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herrselder Kreisblatt
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Nr. 44. . Sonnabend, den 14. April 1906>
Amtlicher teil
Hersfeld, am 14. April 1906.
Die Ortspolizeibchörden des Kreises weise ich im Hinblick auf die sich jetzt entwickelnde Bautätigkeit und unter Bezugnahme ans die diesseitige Verfügung im Kreisblatt Nr. 47 de 1905 hierdurch an, ein ganz besonderes Augenmerk auf die einzelnen, bei Bauwerken zur Ausführung gelangenden Beton- arbeiten zu richten.
Streng ist darauf zu sehen, daß bei derartigen Bauarbeiten nur einwandsfreie Materialien in gehöriger Mischling pp. verwendet werden.
Ergeben sich bei der Ueberwachung der Banausführungen in Beton irgend welche Bedenken, so ist dem Bauherrn bezw. Banunternehmer der Weiterban solange polizeilich zu untersagen bis er durch Vorlage eines amtlichen Attestes des Königlichen Kreisbanbeamten der Nachweis erbringt, daß der betreffenden B e t o n a u s s ü h r u n g in bautechnischer Hinsicht nichts entgegensteht.
Der Königliche Landrat. I. V.: T h a m e r.
Hersfeld, den 10. April 1906.
Der Bürgermeister Philipp Hammer in Hilperhausen hat sein Amt als solcher freiwillig niedergelegt.
A. 1322 Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 2. April 1)06.
Am 31. März d. Js., Vormittags 11 Uhr, hat in dem Sitzungszimmer im Landratsamtsgebäude in Gegenwart von 16 Kreistagsabgeordneten, des Kreisausschußmitgliedes Bürgermeisters a. D. Ruhn ans Asbach, einer Anzahl der in hiesiger Stadt wohnenden Königlichen Beamten und der Beamten des Königlichen Landratsamts hier die Einführung des durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 19. v. Mts. zum Landrat des Kreises Hersfeld ernannten bisherigen Regierungs-Assessors von Grunelius durch den Regierungs-Präsidenten Herrn Grafen von Bernstvrff ans Cassel und daran anschließend die auf diesen Tag anberaumte ärei§tag§fi£üng stattgcfundcn.
Das Ergebnis der Letzteren war Folgendes:
Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurden die in dem ordentlichen unb außerordentlichen Voranschlag für das Etatsjahr 1906 enthaltenen Einnahme- unb Ausgabeposten im einzelnen geprüft unb genehmigt. Der ordentliche Etat wurde sodann in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 91500 Mark und der außerordentliche Etat in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 160 00 J Mark festgestellt. Gleichzeitig wurde beschlossen, den Kreisausschuß zu ermächtigen, zur Deckung der Ausgabe des außerordentlichen Etats eine Anleihe im Höchstbetrage bis zu 124 000 Mark unter möglichst günstigen Bedingungen aufzunehmen.
Der ordentliche und außerordentliche Etat liegt anbei.
Zu P n n k t 2 der Tagesordnung wurden die Herren Apotheker L. Becker und Bierbrauereibesitzer Heinrich Engelhardt hier mit Prüfung der Krciskommunalkasscn-Rech- nung für das Jahr 1905 betraut.
Zu Punkt 3 der Tagesordnung wurden als Vertrauensmänner für den Ausschuß bei den Amtsgerichten im hiesigen Kreise zur Mitwirkung bei der im laufenden Jahre stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1907 dieselben Personen wiedergewählt, welche bereits im vorigen Jahre als solche tätig waren, mit Ausnahme des inzwischen verstorbenen Bürgermeisters Mohr in Friede- wald, für welchen der jetzige Bürgermeister Budesheim daselbst gewählt wurde.
Zu P n n k t 4 der Tagesordnung wurden auf Antrag des Herrn Bürgermeisters a. D. Braun hier die mit dem 1. Juli b. Js. ausscheidenden Herren Bürgermeister a. D. Nuhn in Asbach und Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unter- iueifenborn für einen weiteren sechsjährigen Zeitraum als Kreisausschußmitglieder durch Acclamation einstimmig wieder- gewählt.
Zu Punkt 5 der Tagesordnung waren gegen den Antrag der Stadt Hersfeld auf Abtrennung der Grundstücke Kartenblatt W Nr. 15 unb 142 von dem Bezirk der Stadtgemeinde Hersfeld und deren Vereinigung mit dem Ge- meindebczirk Allmershauscn Bedenken nicht geltend ;u machen.
Zu Punkt 6 der Tagesordnung wurde das Projekt für die Höherlegung des Landwegs vom Bahnhof Heringen nach dem Orte Heringen rc. begutachtet und waren Bemerkungen nicht zu machen. Beschlossen wurde aber dabei, bei dem Herrn Landeshauptmann in Hessen in Cassel die Bewilligung der Hälfte der Kosten als Unterstützung für die banpflichtige Gemeinde aus kommunalfländigen Mitteln zu beantragen.
Zu Punkt 7 der Tagesordnung wurde die von den Kreistagsabgeordneten und Bürgermeistern Herren Lingc- maun in Philippsthal, Gebauer in Heringen, Klotzbach in Reckerode, Rößing in Kerspenhauseu und Döring in Sieglos
in Antrag gebrachte nochmalige Besprechung der Angelegenheit betr. den Bau einer Eisenbahn von Hersfeld nach Heimboldshausen vorgenomnieu und daraufhin von dem Herrn Bürgermeister Lingemann für sich und im Namen der übrigen Herren der Antrag zurückgezogen.
Zu Punkt 8 der Tagesordnung wurde der Gemeinde Landershansen zu den Kosten des Ausbaues des Landweges von Landershausen nach Wölf eine Unterstützung in Höhe von 762,50 Mark bewilligt und
außer der Tagesordnung wurde auf eil Schreiben des Herrn Landeshauptmanns in Hessen in Kassel beschlossen, die Verlegung des Landwegs Gittersdorf—Hof Hählgans als im allgemeinen Interesse liegend zu befürworten und sich mit der Anfertigung eines bezüglichen Projekts durch die kommunalständische Verwaltung einverstanden zu erklären.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 1244. von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Der dunkle Schatten, mit dem die Berichlrwoche infolge der plötzlichen Erkrankung d e - Reichskanzlers begonnen hat, ist Gott sei Dank wieder verflogen. Unter der ungeheuren Arbeitslast, die Fürst Bülow im Dienste des Vaterlandes zu tragen hat, war er momentan zusammengebrochen, seine elastische, kraftvolle Natur jedoch hat ihn den Schwächeanfall in kurzem überwinden lassen. Eins aber ist an dieser betrübenden Episode erfreulich, nämlich die Offenbarung der außerordentlichen Liebe und Verehrung, die unser leitender Staatsmann in allen Kreisen des deutschen Volkes genießt. Bis tief in die Reihen der Gegner hinein hat es bei dieser Gelegenheit an Kundgebungen der aufrichtigsten und herzlichsten Teilnahme nicht gefehlt. Wir hoffen und wünschen, daß der Erholungsurlaub, den unser Reichskanzler soeben angetreten hat, ihm die dringende notwendige Stärkung und Erquickung bringen möge, damit er nachher mit desto frischeren Kräften- seines schweren und verantwortungsvollen Amtes zum Heile Deutschlands wieder zu walten vermag.
Am letzten Tage der Beratungen des Reichstages vor der Osterpause ist Fürst Bülow mitten in der Reichstagssitzung von seinem Krankheitsanfall betroffen worden. Dieser Tag war der Erörterung der Marokkofrage unb der auswärtigen Politik gewidmet. Fragt man, was der Reichstag in diesem Sessionsabschnitte nach Weihnachten geleistet hat, so vermag die Antwort nicht gerade sehr zufriedenstellend auszufallen. Vor allem harrt die Reichtfinonzreform- Vorlage noch ihrer Erledigung im Plenum. Unter den ganz oder annähernd erledigten Vorlagen, die nach Ostern noch durch das Plenum erledigt sein wollen, seien hervorgehoben, die Militärpensionsgesetze, die Entwürfe über den ServiSlarif, die Klasseneinteilung der Orte und die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, den Unter- stützungSwohnsitz, den Befähigungsnachweis im Baugewerbe, das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und an Photographien, über die Aenderung der Maß- und Gewichts- orbnung, den Versicherungsvertrag und das HülfSkastengesetz. Schon diese Uebersicht beweist, welche hohen Anforderungen an den Pflichteifer und die Arbeitskraft der Abgeordneten im nächsten Sessionsabschnitt werden gestellt werden müssen, sollen nicht wichtige Aufgaben unserer Reichsgesetzgebung unerledigt bleiben. Hoffentlich wird daher Ht, wo die Zeit in der Tat zu drängen beginnt, von dem Plenum raschere Arbeit gemacht, als dies während der EtatSver- Handlungen der Fall war.
Keinen besseren Schlußakkord konnte man sich übrigens für den hinter uns liegenden Sessionsabschnitt des Reichstages wünschen, als die Verhandlungen über die Marokko-Konferenz. Es ergab sich hierbei eine äußerst erfreuliche Uebereinstimmung in den Grundauffassungen zwischen dem Reichskanzler und den bürgerlichen Parteien. Der Reichskanzler legte dar, daß man zu einer richtigen Bewertung dessen, was in AlgeciraS erreicht worden ist, die Ziele, die von der deutschen Regierung bei der Einleitung der Aktion ins Auge gefaßt worden waren, sich gegenwärtig halten müsse. Nicht um Marokko allein hat es sich vor einem Jahre gehandelt, sondern um die gründ, sätzliche Frage, ob das deutsche Reich ohne Schmälerung seines Ansehens sich gefallen lassen darf, daß über seine vertragsmäßigen und verbrieften Rechte hinweggeschritten, daß eS als qauntite nögligeable behandelt wird. Diese Frage hat die Retchsregierung verneint und aus der Ver« netnung die praktischen Schlußfolgerungen gezogen. Wie schon bemerkt, gaben die Redner der Parteien ihre Zustimmung zu diesem Urteil über die Marokko-Konferenz Ausdruck.
In Ungarn ist es gelungen, zwischen der Krone und der Opposition eine Verständigung herbeizuführen. Als das Ergebnis dieser Verständigung stellt sich das neugebildete
Ministerium Wekerle dar, in dem die bisherigen Führer der Koalitionsparteien, wie Graf Julius Andraffy, Graf Albert Aponyi und Franz Kossuth Platz gefunden haben. Es ist höchst erfreulich, daß die Koalation zu dem Entschlüsse gelangt ist, sich zu bescheiden und damit den Zusammenhang der Monarchie zu bewahren, Die Lösung der um garischen Krisis wird mit ganz besonderer Freude auch in Deutschland begrüßt. Mögen die Verhältnisse Ungarns sich fortan wieder in normaler Weise entwickeln, zum Besten Ungarns und somit zum Besten der mit Deutschland eng verbündeten und befreundeten Habsburgischen Gesamt- monarchie.
Unser zweiter Verbündeter im Dreibünde, Italien, ist von schwerem Unglück heimgesucht worden. Verderben und Verwüstung ist durch den Ausbruch des Vesuvs über die gesegneten Fluren Campaniens hereingebrochen. Möge der gütige Gott recht bald dem entfesselten Wüten der Elemente Einhalt tun, damit die herrlichen Fluren Italiens, die das Entzücken der ganzen Welt bilden, recht bald wieder in ihrem sonnigen Glänze prangen. Ueber« Haupt aber wolle der Herrscher auf dem HimmelSthrone, der der Christenheit während der letzten Zeit in Courriere-, Nagold und der Heimsuchung Italiens jo schwere Prüfungen gesandt hat, uns zur Osterzeit seine Gnadensonne leuchten lassen, auf daß wir wiederum lichteren Zeiten entgegen gehen. Mit solchem Gebete sei das Freudenfest der Er« lösung begangen. w.
Ostern
Ostern 1 — Wie ein SiegeSruf lö'.nt es dyrch die Welt; Das alte ist vergangen, steh-, es ist alles neu geworven. Welch eine Auferstehungsfreude, welch eine Fülle des Lebens! Schon in den Namen unserer hohen Feste liegt eins unvergleichlich beglückende Zaubermacht. Wie Heller Lichtschein in öder Winternacht, wie Kinderjubel liegl's im Namen Weihnachten; wie voller Morgenglockenton, wie frohes Allerwachen und kraftvolle Siegesfreude jubelt'S aus dem Worte Ostern. Ostern bringt uns die frohe Kunde vom erstandenen Chistus und Gottessohn, die frohe Gewißheit, daß der Erlösungs- und Unsterblichkeit-gedanke, wie ihn das Evangelium, wie ihn der tausendjährige Gang der Geschichte verkünden, Wahrheit ist. Gerade da- Osterfest, das Fest der Hoffnung, mahnt wie kein anderes daran, daß das Christentum seinem Wesen nach Freude ist, Freude von der in Christo erschienenen Goltesgnade, die jedem dar« geboten wird, der sie mit vertrauensvollem Herzen ergreift, die frohe Botschaft einer besseren, höheren Auferstehung als das alljährliche Wiedererwachen der Natur, die frohe Botschaft, welche die Welt erneuert hat, aber dennoch wohl einen großen Teil ihrer Aufgabe nicht in der Vergangen« heit erschöpft, sondern in der Zukunft vor sich liegen hat. Ostern erfreuen wir uns der Sieghaftigkeit des Lebens, da überkommt uns etwas von dem Frieden jenes Glaubens, der nicht von dieser Welt, sondern der Sieg ist, durch den der Mensch die Welt überwindet. Ostern fühlen wir es: es gibt ein Paradies des Glaubens, aus dem uns keine Macht der Welt vertreiben kann. Und wenn eine trostlose, lebenszerstörende Weisheit unserer Tage, die von Gott und Auferstehung nichts wissen will, predigt, daß alles was wir leben und schaffen, einst in nichts zerrinnen soll — Ostern erkennen wir die Unwahrheit dieser elenden Weisheit, denn da tönt'« uns allenthalben entgegen: Jesu» lebt! Mit ihm auch ich I Ostern hebt uns der Glaube empor in die Spähren des Lichts, aus denen uns der Trost kommt und die Kraft zum Tragen und Entsagen und die Freudigkeit der Hoffnung, auch in finsteren Stunden. Welt lag in Banden, Christ ist erstanden!" Das bekunden die Jünger des Herrn, das jubelt die ganze Natur um uns her. Der Hauch des Frühlings weht brausend über die Erde. Was entschlummert und gestorben schien, reckt sich empor, dem Lichte entgegen, und wie ein einziger Siegessang rauscht eS durch den erwachenden Wald und über die grünenden Felder: „Auferstehen 1* Der Zauber der Osterstimmung er« aßt sie alle: die Greise und die Kinder, die Fürsten und sie Fabrikarbeiter, die Frommen und die Ungläubigen. Aus >en dumpfen Gemächern niedriger Hütten, aus den Banden de- Handwerks und Gewerbes, aus dem Druck von Giebeln und Dächern, aus der Enge der Straßen sieht man mit neuer Hoffnung dem Lichte entgegen und freudig schallt'»: «Das Leben siegt. Ostern, Ostern ist da!" —
Aber nicht nur für unser persönliches Leben und Wirken, ondern auch in den Kämpfen auf dem Gebiete des sozialen und politischen und wirtschaftlichen Leben» erwächst uns aus der Osterhoffnung ein reicher Trost und die Zuversicht, )aß auch aus den Irrungen und Wirkungen der Gegenwart, Ke uns vor soviel neue Probleme stellt, dereinst nach der Zärung die Klärung, der heißersehnle dauernde Friede zervorgehen wird, ein Friede, der etwas von dem Frieden des Auferstandenen an sich hat, der da sagte: Meinen Frieden gebe ich euch, meinen Frieden lasse ich euch! — Unser Vaterland kann im Bewußtsein seiner Stärke seiner Friedensliebe viel Raum gönnen. Wenn wir die unaus-