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Henfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 45
Donnnerstag, den 19. April
1906.
Amtlicher teil.
Heriselv, den J2. April 1906.
Eine Anzahl Baumschulbesitzer hat sich bereit erklärt, bei Lieferung von Obstbäumen für die mit staatlicher Bei« bitte auszuführenden Obstbaum-Pflanzungen die Garantie für die Sortenreinheit der Bäume in bet Weise zu übernehmen, hab sie für jeden Baum, welcher innerhalb 4 Jahren als nicht sortenechl nachgewiesen wird, 1 Mk. 50 Pfg. zurück erstatten. Die meisten fügten jedoch hinzu, daß sie dabei voraussetzen, daß die von ihnen bezogenen Bäume nicht mit anderswoher bezogenen zusammen gepflanzt werden.
Die Baumschulenbesitzer sind folgende:
1. Rittergutsbesitzer Neutze zu Großenenglis bei Borken,
2. Deutsche Kolonialschule in Witzenhausen,
3. Deutsche Obstbau-Gesellschaft zu Hess. Lichtenau,
4. Oberamtmann Ehrbeck zu Wendershausen,
5. Domänenpächter Märtens zu Fürstenstein b/Albungen,
6. Harloff'sche Gutsverwaltung zu Metzebach b/Spangen» berg,
7. Scharfenberg'sche Verwaltung zu Wanfried a. W.,
8. HandelSgärtner A. Hartje zu Eschwege,
9. Gärtner Joh. Blum zu Diffen,
10. Gärtner J. Hucke zu Böddiger,
11. Heinrich Mafcher zu Lippoldsberg,
12. Konrad Wahl zu Obermöllrich,
13. Gebr. Hohm zu Gelnhausen.
Die Herren Bürgermeister und GutsbezirkSvorsteher des Kreises verfehle ich nicht, von dem Angebot der vorbezeichneten Baumschulenbesitzer Kenntnis zu geben.
I. 2955. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunve: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Her
Unter den von der Regierung dem Reichstage vorgeschlagenen neuen Steuern zur Durchführung der Reichs- finanzresorm befindet sich bekanntlich auch eine Steuer aus Eisenbahnfahrkarten, die nach der Regierungsvorlage die Form eines Fixstempels erhalten soll. Die Steuerkommission
Stelenrätsel
Roman nach dem Englischen von J. P i a.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Als George Miller Lilla wieder erreicht hatte, befand sich diese in solcher Aufregung, daß sie nicht die einfachste Frage an ihn zu richten vermochte. Sie starrte ihm nur in das Gesicht, als wollte sie da lesen, was für Nachrichten er ihr bringe.
„Er ist allerdings sehr krank", sagte Herr Miller, aber nicht in Gefahr, er phantasiert etwas, leidet indeß nicht viel Schmerzen und scheint das Schlimmste überstanden zu haben."
„Und kann man nichts für ihn tun — nichts!" rief Lilla leidenschaftlich aus. „Wissen Sie, was es heißt, Mitleid mit jemand, zu haben, der krank ist? O, es ist schrecklich? Ich habe mich von meinen Freunden, von meinem Heim, von allem, was mir teuer war, losgesagt, um ihm Kummer und Sorgen zu ersparen, und nun schwebt er in Lebensgefahr, und ich kann nichts — nichts für ihn tun!"
Er suchte sie zu trösten, aber Lilla achtete kaum seiner Worte. Schweigend nahm sie im Wagen wieder Platz, und schweigend fuhren sie durch die Straßen Londons.
Neunundzwanzigstes Kapitel.
„Fräulein Main", sagte Herr Dowse wenige Tage später zu Lilla, „wissen Sie, daß Sie seit kurzem recht leidend aussehen? Wir können keinen Krankeir in unserm Kontor gebrauchen ; die Leute, die hicrherkommen, würden sagen, daß die Färbung unserer Tapeten schädlich wirkt. WaS meinen Sie, dazu, wenn ich Ihnen ein paar Feiertage gebe und Sie dieselben bei Frau Dowse zubrächten? Sie werben ein herzliches Willkommen bei ihr finden. Ist es abgemacht?"
„Es ist sehr gütig von Ihnen und Frau Dowse", erwiderte Lilla, „aber ich versichere Ihnen, daß ich mich ganz wohl suhle. Ich sonnte auch London jetzt nicht verlassen; ich habe einen sehr lieben Freund hier, der krank ist —"
„O, das tut mir sehr leid," versetzte Herr Dowse, „Frau
des Reichstags hat indessen, wie die meisten anderen Steuerprojekte der Regierung, auch diesen Steuerplan einer wesentlichen Umänderung unterzogen, und zwar dahin, daß an die Stelle des von der Regierung vorgeschlagenen Fix- stempels auf Eisenbahnfahrkarten nach einem national- liberalen Anträge Kilomelerzufchläge treten sollen. Die Fixstempelsteuer würde nach einer gemachten Berechnung etwa 20 Millionen Mark jährlich ergeben haben, während aus der kilomelrischen Fahrkartensteuer rund 60 Millionen Mark, also dreimal mehr herauSspringen würden. Vom finanziellen Standpunke aus könnte man demnach der letzteren Steuer zustimmen, um so mehr Bedenken erregt sie, unter anderen Gesichtspunkten betrachtet, sie würde vor allem eine große Belastung des Verkehrs mit sich bringen. Nach den von der Kommission beschlossenen Stempelsätzen sollen Fahrkarten 1. Klasse 1 Pfg., 2 Klasse Va Pfg., und 3. Klasse Ve Pfg. an Steuern zahlen, Fahrten unter 5, 10 und 20 Kilometern in den drei Klassen sollen dagegen steuerfrei bleiben. Danach würde besonders für die 1. und 2. Eisenbahnklasse schon der allernächste Nahverkehr empfindlich besteuert werden und mit jedem weiteren Kilometer würde natürlich die Steuer sich noch vergrößern. Doch würde sich auch für den Eisenbahnverkehr 3. Klasse die Kilometersteuer noch immer drückend genug bemerklich machen.
Ea ist klar, daß eine derartige FährpreiSeihöhung infolge der Kilonietersteuer eine wesentliche Schädigung der Eisenbahneinnahmen mit sich zu bringen hätte, und es ist daher begreiflich, daß sich die verbündeten Regierungen durch ihre Vertreter in der Steuerkommission energisch gegen die projektierte Kilometersteuer der Fahrkarten ausgesprochen haben. Für die in ihren Einnahmen bedrohten Eisenbahnverwaltungen käme dann aber bei der neuen Steuer eine geradezu unerträgliche Belastung des Verkehrs hinzu. Die Herstellung einer Kilometersteuertabelle würde selbstverständlich an sich keine Schwierigkeiten bereiten, aber wie soll danach gearbeitet werden? Die „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen" weist in einer Besprechung bet von der Reichstagskommission abgeänderten Fahrkartensteuer auf die großen technischen Schwierigkeiten hin, welche einer Kilometersteuer in der Praxis entgegen, stünden, und weist daraus hin, daß eine Berechnung her Steuer während des Fahrkartenverkaufs nicht möglich sei. Die Fahrkarten müßten also für den Verkauf in zweckdienlicher Weise vorbereitet werden, was jedoch im Hinblick aus den Umstand, daß in Deutichland mehrere Millionen Fahrkartensorten bestehen, eine ungeheure Mehrarbeit bedeuten würde. Das genannte amtliche Fachorgan fährt dann fort: „Wenn die schon jetzt vielfach sehr stark belasteten Beamten diese Mehrarbeit während oder außerhalb ihres Dienstes verrichten sollten, so würde sie in Jahr und Tag noch nicht vollendet sein. Die Zuziehung von Hilfskräften würde sich meistens aus dem Grunde verbieten, weil
Dowse würde sich sehr freuen, wenn Sie Weihnachten bei uns zubrächten."
„Das ist sehr — sehr freundlich von Ihnen," dankte Lilla, ganz gerührt von dieser Güte, die ihr von verhältnismäßig Fremden ja Teil ward, „und doch muß ich Sie bitten, mich zu entschuldigen. —"
Er sah sie einen Moment verwundert an. „So haben Sie Freunde hier, mit denen Sie das Fest verleben?"
„N—ein, das nicht," stammelte Lilla.
„Sie meinen doch nicht, daß Sie vorziehen, den Weihnachtsabend allein in Ihrer Wohnung zu verbringen?"
„Vielleicht doch", erwiderte sie mit so sicherlicher Verlegenheit, daß Herr Dowse sie nicht weiter mit seiner Einladung quälen wollte; aber bitte, sagen Sie Frau Dowse, wie dankbar ich ihr bin, wie leid mir ist, Ihre Güte für diesmal ablehnen zu müssen."
Mehrere Tage vergingen und Fräulein Main sah wieder etwas heiterer aus. Sie gewann ihren früheren Gleichmut wieder und war so gesprächig wie früher. Herr Dowse vermutete, daß es ihrem kranken Freunde besser gehen müsse, und er hatte recht. Herrn Drummond's kräftige Konstitution gewann mehr und mehr die Oberhand.
„Wird er London verlassen, sobald mildes Frühlingswetter eintritt?" fragte sie eines Tages George Miller, der ihr von Zeit zu Zeit Nachricht von dem Kranken brächte.
„Ja! und Sie? Wo werden Sie dann sein?" fragte Herr Miller.
„Das wird niemand erfahren, — niemanden kümmern, erwiderte sie nachdenklich, aber nicht traurig, „Sie müssen sich wieder mit Herrn Drummond befreunden. Wenn ich an meine Freunde denke, werde ich sie mir auf der Vergnügungspartie an den schottischen Seen vorstellen, mit dem alten Peter in die Berge jagend, ober auf der Jagd um die Inseln herumsegelnd und des Abends in eine stille, kleine Bucht einlaufend. Ich werde mir sie immer unterwegs bei gutem Wetter und recht heiter vorstellen."
Herr Miller wandte seine ganze Ueberredungsknnst auf, sie von ihrem traurigen Vorsätze abzubringen und sie zu bestimmen, zu ihren Verwandten und Freunden zurückzukehren.
der Beamte, der den Fahrkartenverkauf an einem Schalter besorgt, für die Bestände dieses Schalters, die der Dienststelle als Geldwert zu Buche stehen, verantwortlich, und daher nicht verlangt werden kann, daß er einer Hilfskraft gestattet, Fahrkarten aus dem Schränk zu entnehmen. Das würde aber zum Zwecke der handschriftlichen Ergänzung der Karten notwendig sein. Da nun die stark geforderten Fahrkartensorten ohnehin neu gedruckt werden müssen, so wird man zweckmäßig überhaupt einen Neudruck sämtlicher Fahrkarten veranstalten und die erforderlichen Berechnungen vorher in den Personentarifbureaus der Verwaltungen auf« stellen lassen". Das würde die Sache vereinfachen. Er käme hinzu die erforderliche Abrechnung mit dem Reich, die dauernd eine erhebliche Mehrarbeit bringen würde. Da- mit würde der Wert der beabsichtigten Perfonentarifreform, die ja eine Entlastung der Beamten, speziell der Fahrkarten- ausgabestellen, bringen soll, wieder vollkommen in Frage gestellt, und es bliebe Irrtümern und Betrügereien Tor und Tür dauernd geöffnet. Hoffentlich stellt darum das Reichstagsplenum die geplante Fahrkartensteuer wieder in der ursprünglichen Form her, sofern eben überhaupt eine solche Verkehrssteuer als unumgänglich nötig erachtet werden sollte.
Her AiifstmS in HM-Mwch-Afriks.
Von neuem befinden sich im Süden unseres westafrika« Nischen Schutzgebietes starke Kräfte unserer Schutztruppe auf der Verfolgung Morengas ! Der kühne Hottentoltenführer war vermutlich zur Ergänzung seiner erschöpften Vorräte vor einiger Zeit nach dem Kaviaude übergetreten. Durch das Vorgehen der britischen Polizei sah er sich aber veranlaßt, das Gebiet der Kapkolonie zu verlassen und die Wasserstellen in der Nähe der fast unzugänglichen Karras- berge aufzusuchen. Sofort nahmen deutsche Trupppenab» teilungen von allen Seiten die Verfolgung auf, eine davon, ein Zug unter Leutnant Gaede, stieß am Ostrande der Naraobberge aus die weil überlegene Schar Morengas und erlitt schwereVerluste. Ueber die Kämpfe wird amt« lich folgendes mitgeteilt:
„Major von Estorff ging am 2. April 1906 mit den Abteilungen Täubler und Heuck in Richtung Gamsibkluft vor. Durch diesen Vormarsch wurden die dort befindlichen Hottentotten gezwungen, auf britisches Gebiet überzutreten. Eine starke Hottentottenwerst von 40 Männern und 300 Weibern und Kindern wurde von bet Kappolizei von Aris nach der Gegend von Rietfontein S. O. abtransportiert. Anscheinend hierdurch veranlaßt, kehrte Morenga, der auf britischem Gebiet in Höhe von Ariam gemeldet war, mit etwa 70 Gewehren auf deutsches Gebiet zurück. Am 5. d. Mtr. überschritt er die Pad Nababis-Ukamas und schlug die Richtung auf Heirachabis und AmaS ein. Hierbei wurde ein Teil seiner Bande durch die von Nababis im Anmarsch
Aber Lilla blieb fest. Bevor sie von einander schieden, blieb sie einen Augenblick schweigend stehen, dann sprach sie mit tiefem Ernst:
„Lassen Sie mich Ihnen danken für all' ihre Güte, die Sie mir erwiesen haben. Ich werde es nie vergessen!"
„Vergessen lieber nicht", erwiderte er, „daß ich Ihre Handlungsweise nie gebilligt habe. Ich tat, was Sie verlangten, aber ich bin nicht verantwortlich —"
„Nein, ich nehme alle Verantwortlichkeit auf mich. Wollen Sie mir hundert Pfund leihen ? Sie würden mir einen großen Dienst erweisen. Die Ersparungen von meinem Gehalt reichen noch lange nicht aus, um England verlassen zu können und weiterer Entdeckung zu entgehen, und auf diese Weise bringe ich die benötigte Summe nur langsam zusammen. Wenn Sie mir das Geld leihen, kann ich sofort abreisen. Jetzt, da ich weiß, daß es Herrn Drummond besser geht, habe ich keine Ruhe mehr hier."
Der junge Mann schwieg. Im ersten Impuls wollte er ihren Wunsch erfüllen, aber nach kurzem Bedenken erwiderte er: Sie müssen mir Zeit lassen, es zu überlegen. Natürlich wissen Sie, Lilla, daß ich Ihnen gern gebe, was Sie wünschen und noch viel mehr, aber —"
„Es ist nur eine Frage der Zeit," sagte sie ruhig. „Ich verlasse England, um nie wieder hierher zurückzukehren. Erhalte ich das Geld, reise ich bald, leihen Sie es mir nicht, so muß ich warten."
„Aber dadurch", versetzte er in großer Verlegenheit, „mach' ich es Ihren Freunden unmöglich, Sie znrückzusordcrn."
„Dann muß ich warten", sagte sie enttäuscht; „vielleicht leiht Herr Dowse mir das Geld, er ist ein großherziger Mann."
„Lassen Sie mir Zeit bis morgen", bat Herr Miller. „Oder halt, — übermorgen bringe ich Ihnen wieder Nachricht über Herrn Drummond."
„Ja", versetzte sie, „und ich hoffe, es wird das letztemal sein, daß ich Sie bemühe."
Zwei Tage später schritt der junge Miller langsam und nachdenklich der Regentstreet zu. Es war das letztemal, daß er Lilla sehen sollte, denn die Geldsumme, die sie von dem Zwange, noch länger in London bleiben zu müssen, befreien