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hersselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 34. Donnerstag, den SS. März 1906.
Amtlicher teil
Hersfeld, den 15. März 1906.
Am Sonnabend den 31. März d. Is., Vormittags 10 Uhr findet im Sitzungssaale im hiesigen Landratsamtsgebäude eine Kreistagssitzung mit folgender Tagesordnung statt:
1. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für das Jahr 1/4. 1906/7 (§84 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885).
2. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzustellenden Kreis- kommunalkassen - Rechnung für das Jahr 1/4. 1905/6 (§ 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885).
3. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersseld, Niederaula und Schenklengsseld zur Mitwirkung bei der in 1906 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1907. (§ 40 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877, Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz vom 24. April 1878, Gesetz-Sammlung Seite 237 von 1878.)
4. Wahl zweier Kreisausschußmitglieder an Stelle der mit dem 1. Juli 1906 ausscheidenden Herren Bürgermeister a. D. Conrad Nutzn in Asbach und Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unterweisenborn für einen sechsjährigen Zeitraum (§ 91 der Kreisordnung).
5. Begutachtung des Antrages der Stadt Hersseld auf Abtrennung der Grundstücke Kartenblatt W Nr. 15 und 142 von dem Bezirk der Stadtgemeinde Hersseld und deren Vereinigung mit dem Gemeindebezirk Allmershausen.
6. Begutachtung des landespolizeilich genehmigten Projekts für die Höherlegung des Landweges vom Bahnhof Heringen nach dem Orte Heringen und den in Verbindung damit geplanten Bau von drei Flutbrücken; zugleich Beschlußfassung über die Ausnahme der projektirten Wegestrccke — Variante — in den Landwegebau-Verband und die Ausscheidung der abfällig werdenden Strecke aus demselben.
7. Besprechung der Angelegenheit betr. den Bau einer Eisenbahn von Hersfeld nach Heimboldshausen auf Antrag der Kreistagsabgeordneten und Bürgermeister Herren Lingemann in Philippsthal, Gebauer in Heringen, Klotzbach in Recke- rode, Rößing in Kerspenhausen und Döring in Sieglos. (§ 75 Abs. 3 der Kreisordnung).
8. Beschlußfassung über das Gesuch der Gemeinde Landershausen um Bewilligung einer Unterstützung aus derKreis- kommunalkasse zu den Kosten des Ausbaues des Landweges von Landershausen nach Wölf.
A. Nr. 920. Der com. Landrat von Grunelius, Regierungsassessor.
Seeknratsd.
Roman nach dem Englischen von J. P i a.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Vierzehntes Kapitel.
Tags darauf saß Herr Miller mit einigen Freunden in feinem Klub; er war sehr verstimmt und hatte wenig Interesse an der Unterhaltung, bis dieselbe eine ihn frappierende Wendung nahm.
„Wer ist das hübsche Mädchen mit dem weißen Hut, das erst feit kurzem im Park aufgetaucht ist?" fragte einer der am Tische Sitzenden.
„Das wissen Sie nicht?" erwiderte ein anderer, „das ist die älteste Tochter von Herrn Acton North, dem Eisenbahnkönig."
„In der Tat! Nnn hübsch ist sie freilich, nur schade, daß Frau —"
„Bitte meine Herren," warf Herr Miller mit ungewohnter Lebhaftigkeit ein, „lassen wir dies Thema fallen. Ich bin zufällig mit Fräulein North bekannt."
Es folgte eine peinliche Pause; die Herren zogen ihre eigenen Schlüsse.
Diese zufällige Erwähnung Lilla's trug bei Herrn Miller nicht eben zu besserer Stimmung bei. Er sah, daß sie die Aufmerksamkeit Fremder aus sich zog und es bemächtigte sich feiner eine heftige Eifersucht. Er haßte den tinschuldigen Menschen, der ihm am Tische gegenüber saß und dadurch Interesse an Fräulein North verraten hatte, daß er nach ihrem Namen gefragt; er haßte die Müßiggänger, die im Park promenierten und die Damen anstarrten, bekrittelten und das Schlimmste von allem— bewunderten, und benutzte die erste Gelegenheit, sich zurückzuziehen und an Lilla North zu schreiben. Er gab zu, daß er bei seinem Besuch sehr gereizt und unvernünftig gewesen sei; wenn sie ihm dieses Mal vergeben wolle, verspreche er, sie nie wieder mit Verpflichtungen und Gelöbnissen zu quälen usw.
Am folgenden Abend erhielt er ihre Antwort. Er las sie zwei-, dreimal durch; sie war von ausgesuchter Einfachheit.
Ziffer IV Absatz 1 der Anweisung betreffend das Verfahren bei der Ausstellung und dem Umtausche sowie bei der Erneuerung (Ersetzung) und der Berichtigung von Quittung-karten, vom 17. November 1899 (M. Bl. s. d. i. V. 1900 S. 16) erhält folgenden Zusatz:
„Jugendlichen Personen, die den Ausgabestellen als Fürsorgezöglinge bekannt sind, darf eine QuitlungS- karte nur auSgefertigt werden, wenn die Einwilligung der Fürsorger oder Anstaltsleiter, unter deren Gewalt sie stehen, beigebracht ist." (III. 797.)
Berlin, den 27. Februar 1906.
Der Minister für Handel und Gewerbe. D e l b r ü ck.
Hersfeld, den 18. März 1906.
Vorstehend abgedruckten Erlaß wollen die Herren Ortsvorstände bet der Ausstellung von Quittungskarten an jugendliche Personen, die als Fürsorgezöglinge bekannt sind, strengstens beachten.
I. 2277. Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 19. März 1906.
Mehrere Lehrer in den Landgemeinden des hiesigen Kreises haben die Zinsen für das Kalenderjahr 1905 von den bei der hiesigen städtischen Sparkasse angelegten Schuldkapitalien dahier noch nicht abgehoben.
Ich ersuche deshalb die Herren Ortsschulinspektoren er- gebend, die in Betracht kommenden Lehrer gefälligst neu anlassen zu wollen, die fraglichen Zinfenbeträge bei ihrer nächsten Anwesenheit in hiesiger Stadt, etwa gelegentlich der Empfangnahme der DienstalterSzulagen rc. am 31. d. MtS. dahier abzuheben.
Der com. Landrat von Gruneliu«, RegierungSassessor.
HerSfeld, den 20. März 1906.
Die Schulstelle in Heene» wird infolge Versetzung ihres bisherigen Inhabers vom 1. April d. J. ab frei.
Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1150 Mk. Grundgehalt (einschl. der Kirchendienstver- gütung mit 150 Mk); der Einheitssatz der Dienstallerszu- lage beträgt 120 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 1 5. April d. I bei dem Königlichen Orts» schulinspektor Herrn Pfarrer Schröder hier oder dem Unterzeichneten einreichen.
Namens des Schulvorstandes: von Grunelius, Regierungsafleffor.
I. 2323.
Sie sagte ihm kurz und offen, daß sie hoffe, sie würden gute Freunde bleiben, und da ihnen die Ursache ihres letzten Streites bekannt sei, wäre es nicht schwer, neue Uneinigkeiten zu vermeiden.
Und sie waren in der Tat bald wieder die alten Freunde. George Miller erzeigte ihr jedwede Aufmerksamkeit, als ob wirklich ein Verlöbnis zwischen ihnen bestände, während Lilla immer in geheimer Furcht, sich hinter wiederholten Erklärungen, daß sie vollständig frei sei und sich durch seine Hoffnungen und Wünsche keineswegs beeinflussen lasse, zu schützen suchte.
So verging die Zeit, — die Londoner Saison nahte ihrem Ende, und alle Welt sprach von den Herbstaus- flügcn.
Lilla hatte nicht gewagt, von Frau North die Erlaubnis einzuholen, Frau Warrener aus ihrer Reise nach Schottland zu begleiten, aber sie hatte von deren Reifeplänen erzählt und darauf angespielt, daß sie tiefer nach Schottland als mit den Ihrigen nach Venedig ginge.
Das Verhältnis zwischen Frau North und Lilla ward immer schlechter. Die geringste Meinungsverschiedenheit rief stets heftigen Streit zwischen ihnen hervor, und schließlich war es ganz aus mit dein Frieden.
Stiefmutter und Stieftochter konnten nicht mehr unter einem Dache bleiben, das sahen sie beide ein, und es blieb Herrn Acton überlassen, zu entscheiden, was geschehen solle. In seiner Ratlosigkeit erinnerte er sich plötzlich, daß Frau Warrener und ihr Bruder ihn gebeten halten, Lilla aus ihrer Herbstreise mitnehmen zu dürfen, vielleicht dehnten dieselbe ihre Gastfreundschaft noch etwas weiter aus. Lilla, wußte er, würde mit tausend Freuden darauf eingehen, und alles in allem könnte es sich ja nur um eine kurze Zeit handeln, denn seine Tochter würde sich, wie er nicht zweifelte, sicherlich bald verheiraten.
„Ich komme, un: über Lilla mit Ihnen zu sprechen, Herr Drummond," sagte er, bei diesem eintretend. Dann nahm er Platz und erzählte James die ganze Geschichte, so gut er sie selbst wußte.
Hersseld, den 19. März 1906.
Der Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer Wilhelm Gercke zu Hattenbach hat sein Amt freiwillig niedergelegt.
Der Beschauer Heinrich Schmauch daselbst ist nunmehr zur alleinigen Versetzung der Geschäfte eines Schlachtvieh- unb Trichinenbeschauers in der Gemeinde Hattenbach berechtigt. Die Stellvertretung zwischen p. Schmauch und Johannes Baumgardt zu Klsba bleibt, wie bisher, bestehen. I. 2238. Der com. Landrat.
I. V.:
Thamer.
Angültigkeits-Lrklärung.
Der auf den Namen des Johann Georg Schüßler aus Hersfeld unterm 20. Dezember 1905 für das Jahr 1906 zum Handel mit Lumpen, Knochen, Strohdecken, Schreibmaterialien und Zuckerwaren erteilte Wandergewerbeschein Nr. 3602 ist angeblich verloren gegangen.
Er wird hierdurch mit dem Bemerken für ungültig erklärt, daß dem rc. Schüßler ein Ersatz-Wandergewerbeschein erteilt worden ist.
Caflel, den 12. März 1906.
Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten, gez. B ä r w i n k e l.
* * *
Hersfeld, den 19. März 1906. Wird hiermit veröffentlicht.
Der com. Landrat von Grunelius, RegierungSasseffor.
Hersfeld, den 17. März 1906.
Die unter den Hühnern der Witwe des Landwirts Heinrich Schuch in Willingshain ausgebrochene Geflügel- cholera ist erloschen.
1. 2239. Der com. Landrat
von Grunelius,
Regierungsafleffor.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig- und Vierjährig-Freiwilligen für die Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou in
Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1906, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1907, Heimreise: Frühjahr 1909 bezw. 1910. Bedingungen: Mindestens 1,67 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1887 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler,
„Wenn ich Sie recht verstehe, so ist Lilla ohne Heimat?" meinte Herr Drummond, als Herr Acton schwieg.
„Sie hat keine Aussicht, daß heißt, wir würden sie jeden Augenblick bei einem unserer Verwandten —"
„Bei uns findet sie stets eine Heimat und ein herzliches Willkommen, — meine Schwester wird sie dessen versichern."
„Lilla ist wirklich glücklich zu schätzen, solche Freunde zu haben," erwiderte Herr Acton, gerührt von der freimütigen und liebenswürdigen Weise, in welcher das Anerbieten gemacht wurde, „und ich gestehe, daß ich ein wenig darauf hoffte, als ich hierher kam. Doch bleibt es immer peinlich für einen Mann, andere zu bitten, seine Tochter so ohne weiteres in ihr Haus aufzunehmen."
„Sprechen Sie nicht davon! Will Lilla zu uns kommen, und bei uns leben, sind wir von Herzen froh darüber. Sie weiß, was sie hier zu erwarten hat. Wir leben einfach und sind nicht reich genug, unsere Lebensweise einem Gast zu Gefallen zu ändern, selbst wenn wir wollten."
„3d) glaube nicht, daß Ihre Lebensweise meiner Tochter mißfallen hat," erwiderte Herr Acton lächelnd, „nach der Bereitwilligkeit zu urteilen, mit der sie stets hierher kommt. Nein, dazu ist sie zu vernünftig, sie hat nichts von einem verwöhnten Kinde an sich. Aber andererseits," fuhr Lillas Vater fort, „Sie verzeihen mir, wenn ich glaube, daß — daß die Verpflichtung, die Sie mir auferlegen, zu groß wäre, wenn Sie mir nicht erlaubten, Ihnen eine Summe zur Verfügung zu stellen —"
Er hatte Furcht, diesen seltsamen eigensinnigen Mann durch sein Anerbieten zu beleidigen und war froh, 'daß Herr Drummond, anstatt sich stolz und beleidigt ansznrichten, in herzliches Lacheu ausbrach.
„Nein, nein. Herr Acton, wir haben keine Kostgänger hier — und welche Idee, uns bezahlen zu wollen, wenn Lilla North mit uns leben will. — Aber ich muß es Sarah sagen, entschuldigen Sie mich eine Sekunde, Herr Acton."
Gleich darauf kehrte seine Schwester mit ihm zurück. Beide waren allem Anscheine nach entzückt von dieser Aussicht