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hersMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 63.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 25. Mai 1906.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Friedrich Friedrich zu Hersfeld ist die Schweinefeuche ausgebrochen. I. 2424. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 25. Mai 1906.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Lerch zu Menashausen ist die Schweinefeuche ausgebrochen. I. 4228. Der Königliche Landrot.

I. V.:

T h a m e r.

Saatenstand um die Mitte des Monates Mai 1906 im Kreise Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B C 9476 M. f. L. I d 3646 M. d. I.)

Fruchtarten

Durü noten

Staat

ischnitts- für den

Reg.-Bez.

Cassel

Anzahl der von den Ver­trauensmännern abgegebenen Noten

Winterweizen Sommerweizen Winterspelz Winterroggen Sommerroggen Sommergerste Hafer . . Kartoffeln , Klee. . . Luzerne. . Wiesen: BewässerungS- Andere

2,4

2,5

2,7

2.7

2,8

2,5

2,5

2,7

2,3

2,4

2,2

2,6

2,3

2,6

4

1

1

1 1

2,6

2,7

2,5

2,6

2,7

2,2

2,2

2,0

2,4

1

1

4 1

3 4

2

1

1 1

3

3

5

3

1

1

1

Königliches statistisches Bureau. Dr. B l e n k.

nichtamtlicher teil.

Wien unb her Ireibnud.

Der neue deutsche Staatssekretär des Auswärtigen, Herr v. Tfchirfchky, hat vergangene Woche im Reichstage ge­legentlich der dritten Etatslesung seine parlamentarische

Lee gestohlene ^iwiaiih#.

Roman von I. Garwin.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Fünfzehntes Kapitel.

AlS der Polizist sich der Kutsche näherte, öffnete Fräulein Hornegg mit einer Geschwindigkeit, die ihrem Bruder keinen Augenblick Zeit zum Ueberlegen ließ, den Wagenschlag und sprang heraus.Da ist ein Mann im Wagen," rief sie er­regt,den Sie festnehmen müssen."

Auf welche Anklage hin, Madame?" fragte der Polizist.

Es ist Möller, der Dieb und entsprungene Sträfling! Sie bekommen eine gute Belohnung für seine Festnahme."

Möller hörte diese letzten Worte und wußte nun, daß er verraten war. Mit einem wilden Schrei sprang er aus dem Wagen und versuchte zu entfliehen.

Faßt ihn!" rief Fräulein Hornegg.Er entkommt Euch . . . seid aus Eurer Hut ...

Der Polizist stürzte Möller nach. Dieser lief wie ein Wahnsinniger davon, gelangte aber zu seinem Unglück in eine Sackgasse, die keinen zweiten Ausgang hatte. Eine hohe steinerne Mauer starrte ihm entgegen und gebot ihm Halt zu machen. Von Hunger und Anstregung erschöpft und gänzlich waffenlos konnte er es mit seinem Gegner nicht ausnehmen, der wissend, in welchem Rufe der Flüchtige stand, sich in gar keinen Wortstreit mit ihm einließ, sondern ihm gleich einen Schlag mit seiner Waffe versetzen wollte.

Schlagt mich nicht," rief Möller.Ich kann mich nicht wehren ... ich bin zu erschöpft . . . sonst würde ich es mit einem halben Dutzend wie Ihr einer seid, aufnehmen. Ich bin Euer Gefangener."

Mit diesen Worten taumelte er gegen die Mauer, Er war so schwach, daß er faum gehen konnte, und ohne den geringsten Widerstand zu bieten, ließ er sich von dem Polizisten ab­führen. Als er an die Stelle kam, wo der Wagen noch immer stand, und er seine Schwester sah, da kehrte momentan

Dienstag, den 29. Mai

Einführungsrede gehalten und sich hierbei namentlich auch über den Dreibund ausgesprochen. Er gab die Versicherung ab, daß die mitteleuropäische Trippelallianz nach wie vor unerschütterlich fortbestehe, da die Regierungen der drei verbündeten Mächte fest auf dem Boden der zwischen ihnen abgeschlossenen Verträge stünden. Und um jene Pessimisten zu beschwichtigen, welche Italien als einen immer unsicherer werdenden Kantonisten im Dreibund betrachteten, teilte Herr v. Tfchirfchky mit, daß ihm der Botschafter Italiens am Berliner Hofe, Graf Lanza, die beruhigendsten Eröff­nungen bezüglich der Dreibundstreus Italiens gemacht habe. Die römische Regierungspresse bespricht natürlich diese Stelle in der erwähnten Rede des Staatssekretärs von Tschirschky sehr wohlgefällig, nur meint das offiziöseGiornale D'Jtalia" mit einem leisen Anfluge von Tadel gegenüber dem deutschen Regierungsvertreter, er hätte sich besser noch auf die jüngst im italienischen Senat vom Minister des Aeußern Guicciardini abgegebenen Erklärungen berufen können, wonach der Dreibund nichts an Bedeutung ver­loren habe. Nun, wenn es Worte und Versicherungen allein tun würden, da könnte man allerdings der fröhlichen Ueberzeugung leben, daß im mitteleuropäischen Bündnisse alle» zum besten bestellt sei und daß Italien gar nicht daran denke, sich von seinem Bündnisverhältnisse mit den beiden zentraleuropäischen Kaisermächten loszulösen. Aber in Wahrheit steht eS doch so, daß Italien immer stärker mit Frankreich und mit England liebäugelt und daß seine Extra­touren auf Kosten des Dreibundsgedankens immer bedenk­licher werben; erst noch in jüngster Zeit hat die offen zu Frankreich hinneigende Haltung des italienischen Vertreters auf der Marokko-Konferenz gezeigt, daß die italienische Bundesgenossenschaft speziell für Deutschland einen stetig problematischeren Wert erhält. Und schließlich ist es hin­länglich bekannt, daß in Italien das Bündnis des Landes mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn durchaus nicht so populär ist und daß selbst in den italienischen Regierungs­und Parlamentskreisen lebhafte Sympathien für Frankreich vorherrschen. Auch ist ja bekanntermaßen ein Sonderab- kommen zwischen Italien und Frankreich abgeschlossen wor­den, über dessen Inhalt allerdings noch nichts Authentisches in der Oeffentlichkeit verlautet, von dem aber doch anzu- nehmen ist, daß es mit den Bündnisverpflichtungen Italiens schwerlich in vollen Einklang zu bringen ist.

Gewiß, die italienische Regierung wird sicherlich nicht ohne weiteres den Boden ihrer Bündnisverträge mit Deutsch­land unb Oesterreich-Ungarn verlassen und mit Pauken und Trompeten in das Lager der Westmächte abschwenken, sie wird vielmehr dem Buchstaben nach noch der Alliierte der zwei Kaiserstaaten bleiben, so lange eben die Verträge laufen. Aber unterdessen kann die römische Konsulta, unterstützt von der einflußreichen Franzosenpartei im Lande in aller Harmlosigkeit die Entente mit dem französischen Nachbarn weiter fördern, bis dann eines schönen Tages,

ein wenig Leben in ihn zurück.Das ist Dein Werk, Du Schlange!" rief er.Aber vergiß eines nicht. Ich sagte Dir erst vor kurzem, daß ich mir eine aus dem Wege schaffen wollte . . . jetzt sind es zwei ... und diese zweite bist Du ... das schwöre ich!"

Vermutlich wirst Du keine Gelegenheit dazu haben," ent- gegnete Fräulein Hornegg, deren Gesicht eine tiefe Blässe be­deckte.

O doch!" erwiderte Möller.Ich bin noch jung und ich verspreche Dir, in weniger als drei Jahren wieder frei zu sein. Und Dir kann ich nie vergeben. Arm, hungernd und verfolgt kam ich zu Dir, und ich traute Dir ... Du aber haft mich verraten. Ich bin ein Mann, der auf sein Wort hält . . , auf sein Ehrenwort ja, lächle nur, so viel Du willst ich wiederhole: auf mein Ehrenwort . . . denn noch ist mir ein wenig Ehre geblieben ... ich werde mich an Dir rächen!"

Er wollte weiter reden, aber die Kräfte versagten ihm und er sank bewußtlos zu Boden.

Fräulein Hornegg überließ dem Polizisten ihren Wagen, um den eingefangenen Verbrecher darin fortzubringen; sie selbst begab sich, da der Sturm vorüber war und es aufgehört hatte zu regnen, die kurze Strecke zu Fuß nach dem Hotel.

Wie sie daselbst bei einem guten Male saß und eS sich schmecken ließ, als ob nichts auf ihrer Seele lastete, wieder­holte sie sich leise:Signor Conti, in der Beerenstraße . . . noch heute abend will ich ihn aufsuchen. Der soll mir helfen."

* *

Es war ein warmer, feuchter, nebliger Abend. Schwere Wolken hingen über der Stadt, die mehr Regen erwarten ließen, und der alte düstere Stadtteil sah noch kläglicher aus wie ge­wöhnlich.

Ein Mann von gedrungener Gestalt, dem man schon an seinem Aeußern Den Fremden ansah, tauchte aus einem Hause aus, knüpfte sich seinen fadenscheinigen Rock bis an das Kinn herauf zu, drückte den alten Hut tief in die Stirn, suchte in der Tasche nach einer verirrten Münze, die aber leider nicht da war, und ging mit einem Seufzer langsam auf die italie­nische Weinstube in der Beerenstraße zu.

1906.

wenn es sich um die nochmalige Erneuerung des Bünd­nisses Italiens mit feinen bisherigen Partnern handeln wird, von der leitenden römischen Stelle aus vielleicht die kühle Erklärung erfolgt, Italien habe kein weiteres Interesse mehr an der Aufrechterhaltung der Dreibundes und müsse sich die volle Freiheit feiner Entschließungen wieder wahren. In Berlin und Wien wird man jedenfalls gut tun, sich auf einen solchen immerhin möglichen Schritt Italiens vor- zubereiten und ihn bei Zeiten nach Kräften zu paralystren. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, erscheint die bevor­stehende Begegnung Kaiser Wilhelms mit Kaiser Franz Josef unstreitig in hochpolitischem Lichte, das Ereignis wird angesichts des zweideutigen Verhaltens Italiens dokumen­tieren, daß Deutschland und Oesterreich-Ungarn mehr denn je entschlossen sind, fest zu einander zu stehen und auch dem eventuellen Ansturm einer feindlichen Koalition vereint tapfer Stand zu halten. Der inzwischen der Wiener Reise Kaiser Wilhelm« vorausgegangene Besuch des preußischen Gene­ralstabschefs von Moltke in Wien hat denn auch schon durch seinen gesamten Verlauf dokumentiert, daß die deutsch-öster­reichische Waffenbrüderschaft unerschüttert weiterbesteht.

Reichstag.

Am Freitag wurde der Etat des Reichsamts des Innern in dritter Beratung erledigt. Die Bergarbeiterfragen nahmen einen weiten Raum in der Debatte ein. Zentrum und Sozialdemokraten stritten sich über die Frage der Unfall­verhütung in den Bergwerken. Schließlich kam die Reso­lution des Zentrums zur Annahme. Abg. Bernstein (S.) besprach die Breslauer Krawalle und wurde wegen Beleidig­ung des Breslauer Polizeipräsidenten zweimal zur Ordnung gerufen. Zum Schluß der Sitzung teilte der Präsident mit, daß das Diätengefetz am Sonnabend in Kraft trete.

In der Nachmittags-Sitzung am Sonnabend wurde der Bau der Bahn von Kubub nach Keetmanshoop mit 186 gegen 96 Stimmen abgelehnt, desgleichen die Errichtung eines selbständigen Kolonialamts mit 142 gegen 119 Stimmen.

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag wurde ein Antrag der beiden freisinnigen Parteien, die Bestimmungen für die Schule der übrigen Konfessionen auf die jüdischen Schulen analog zur Anwendung zu bringen, abgelehnt. Dagegen wurde eine Resolution der Kommission angenommen, in der die Regierung um Einstellung von Mitteln in den Etat ersucht wird, um den Synagogengemeinden die Beschaffung jüdischen Religions­unterrichts zu erleichtern. Kultusminister Dr. Studt wies nochmals die Befürchtung zurück, daß durch die Vorlage die SelbstverwaltungSrechte der Gemeinden beschränkt werden. Die betreffenden Paragraphen, ebenso die §§ 3039 wurden ohne wesentliche Debatte angenommen.

An den Fenstern desselben hingen schmutzige Gardinen, die seit Jahren nicht gewaschen zu sein schienen; überhaupt machte das Haus den Eindruck größter Vernachlässigung.

Der Mann stieß die Tür auf und trat in ein langes Zimmer, das mit Tischen und Stühlen angefüllt war. Einige waren besetzt von Leuten, die teils Billard, teils Karte spielten, teils die Zeitung lasen, aber alle tranken und rauchte».

Der Nenhinzukommende schritt durch das Zimmer, nickte hier und da einem Stammgast vertraulich zu und begrüßte dann den Wirt, einen großen, beleibten Mann, dessen behäbigem Aeußern man ansah, daß es ihm gut ging und er sich nicht viel mit Sorgen befaßte. Außerdem sah man dem Wirte an seinen dunkeln Augen und Haar an, daß er ein Italiener war."

Guten abend, Gras!" begrüßte er den eben Eingetretenen. Ich hoffe, die Welt behandelt Sie mit der Achtung, die Sie verdienen."

Ich habe Ihnen bereits gesagt, mein werter Joseph", er­widerte der Ankömmling,daß ich in meiner jetzigen Lage meinen Titel fallen lasset Allerdings bin ich der einzige di­rekte Nachkomme des alten italienischen Hauses der Conti, aber in meiner Lage als politischer Flüchtling, meiner Besitzungen beraubt und auf die unsichere Stellung als Professor der Sprachen und meine Kenntnisse in der Chemie angewiesen, lasse ich mich lieber einfach Signor Conti nennen."

Wie Sie wünschen!" erwiderte der Wirt.

Bringen Sie mir ein Glas Kognak," fuhr Conti fort, und lassen Sie uns dabei heiter sein. Ich habe einen sehr lästigen Durst."

Vielleicht haben Sie aber erst die Güte, Ihre alte Schuld zu bezahlen, Signor? erwiderte der Wirt zögernd.Hier ist die Rechnung, sie macht elf Mark und sechzig Pfennig, doch von den Pfennigen wollen wir gar nicht reden, die mögen ab- gehen. Aber bevor diese Rechnung in Ordnung gebracht ist, kann ich Ihnen nichts weiter verabreichen."

Signor Conti griff mit der Miene gut gespielter Gleich gültigkeit erst in die eine, dann in die andere Tasche, endlich sagte er:Verwünscht! Da habe ich meine Börse zu Hause liegen lassen!"