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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. ÄS. Donnerstag, den 1. März i .#<)<'..

Amtlicher teil.

Hersseld, den 27. Februar 1906.

In neuerer Zeit sind zahlreiche Fälle von Medaillen- s ch w i n d e l aus Anlaß privater, namentlich im Auslande veranstalteter Ausstellungen bekannt geworden.

Von berufsmäßigen Agenten, die für ihre Person, aus­schließlich oder vornehmlich Erwerbszwecke verfolgen, werden Gewerbetreibende u. f. w. zur Beschickung von Ausstellungen zu bestimmen gesucht, denen keinerlei allgemeinere Bedeutung beizumessen ist. Die Gewerbetreibenden müssen sich ver­pflichten, die Ausstellung zu beschicken und für die in Aus sicht gestellte Auszeichnung in der Regel eine goldene Medaille einen hohen Geldbetrag (meistens mehrere hundert Mark) an den Agenten zu zahlen, während der Agent auf jeden Ersatz von Kosten und Auslagen für die übernommene Vertretung verzichtet, wenn die versprochene Auszeichnung nicht verliehen wird.

Dieses Verfahren wird namentlich von einem Agenten M. Btrczi in Brüssel geübt, der mit dem Agenten Max Bondi (auch Sonby) identisch ist. Aus Oesterreich gebürtig, hat dieser früher in Budapest und in Frankfurt a/M. das Gewerbe eines Vermittler« für Beschickung von Ausstellungen und für Verleihung von Medaillen betrieben.

Ich verfehle nicht, die Gewerbetreibenden des hiesigen Kreises vor der gewerblichen Verwertung solcher Ausstellung«' Medaillen, die Re der Gefahr aussetzen würde, auf Grund des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb verfolgt zu werden, zu warnen.

Der com. Landrat. 1 I. V.:

T d a m e r.

Hersfeld, den 26. Februar 1906.

, Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Konrad Heinrich Waldeck und der Witwe Haas zu Oberhülfa aus- gebrochene Schweineseuche ist erloschen. I. 1609. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Ae Wichkeite« om M«M.

Kaiser Wilhelm nahm am Montag mittag die Vorstellung der ehemaligen zweiten Kompagnie des ersten Gaideregimenl», die vor 25 Jahren vom damaligen Prinzen Wilhelm be­fehligt wurde, entgegen. Die frühere Kompagnie rückte, etwa 170 Mann stark, in den Hof des Berliner Residenz- schlosses ein und nahm daselbst unter dem Kommando des

SeelenrätseL

Roman nach dem Englischen von I. P i a.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Worüber amüsieren Sie sich?" fragte er, als er ein unterdrücktes Lachen unter ihren schönen dunklen Augen­brauen sah.

Nur darüber, wie wenig Erfindungsgabe die Männer doch haben," erwiderte sie. 'Sie sind ganz niedergeschlagen, weil es mit Ihrem Plane, sich bei Herrn Drummond ein= zu führen, nichts ist. Eine Frau würde fünfzig andere Ideen haben."

So geben Sie mir eine."

Ich bin nur ein Mädchen und wie oft muß ich Ihnen sagen, nicht meine Sache ist es, dafür zu sorgen. Aber ich dachte heute, wie leicht es mir doch sein würde, wenn ich wollte, mit Ihnen zusammenzutreffen, und zwar nicht nur auf ein paar Minuten, sondern aus lange Zeit."

Das könnten Sie?" fragte er eifrig.

Ich könnte mich auf einen ganzen Tag freimachen," sagte sie triumphierend,das heißt, wenn ich wollte," setzte sie schnell hinzu.

Warum wollen Sie nicht?" sprach er.Bedenken Sie, was für eine schöne Spazierfahrt wir machen können, ich würde suchen, eine mir bekannte Dame zu Ihrer Begleitung mitzunehmen.

O, nein, ich danke Ihnen," unterbrach sie ihn.Ich habe genug vomBekauntschastmachen und Gefälligkeitverlangen. Wenn ich ich einen ganzen Tag ausginge, wäre es nur, Ihnen zu zeigen, wie wenig Gewalt Sie über mich haben, wenn ich Ihnen nicht gehorchen will. Ich würde lieber mit jemand anderem ausfahren, als mit Ihnen, nur wäre dann nichts Unrechtes dabei."

Die Erklärung war sehr offen aber nicht gerade schmeichelhaft.

Nun, wollen Sie?" fragt er.

Ja ich will!" entgegnete sie

Kastellans GoeruS in drei Gliedern Aufstellung, die ehe­maligen Unteroffiziere vor der Front. Dem Kaiser, der von der Kaiserin und der Prinzessin Luise Victoria begleitet war, wurde nach seinem Erscheinen vom Kastellan GoeruS der Frontrapport überreicht. Der Monarch rief den An» getretenen zu:Guten Morgen, meine Kompagnie!", wel­cher Gruß freudig erwidert wurde. Der Kaiser schritt nun die Front der Kompagnie ab, jeden einzelnen mit einer Anrede beehrend. Nachdem Kastellan GoeruS eine Ansprache an den Kaiser gehalten und Kanzleisekretär Hartmann eine Adresse überreicht hatte, hielt der Kaiser eine Rede, in welcher er seiner ehemaligen Kompagnie für ihre kamerad­schaftliche Gesinnung und die gemachte Stiftung von 3000 Mark dankte, ihr ferner seinen Dank für ihre treue An­hänglichkeit an ihn und sein HauS aussprach und die Mitteilung machte, daß er zur Erinnerung an diesen Tag ein Erinnerungszeichen gestiftet habe. Der Kaiser händigte jedem einzelnen dieses Zeichen, aus einem gelb und weiß gestreiften Bande mit einer25" im Silberkcanze be­stehend, ein.

Seine Majestät der Kaiser rief hieraus dem ältesten der anwesenden ehemaligen Kompagnieoffiziere, dem General Grafen Kanitz zu, er möge die Kompagnie Parademarsch machen lassen. Im Laufschritt eilte die Musik der aufge­zogenen Wache aus dem großen Schloßhof herbei, Oberst Freiherr v. Berg uno die anderen Offiziere traten in die LeutnantSplätze ein, und strammen Schrittes defilierte die Kompagnie vor ihrem alten Chef. Mit freundlichem Adieu verabschiedete sich der Kaiser.

Die alten Kameraden wurden darauf im Schlosse mit kaltem Büsett und Champagner bewirtet.

Nachmittags traf kurz vor 2 Uhr der Sonderzug, welcher die Großherzogin und den Erbgroßherzog von Oldenburg brächte, auf dem Lehiter Bahnhof ein, wenige Minuten darauf auch der kaiserliche Sonderzug mit dem Großherzog von Oldenburg und der Herzogin Sophie Charlotte. Die oldenburgischen Herrschaften fuhren dann, umbrauR vom Jubel des Publikums, nach Schloß Bellevue, wo Va2 Uhr die Leibkompagnie des ersten Garde - Regiments unter Führung des Prinzen Eitel-Friedrich eingsrückt war; auch das Kaiserpaar, der Kronprinz wie die jüngeren kaiserlichen Prinzen, die Prinzessin Luise Viktoria und Prinzessin Friedrich Karl, die Großmutter der Braut, fanden sich nun­mehr im Schloß Bellevue ein. Weiter versammelten sich dort die obersten Hoschargen, die in Berlin anwesenden Generale und Admirale usw. Als die Herzogin Sophie Charlotte eintraf, wurde sie vom Kaiser mit Handkuß am Wagenschlag begrüßt, dann schritt er, seine künftige Schwiegertochter am Arme führend, die Front der Kom­pagnie ab. Im Schlosse wurde die Herzogin-Braut von der Kaiserin und von der Prinzessin Friedrich Karl begrüßt, worauf die fürstlichen Herrschaften den Thee ein« nahmen. Um 5 Uhr erfolgte der Einzug der hohen Braut in

Wann?"

Nächsten Dienstag."

Und wo wollen wir uns treffen ?"

O, Sie müssen bei Fräulein Main Vorfahren und mich abholen."

Er sah sie so verblüfft an, daß sie beinahe lachen mußte, aber sie hielt ihre geschäftsmäßige Miene aufrecht.

Ja," sagte sie,giebt es denn etwas Einfacheres."

Sie scherzen, Sie glauben doch nicht, daß Fräulein Main Sie mit mir spazieren fahren lassen wird?"

Natürlich nicht. Ich sagte Ihnen ja, Ihr Männer habt wenig Erfindungsgabe. Aber Sie werden sehen, wie leicht sich alles arrangieren läßt. Doch sind wir am Scheideweg angelangt. Leben Sie wohl!"

Und sie reichte ihm die Hand.

Ich fahre also nächsten Dienstag früh bei _ Fräu­lein Main vor und frage nach Fräulein North? Ist das alles?"

3a, gegen halb elf Uhr."

Herr George Stiller empfahl sich sehr betroffen.

Lilla kehrte frischen Mutes in die Pension zurück, Fräulein Main in dem Glauben lassend, daß sie bei Frau Warrener gewesen war. Eilig begab sie sich in ihr Zimmer und schrieb wie folgt:

Camberwelle Grove. Donnerstag abend.

Mein lieber Papa es ist doch recht bitter für deine eigene Tochter, daß sie nur durch Zeitungen von deiner Rück­kehr in die Stadt erfahren soll. Kannst du mich Sonnabend nicht besuchen? Mein Taschengeld ist auch fast alle.

Deine Dich liebende Tochter Lilla."

Herr Acton North war ein tüchtiger Geschäftsmann und hatte wenig Zeit für seine häuslichen Pflichten; aber er liebte dieses wilde Mädchen und bedauerte oft, sie nicht im Hause haben zu können. Trotzdem er gerade sehr viel zu tun hatte, machte er sich doch Sonnabend früh zu ihr auf den Weg.

Mädchen," sagte er nach der ersten Begrüßung zu ihr, wirst du denn gar nicht einmal ja wachsen aufhören."

Seit ich Dich zum letzten male gesehen, habe ich reichlich

Berlin von SchloßBellevue aus. Vor dem reichverzierten Braul­wagen, in welchem die Herzogin Sophie Charlotte, die Prinzessin Friedrich Karl und die Oberhofmeisterin Gräfin Schliessen saßen, ritt eine halbe Eskadron des Garde du Corps-Regi- ments, neben dem Wagen ritten der Kronprinz und der Oberstallmeister Graf Reischach, hinter dem Brautwagen folgte wiederum eine halbe Eskadron Garde du Corps. Eine Eskadron Garde-Dragoner eröffnete den Zug, eine Eskadron Garde-Kürassiere beschloß ihn. Vom kleinen Stern im Tiergarten ab setzten sich die Postillone in ihrer histo­rischen Tracht an die Spitze des Zuges. Auf dem Pariser Platz hielt der Zug; Oberbürgermeister Kirschner begrüßte die hohe Braut namens der Stadt Berlin; die Herzogin dankte mit einigen warmen Worten. Unter den Linden entlang bewegte sich bann der Zug, vorbei an Spalier bildenden Vereinen usw., nach dem Schlosse. Das dicht­gedrängte Publikum brächte der Herzogin-Braut fortgesetzte begeisterte Huldigungen dar. Unter dem Läuten der Glocken und dem Donner der Geschütze lenkte der Zug nunmehr in den Schloßhof ein ; die daselbst als Ehrenwache wiederum ausgestellte Leibkompagnie des ersten Garde-Regi­ments unter dem Kommando des Prinzen Eitel-Friedrich präsentierte und die Musik intonierte die oldenburgische Hymne. Am Fuße der Treppe wurde die Herzogin-Braut vom Kronprin v und von den übrigen Prinzen, an der Tür des Schweizer Saales vom Kaiser und von den Prinzessinnen, im Rittersaale von der Kaiserin empfangen. Inzwischen hatte Prinz Eitel-Friedrich die Leibkompagnie zum Parademarsch antreten lassen und führte Re hinaus vor dem Kaiser und den Fürstlichkeiten, die von einem Fenster aus zufahen, salutierend aus dem Schlosse und begab sich dann selbst »ach dem Rittersaals. Die Majestäten und die Eltern der Braut, gefolgt vom Hausminister Grafen von Wedel, dem oldenburgischen Minister Willich u. f. w. begaben sich dann ins Kurfürstenzimmer zur Vollziehung der Ehepakten. Hierauf geleiteten die Majestäten unter Vortritt der höchsten Hofchargen die Herzogin-Braut nach den für sie bereit gestellten Gemächern. Abend« 7 Uhr fand Familientafel statt, wobei das Brautpaar die Ehrenplätze einnahm.

Durch das feierliche Geläute sämtlicher Kirchenglocken Berlin« wurde am Dienstag das Doppelfest unseres Herrscher­hauses weihevoll eingeleitet. In vielen Gotteshäusern wurden kirchliche Feiern veranstaltet, in denen auf die Be­deutung des Tages hingewiefen wurde. Am Vormittage fanden im Königlichen Schlosse keinerlei Empfänge statt. Gegen Mitttag nahm das Kaiserpaar die Glückwünsche der Mitglieder der Königlichen Familie zur silbernen Hoch­zeit entgegen.

Um 4 Uhr nachmittags wurde die Königliche Prinzessinnen- Krone durch Beamte des Hausschatzes herbeigebracht und von einem Offizier und zwei Mann vom Regiment Gardes du Corps in die Nähe des Chinesischen Kabinetts getragen.

Zeit zum Wachsen gehabt," sagte sie mit einer Miene, die ihrem Vater zeigte, daß sie ihre alte Freimütigkeit noch voll­ständig beibehalten hatte.

Und was willst du von mir?"

Nun, ich denke, eine Tochter sieht ihren Vater doch gern einmal, auch wenn sie nicht die Freude haben kann, ihre Stief­mutter zu bewundern."

Lilla, Lilla! Du bist so boshaft wie immer."

Aber ebenso wenig habe ich meine Liebe für Dich, meinen guten Papa, verlernt," sagte sie aufrichtig und umschlang ihn, und Du mußt mir nun erzählen, was Du getan hast und was Du weiter zu tun gedenkst."

Das wäre eine zu lange Geschichte," entgegnete er,aber ich muß dir sagen, daß ich binnen kurzem nach Canada gehe und wahrscheinlich ziemlich ein Jahr werde dort bleiben müssen."

Was war das ( Dieser unnennbare Schrecken, dieses Aufblitzcn einer besseren Einpfindung, die plötzlich den Aus­druck auf Lilla's Gesicht gänzlich veränderte und sie ausrufen ließ:O, Papa, kannst Du mich nicht mitnehmen?"

Aus ein Jahr?"

Auf zwanzig Jahre, wenn ich bei Dir bin. Ich hasse England."

Torheit, Kind, Torheit!" versetzte er gutmütig.Daß Du Dich manchmal aus der Pension fortsehnst, ist ganz be­greiflich, aber solche Stimmungen gehen bei einem jungen Mädchen rasch vorüber. Also Du brauchst etwas Taschen­geld ? Hast Du Dein letztes Vierteljahrgeld schon ausge- geben ?"

Sie gab keine Antwort, sie war stolz und verletzt. Er be- handelte sie wie ein Kind, er wollte nicht sehen, daß sie sich ernstlich von England fortsehnte.

Hier, nimm das und amüsiere Dich damit!" Er gab ihr eine Fünfpsundnote.

Papa," sagte sie darauf,entschuldige mich, ich möchte einen Augenblick mit Fräulein Main sprechen."

Die Schulvorsteherin empfing sie mit freundlichem Blick, sie freute sich stets, wenn Herr Acton North die Schule besuchte.