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Herzfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
NvI 39t Dienstag, den 3. April 1906t
Amtlicher teil.
Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König Aller- gnädigst geruht haben, mich mit Allerhöchster Kabinetsordre vom 19. März zum Landrat zu ernennen, hat der Herr Minister des Inneren mir das bisher kommissarisch verwaltete Landratsamt im Kreise Hersfeld nunmehr endgültig übertragen. Mit der Versicherung, daß es alle Zeit mein ernstes ^Bestreben sein wird, den Interessen des Kreises nach meinen besten Kräften zu dienen, verbinde ich die Hoffnung, daß es mir gelingen möchte, mir das Vertrauen der Kreisangehörigen mit der Zeit zu erwerben.
Hersfeld, den 2. April 1906.
von Grunelius, Landrat.
J. Nr. I. 2693.
Hersfeld, den 19. März 1906.
Der Befähigungsausweis der Fleisch- und Trichinen- beschauer:
1. Andreas Orth zu Asbach.
2. Heinrich Opfer zu Obergeis ist erloschen. Die Genannten sind somit zur ferneren Aus- Übung der Geschäfte einer Fleisch- und Trichtnenbeschauer« nicht mehr befugt.
L 2287. Der com. Landrat.
I. V.:
T h(a m e r.
Herrseld, den»30.KMärz 1906.
Der Schmied Konrad Eckhardt zu Kalkobes hat den BefähigungSaurweir als Fleisch- und Trichtnenbeschauer durch Bestehen einer wiederholten Nachprüfung wieder erworben.
Er ist somit zur ferneren Versetzung der Geschäfte einer Fleisch- und Trichinenbeschauer» im Gemeindebezirk Kal- kobeS berechtigt. I. 2672. Der com. Landrat. 3 V-:
T b a m e r.
Hersfeld, den 30. März 1906.
Die Räude unter der Schafherde Nr. 2 in Königswald, Kreis Rotenburg a/F., ist erloschen. l. 2655. Der com. Landrat
von Gruneliu», RegierungSafleffor.
Roman nach dem Englischen von J. P i a.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Als Lilla am folgenden Morgen auf das Deck kam, fand sie James Drummond allein. Wie er ihre Hände ergriff, wartete sie ruhig, bis er ihr die Stirn küssen würde, das sollte von nun an ihr Morgengruß sein. Er schloß sie mit unbeschreiblicher Innigkeit an fein Herz.
„Wie werden wir dieser Tage im Hochland gedenken", sagte er, von denen ein jeder viele Jahre wert ist."
Sie blickte zu ihm auf, und erst da sah er, daß ihre Augenlider feucht waren.
„Ich hoffe, wir werden uns ihrer nicht mit Kummer erinnern". erwiderte sie schnell, über etwas in seinem Tone betroffen.
„Nein, warum sollen wir das? Doch was hat Sie bekümmert, Lilla?"
Sie lachte durch ihre Tränen.
„Soll ich es Ihnen sagen?"
„Wenn es kein schreckliches Geheimnis ist."
„Zu viel Glück hat mich bekümmert! Und alles das schulde ich Ihnen — daß ich hier bin — und alles was daraus folgte.
„Kommen Sie," sagte sie heiter, „geben Sie mir Ihren Arm, und lassen Sie uns einen Spaziergang machen."
Die Jacht landete an der Insel Skye, und alle freuten sich, den Fuß wieder einmal aufs Festland setzen zu können. Sie plauderten und lachten, als die Fischer sie in die kleine Bucht ruderten.
Plötzlich sprach Frau Warrener in der besten Absicht von der Welt:
„Lilla, hat Herr Miller davon gesprochen, daß er Ihnen Nachricht zukommen lasse, wie es ihm an jenem Sonntage ergangen ?"
Das Mädchen schrak bei bloßer Nennung seines Namens zusammen; es kam ihr wie eine Beschuldigung vor, daß sie
Asnigliches Landratsamt.
Sprechstunver Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Die Gesellen-Prüfung für die Lehrlinge der Müllerei- Gewerbes aus dem Kreise Hersfeld findet am 19. April d. Js. ß<tt. Anmeldungen sind bis den 10. April d. Js. bei dem Müller Josef Pieper in Unterhaun zu bewirken.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Am Freitag wurde zunächst der Etat des Reichskolonial- amts angenommen. Beim Militäretat verlas Kriegsminister von Einem eine neue Erklärung des Reichskanzlers zur Duellfrage, um die vielfachen Mißverständnisse zu beseitigen, die dessen erste Erklärung vom 15. Januar erfahren hat. Nach Vertagung der Beratung wurde alsbald eine neue Sitzung anberaumt, in der das Etatsnotgesetz in zweiter Lesung in der Kommiffionksitzung angenommen wurde.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag stand der vom Herrenhaus zurückgelangte Entwurf zum Kreis und Provinzialabgabengeietz zur Beratung, den das Abgeordnetenhaus am Donnerstag an die Kommission zurückverwiesen hatte. Mit der von der Kommission vorgeschlagenen Ersetzung des Begriffes „gemeiner Wert" durch „denjenigen Wert, welcher der staatlichen Veranlagung des Grundstücks zur Ergänzung-steuer zu Grunde zu legen ist," erklärte sich das Haus einverstanden. Im übrigen stimmte es dem Entwurf in der Fassung des Herrenhauses zu.
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Gegen die deutsche Marokkopolitik wird von mehreren Seiten der Einwand erhoben, daß es besser gewesen sei, im Sommer vorigen Jahres sich mit Rouvier über Marokko zu verständigen, statt Frankreich zur Annahme des Konferenzgedankens zu nötigen. Man denkt, eS sei möglich gewesen, mit der französischen Regierung ein allgemeines Kolonialabkommen zu schließen, in dem wir gegen Vorteile in anderen Gebieten Frankreich in Marokko freie Hand hätten lassen und damit ein enges deutsch-französisches
in der Freude ihres eigenen Glücks so unbarmherzig vergeßlich gewesen war.
„N—ein", stammelte sie, und Frau Warrener bemerkte mit Verwunderung ihre Verlegenheit.
,^ch frage nur deshalb", sprach sie weiter, „weil ich dachte, er werde wahrscheinlich nach Braadford oder Portree schreiben. Er wußte, daß mir an diese beiden Plätze koinmen.
Lilla North war wenig erfreut über diese Mitteilung. Still, nachdenklich und verlegen saß sie da und war froh, als sie das Ufer erreichten und sie sich Amy anschließen konnte, die, als sie bemerkte, daß ihr Freundin nicht in der Stimmung war, gesprächig zu sein, dieselbe nicht mit Unterhaltung quälte.
Briese waren nicht angetommen. Das tat Frau Warrener leid. Sie beschloß, gelegentlich mit Lilla über die Sache zu sprechen, und hoffte, zwischen den beiden, die entschieden für einander bestimmt maren, eine Versöhnung herbeizuführen.
„Hat der Spaziergang Sie ermüdet, Lilla?" fragte James Drummond.
„O nein", erwiderte sie, „wenn man nahezu zwei Tage aus dem Schiffe zugebracht hat, tut einem ein tüchtiger Spaziergang sehr wohl. Wann kommen wir nach Portree?"
„Wahrscheinlich übermorgen. Sehnen Sie sich darnach, hinzukommen.
„O nein, durchaus nicht."
Frau Warrener hörte die Frage und Antwort und zog ihre eigenen Schlüsse. Portree war der nächste Ort, an dem sie Briefe erwarten konnten.
Lilla hatte den ganzen Abend keine Gelegenheit, mit Herrn Drummond ein Wort allein zu sprechen, da bei dem Sonnenuntergang alle draußen aus dem Deck saßen. Als die Damen sich endlich zurückzogen, blieb Lilla noch einen Augenblick zurück und wandte sich zu James Druinmond. Schüchtern ergriff sie seine Hand.
„Wollen Sie mir einen Gefallen tun?" sprach sie leise; „wollen Sie es Ihrer Schwester sagen?"
„Ja — gewiß — warum nicht?" antwortete er sehr vergnügt. „Ich wußte nur nicht, ob Sie es wünschen oder nicht. Natürlich muß sie es wissen, und je früher, je besser/'
Einvernehmen gleich dem französisch-englischen herbeiführen können.
Diese Vorstellung ist eine Illusion, unb mit Illusionen macht man keine praktische Politik. Jeder Kenner des französischen Kolonialcharakters bestätigt die Ansicht, von der sich Fürst BiSmorck immer leiten ließ, daß noch für lange Jahre ein wirkliches Freundschaftsverhältnis zwischen den beiden Nationen, die 1870 den großen Krieg mit einander führten, unmöglich sei. Gewiß gibt es unter unseren französischen Nachbarn manche gute und einsichtige Patrioten, die einer wirklichen Aussöhnung geneigt sind. Aber ihr Hintergedanke ist immer, daß dabei der französischen Eigenliebe mindestens ein Stück von Deutsch- Lothringen zum Opfer gebracht werden müsse. Das ist gerade im vorigen Jahre von den Gegnern Delcassss wiederholt ganz offen ausgesprochen worden.
Jener Einwand gegen die deutsche Marokkopolitik wird auf die Behauptung gestützt, daß der Nachfolger Delcassss ein Kolonialabkommen angeboten hat. In Wahrheit ist dies in keinerlei offizieller oder autorisierter Form geschehen. Von freiwilligen oder privaten Unterhändlern sollen in den letzten sechs Jahren wiederholt vertrauliche Anfragen gestellt worden sein. Aber solche Geschäfte lassen sich nicht hinten herum machen, zumal wenn man weiß, daß e6 noch keinen französischen Minister oder Senator oder Deputierten gegeben hat, der offen dafür eingetreten wäre, Elsaß-Lothringen zu vergessen. Jeder Franzose in verantwortlicher Stellung sagt sich, daß gegen eine deutschfreundliche Regierung jederzeit der Chauvinismus mobil gemacht werden könnte und sie bald über den Haufen gerannt sein würde. Eine Versöhnung unter vier Augen ist nicht« wert.
Rouvier war nun bereit, ein Separatabkommen wegen Marokko mit uns zu schließen. Die deutsche Regierung tat wohl daran, nicht darauf einzugehen. Sie hätte es gor nicht gekonnt, ohne in den Fehler der Delcafftschen Politik, Verletzung der Madrider Konvention, zu verfallen und die feste internationale Recht-basis aufzugeben, auf die sie sich bis dahin gestellt hatte. Und was hätten wir durch ein Separatabkommen erreichen können? Doch schwerlich nicht die internationalen Garantien für die offene Tür, die wir haben wollten und in Algeciras trotz aller Sonder- abmachungen Frankreichs mit anderen Staaten schließlich durchgesetzt haben. Daß sich Deutschland hierbei konsequent und stark erwiesen hat, wird vielleicht für eine allmähliche aus gegenseitige Achtung gegründete Aussöhnung sörderlicher sein, als es eine deutsche Nachgiebigkeit im vorigen Sommer hätte sein können, unmittelbar nach der Aera Delcassü, deren Grundtendenz doch die Revanche war.
„Nicht heute abend", flüsterte sie.
„Wenn Sie es nicht wollen, nicht", sagte er, und als er sie näher betrachtete, sah er, daß sie sehr aufgeregt war. „Was ist Ihnen, Lilla?"
„Ich ängstige mich", erwiderte sie, und er bemerkte, daß ihre Hand zitterte
„Wovor?"
„Ach, wenn es doch so fortgehen könnte, wie in diesen zwei glücklichen Tagen, was können wir mehr wünschen? Aber wenn es jedermann weiß —"
„Es braucht es nicht jeder zu wissen", erwiderte er, aber sie unterbrach ihn wieder.
„Ihre Schwester wird mich hassen", sagte sie leidenschaftlich.
„Sie wird Sie mehr denn je lieben. Aber auf einmal diese Furchtsamkeit? Wo ist meine mutwillige Lilla geblieben ? Nichts ist einfacher als das; morgen werde ich mit Sarah reden."
Lilla suchte in der Stille der Nacht sich die bösen Ahnungen auszureden, die sie unwillkürlich beschlichen. Warum sollte sie sich vor der sanften kleinen Frau fürchten, die immer so unaussprechlich gütig gegen sie gewesen war ? Welchen möglichen Grund konnte irgend eine Menschenseele haben, sich ihrem Glücke entgegenzustellen? Und dann machte sie sich Vorwürse, daß sie nur an ihr eignet Glück dachte und ihre Gedanken wandten sich dem zu, der viel mehr recht hatte, sich zu beklagen, und sie fragte sich immer und immer wieder:
„War es meine Schuld?"
Einunzwandzigstes Kapitel.
James Drummond hatte weder Furcht, noch setzte eS ihn in Verlegenheit, seiner Schwester sein Geheimnis mitzuteilen; aber wie erstaunte er, als er sie bei seinem Geständnis erblassen sah. Sie trat einen Schritt von ihm zurück. Schmerz, Besorgnis, Enttäuschung — alles das sprach aus den Zügen, aus ihren erschreckten Augen.
„O James, ist das wahr?" fragte sie.
Die ganze Geschichte war ihr klar; sie sah als das Ende derselben nur das Unglück zweier Menschen, die sie, nächst ihrer Tochter, am liebsten auf der Welt hatte.