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Herssel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 41h Sonnabend, den 38. April 1906>
Amtlicher teil.
Berlin, W. 64 den 10. März 1906.
Der Ausschuß zur Errichtung eines National-Denkmals im Jahre 1907 in Memel zur Erinnerung an den Aufenthalt des KönigSpaare« in dieser Stadt im Jahre 1807 und die damals begonnene Wiederaufrichtung des preußischen Staates hat da« von Gerhard Kügelgen gemalte, im Besitze der Stobt Memel befindliche Bildnis der hochseligen Königin Luise in farbigem Druck vervielfältigen lassen. Die Reproduktionen werden zu dem niedrig bemessenen Preise von 1 Mk. 50 Pfg. pro Blatt zugunsten beS DenkmalSsondS verkauft.
Die Anschaffung des sehr gut auSgeführten Kunstblattes für Schulen wird warm empfohlen. Auch scheint es zur Verwendung als Schulprämie recht geeignet.
Bestellungen finb an die Firma Büxenstein u. Co. in Berlin S. W. Friedrichstraße 240/241 oder an das Bureau des Denkmalsausschusses in Memel Rathaus zu richten.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Mediziaal-
Angelegenheiten. gez. S t u d t.
An die Königlichen Regierungen und die Königlichen Pro- vinzial-Schulkollegien. (U. IV. Nr. 214 U. II. U. III. U. III. A.)
* *
Cossel, den 10. April 1906.
Abschrift zur Kenntnisnahme mit dem Ersuchen, die Beschaffung des Bildes für die Schulen zu empfehlen. Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. F l i e d n e r.
An die Herren Landräte des Bezirks, sowie an die Magistrate in Caflel und Hanau. (B. 2474.)
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Hersseld, den 25. April 1906.
Vorstehendes wird unter Empfehlung der Beschaffung des fraglichen Bildes für die Schulen veröffentlicht.
J. I. Nr. 3227. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 24. April 1906.
Der BefähigungSauSweis der Fleisch- und Trichinen« beschauer:
1. Heinrich Klomp zu Reilo»,
2. Wilhelm Hofmann zu Willingshain,
3. Johann George Engelhardt zu Heringen
ist erloschen. Die Genannte« sind somit zur ferneren Ausübung der Geschäfte eines Fleisch- und Trichinenbeschauers nicht mehr befugt. Bis auf Weitere« werden die Geschäfte versehen:
1. für Reilo» und Friedlos von dem Beschauer Hohn zu Rohrbach,
2. für Willingshain von dem Beschauer Dippel daselbst, und
3. für Heringen und Leimbach von dem Bes chauer Georg Wilhelm Bommer zu Heringen.
J. I. 2681. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bestimmungen für die Montag, den 21. Mai 1906 stattfindende Preisbewerbung von inländischen, von ihren Züchtern nach Frankfurt (Main) gebrachten Pferden.
Die Zuerkennung und Verteilung der Preise erfolgt durch einen vom Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein gewählten Ausschuß. Derselbe besteht aus 12 Mitgliedern — Richtern — und ist beschlußfähig, wenn sich einschließlich des Vorsitzenden dieses Ausschusses 3 Mitglieder eingefunden haben. Er entscheidet nach Stimmenmehrheit, bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Eine Berufung gegen den Ausspruch des Richter-Ausschusses ist nicht statthaft.
Zum Zwecke der Preisbewerbung ist eine Summe von 2500 Mark ausgesetzt, und zwar für
I. Stuten, welche nachweislich abgefohlt oder gedeckt sind (4—8jährig): a) Kaltblütige 1. Preis 160 Mk., 2 Preis 120 Mk., 3. Preis 80 Mk., 4. Preis 40 Mk., b) Warmblütige 1. Preis 160 Mk., 2. Preis 120 Mk., 3. Preis 80 Mk., 4. Preis 40 Mk.
II. Fohlen : ,) Kaltblütige (Mhrig) l. Preis 130 Mk., 2. Preis 110 Mk., 3. Preis 1)0 Mk., 4. Preis 70 Mk., 5. Preis 50 Mk., 6. Preis 30 Mk., b) Warmblütige (3jährig) 1. Preis 130 Mk., 2. Preis 110 Mk., 3. Preis 90 Mk., 4. Preis 70 Mk., 5. Preis 50 Mk., 6. Preis 30 Mk., c) Kaltblütige l2jäbrig) 1. Preis 100 Mk., Preis 85 Mk., 3. Preis 70 Mk., 4. Preis 55 Mk., 5. Preis 40 Mk., 6. Preis 20 Mk., d) Warmblütige (2jährig) 1. Preis 100 Mk., 2. Preis 85 Mk., 3. Preis 70 Mk., 4. Preis 55 Mk., 5. Preis 40 Mk., 6. Preis 20 Mk.
Als inländische Pferde sind die im Königreich Preußen ge borenen und solche Pferde zu betrachten, welche mindestens ein Jahr im Besitze eines preußischen Züchters sind.
Die Anmeldung der Pferde zur Preisbewerbung hat spätestens bis zum 14. Mai d. J. schriftlich und postfrei beim Sekretariat des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins, Ostendstraße 30, zu erfolgen. Muster zur Anmeldung sind daselqst erhältlich.
Gleichzeitig mit der Anmeldung muß der Besitzer ein Zeug nis der Ortspolizeibehörde darüber beibringen, daß er mindestens ein Jahr Eigentümer des angemeldeten Pferdes ist.
Nicht rechtzeitig oder falsch angemeldete Pferde sind vom Mitbewerb ausgeschlossen.
Für jedes zur Preisbewerbung angemeldete Pferd ist ein Standgeld von S Mark zu entrichten, und gleichzeitig mit der Anmeldung einzusenden. Beschickt ein Anmelder die Preisbewerbung nicht, so verfällt das Standgeld an die Pferdemarkt- Kasse.
Die Pferde — ausgenommen Hengste — dürfen vom 19. Mai bis mit 22. Mai in den Vereins-Stallungen untergebracht werden. Für Bedienung, Pflege und Beaufsichtigung der Pferde hat der Besitzer, auf dessen Kosten und Gefahr Beförderung und Vorführung der Pferde erfolgen, selbst zu sorgen.
Die Pferde müssen Montag, den 21. Mai d. I., vormittags 10 Uhr, zur Preisbewerbung bereit stehen.
Sämtliche Pferde sind an der Hand vorzuführen.
. Bei der Vorführung von Zuchtstuten sind Deck- bezw. Kör- scheine vorzuzeigen.
Mehr als ein Preis kann dem gleichen Pferde erst nach Ablauf von ll/r Jahr zuerkannt werden.
Sollte die eine ober andere Abteilung bei Vorführung der Pferde nach Ansicht des Richter-Ausschusses nicht entsprechend vertreten sein, darf derselbe die betreffenden Preise auf eine andere Abteilung übertragen.
Auch wird, wenn nicht genügend preiswürdige Pferde zur Preisbewerbung vorgeführt werden, der Restbetrag der dazu bestimmten Summe anderweit zur Hebung der inländischen Pferdezucht verwendet.
Demjenigen Züchter, dessen Pferd keinen Preis erhalten hat, wird, wenn er sein Pferd rechtzeitig zur Preisbewerbung vorgeführt Hatte, das Standgeld von 5 Mark zurückerstattet.
Der Vorstand
des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins e. B.
G. A. Mumm von Schwarzen st ein. 1. Vorsitzender.
Wird veröffentlicht mit dem Hinzufügen, daß Formulare zur Anmeldung von Pferden zu der obengedachten Preisbewerbung in meinem Büreau zu haben sind.
Hersfeld, den 25. April 1906.
Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersfeld, den 25. April 1906.
Der auf Donnerstag den 10. Mai b. I». in der Stobt Fulda angesetzte Viehmarkt wiro unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 6Va Uhr morgens begonnen werden.
I. 3399. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Die Herren Ortsschulinspektoren und Lehrer des Bezirks Hersfeld I werden ergebend benachrichtigt, daß
die amtliche Areiskonferenz Donnerstag, den 10. Mai, Vormittags von 10 Uhr an, im Saale des Herrn Kniese zu Hersseld gehalten werden soll.
Niederaula, den 25. April 1906.
Der Kreisschulinspektor Schröder.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Der Reichstag hat seine Arbeiten wieder ausgenommen. Noch gilt es, ein reiches Arbeitspensum bis zum Schlüsse der Session zu bewältigen. Insbesondere soll der Retchsetat sertiggestellt und die Reichsfinanzreform zu glücklichem Abschlüsse gebracht werden. Aber auch sonst harren noch wichtige gesetzgeberische Aufgaben, wie beispielsweise die MilitärpenfionSgesetz-, ihrer Erledigung. Gleich bei seinem Wiederzusammentritte ist der Reichstag gewisser« maßen mit einem Ostergeschenk bedacht worden in Gestalt beS Gesetzentwurfes über die Reichstagsdiäten. Da dem Entwürfe im Falle seiner Annahme rückwirkende Kraft für das laufende Kalenderjahr verliehen werden soll, so darf von ihm ein günstiger Einfluß auf den Besuch der Reichslagrsitzungen durch die Abgeordneten erhofft werden. Hohe Zeit ist es in der Tat, daß die Missre, die in den häufigen Fällen mangelnder Beschlußfähigkeit so kläglich vor aller Augen liegt, endlich beseitigt werde. Versagt auch das Mittel der Diäten, dann hat der Parlamentarismus es sich selber zuzuschreiben, wenn sein Ansehen fürderhin aus ein Minimum sinkt.
In Rußland rückt der Tag der feierlichen Eröffnung bet Duma immer näher. Wie die Dinge sich alsdann gestalten werden, bleibt vor der Hand noch ein großes Rätsel. Schon jetzt hat die Regierung den künftigen Volksvertretern kundgetan, daß ihnen nicht gestattet werden wird, sich zu einer Konstituante aufzuwerfen, und daß der Zar keinen Eid auf die Verfassung leisten werde. Diese letztere Tatsache deutet wohl im Zusammenhänge mit dem Oktobermanifeste bes Zaren daraus hin, daß man im Schoße der russischen Regierung unter Umständen mit der Notwendigkeit einer Minderung der verliehenen Rechte rechnet. Auf der anderen Seite gebethet sich die siegreiche Partei der konstitutionellen Demokraten höchst radikal und herausfordernd. So hat Fürst Dolgorukow, der Moskauer Adelsmarschall, der als Vertreter der »Kadetten" in Paris gegen die Gewährung der Anleihe agitierte, einem Zeitungs- korrespondenten gegenüber erklärt, daß ,wenn die Regierung
bei ihren reaktionären Methoden beharre, eine Konflikt mit der Duma unvermeidlich sei. „Und dann," so fuhr Fürst Dolgorukow wörtlich fort, »wäre eine friedliche Lösung der bestehenden Krisis unmöglich. In solchem Falle muß alles und jedes erwartet werden, auch eine heftige und blutige Revolution. Wir werden fest bleiben und eins deutliche Sprache reden, denn wir sind gewiß, daß die Nation unser Programm billigt und daß sie zu uns steht." Das gibt eine böse Perspektive und nicht ohne Bangen vermögen die Freunde Rußlands der Entwickelung der Dinge nach dem Zusammentritt der Duma entgegenzusehen.
Wie ansteckend das russische Revolutionsfieber wirkt, kann man am besten aus den Vorgängen in Frankreich ersehen. Die Streikbewegungen in dem französischen Kohlenrevier der Departements Nord und Pa»-de- Calais, von deren bedauerlicher Ausartung wir bereits in unserem vorigen Wochenberichte zu melden hatten, haben einen ganz revolutionären Charakter angenommen. Parallel damit aber geht der große Ausstand in Lorient, der sich zu einem Generalstreik auszuwachsen droht, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. Die Methode der Ausständigen im Norden wie in Lorient ist ganz die der russischen Revolutionäre, Gewalt und Einschüchterung, Schließung sämtlicher Läden u. f. w. Bedauerlicherweise hat sich die gegenwärtige französische Regierung, die ja stark sozialisch durchseucht ist, den Empörern gegenüber äußerst schwach und energielos gezeigt. Man hat dem Militär lange Zeit hindurch verboten, von den Waffen Gebrauch zu machen, und die braven, pflichttreuen Soldaten schutzlos den Angriffen der revolutionären Menge preisgegeben. Geradezu wie Hohn aber mußte es erscheinen, wenn Cl»mencsau in höchst eigener Person das Feuer der entfesselten Leidenschaften durch schöne Worte beschwichtigen wollte. Beharren die verantwortlichen Lenker der Geschicke unseres westlichen Nachbarreiches weiter auf dieser abschüssigen Bahn, dann steht für die Zukunft Frankreichs das allerschlimmste zu befürchten.
Auf der Halbinsel Dinar sind wegen der Grenz- richtung bei Akaba Differenzen zwischen England und der Türkei entstanden. Lord Cromer hat eS deshalb für nötig befunden, die englische Garnison, die sich bisher nur auf 3500 Mann belief, zu verstärken. Offenbar aber darf auf eine friedliche Beilegung der Streitigkeiten gerechnet werden.
Auch ein zweiter Grenzstreit, bei dem ebenfalls die Türkei beteiligt ist, ist zur Zeit noch im Gange, nämlich zwischen Persien und der Türkei. Der persische Bot- schafter hat jüngsthin der Pforte zwei Vorschläge gut Schlichtung der Streitigkeiten unterbreitet, die Ausführung derselben jedoch davon abhängig gemacht, daß die türkischen Truppen vorher Pafsovah räumen. Zugleich hat er für den Fall, daß die Pforte sich unnachgiebig zeige, auf die Notwendigkeit einer eventuellen kriegerischen Austragung hingewiesen. Inzwischen sind England und Rußland, deren Interessen bei diesem Streit in Mitleidenschaft gezogen werden, bemüht, eine gütliche Vermittlung herbeizuführen, und wir wollen hoffen, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. w.
Reichstag.
Am Mittwoch hielt bei der ersten Beratung der Rechnung». Übersichten über die Schutzgebiete Abg. Erzberger (Z.) wieder eine lange Rede gegen die ElatSüberschreitungen und die Finanzpolitik des Herrn v. Puttkamer in Kamerun. In die Debatte griffen des öfter« Erbprinz Hohenlohe-Langen- bürg, Geheimrat Seitz und Unterstaatssekretär Twele ein. Die Vorlage wurde der Rechnung-kommission überwiesen, sowie ferner die Novelle zum Schutztruppengesetz der Budgetkommission. Zur Abänderung des § 833 des B. G. B> (Haftpflicht des Tierhalters) betonte Staatssekretär Dr. Nieberding, daß dieser Gesetzentwurf einem in der letzten Session gestellten Anträge entspreche. In der Debatte stritt man darüber hin und her, ob durch das Gesetz die agrarischen Interessen vertreten werden oder nicht.
Am Donnerstag begann die Generaldebatte über die Diätenvorlage mit einer scharf oppositionellen Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Singer, der es als einen Schlag ins Gesicht bes Reichstages bezeichnete, daß sich die Regierung herausnehme, dem Parlament überhaupt solche Vorlagen zu unterbreiten. Er bemängelte namentlich die Verquickung bet Diätenbewilligung mit der neuen Bestimmung über die Beschlußfähigkeit und die „Schuljungen-Kontrolle." Der konserwative Abg. Frhr. v. Richthofen-Damrdorf erklärte die Bemängelungen des Vorredners für übertrieben. Vielen seiner Freunde sei die Vorlage aus anderen Gründen unsympatisch. Die schwersten Bedenken erregten die Bestimmung über die Doppelmandatare, weil sie einen Eingriff in die Rechte der Einzelstaaten bedeute. Die Konservativen würden einhellig gegen die Vorlagen stimmen, wenn sie in diesem Punkte nicht geändert würden. Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky trat den Bedenken der beide« Redner entgegen. Bon einer Nichtachtung des Reichstages