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hersselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
9h-. 33. Dienstag, den 20. März 1906.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
betreffend die baldige Geltendmachung aller dem Etatsjahre 1905 angehörigen Forderungen an die Staatskasse, sowie die Förderung der Finalabschluß-Arbeiten überhaupt.
Zur Erhaltung einer geordneten Kaffenverwaltung ist es erforderlich, daß die den fiskalischen Kassen obliegenden Zahlungen möglichst in demselben Etatsjahre erfolgen und zur Verrechnung gelangen, für welches sie zu leisten sind.
Es werden daher alle diejenigen, welche etwa noch für das jetzt oblaufende Etatsjahr vom 1 April 1905 bis Ende März 1906 feststehenden Beträge an Gehalt, Pensionen oder sonstigen Bezügen zu empfangen haben, ersucht, solche ungesäumt bei den betreffenden Kaffen zu erheben. Alle anderen dem Etatsjahre 1905 angehörigen Forderungen an die der Königlichen Regierung unterstellten Kaffen für Leistungen k. ersuche ich — soweit irgend möglich und sofern nicht in einzelnen Geschäftszweigen durch besondere Bestimmungen frühere Termine festgesetzt sind — spätestens bis zum 15. April d. J. hier zur Vorlage zu bringen.
Insbesondere werden die der diesseitigen Verwaltung unterstellten Herren Beamten (Landräte, Bau- und Forstbeamten, Kreisärzte, Kreistierärzte, Bürgermeister) und Kassen daran erinnert, die von ihnen für ihre eigne Person oder für andere aufzustellenden oder zu bescheinigenden und weiterzugebenden derartigen Forderungsnachweise unter allen Umständen zu beschleunigen.
Weiter ersuche ich die vorbezeichneten Stellen, auch sonst die in Frage stehenden Abschluharbeiten dergestalt förbern zu helfen und in jeder Weise dabei mitzuwirken, daß für das ablausende Rechnungsjahr keine anrechnungsfähigen Posten zurückbleiben, mithin alle desfallsigen Einnahmen und Ausgaben in den Büchern und Rechnungen des belegten Zeitraumes zum Nachweise gelangen und Einnahme- oder Ausgabe-Reste tunlichst vermieten werden.
Ich darf erwarten, daß der bezeichnete Termin — 15. April b. I — nur in seltenen, wirklich unvermeidlichen Ausnahmesällen überschritten werden wird. (K. 330.)
Caffel am 7. März 1906.
Der Regierungspräsident. I. V.: M e j e r.
Caffel, den 9. März 1906.
Zufolge Erlasses des Herrn Unterrichtsministers vom 21. v. MtS. A. Nr. 138 U. III. B. hat der Herr Staatssekretär des RetchspostamteS sich damit einverstanden erklärt, daß die Geistlichen, welche im Nebenamts OrtSschulinspektoren sind, zur Beglaubigung de» PortoablösungSvermerkes auf den von ihnen in Angelegenheiten der Ortsschulinspektion abzulaffenden Sendungen das Kirchensiegel benutzen, und daß auf diesen Sendungen der Portoablösungsvermerk in folgender Fassung:
Seelenrätsel
Roman nach dem Englischen von J. P i a.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Nur eine Frage", sagte Miller in nervöser Aufregung. „Wollen Sie mir versprechen, sich in den nächsten zwei Jahren nicht zu verheiraten?"
Es war eine seltsame Bitte, — mehr ein Geständnis der Eifersucht, als der Liebe. Lilla war blaß und erschreckt; hätte sie Geistesgegenwart gehabt, würde sie gelacht haben. „Ich weiß nicht recht was Sie meinen", entgegnete sie; „ich beabsichtige überhaupt nicht, jemanden zu heiraten."
„Ich will nichts weiter, als Hoffnung," sagte er, indem er seine beiden Hände in die ihre legte, die er immer noch hielt, und sie anblickte; „lassen Sie mich nur hoffen, daß sie eines Tages die Meine werden wollen!"
„Ich kann nicht versprechen", erwiderte sie fast heftig.
„O, Lilla, seien Sie nicht so hart."
Sie sah ihn an, sah in seine flehenden Augen.
„Was soll ich Ihnen sagen?" fragte sie leise.
„Daß Sie mir Hoffnung geben, mir eines Tages Ihre Hand zu reichen,"
„Ist es nur ein vielleicht? fragte sie mit gesenktem Blick.
„Ja nur ein vielleicht! — nichts weiter!" sprach er dringend.
„Gut denn, so sei es."
„Leidenschaftlich küßte er ihre Hand und nannte sie einen Engel von Güte.
„Und dann, Lilla, muß ich Ihren Vater um Erlaubnis bitten —"
„O, nein, nein!" rief sie, denn sie fühlte, daß sie das noch mehr binden würde.
„Nur als ein Abkommen zwischen ihm und mir," sagte der junge Mann mit demselben Ungestüm. „Sie haben nichts damit zu tun, es soll Sie keineswegs binden."
„Gut denn," sagte sie hastig, „aber Sie sagen meinem
„fr. d. A. 21. Der K. Pr. OrtSschulinspektor" ober „fr. b. A. 21. K. Pr. Ortsschulinspektion" angebracht wird. Hiernach wird seitens der Postankalten von den Geistlichen nicht mehr verlangt werden, Postsendungen in Angelegenheiten der Ortsschulinspektion entweder mit einem die Aufschrift „Ortsschulinspektion" tragenden Dienstsiegel zu verschließen oder sie auch bei Anwendung des Kirchensiegels noch mit dem Vermerks „in Ermangelung eines Dienstsiegels" zu versehen.
Wir ersuchen Sie, den Herrn OrtSschulinspektoren Ihrer Kreises hiervon alsbald Kenntnis zu geben.
Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und
Schulwesen. F l i e d n e r.
An die Herrn Landräte des Bezirks. (B. 2024.)
* * *
Hersfeld, den 15. März 1906.
Vorstehende RegierungSverfügung teile ich den Herren OrtSschulinspektoren des hiesigen Kreises zur gefälligen Kenntnisnahme mit.
I. 2144. Der com Landrat
von GruneliuS, ' Regierungsaffeffor.
Hersfeld, den 17. März 1906.
Der auf den 25. April b. Js. in der Stadt Hersfeld angesetzte Kram- und Viehmarkt findet nicht an diesem Tage sondern bereits am
4. April d. 3s. daselbst statt.
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, dies gleichfalls auf ortsübliche Weise alsbald zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 8. März 1906.
Das Reichsversicherungsamt hat eine neue Anleitung, betreffend den Kreis der nach dem Jnvalidenversicherungs- Gesetz vom 13. Juli 1899 (R. G. Bl. S. 463) versicherten Personen vom 6. Dezember 1905 herausgegeben, die als Sonderbeilage zum RegietungSamtSblatt erschienen ist. Ich mache die Herren Ortsvorstände des Kreises hierdurch besonders darauf aufmerksam. Mit den Bestimmungen der neuen Anleitung wollen Sie sich baldmöglichst vertraut machen.
I. 1891. Der com. Landrat.
J. 53.:
Thamer.
Hersfeld, den 16. März 1906.
Die Herren Bürgermeister der Schulorte des hiesigen
Vater, daß ich nicht versprochen habe, Sie zu heiraten, daß ich nur —"
„Ich werde ihm nur die Wahrheit sagen, nicht mehr. O, Lilla, wie gütig Sie sind!"
„Kommen Sie," sprach sie erregt. „Sie müssen mit Fräulein Warrener tanzen."
Herr Miller schien trunken vor Wonne, sein Gesicht strahlte vor Vergnügen, er lachte heiter und sprach lebhaft und erregt, Lilla dagegen war blaß und einsilbig geworden. Nachdem sie mit Herrn Drummond allein auf dem Balkon zurückgeblieben war, sprach sie wenig und dies Wenige mit Ernst und ungewöhnlicher Güte. —
Die Gesellschaft war zu Ende, die Gäste kehrten heim.
In dem Hause, wo eS den Abend so lustig bergegangen, war ein junges Mädchen zurückgeblieben, das mit gesenkten; Kopf, die Hände im Schoß gefaltet, allein in ihrem Zimmer faß.
„Habe ich es versprochen?" dachte sie. Wie besorgt, wie bittend er mich ansah, ich konnte nicht grausam sein, ich habe mich ja auch nicht fest gebunden. Wir erkennen später vielleicht, daß es ein Irrtum war, und wenn wir alt sind, lachen wir vielleicht über unsern Jugendroman."
Dann nahmen ihre Gedanken eine andere Richtung und wandten sich mit Blitzesschnelle südwärts."
„O, mein lieber, gütiger Freund," würde sie gesagt haben, wenn sie ihre Gedanken in Worte gekleidet hätte, „warum waren Sie heute abend so still und traurig? Sie sagten, Sie amüsierten sich, das sagten sie nur mir zum Gefallen. Fragt Sie niemand, woran Sie denken, wenn Sie so aussehen? Und wissen Sie nicht, daß es jemand giebt, der gern und mit Freuden sein wertloses Leben hingeben würde, könnte das Ihre traurigen Augen aushellen und Sie heiter und glücklich machen?"
Dreizehntes Kapitel.
Am folgenden Tage begab George Miller sich zu Herrn Acton North, der ihn sehr freundlich empfing.
„Wie!" sagte er, als der junge Mann mit seinem Anliegen herausgerückt war, „erst laufen Sie mit einem Mädchen
Kreises mache ich hierdurch auf den als Sonderbeilage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 8 vom 21. Februar 1906 veröffentlichten „Verteilungsplan des Bedarfs der Alterszulage, kaffe für die Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen des Regierungsbezirks Caffel für das Rechnung»- jähr 1906” aufmerksam, mit der Veranlassung, für Zahlung bet betreffenden Beiträge an die Königliche Kreiskasse hier zu den festgesetzten Terminen Sorge zu tragen.
I. 2063. Der com. Landrat
von GruneliuS, Regierungsaffeffor.
Die Zimmerlehrlinge der Kreise Hersfeld und Hünfeld, welche ihre Gesellenprüfung ablegen müssen, werden ausge- fordert, bis zum 26. März b. I». bei dem Unterzeichneten in Hersfeld sich zu melden und nachstehende Zeugnisse und Papiere einzusenden:
1. Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2. Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 3. Ein eigenhändig geschriebener LebenSlauf. 4. Ein Zeugnis der Volksschule. 5. Ein Zeugnis der Fortbildungsschule, wenn eine solche besucht. 6. Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in die Lehrlingsrolle.
Die Prüfung findet am 10. April b. Js. morgens 8 Uhr auf dem Geschästsplatz des Unterzeichneten statt.
Hersfeld, den 15. März 1906.
Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für Zimmerlehrlinge in den Kreisen Hersfeld und Hünfeld.
Georg L ä m m e r z a h l, Zimmermeister.
nichtamtlicher teil.
Vor 35 Jahren.
Es war am 21. März 1871, einen Tag vor „Kaisers Geburtstag", dem ersten Geburtstag, den König Wilhelm als deutscher Kaiser beging. Menige Tage vorher war der oberste Kriegsherr in Begleitung des Kronprinzen aus dem Felde zurückgekehrt. Im weißen Saale des Königlichen Schlosses in Berlin eröffnete der Kaiser den ersten deutschen Reichstag mit folgender Thronrede:
„Wir haben erreicht, was seit der Zeit unserer Väter für Deutschland erstrebt wurde, die Einheit und deren organische Gestaltung, die Sicherung unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer nationalen Rechtsentwicklung. Das Bewußtsein seiner Einheit war in dem deutschen Volke, wenn auch verhallt, doch stets lebendig; es hat seine Hülle gesprengt in der Begeisterung, mit der die gesamte Nation sich zur Verteidigung des bedrohten Vaterlandes erhob und in unvertilgbarer Schrift auf den Schlachtfeldern Frankreichs ihren Willen verzeichnete, ein einiges Volk zu fein und zu bleiben. Der Geist, welcher in dem deutschen Volke lebt
davon, und dann kommen Sie zu deren Vater und bitten um Erlaubnis, ihr den Hof machen zu dürfen. Das nenne ich den Gaul hinter den Wagen spannen. Doch was sagt sie selbst dazu, das ist die Hauptsache."
,3^ habe noch nicht offen mit ihr gesprochen," erwiderte der junge Miller, „ich hielt es für besser, erst zu Ihnen zu kommen."
„Recht so, doch müssen Sie Lilla erst fragen, aber seien sie vorsichtig,"
„Nun gibt es noch etwas, worüber ich mit Ihnen reden möchte," sagte George Miller, indem er seinen ganzen Mut zusammennahm und in geschäftsmäßigem Tone fortfuhr: „Allerdings weiß ich nicht, was Sie sagen wird, aber es ist doch besser, wenn ich Ihnen gleich mitteile, wie es mit meinen V rmögenSverhältnissen steht. Ich hoffe binnen kurzem als Teilhaber deS Geschäfts neunhundert bis tausend Pfund jährlich zu haben, und wenn ich mich verheirate, denke ich, wird mein Vater mir zwanzigtausend Pfund geben. Wenigstens wüßte ich nicht, weshalb er mir weniger geben sollte als meine Schwester bei ihrer Verheiratung erhielt."
„Wenn Sie es bekommen, rate ich Ihnen, es nicht in Eisenbahnen anzulegen," versetzte Herr Acton-kurz.
Herr Miller wartete eine Minute, er hoffte, daß jener noch mehr sagen würde. Ob er sich gar nicht äußern, mit keinem Wink daraus hindeuten, wie die Aussteuer von seiner Seite ausfallen würde ?
Da kam ein Diener und meldete, daß der Wagen vorgc- fahren fei.
„Sie entschuldigen mich," sagte Herr Acton North, dem jungen Manne die Hand reichend. — „Bitte, gehen Sie hinüber in das Wohnzimmer, meine Damen sind sicher lich dort.'
Diese waren auffallend unruhig und verlegen, als Herr Miller eintrat, d. h. die beiden jüngeren Schwestern, denn Lilla sah eher ärgerlich aus, und die Röte stieg ihr ins Gesicht, als eine Schwester nach der anderen unter irgend einem Bor waube daS Zimmer verließ.
„Warum wollen Sie sie zurückhalten?" fragte der junge Mann, als er Lillas Aerger über ihr Alleinsein wahrnahm.