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Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Sernsprech-Alnschlutz Nr. 8
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Nr. 41. Sonnabend, den 7. April 1906.
Bestellungen
auf das
ßersfelder Kreisblatt
werden für
das zweite Quartal 1906
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Unter Bezugnahme auf die Verordnung des Herrn Ober-Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau vom 13. Mai 1905, betreffend Verbot der Ausfuhr von Reben aus reb° lausverseuchten Gemarkungen (veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 21 von 1905), wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß derzeit die Gemarkungen Wellmich, Nochern, Lierscheid, St. Goarshausen, Patersberg, Bornich, Gaub, Lorch, Geisenheim, Biebrich, Wiesbaden, Hochheim, Wicker und Diedenbergen, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden, als reblausverseucht zu gelten haben. (A. III. 1177 )
Gaffel, am 21. März 1906.
Der RegierungsPräsident. gez. I. A. Freiherr S ch e n t
HerSfeld, den 3. April 1906.
Im Anschluß an die trigonometrischen Vermessungen finden nunmehr die topographischen Ausnahmen im hiesigen Kreise kalt.
Die von der Königlichen Landesaufnahme hiermit betrauten Offiziere und Beamten find mit „Offenen Ausweisen" versehen, welche die ihnen zu gewährenden Hilfeleistungen enthalten; die HilfSmannschasten, die nicht Soldaten sind, tragen sichtbar ein Messingschild mit der Inschrift „Königlich Preußische Landesaufnahme".
Alle Grundeigentümer und Insassen des Kreises sowie die Ortsbehörden werden hiermit wiederholt ausgesordert, zur Ausführung dieses gemeinnützigen und wissenschaftlichen Unternehmens den betreffenden Offizieren und Beamten nach Kräften entgegenzukommen und sie mit gewohnter Bereitwilligkeit in Allem zu unterstützen, dessen sie zur Beförderung und Erleichterung ihres Auftrages bedürfen.
I. 2795. Der Königliche Landral
von Grunelius.
Mitte Mai und Oktober findet alljährlich in dem mit dem Hessischen DiakoniffenhauS verbundenen Seminar zur Ausbildung von Kleinkinderlehrerinnen (Kindergärtnerinnen) die Aufnahme neuer Zöglinge statt. Der Cursus des Seminars ist einjährig.
Die Pension für den Cursus, Unterricht eingeschlossen, beträgt 330 Mark.
Anfragen sind zu richten: An den Vorstand des Dia- konissenhause» bei Gaffel, Postkation Wehlheiden.
Hersfeld, den 2. April 1906.
Wird veröffentlicht.
1. 2687. Der Königliche Landrat
von Grunelius,
Hersfeld, den 4. April 1906.
Die Räude unter der Schafherde Nr. 2 in Erkshausen (Rr. Rotenburg) ist erloschen.
I. 2822. Der Königliche Landrot
von Grunelius.
HerSfeld, den 3. April 1906.
Nach einer Mitteilung des Königlichen Landratsamtes zu Homberg ist die unter dem Schweinebestande des Land- wirtS Johannes Schmidt, Gastwirts Johannes Schade, Landwirts Jakob Rosenkranz und Auszügera Heinrich George zu Niederhülsa ausgebrochene Schweineseuche erloschen. I. 2786. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 3. April 1906.
Der auf Donnerstag den 19. April d. Js. in bet Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Austrieb darf um 6% Uhr morgen» begonnen werden.
1. 2785. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
ALnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—13 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Im Reichstage ist während der verflossenen Woche das Reichskolonialamt bewilligt worden. Die Majorität für die Regierunqsforaerung war allerdings nur eine geringe, 127 gegen 110 Stimmen. Bei der vorhandenen schwachen Mehrheit werden daher die Kolonialfreunde für die dritte Lesung auf ihrer Hut sein müssen. Unverkennbaren Einfluß auf das günstige Abstimmungsresultat hat zweifellos die Rede des Reichskanzlers Fürsten von Bülow ausgeübt, der mit schlagenden Gründen die Notwendigkeit einer Ausgestaltung der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes zu einer obersten Reichsbehörde darzu- legen wußte. Die Einheitlichkeit in der Leitung unserer auswärtigen Politik wird nach der Versicherung des Reichskanzlers durch die Errichtung eines KolonialamteS auch nicht im mindesten beeinträchtigt werden. Zum Schlüsse charakterisierte Fürst von Bülow die Gerüchte von einer ReichS- kanzlerkrists als ebenso unbegründet wie die Behauptung, daß im Reichstage aus persönlichen Gründen einer an sich berechtigten Forderung Widerstand geleistet werde.
Aus den sonstigen Verhandlungen des Reichstages während der verflossenen Woche ist vor allem die Beratung des Militäretats hervorzuheben, die auch diesmal wieder zu ausgedehnten Debatten, insbesondere über Soldaten- mißhandlungen und Duellfrage, Veranlassung bot. Kriegsminister von Einem wies zahlenmäßig den starken Rückgang der Soldatenmißhandlungen im deutschen Heere nach, gab aber gleichzeitig auch seinem lebhaften Bedauern über die noch übrig bleibenden derartigen Fälle Ausdruck, Zu ihrer Beseitigung könnte nach Meinung des Ministers viel geschehen, wenn die Jugend sittlicher erzogen würde. Hinsichtlich der Duellfrage verlas der Kriegsminister im Einvernehmen mit dem Reichskanzler eine Erklärung, die eine Auslegung der im Reichstage getanen Aeußerung des Reichskanzlers vom Januar dieses Jahres darstellt und hoffentlich Beruhigung auf diesem Gebiete schaffen wird.
Nach einem vollen Jahr hat die Marokkofrage nunmehr ihre Erledigung gefunden. Es stehen für den endgültigen Abschluß der Konferenz in AlgeciraS nur noch Formalien aus, die mit der Unterzeichnung der Konferenzakle demnächst auch zur Vollziehung gelangen werden. Deutschland kann mit dem Ergebnis der Konferenz durchaus zufrieden sein. Die Souveränität des Sultans, Integrität seines Gebietes und das zeitlich unbeschränkte Prinzip der offenen Tür haben auf der Konferenz völkerrechtliche Anerkennung gefunden. Es ist nicht möglich, daß eine Macht sich einseitig darüber hinwegsetzt, sie stände in solchem Falle nicht nur dem Sultan von Marokko, sondern allen Konferenzmächten gegenüber. So haben wir die Verpflichtungen eingelöst, die das Kaiserwort vom 31. März uns auferlegte. Unsere Stellung dem Sultan wie Frankreich gegenüber ist durch einen neuen Vertrag geregelt, und in diesem Sinne läßt sich wohl sagen, daß es für Deutschland keine marokkanische Frage mehr gibt. An die Erledigung der Marokkosrage ober darf die Hoffnung geknüpft werden, daß dadurch auch die deutsch-französischen Beziehungen im allgemeinen eine günstige Beeinflussung erfahren werden. Deutschland ist jedenfalls seinerseits stets zu einem freundlichen Einvernehmen und Handinhandgehen mit Frankreich gern bereit.
In Rußland sind die Wahlmännerwahlen zur Duma ohne ernstere Störungen vor sich gegangen. Als bemerkenswerte Erscheinung fiel die der sozialdemokratischen Parole entsprechende Wahlenthaltung der Arbeiter vieler Fabrikbe- triehe ins Auge. Immerhin aber ist die Wahlbeteiligung an manchen Orten eine recht rege gewesen. So haben sich in Petersburg nach annähernder Schätzung von den 148194 wahlberechtigten Personen der Stadt mehr als 60 v. H. an den Wahlen beteiligt. Inzwischen sieht sich die russische Regierung durch die finanzielle Lage zum Entwerfen von Steuerplänen genötigt. So werden eine Reform der Grundbesteuerung, der Besteuerung von Besitztümern in Städten, eine progressive Steuer vom Einkommen und von Erbschaften, eine Revision der Jndustriesteuern, sowie neben der Beibehaltung der bestehenden indirekten Steuern eine Erhöhung der Tabaksteuer, eventuell auch die Besteuerung von Kerzen und von Papier geplant. Viel Freude dürfte diese« Steuerbukett bei den erwählten Vertretern des russischen Volkes wohl nicht erregen.
Den Schluß des heutigen Wochenbericht« endlich möge eine erfreuliche Botschaft au» unseren Kolonien bilden. In
Deutsch-Ostafrika nämlich hat das Kommando der Schutztruppe eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der die Mitglieder der Bürgerwehr in Dar-es-Salam aufgefordert werden, die ihnen seinerzeit überlassenen Waffen wieder zurückzugeben. Es ist zweifellos ein Zeichen, daß der Ein- geborenen-Ausstand im großen und ganzen als beendet betrachtet werden muß. In allen patriotischen Kreisen wird diese Tatsache sicherlich mit großer Freude begrüßt werden.
Zur Konfirmation.
Wieder rufen der Glocken Feierklänge die jungen Christen in das Gotteshaus, um an heiliger Stätte in die Gemeinschaft der Erwachsenen ausgenommen zu werden und die Weihe zu dem ersten Schritte zu empfangen, der für ihr ganzer weiteres Leben entscheidend ist; denn der Ron* firmationstag ist für die meisten der Konfirmanden ein wichtiger Wendepunkt schon im äußeren Leben. Gilt e« doch, Abschied zu nehmen von Kindheit, Schule und Haus: von der Kindheit mit ihrem Sonnenschein, ihren großen Freuden und kleinen Leiden; von der Schule mit ihrer heilsamen Zucht und nützlichen Belehrung; vom Elternhause mit seiner sicheren Obhut und frohen Familienglück. ES gilt den großen Schritt hinaus und in die Welt mit ihren Stürmen und Gefahren, ins Leben mit seinen Kämpfen, Sorgen und Nöten. Wem, der die Welt und das Leben kennt, mag es nicht das Herz bewegen, wenn er die jungen Scharen, etliche zwar bangen Herzens, die meisten heiter und sorglos vor Lust und Lebensmut, alle aber noch unerprobt und unerfahren so hinauswandern sieht? Möchte man nicht jedes noch einmal anhalten, ihm ein gut Wort mit auf den Weg geben, damit es die rechte Bahn einschlagen und vor Schaden bewahrt bleibe?
Auch für die Eltern der Konfirmanden bildet der Kon- firmationitag eine Phase des Lebenslaufs, die von den gemischten Gefühlen freudiger Erhebung und ernster Wehmut begleitet zu sein pflegt. Treue Mutterliebe und unermüdliche Vatersorge haben die Kinder groß gezogen und bis zur Schwelle dieses Tages gebracht. Mit dem Hause hat auch die Schule treue Arbeit verrichtet und den Samen des Göttlichen, Guten und Nützlichen in die jungen Herzen ausgestreut. Nun ist der Abschluß der Schulzeit und der Anfang des Erwerbslebens für die überwiegende Mehrzahl der Kinder gekommen. Es beginnt der Eintritt in die Schule des Lebens, die wohl viele Freiheiten gewährt, aber auch höhere bisher nicht gekannte Verantwortung auferlegt. Der Pilgerpfad des Lebens ist rauh und schlüpfrig, er führt nicht immer durch lohnende Gefilde und grüne Auen, sondern ist mit vielen Irr- und Abwegen verflochten. Deshalb ist der Tag der Konfirmation ein entscheidender Wendepunkt und eine gefährliche Ecke, vor allem in unseren Tagen. Jene Zeit erscheint unwiederbringlich dahin, wo Lehrlinge und Gehilfen zur Familie gezogen wurden und demnach das Haus des Meisters das Elternhaus fast immer zu ersetzen vermochte. Heutzutage ist mit dem Verlassen des Elternhauses ein junger Mensch in den meisten Fällen auf eigene Füße gestellt. Es gehört aber ein hoher Grad von Charakterstärke, Geistesfestigkeit und Herzensreinheit dazu, bei dem unvermittelten Sprunge aus der elterlichen Obhut in das unbewachte Leben sich den Glauben und die Güter der Kindheit zu bewahren.
Ohne selbst gerade zu den nächsten Angehörigen der Kinder zu zählen, kann man sich daher kaum der Allgewalt des Eindrucks entziehen und nachhaltiger Rührung erwehren, wenn unter feierlichen Glockenklängen die Schar der Konfirmanden das Gotteshaus betritt und dem Altar zu'chreitet. Ihnen allen schließt sich die Welt der stillen Kindheit, indes sich das Tor zum Markte des geschäftigen Lebens öffnet. Was wird das Leben jedem einzelnen bringen? Wünschen und hoffen wir, daß die tiefen Eindrücke der heiligen Handlung sich dem jugendlichen Herzen unverlierbar einprägen und die Erinnerung an den Tag der Konfirmation sich für den ganzen Lebenspsad als ein Sonnenblick erweise, der auch auf rauben Wegen Licht und Leben spendet. g.
Reichstag.
Am Mittwoch wurde zunächst der Etat der Zölle und Verbrauchssteuern erledigt. Auf die Beschwerde des Abgeordneten Dowe (fr. Vg.) über ungeheuerliche Fäll- der Taraverzollung erwiderte Staatssekretär Freiherr v. Stengel, daß es sich dabei um ein Mißverständnis der Zollbeamten hnndle und bereits Abhülfe geschaffen sei. Die Schulfrage für Ostafrika wurde im Sinne der Regierungsvorlage gelöst, auch die KommissionSresolution betr. Lösung der Lie- ferungSverträqe wurde angenommen. In zweiter Lesung wurden noch erledigt die Novellen zum Wohnungsgeldzu- schußgesetz, zum ServiStarif und zur Klasseneinteilung der Orte, sowie zu dem Gesetz über die Naturalleistung für die bewaffnete Macht im Frieden.