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Herchloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 48.

Donnerstag, den 26. April

1906.

Amtlicher Ceil.

Herrfeld, den 21. April 1906.

Wenn auch bisher von einem Wiederausbruch der Cholera in Rußland nichts bekannt geworden ist und daher nicht angenommen werden kann, daß der bisherige Zuzug russischer, inSbeiondere russisch-polnischer Saisonarbeiter die Gefahr einer Einschleppung dieser Krankheit mit sich ge­bracht haben könnte, so ist doch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß nach einem etwaigen späteren Wiederausbruch der Cholera in Rußland die dann noch zuziehenden Saison­arbeiter die Krankheit ins Inland hier und da einschleppen.

Da die Hauptmasse der russischen Saisonarbeiter schon die Grenze passiert hat und e# sich für die Zeit der et­waigen Gefahr somit nur noch um mehr oder minder vereinzelte Nachzügler handeln kann, wird von allgemeinen VorbeugungSmaßregeln abzusehen sein.

Die OrtSpolizei-Bebörden des Kreises werden jedoch veranlaßt, diejenigen Arbeitgeber, welche Saisonarbeiter beschäftigen, auf die Gefahr der Einschleppung der Cholera durch später zuziehende Ruffen aufmerksam zu machen. Dabei ist diesen Arbeitgebern die bestimmte Pflicht auszu- erlegen, daß sie jede unter solchen Arbeitern austretende verdächtige Krankheit unverzüglich zur Anzeige bringen und die erkrankte Person, sofern sie derselben Wohnung zu ge­währen haben, bis zum Eintreffen des beamteten Arztes in zweckmäßiger Weise absondern. Gegen Arbeitgeber, welche sich ihren gesetzlichen Pflichten nach dieser Richtung entziehen, ist seitens der Polizeibehörden nachdrücklich ein- zuschreiten insbesondere ist auf strenge gerichtliche Bestrafung hinzuwirken.

Im übrigen darf wohl erwartet werden, daß die Arbeit­geber die Behörden bei Abwehr der Choleragefahr nach Möglichkeit unterstützen, namentlich ihr ausländisches Ar­beiteipersonal dauernd entsprechend überwachen und es verhindern, daß der etwaige Ausbruch der Cholera auch nur kurze Zeit ihnen und den Behörden unbekannt bleibt. 1. 3271. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 21. April 1906.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises ersuche ich, für Einzahlung der von den Unternehmern land- und forstwirtschaftlicher Betriebe zu entrichtenden Bei­träge zu den Ausgaben der Heffen-Raffauischen landwirt­schaftlichen BerufSgenoffenschaft für das Jahr 1905 bei der KreiSkommunalkasse (Sektionskasse) hier, soweit solches nicht bereite geschehen ist, bis spätestens zum 10. Mai d. I S. Sorge zu tragen.

Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes

I. 1447. von Grunelius.

SeeknrätseL

Roman nach dem Englischen von J. Pia.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Während ihrer Rede ruhten anfänglich seine Augen voll Angst und Bestürzung auf ihr, dann aber sank er mit einem Seufzer der Erleichterung in die Kissen zurück.Villa lebt", flüsterte er, und ein seliges Lächeln glitt über sein blasses Antlitz.

Aber höre mich an, James", fuhr sie hastig und bis­weilen von Schluchzen unterbrochen fort, dann vergibst Du auch mir vielleicht. Ich habe einen furchtbaren Fehler be­gangen, ich habe Euch beide irre geführt. Ich glaubte fest sie liebte Herr Miller, und nur ein Liebesstreit habe sie von ihm getrennt; jetzt aber weiß ich, wie unrecht ich hatte; sie ist die ganze Zeit über in London gewesen, und Herr Miller gibt selbst zu, daß sie nur Dich, Dich allein von ganzem Herzen geliebt hat und nie ein tieferes Interesse für ihn empfand."

Sarah" sagte ihr Bruder, indem er sich aufrichtete,das sind wilde Reden und Du klagst Dich unnütz an. Ich bin, als ich mein Verlöbnis mit ihr brach, nicht nur Deinem Ur­teil gefolgt. Ich ging selbst zu ihr und fragte sie, ob unser Verlöbnis ihr Kummer mache, dann sollte sie frei sein, wenn sie wolle. Und ich erinnere mich des frohen, dankbaren Blickes, mit dein sie mir gestand, daß alles ein Irrtum ge­wesen sei unb mir ihre Hand hinstreckte, das war seit Tagen das erstemal, daß ich sie wieder froh und zufrieden sah."

Wenn aber diese Zufriedenheit eine andere Ursache hatte?" sagte Frau Warrener traurig und nachdenklich,wenn sie glaubte oder ihr gelehrt war, zn glauben, Du empfändest nur freundschaftliche Zuneigung zu ihr? O, Lilla", fuhr sie schmerzlich fort,warum verließest Du uns ohne ein Wort?"

Wohin ist sie gegangen?" fragte Drummond fast un­ruhigen Tones.

Nach Amerika. Sie glaubt, niemand wisse, daß sie lebe, außer Herrn Miller, der sie vor ungefähr einem Monat ent­deckte und dem sie das Versprechen abgenommen hat, ihr Ge­

Hersfeld, den 21. April 1906

Die Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich ergebenft, mir gefälligst b i « z u m 3. M a i d. I s. mitteilen zu wollen, von wie viel Kindern die Ihnen unter­stellten Schulen am 1. Mai d. I». besucht worden sind, wie viel Unterrichtsklaffen eine jede Schule hat und (bei mehrklassigen Schulen) wie viel von diesen Kindern auf eine Lehrkraft entfallen.

I. 3321. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Uonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher Ceil.

StWMik

Der Gesetzentwurf über die den Reichstagsabgeordneten zu gewährende Entschädigung ist soeben in Verbindung mit einem anderen Gesetzentwürfe, der die Herabsetzung der BeschlubsähigkeitSziffer für einzelne Fälle vorsieht, dem Reichstage zugegangen. Wir geben im folgenden eine kurze Uebersicht über den wesentlichen Inhalt der beiden Vorlagen.

Die Aufwandsentschädigung für die Mitglieder des Reichstages soll in der Form einer Pauschalsumme mit Abzügen für jede Sitzung, der ein Abgeordneter fernbleibt, gewährt werden. Der Entwurf ist in der Wahl dieser Form den in Frankreich, Belaien, Holland, Schweden und den Vereinigten Staaten von Nordamerika geltenden Be­stimmungen gefolgt. Als Entschädigungssumme wird ein jährlicher Betrag von 3000 Mark vorgeschlagen. Dieser soll mit je 500 Mark am 1. Januar, 1. Februar, 1. März,

1. April und mit 1000 Mark bet Schließung oder Ver­tagung, b. i. bei der ersten im Kalenderjahr, am Ende der Wintertagung stattfindenden Schließung oder Vertagung zahlbar sein. Die Pauschsumme stellt die Vergütung für den gesamten JahreSaufwand eines Abgeordneten bar und wird unabhängig von dem Wechsel in dessen Person nur einmal im Kalenderjahr gezahlt. Infolgedessen hat ein Abgeordneter, der dem Reichstage nicht während des ganzen Kalenderjahres angehört, nur auf diejenigen Raten des PaufchquantumS Anspruch, die während der Zeit seiner Zugehörigkeit zum Reichstage zahlbar werden. Das gilt gleichmäßig für den ausscheidenden wie für den neu ein­tretenden Abgeordneten.

heimnis zu bewahren. Wenn ich sie nur aus fünf Minuten sehen wenn ich nur eine einzige Frage an sie richten könnte! aber ich weiß die Antwort schon im Voraus. Lilla hat Dich geliebt, wie ein Mädchen selten einen Mann liebt, dessen bin ich, nun es zu spät ist, gewiß! Der Gedanke, daß sie einsam und verlassen in einem fremden Lande weilt, ist, glaube ich, noch schlimmer als der frühere, daß sie tot sei".

Ich werde sie suchen", sagte Herr Drummond sinnend, wenn ich wieder gesund bin; ich werde sie suchen, und finden, und dann bringen wir sie in unser altes, trauliches Daheim und nehmen sie wieder wie sonst an unser Herz. Weine nicht Sarah, wir brauchen Muth, Hoffnung und Krast zu unserm Werk. Meine Hände sehen freilich nicht sehr kräftig aus", und lächelnd streckte er ihr seine Hände hin; sie aber konnte sie vor Tränen nicht sehen.

Dreiunddreißigstes Kapitel.

Es ist ein stiller, klarer Morgen in Berkshire. Ein leichter blauer Dunst hüllte die fernen Berge ein; aber hier im Garten ruht heller Sonnenschein auf dem winterfarbenen Immergrün und den roten Hagedornbeeren. Doch das Wohnhaus ge­währt einen seltsamen Anblick, vielleicht weil alle Fenster ge­schlossen sind. Ringsum kein Zeichen von Leben, über Haus und Garten ruht eine drückende Stille.

Ein junges Mädchen durchschreitet langsam den Garten. Ihre Gedanken scheinen nicht froher Art zu sein, denn ihre Augen blicken traurig und ihren Wangen fehlte die muntere Frische. Was murmelte sie leise vor sich hin?"

Sie sollten mich nicht bitten, zu bleiben. Wohin ich komme, bin ich den Menschen ein Fluch. Ich habe niemanden im Leben jemals wehe tun wollen, aber das Unglück geht Hand in Hand mit mir, und Kummer ist die einzige Gabe, die ich meinen Freunden bieten kann. Besser ich bin unter Fremden. Der arme junge Mann, warum bat er mich in den wenigen Sekunden, wo ihm das Bewußtsein wiederkehrte, ich sollte bei seiner Mutter bleiben ? Ich kann sie nicht trösten, ich bringe ihr und ihrem Hause nur noch mehr Unglück."

Eine Dienerin kommt heraus, sagt ihr ein paar Worte;

Die Entschädigung soll aber unverkürzt nur denjenigen Abgeordneten zuteil werden, die den mit der Uebernahme des Mandats verbundenen Obliegenheiten in vollem Um­fange nachkommen. Der Entwurf steht deshalb für jeden Lag, an welchem der Abgeordnete einer Plenarsitzung fern­geblieben ist, einen Abzug von 30 Mark vor; dieser Betrag wird von der nächsten Entschädigungsrate abgezogen. Ihre Anwesenheit in der Plenarsitzung haben die Mitglieder des Reichstages durch eigenhändige Eintragung ihres Namens in eine im Reichstagsgebäude ausliegende An­wesenheitsliste und, sofern an dem Tage namentliche Ab­stimmungen des Plenums stattfinden, durch Teilnahme an diesen Abstimmungen nachzuweisen. Die näheren Bestim­mungen über den Ort, die Zeit und die Form der 3u6« legung der Anwesenheitsliste werden von dem Präsidenten des Reichstages getroffen.

Gleichzeitig wird in einer zweiten Vorlage, wie schon bemerkt, der Erlaß von Bestimmungen gefordert, welche die Beschlußfähigkeit des Hauses soweit als möglich sicherstellen. Es soll zu diesem Zwecke die nach Artikel 28 der Reichsverfassung zur Gültigkeit der Beschlußfassung erforderliche Anwesenheitsziffer in der Weise herabgesetzt werden, daß bei allen ausschließlich den Geschäftsgang be­treffenden Beschlüssen, also namentlich bei Beschlüssen über VertagungSanträge, über Schluß der Debatte oder über die Art der Abstimmung das Erfordernis einer be­stimmten Mindestzahl überhaupt fallen gelassen wird. Damit wird der Minderzahl die Handhabe genommen, durch An­zweiflung der Beschlußfähigkeit die Beschlußfassung über Fragen des Geschäftsganges zu verhindern.

Die beiden im Vorstehenden kurz skizzierten Gesetz­entwürfe dienen dem Zwecke, eine glattere und schnellere Erledigung der Arbeiten des Reichstages zustande zu bringen. Der zweite verfolgt dabei noch die spezielle Ab­sicht, Obstruktionsgelüsten, wie sie in der Vergangenheit, , beispielsweise bei Beratung des Zolltarifs, zutage getreten sind, ein für allemal einen Riegel vorzuschieben. Hoffen und wünschen wir, daß Ziele und Absichten der Entwürfe erreicht werden.

Jer W in MHBWWo.

In der unausgesetzten Verfolgung der feindlichen Scharen Morengas haben unsere Truppen in Südwestafrika bisher keinen Erfolg zu verzeichnen. Die Schwierigkeiten häufen sich im Gegenteil in letzter Zeit durch das Austauchen neuer Banden, welche die wünschenswerte Konzentration bet deutschen Streitkräfte immer wieder verhindern. Heute wird amtlich über die militärische Lage gemeldet:

Nach den Gefechten bei Fettkluft und den am 8. und 10. b. MtS. hatte nach Aussage zweier entkommener deutscher Gefangener eine starke Hottentoltenbande in der Nacht vom 10. zum 11. b. MlS. unweit Oas gelagert. Sie stand

das Mädchen kehrt um und geht in das Haus zurück. Ge­räuschlos steigt sie die Treppe hinauf, und als sie auf dem Korridor an einem Zimmer vorbeikommt, bleibt sie stehen und scheint zu lauschen. Aber wozu an einem Zimmer lauschen, in dem nur die heilige Stille des Todes herrscht? Sie geht weiter nach einem anderen Zimmer, in dem sie eine Frau in mittleren Jahren mit silberweißem Haar hilflos und traurig am Kamin sitzend findet.

Haben Sie es sich überlegt, mein Kind?" fragte diese mit zitternder Stimme.

Villa tritt zu ihr und reicht ihr die Hand.Ja, ich habe es mir überlegt", lautet die mit leiser Stimme gegebene Ant­wort.Sie sind so freundlich gegen mich gewesen, daß ich gern alles für Sie tun würde, aber ich kann nicht in Eng­land bleiben."

Sie wollen sich des leeren Hauses nicht erbarmen", er­widerte die Mutter und fängt leise zu weinen an.Es war sein letzter Wunsch, Sie möchten uns fortan eine Tochter sein." Ich kann nicht, ich kann nicht!" sagte Villa leidenschaft­lich erregt.Sie wissen nicht, daß ich meinen Freunden Un­glück bringe. Ich muß fort, fort von England, unter Fremde. Ich kann Ihnen nicht ersetzen, was Sie verloren haben; ich würde Sie nur beständig an Ihren großen Kummer erinnern"

Glauben Sie, den könnte ich je vergessen?"

Villa kämpfte schwer mit sich. Endlich sprach sie:Ein bis zwei Wochen will ich bei Ihnen bleiben, dann muß ich dieses Haus verlassen und auf einige Zeit fort von hier gehen. Herr Dowse hat schon mit mir gesprochen. Und nun kommen Sie mit hinaus in den Garten, die frische Lust wird Ihnen gut tun."

Aber Frau Dowse schüttelte den Kopf. Sie hat ein paar beschriebene Blätter im Schoß, in denen sie unter Tränen ge­lesen hat. Es sind poetische Ergüsse ihres armen Edward's, und die Mutter findet in ihnen die zartesten und schönsten Gedanken.

Lilla steigt leise die Treppe hinab, um wieder in den Garten zu gehen, aber plötzlich tritt eine große Gestalt in den öffnen Eingang. Sie blickt erschreckt auf, stößt einen Schrei