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HerrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 4
9ir. 43. Donnerstag, den 13. April 1906.
Amtlicher teil.
Unter Aufhebung der von der mitunterzeichneten Regier- ungSabtetlung erlassenen Versügung vom 6. Juli 1895 — Amtsblatt S. 143 Ziffer 394 — betreffend die Bestellung der Königlichen Kreiskaffen innerhalb ihrer Bezirke zu Voll, streckungsbehörden für die Institute u. s. w. wird hierdurch Folgendes bestimmt:
An Stelle der Königlichen Kreiskaffen werden die Ge- meindevorstände überall im Regierungsbezirke als Voll- streckungSbehörden für die Institute, Korporationen, Kirchengemeinden, Pfarreien, Schulsozietäten usw, soweit diese nach den bestehenden Bestimmungen nicht selbst zur Zwangsvollstreckung berechtigt find, bestellt.
Der RegierungS-Prästdent. Unterschrist.
Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten A. Unterschrist.
* *
Caffel, den 19. März 1906.
Abschrift erhalten Sie zur Kenntnis mit dem Bemerken, daß die Bekanntmachung in Nummer 13 des Regierungs- amtsblattes veröffentlicht worden ist.'
Ich ersuche, die Gemeindebehörden des ^~~ Kreises nach besonders darauf hinzuweisen, daß sie den Anträgen der Institute pp. auf Ausführung von Zwangsvollstreckungen Folge zu leisten haben.
Der RegierunqS-Präsident.
Graf Bernstorff.
An die Herren Landräte des Bezirks. A. IV. 3068.
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Hersfeld, den 10. April 1906.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Gemeindebehörden des Kreises mit der Veranlassung, den Anträgen der Institute rc. auf Ausführung von Zwangsvollstreckungen künftighin Folge zu leisten.
I. I. 2932. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 9. April 1906.
Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Caffel hat um Einsendung der Hebelisten über die Beiträge für das Jahr 1905 zur Nachprüfung ersucht.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden veranlaßt, mir diese Listen bis zum 18. d s. M t s. einzu- reichen.
A 1328. Der Königliche Landrot
von Grunelius.
Hersfeld, den 10. April 1906.
Die vorgelegten Aufzeichnungen über die polizeilichen Maaß, und Gewichtsrevisionen im Jahre 1905 haben dem Königlichen EichungSinspektor zu folgenden Bemerkungen Anlaß gegeben:
1. Mehrfach sind abgenutzte oder verrostete Maaße und Gewichte bei den polizeilichen Revisionen sogleich beschlog. nahmt worden, während die Polizeibehörde derartige Gegenstände, deren Richtigkeit zweifelhaft ist, zunächst dem Eichungsamt zur Prüfung zu übergeben hat;
2. Mehrere Polizei-Verwaltungen zählen in den Tabellen sämtliche bei den Gewerbetreibenden vorhandenen Maaße und Gewichte auf. Diese zeitraubende Arbeit ist unnötig, da nur die b e a n st a n de t e n Gegenstände an- zugeben sind;
3. Ferner haben einige Polizei-Verwaltungen Gewerbetreibende, bei denen Wagen und Gewichte beschlagnahmt werden mußten, nicht bestraft, obgleich nach § 3692 Straf« Gesetz-Buch« neben der Beschlagnahme stets auf Strafe zu erkennen ist.
Diese Bemerkungen sind bei den künftigen Revisionen zu beachten.
I. 2931. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
In AM i« M^
Unsere bisherigen Gesamtverluste an Menschen in dem fast 27 Monate dauernden südwestafrikanischen Kolonialkrieg betragen nach einer amtlichen Zusammenstellung einschließlich der ermordeten Zivilbevölkerung 2179 Seelen. Die militärischen Verluste vom Beginn des Bondelzwartsaus«
standes (Dezember 1903) bis 1. April 1906 belaufen sich auf 1957 Mann, davon sind tot 1226, verwundet 731. Wegen Krankheit oder in RekonvaleSzenz befindlich, resp, wegen UebertrittS ins Heer sind in die Heimat geschickt etwa 1200 Mann, krank sind in der Kolonie, also nicht dienstfähig, rund 800 Mann, so daß dieser indirekte Abgang 2000 Mann beträgt, von denen 1900 als Verluste infolge des Feldzugs zu rechnen sind. Der Gefechtsverlust der Truppe belauft sich auf 1239 Mann (Tote 541, Verwundete 698) davon 118 Offiziere. Gefallen sind vor dem Feinde an Offizieren, Sanitätsoffizieren und höheren Beamten 57, an Unteroffizieren 98, an Mannschaften 386, da» Verhältnis der Chargen zum Stamm verhält sich also wie 1 : 2,5. Verwundet wurden Offiziere usw. 78, Unter« osfiziere 139, Mannschaften 481. Sehr auffallend ist die geringe Zahl der an Wunden gestorbenen (34) im Verhältnis zur Gesamtzahl der Verwundeten (698).
Aus > und Ausland.
Berlin, 10. April 1906.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen gestern nachmittag einen Spazierritt im Tiergarten. Abends wohnten Ihre Majestäten in der Philharmonie der Aufführung von Joh. Geb. Bachs k-nroU-Messe durch den Philharmonischen Chor unter Siegfried Och» bei; die Majestäten sprachen nach der Aufführung den Dirigenten. Heute morgen ritten beide Majestäten und Prinz Oskar im Tiergarten spazieren. Se. Majestät der Kaiser hörte später im Königlichen Schlöffe die Vorträge des Chefs des Militarkabinetls, des Chefs des Admiralstabes der Marine und des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinetts. Später nahm Se. Majestät eine militärische Meldung entgegen.
Der Streik der Bergleute des mitteldeutschen Braunkohlengebietes beginnt allmählig abzuflauen. In den Revieren von Weißensels und Meuselwitz haben die streikenden Belegschaften verschiedener Gruben die Arbeit wieder ausgenommen und imHelmstedter Braunkohlenrevier (Braunschweig) ist der Streik durch die Rückkehr sämtlicher ausständiger Bergleute zur Arbeit überhaupt beendigt worden. Dagegen dauert der Streik der Hamburger Seeleute laut eines neuerlichen Beschlusses derselben mit ungeschwächter Kraft fort. Daneben macht ein Streik der Malergehilfen von Berlin, Bremen und Lübeck von sich reden. Er gilt als eine Machtprobe der organisierten Malergehilfen ganz Deutschlands gegenüber dem Bunde der Malermeister, um diesen und das Berlin-Hamburger Meisterkartell des Malergewerbes zu sprengen.
In dem großen, prächtig geschmückten Saale des Palazzo wurde gestern in Rom derWeltpostkongreß eröffnet. Der Unterstaatssekretär im Post- und Telegraphenministerium Morpurgo hielt die Eröffnungsrede. Der Staatssekretär des Deutschen Reichspostamts Krälke schlug darauf zu Ehren- Präsidenten den Minister Baccelli und den Unterstaatssekretär Morpurgo im Ministerium für Post- und Telegraphen und zum Präsidenten den Generaldirektor Gamond in demselben Ministerium vor. Diese Vorschläge wurden einstimmig angenommen.
Die Kriminalität in Deutschland, die seit 1882 eine dauernde und erschreckende Zunahme zeigt, besonder» war die Personen-und Roheitsdelikte betrifft, nimmt, wie die neueste Veröffentlichung für das Jahr 1904 in den Vierteljahrshesten zur Statistik des deutschen Reiches 1905 zeigt, weiter zu. Diese Zunahme betrifft vorzugsweise die Delikte gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion sowie die Perfonendelikte, also lauter Delikte, bei denen erfahrungsgemäß der Alkohol die Hauptrolle spielt. So kommt die andauernde Ausbreitung des AlkoholgenusseS, die sich in der anhaltenden Zunahme des Konsums alkoholischer Getränke zeigt, ohne Frage in der gekennzeichneten Steige- rung der Kriminalität zur Geltung.
Der Bergarbeiterstreik in Nordfrankreich zeitigt grobe Ausschreitungen der Ausständigen. So wird aus Douai gemeldet: 200 Ausständige hielten einen Zug mit arbeitswilligen Bergleuten an. 30 der letzteren wurden von den Ausständigen feßgenommen und nach Douai gebracht. In Len« wurde eine Eisenbahnbrücke des die Ortschaften Bruay mit der Nordbahn verbindenden Industriegleises durch eine Dynamitexplofion teilweise zerstört.
Seit drei Tagen finden in M e s ch e d (P ersten) große Ruhestörungen statt, die ihren Grund in der Verteuerung der Leben-mittel hoben. Läden wurden geplündert und in Brand gesteckt. Die Volksmenge griff das Gebäude de« Schatzamtes an; der Gouverneur und 20 Europäer wurden getötet oder verwundet.
Die Ei n w a n d e r u n g in die Vereinigten Staaten von Nordamerika soll weiter erschwert werden. Der Ein- Wanderungsausschuß des Repräsentantenhaus'« hat einen Gesetzentwurf fertiggestellt, der bezweckt, die Einwanderung von Ausländern noch mehr zu beschränken. Der Entwurf sieht vor, daß jeder erwachsene Mann 25 Dollars, jede er
wachsene Frau 15 Dollar« besitzen muß. Familien sollen zugelassen werden, jedoch muß da« Familienoberhaupt 50 Dollar« besitzen. Mehr als 16 Jahre zählende Einwanderer müssen in irgend einer Sprache lesen können. Geistig minderwertige Personen oder körperlich schwache Arbeiter sollen von der Einwanderung ausgeschlossen sein.
Der Ausbruch des Vesuv.
Rom, 9. April. In Resina und Portici Hot die Flucht große Ausdehnung gewonnen. Mit Sack und Pack, Weib und Kind suchen die Bewohner da« Weite. In Massen ziehen sie durch Schlamm und Regen — ein Haufen Verzweifelnder. Dann kommt die unendliche Reihe von Wagen und Omnibussen, vollgepfropft von Menschen, da« find diejenigen, die noch zwei Saldi für die Fahrt übrig haben. Endlich kommen Greise, die von ihren Angehörigen verlassen sind, weinende Kinder, die ihre Mütter verloren haben. Bettler, Stumme, Blinde und Lahme und auch arme, halb verhungerte Hunde. Viele dieser Aermsten wurden von barmherzigen Soldaten auf Trainwagen gebettet, die zufällig vorüberfuhren. Der Schlackenregen wird immer drohender. Schon beginnen Scheiben in den Fenstern zu brechen. Man fegt die Dächer, um sie zu entlasten, weil der Rauch aus dem Vulkan neue Massen ankündigt. Vor Portici bewegt sich den Berg hinan eine Prozession von 10,000 Personen mit allen Heiligen, die sie aus den Kirche« genommen haben — ein seltsames .KSiauspicl — eine Menschenmasse, mit grauer Asche bedexn, seinend und wehklagend. Schauerlich sieht e« im Jm-Ä.« der Ortschaften aus. In den engen Gassen erstickt .&n ue-. dicker Luft- und darüber wölbt sich ein Himmel, bald bleifarben, bald glutrot. Schlackenregen bringt in Augen, Mund und Ohren. In dieser Wehrlofigkeit gegenüber den Elementen geht dem Kühnsten die Kaltblütigkeit verloren. In Ottojano und Somma Vesuviano hat die Lage der aus dem Vesuv geschleuderten Steine drei Meter Höhe erreicht. Die Haupt- kirche brach zusammen, während die Gläubigen beteten; viele wurden verwundet. Pioniere sprengten unterhalb der Casa Fiorenza für die Lava ein Bett.
Neapel, 10. April. Unter der Last der auf ihr ruhenden Asche stürzte am Vormittag die Gemüsehalle auf dem Monte Oliveto, in der sich Hunderte von Händlern und Käufern befanden, zusammen. Die Markthalle ist ein mit Schindeln gedeckter Bau aus Eisenkonstruktion, der die Aschenlast nicht tragen konnte und in sich zusammenbrach. Bisher find 15 Tote und 70 Verwundete geborgen. Da» Herzogspaar von Aosta besuchte die Unglücksstätte. Die Herzogin erschien in Begleitung von Krankenschwestern. Das HerzogSpaar wurde bei der Abfahrt von den Tausenden nach der Unfallstelle geeilten Leuten frenetisch begrüßt.
Neapel, 10. April. In San Giuseppe d'Oltajano ist das Dach der Kirche eingestürzt. Bisher find 49 Leichen unter den Trümmern hervorgezogen worden. Das Unglück trug fich folgendermaßen zu: Um 5 Uhr abends begann ein leichter Schlackenregen, der nachts dichter wurde, so daß gestern früh der Pfarrer eine Bittmeffs im Oratorium an- fagte. Niemand hatte auf die Aschenlast geachtet, die auf dem Dach der Kirche lagerte. Als der Priester um 9 Uhr den zu Hunderten im Gotteshause versammelten Gläubigen die Statue des heiligen Antoniu« zeigte, stürzte das Dach ein. Die Kirche hatte nur zwei Ausgänge. Der Priester flüchtete in die Sakristei, die Menge drängte zum Haupt- auSgang. 100 entkamen, 200 Personen wurden regelrecht von dem Aschenstrom begraben, der auf sie herniederfiel. Die Asche lag nach wenigen Minuten drei Meter hoch in der Kirche. Wie sie fich dem AuSgang zugewendet hatten, wurden die Unglücklichen stehend in einem Atemzüge begraben. Soldaten begaben fich sofort an das traurige Werk der Bergung der Leichen.
Neapel, 10. April. Entgegen den bisherigen Meldungen gab es in Boscotrecase fünf Verwundete und fünf Tote; zwei Frauen, zwei Männer und ein Blinder, alte Leute, die wegen ihrer Gebrechlichkeit nicht schnell genug fliehen konnten. Auch die Kirche Santa Anna in Borcotre- cafe wurde zerstört; die Lava ist ins Innere gedrungen und hat den Hauptaltar aus farbigem Marmor vernichtet. Sehr schlimm find Ottano und San Giuseppe heimgesucht worden. Bei Ankunft sieht man am Bahnhof einen Eisenbahnzug vollständig in der Asche vergraben; drei Wagen konnten vom Roten Kreuz für die Verwundeten hergerichtet werden. Alle Häuser des unteren Teils der Ortschaft find zerstört, darunter viele Paläste und Villen wohlhabender Leute, die Glasfabrik Scudieri, das Rathaus, das Gericht, das Gefängnis, die Erziehungi-Anstalt. Chierchia ist schwer beschädigt; die Häuser stecken zwei Meter tief in Asche, und die Soldaten graben liefe Löcher, um zu den Türen zu gelangen und fie zu öffnen. Es fehlt an Lebensrnitteln und die Soldaten erbrechen die Bäckereien, um nach Brot zu suchen. An Ort und Stelle find drei Kompagnien Jnfan- terie, mehrere Züge Kavallerie und eine Abteilung Artille, rie eingetroffen. Der Herzog von Aosta, der mit seinem Automobil Ottajano besuchen wollte, mußte dasselbe in der