des geraubten Viehs verlangt. Als dies abgelehnt wurde, seien 100 Mann abgeritten. Cornelius mit demBer- saba-Kapitän sei diesen nachgeritten, um die Leute zur Rück­kehr zu bewegen, und nachdem dies fehlgeschlagen, habe Cor­nelius erklärt, seine Leute nicht im Stich lassen zu können.

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Ein gelungener UebetfaU.

Nach den siegreichen Märzgefechten des Obersten Deimling in den Karas-Bergen im Jahre 1905 war die Narud a s - S ch l u ch t dauernd besetzt gehalten worden. Infolgedessen hatte der Gegner den Schauplatz feiner Tätigkeit mehr nach Osten, zwischen Back-, und Gamtoab-Revier verlegt. Major v. Kamptz, dem die Truppen auf diesem Teile des Kriegs­schauplatzes unterstellt waren, hatte der Kompagnie Erckert einen Streifzug im Gamtoab-Revier übertragen. Erckert be­setzte diesem Auftrage gemäß die Wasserstelle Dewenischpüts und erkundete von dort aus die nahe gelegene Reviere des Gamtoab und Kareb. Er stellte die Anwesenheit des Fein­des unzweifelhaft fest, erhoffte einen nachhaltigen Erfolg aber nur durch einen überraschenden Vorstoß, der weit ausholend von Südwesten geführt werden müsse. Der hoch auswirbelnde Staub verrät aber bei der klaren afrikanischen Lust jede mar­schierende Abteilung auf weite Entfernung. Daher kam als Marfchzeit nur die Nacht in Betracht. Ohne wesentliche Unterschiede dauert sie in unserer Kolonie das ganze Jahr hindurch von Abends 6 bis Morgens 6 Uhr. Ein überaus wichtiger Bundesgenosse bei solchen Nachtmärschen ist der Mond, der es ermöglicht, auch die schwierigste Pad, den fast ungangbaren Saumpfad, nach Sonnenuntergang zu benutzen. Die klaren, weithin leuchtenden Sternbilder lassen eine genaue Orientierung zu. Gar mancher deutschen Reiterschar hat der Orion, das Kreuz des Südens, der Skorpion, Alpha und Beta die Wege gewiesen und sie an das gewünschte Ziel ge­langen lassen.

In dieser Weise marschierte Hauptmann v. Erckert am 14. Juni bei Dunkelheit in aller Stille von Dewenischpüts auf dem nach Westen führenden Wege nach Oas vor und erreichte nach zwei Stunden die Bergwände, die das Gamtoab- Revier im Norden begleiten und gegen das Kareb-Revier Deckung gewähren. Hier ging die Abteilung, die 89 Ge- wehre und ein Gebirgsgeschütz zählte, zur kurzen Ruhe über. Bald aber schlug die Aufbruchsstunde. Die Pferde blieben im Lager zurück, das Geschütz wurde aus ein Maultier ge­packt, und lautlos traten die Reiter, alle zu Fuß, früh um 4 Uhr den Vormarsch an. Weg oder Steg war nicht vorhan­den. Die Unwegsamkeit des zerklüfteten Berggeläudes zwang zu ständigem Abweichen. Den Boden bedeckte loses Geröll,

dichter Bestand von Dorngebüschen und Kakteen erschwerten das Vorwärtskommen. So kam die Abteilung erst nach siebenstündigem, ununterbrochenen Marsche unbehelligt auf dem erstrebten Bergrücken an. Vom Kareb-Revier selbst, das sich tief unten an den Steilabfällen dieser etwa 80 Meter anf- steigenden Wand hinziehen mußte, war nichts zu sehen.

Plötzlich tauchte auf der Hochfläche, etwa 300 Meter links seitwärts in gleicher Höhe, eine Viehherde auf, die von völlig sorglosen Hottentotten vorübergetrieben wurde. Die deutsche Abteilung selber war allen Blicken durch die dichten Dorn­büsche verborgen. Nur eine unserer Patrouillen halte sich so weit vorgeschlichen, daß sie Nnblick ins Revier gewann. Ringsumher war alles still, kein Stein rollte. Der Feind schien von der Anwesenheit deutscher Truppen nichts zu ahnen. So verging eine erwartungsvolle Viertelstunde, da kam eine Meldung von der Patrouille: ^Jm Revier ziehen zahlreiche Hottentotten mit großen Viehherden zur Tränke." Da fiel auf feindlicher Seite ein Alarmschuß. Die Bewegungen waren trotz aller Vorsicht also dem scharfen Ohr der Hotten­totten nicht entgangen. Nun galt kein Zaudern mehr! Kirch- heim mit seinen Schützen eilte den Abhang hinunter, feuerte in die durcheinander drängenden Hottentotten- und Viehhau­sen hinein, sprang in das Revier herab und ging den nach allen Richtungen hin Auseinanderstiebenden auf den Leib. Zug Dellen, der angewiesen war, oben zu bleiben, eilte an den. Rand vor und nahm unter Feuer, was sich ihm bot Das Geschütz sandte Schrapnell auf Schrapnell in den Re­vierstreifen, auf dem sich in einer Entfernung von 2000 Meter ein großer Menschen- und Viehhaufen entlang schob. Auf diesen konnte auch Zug Pavel von seiner vorgeschobenen Stellung aus auf einige Zeit ein lebhaftes Feuer richten.

Der Schlag kam so überraschend und erfolgte so einheit­lich, daß der Gegner gar nicht zur Besinnung kam, sondern einzig und allein danach trachtete, sich in Sicherheit zu bringen. Nur einzelne Leute setzten sich im Revier hinter Felsblöcken und Kaktusstaude zur Wehr, wurden aber vom Zug Kirch- heim schnell vertrieben. Aus den Nebenschluchten des jensei­tigen Revierrandes, die die Hauptmasse des Gegners bergen mußten, wurde allerdings nach einiger Zeit der Versuch ge­macht, den vorerwähnten Bergklotz, dem Zug Pavel gegen­über, zu besetzen. Die dort zuerst eintreffenden Hottentotten eröffneten auch sofort ein heftiges Flankenfeuer auf den im Revier fechtenden Zug Kirchheim, wobei ein Reiter am Kopfe leicht verwundet wurde. Sobald aber der Zug Pavel und dann auch das Geschütz ihr Feuer gegen die feindliche Stel­lung richteten, stand der Gegner von der weiteren Ausführung seiner Absicht ab und wurde unsichtbar. Gegen 1 Uhr Mit­tags wurde der letzte Schuß abgegeben. Der letzte Hottentott war außer Sicht, das Vieh soweit es nicht dem Feuer zum Opfer gefallen war, außer Schußweite. Der Feind verlor zwischen 20 bis 30 Tote und büßte 35 Reittiere und über 250 Rinder ein. Der Ueberfall war glänzend gelungen. Nach sechsstündigem Rückmärsche, wiederum quer über die Berge, traf die Abteilung um 7 Uhr Abends bei den Pferden ein. Die Truppe war das 1 Va stündige Gefecht einge­schlossen 15 Stunde ohne Rast und Stärkung im schwierig­sten Gelände unterwegs gewesen. Am 16. Juni früh kehrte Hauptmann v. Erckert nach Dewenischpüts zurück, wo die Tiere nach 48 Stunden das erste Wasser erhielten.

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Das Mil.< Wochenblatt bringt nach amtlichen Angaben des Generalstabes eine vergleichende Zusammenstell - ung der Verluste unserer Truppen in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 und in ven Kämpfen in Südwestasrika bis zum 26. Januar 1906 einschließlich.

1864 betrug die Kopfstücke der im Felde stehenden preußischen Truppen 61 500 Mann, davon sind gefallen, vermißt oder an Wunden gestorben 37 Offiziere. Aerzte und Beamte und 701 Unteroffiziere und Mannschaften, ver­wundet wurden 148 Offiziere rc. und 1988 Mannschaften, an Krankheiten sterben 310 Mann. Im Kriege von 1866 sind von 326 000 Mann gefillen 184 Offiziere und 4450 Mann, verwundet 606 Offiziere, 11 543 Mann, an Krank­heiten gestorben 6427. Die stärke der deutschen Heere im Kriege von 1870 wird auf 936 915 Mann angegeben. Davon fielen 1881 Offiziere usw., 26 397 Mann, es starken 14 904 Mann und es wurden verwundet 4239 Offiziere rc. und 84 304 Mannschaften. Nach Südwestasrika sind bis jetzt 14 537 Mann abgegangen; davon find gefallen 65 Offiziere rc., 577 Mannschaften, verwundet 73 Offiziere, 646 Mann und an Krankheiten gestorben 23 Offiziere, 615 Mann. Die für Südwestasrika gegebenen Ziffern umfassen nicht bloß die aktive Schutztrupps, sondern auch Reserve, Landwehr und die an den Kämpfen beteiligten Marinetruppen. Faßt man die Zahl der in diesen Feldzügen Gebliebenen und Gestorbenen zusammen, so ergibt sich, daß der Ausstand in Südwestasrika verhältnismäßig weit mehr Menschenopfer fordert, al« die vorangegangenen Kriege auf europäischem Boden: im dänischen Feldzuge haben 1,7 v. H. unserer Soldaten ihr Leben lassen müssen, 1866 dagegen 3,4 v. H., 1870/71 4,6 v. H., im Schutzgebiet aber 8,9 v H.