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Hersfelder Kreisblatt

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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Dienstag, den 2^. Februar

1906

Der Myrte dunkles, dust'ges Grün

Aus hochzeitlichem Kranze

Will wunderlieblich heut erblühn

In einem neuen Glänze,

Es rankt mit Zweigen zart und fein

Sich hoch empor zum Throne,

Die ernste Kaiserkrone

Umflicht sein Silberschein.

Und in dem Schimmer hell und klar,

Steht, Hand in Hand geschlossen,

Das vielgeliebte Herrscherpaar,

Von srohem Glanz umflossen,

Zur Seite ihm, im Hochzeitskleid,

Die sich in Liebe wählten,

Die jungen Neuvermählten

In stiller Seligkeit.

Voll und feierlich tönen die Glocken durch Deutschlands Gaue, um dem deutschen Volke ein schönes Fest im Kaiserhause zu verkünden: heute ist es unserem erlauchten Kaiserpaare vergönnt, seine silberne Hochzeit zu feiern.

25 Jahre sind im Bürger- wie im Fürstenhause eine lange Zeit, die manche Freude, aber auch manches Leid in ihrem Schoße birgt. Wenn daher in bürgerlichen Kreisen eine silberne Hochzeit gefeiert wird, so wetteifern Verwandte und Freunde und wer sonst dem Jubelpaare nahe steht, ihm ihre herzliche Teilnahme an dem Feste auszudrücken, immer aber bleibt es ein Familienfest. Wenn aber im Hohenzollernhause ein solches Fest stattfindet, so ist es nicht ein Fest der Familie allein, sondern des gesamten Volkes des ganzen Landes; denn die Hobenzollern leben im Volke und mit diesem. Deshalb gestaltet sich auch die Silberhochzeit unseres Kaiserpaares als ein großes, allgemeines Familienfest, nicht nur für das preußische Volk allein, sondern für das ganze deutsche Vaterland, das dem Hohenzollernhause seine Einigung und Wiedergeburt und namentlich unter unserem jetzigen Kaiser Wilhelm II. seine kraftvolle Entwickelung und achtunggebietende Stellung im Rate der Völker zu verdanken hat.

Am 14. Februar 1880 fand die Verlobung des damals 21jährigen Prinzen Wilhelm mit der am 22. Oktober 1858 geborenen Prinzessin Auguste Viktoria, der Tochter des Herzogs Friedrich von Schleswig-Holstein und Augustenburg, auf Schloß Primkenau in Schlesien statt, wo damals der Prinz zur Jagd weilte. Die Vermählung des hohen Paares bildete den Schluß der Hoffestlichkeiten des Winters 1881 in Berlin. Am 26. Februar 1881 hielt von Schloß Bellevue aus die hohe Braut ihren feierlichen Einzug in Berlin, und es war ein Schauspiel von seltener Großartigkeit, als an dem nach vielen Tausenden zählenden Publikum vorüber der goldschimmernde, von acht Rappen gezogene Krönungswagen mit der glück­strahlenden Braut vom Tiergarten her durch das Brandenburger Tor und unter

Und auf das reine hohe Bild

Des kaiserlichen Glückes

Schaut heut, vom frommen Dank erfüllt,

Das Volk bewegten Blickes.

Wie ist ein Reich so wohl daran,

Das solche Herrscher zieren,

Für deren mild Regieren

Es jauchzend danken kann!

Ganz Deutschland schaut zum Thron hinauf,

Um den sich Myrten schlingen,

Und Wünsche wollen Himmelaus

Mit ernster Inbrunst dringen:

Gott ferner mit Dir Jahr um Jahr!

Er wandle einst zu Golde

Die Myrte Dir, die holde,

Geliebtes Kaiserpaar!"

27. Februar, fand die Trauung statt, bei der Hausminister von Schleinitz den standesamtlichen, Oberhofprediger D. Kögel den kirchlichen Akt vollzog. Am 2. März zog das neuvermählte hohe Paar in Potsdam ein und schlug sein erstes Heim im Stadtschlosse auf.

25 Jahre sind seitdem vergangen, und das hohe Paar, dem inzwischen die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt wurde, schmückt nun der silberne Hochzeits­kranz. Als leuchtendes Vorbild echt deutschen Familienlebens strahlt die Ehe des deutschen Kaiserpaares für alle Zeiten, umgeben von einem holden Kranze von sieben blühenden Kindern, von denen der älteste, der deutsche Kronprinz, am 6. Juni v. I. sich mit der Prinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin vermählt hat und der zweite, Prinz Eitel-Friedrich, am Tag der Silberhochzeit des Kaiserpaares die Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg als Gemahlin heimführt. Der Familien- Verkehr im deutschen Kaiserhause zwischen den Kaiserlichen Eltern unter sich und mit den Kindern ist ein so herzlicher, so inniger, in so echt menschlich natürlichen Formen sich vollziehender, wie in jedem rechten deutschen, gemütvollen, innerlich glücklichen Familienkreise, die Kaiserin ist das leuchtende Vorbild einer echten deutschen Frau und Mutter, die ihr hoher Gemahl in begeisterten Worten einmal als die erste deutsche Frau" und alsSegensspenderin bis in fernste Zeiten", als den schönsten und kostbarsten Edelstein in seiner Krone^ pries; kein Wunder, daß der Kaiser in seinem Heim sich glücklich fühlt.

Und so vereinigen sich heute alle Deutschen, die ihr Vaterland und sein Kaiser­haus lieb haben, soweit die deutsche Zunge klingt, in dem innigen Wunsche, daß es dem kaiserlichen Jubelpaare vergönnt sein möge, noch recht lange zum Segen seiner Familie und des gesamten deutschen Vaterlandes so segensreich wie bisher zu wirken, und daß dereinst auch die goldene Hochzeitskrone das hohe Paar schmücken möge.

Zur Vermählung des Prinzen Eitel Friedrich.

Am Tage der silbernen Hochzeit unseres Kaiserpaares, dem 27. Februar, findet zugleich die Vermählung-feier des zweiten Kaisersohne«, des Prinzen Eitel Friedrich, mit seiner erwählten Braut, der Herzogin Sophie Charlotte von Olden­burg, statt. Mit hoher Freude wird dieses Ereignis im deutschen und insbesondere im preußischen Volke begrüßt, und zwar umso mehr, als e« eine Tochter aus deutschem Fürstengeschlechte ist, die der Prinz sich zu seiner zukünftigen Lebensgefährtin erkoren hat. Damit knüpfen sich abermals die Bande zwischen unserem Kaiserhause und dem Hause eines Bundesfürsten enger und herzlicher.

Prinz Eitel Friedrich steht gegenwärtig im 23. Lebens­jahre. Nachdem er. wie alle preußischen Prinzen, an seinem zehnten Geburtstage zum Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam ernannt worden war, wurde seine Er» ziehung von 1896 bis 1901 in der Prinzenschule in Plön vollendet, worauf er am 7. Juli 1901 in da« 1. Garde­regiment eingestellt und in diesem am 9. Februar 1902 zum Oberleutnant befördert wurde. Vom Herbste des Jahre« 1902 bis zum Sommerhalbjahr 1904 studierte der Prinz auf der Universität Bonn und unternahm während dieser

Zeit mehrfach größere Reisen gemeinsam mit seinem älteren Bruder, dem deutschen Kronprinzen. Am 2. September 1904 trat Prinz Eitel Friedrich wieder beim 1. Garde­regiment in den aktiven Dienst und wurde 1905 am Geburtstage seines kaiserlichen Vaters zum Hauptmann und Kompagniechef der Leibkompagnie befördert. Der Prinz wird im preußischen Heere auch & la suite des 1. Garde- landwehr-RegiwentS und des 2. Garde - Regiments, im sächsischen als Hauptmann & la suite des Infanterie­regiments Nr. 106 und in der österreichischen Armee als Hauptmann im 34. Infanterieregiment geführt.

Herzogin Sophie Charlotte ist die aus erster Ehe stammende älteste Tochter des regierenden Großherzogs Friedrich August von Oldenburg und am 2. Februar 1879 geboren. Von mütterlicher Seite ist die Herzogin dem Hohenzollernhause bereits nahe verwandt; denn ihre Mutter war die am 28. August 1895 gestorbene Prinzessin Elisa­beth von Preußen, die zweite Tochter de« 1885 verstorbenen Keneralseldmaischall« Prinzen Friedrich Karl, also eine Schwester des Prinzen Friedrich Leopold. Herzogin Sophie Charlotte gilt als eine Schönheit von besonders zarter Art: eine feine hohe und schlanke Gestalt, ein schmale« Antlitz und volles blondes Haar, im Gesicht einen rührenden, ernsten Ausdruck, der ihr Lachen um so gewinnender er­

scheinen läßt. Sie war von Jugend auf wie des Vaters so auch der Oldenburger Liebling, die sie nur ihre .kleine Herzogin" zu nennen pflegten. Infolge des schmerzvollen Siechtum« ihrer verstorbenen Mutter war sie als Kind viel allein und sah wenig frohe Tage, der Mutter trauriges Schicksal warf früh düstere Schatten auf den Pfad der kleinen Herzogin", welche kindliche Heiterkeit und da« harmlose Glück der Kinderjahre eigentlich nie kennen lernte. Ihre Freude fand sie am Malen und Zeichnen und in neurerZeit beschäftigte sie sich auch gern mit der künstlerischen Photographie. Den Sport liebt sie sehr und teilt darin die Neigung des Vater«, den sie häufig aus langen Reisen begleitete. In ihrem engeren Vaterlande Oldenburg gönnt jeder der jungen Fürstin ihr hohes Los, die Schwiegertochter des deutschen Kaisers zu werden, und aller Wunsch ist, daß ihre Zukunft ein Ausgleich sein möge für viele düstere Tage der Kindheit und Jugend.

De« deutschen Volkes herzlichste Wünsche ober vereinen sich mit denen der Oldenburger und der Angehörigen des hohen Brautpaares. Möge Gott diesen Herzensbund segnen und Glück und Freude für unser Kaiserhaus wie für das Vaterland daraus erblühen lassen. Möge der Ehebund ein so glücklicher und sür alle Kreise vorbildlicher werden wie der unsere« Kaiser« und seiner hohen Gemahlin!