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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Ijersfelb vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

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Herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 64.

Sonnabend, den 2. Juni

1906.

Amtlicher teil.

H-rsfeld, den 28. 1906.

Die Brauerei Zinn A. G. zu Berla a. W. beabsichtigt auf ihrem in der (Semartung Heringen belegenen Grund­stücke (Kartendlalt 10 Parzellen Nr. 94) in einem zu er­bauenden Nebengebäude einen

Kchlachtraiinr einzurichten.

Einwendungen gegen diese Anlage sind innerhalb 14 Tagen schriftlich in zwei Ausfertigungen oder zu Protokoll bei mir anzubringen. Ueber die etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen (nach Ablauf der vorerwähnten Frist können solche nicht mehr geltend gemacht werden) wird am

taM, den 16. Hm ). K

vormittags 9 Uhr

im Geschäftslokal des hiesigen Landratsamtes mündlich verhandelt werden und zwar auch im Falle des Ausbleibens der Interessenten.

Die Zeichnung und Beschreibung der projectirten An­lage liegen hier während der Geschäftrstunden für die Be teiltgten offen.

A. 2011. Der Königliche Landrat von G r u n e l i u S.

Hersfeld, den 30. Mai 1906.

Der Landwirt Heinrich Frank zu Meisebach ist als stellvertretender GutSvorsteher des Gutsbezirks Meisebach bestellt und als solcher heute eidlich verpflichtet worden. A. 2031. Der Königliche Landrat

von Gruneliu«.

Hersfeld, den 30. Mai 1906.

Unter den Schafherden der Schäfer Ortwein, Hollen- bach und Baumgardt in Hersfeld ist die Räude ausge- brochen.

I. 4381. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 30. Mai 1906.

In der Schriftenvertriebsanstalt G. m. b. H. zu Berlin 8. W. 13, Alte Jakobstraße 129, ist eine neue Zeitschrift Mitteilungen für Volksbibliotheken' erschienen, auf welche ich die Leiter der Volksbibliotheten besonders aufmerksam mache.

Das Unternehmen soll ausschließlich der Förderung des Bolksbibliothekenwesens gewidmet sein.

Durch eingehende Berichterstattung über alle wichtigen Fortschritte dieses Zweige« des VolkSbildungSwefen«, durch belehrende und anregende Aufsätze von Fachleuten, durch offene Aussprache über Fragen von allgemeinem Interesse und endlich dadurch, daß das Blatt ollen Beteiligten so weit wie möglich unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird, fall den Verwaltern ländlicher und kleiner städtischer VolkS- bibliotheken ein geeignetes Fachorgan geboten werden.

Die empfehlenswerten jeweiligen Neuerscheinungen de« Büchermarktes, sowie gute ältere Literatur sollen in einer besonderen ch e r b e t l a g e Besprechung und Erwäh­nung finden.

Ich stelle anheim, stch eine Probenummer der Zeitschrift unmittelbar von der Schriftenvertriebsanstalt in Berlin zu verschaffen.

I. 4348. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Zum pfingftfefte.

Von der tiefen Herzensbewegung, die einstmals, als der Tag der Pfingsten erfüllt war, die einmütig versammelten Jünger ergriff, geht noch immer ein Abglanz durch die ge. samt« Christenheit, wenn da» Pfingstfest wiederkehrt. Mögen auch noch so viele stch weit mehr der Freude an der im neuen Frühling-schmucke prangenden Flur und dem heitern Nalurgenuß zuwenden und ihre Feiertage draußen begehen unter duftenden Blütenbäumen, im neubegrünten Walde, auf kürzeren oder längeren Ausflügen in die Nähe oder in die Ferne: der Ruf des Geistes dringt doch irgendwie an alle, die stch nicht ausdrücklich und mutwillig abwenden. Mitten in der frohen Anschauung der zu neuem Leben er> wachten Außenwelt kommt aus der Predigt des Wortes Gottes die Mahnung, an die höhere Welt zu denken mit ihren ewigen Gütern und die Erinnerung zu erneuern an jene große Geistesausgießung, mit welcher der Siegesgang der Kirche Christi durch das geschichtliche Leben der Mensch. Heil eröffnet wurde.

Wenn heutzutage viele der Kirche mutwillig den Rücken

wenden und meinen, die Kulturaufgaben unseres Volkes ohne die Kirche lösen zu können, so ist die» nicht allein schnöder Undank sondern auch ein verbängiSvoller Irrtum. Mit Recht sagt ein großer englischer GeschichtSschreiber: Wer irgend etwa» tut, das Christentum herabzusetzen, der begeht ein Hochverratsverbrechen an der Zivilisation der Menschheit." Selbst Feinde der Kirche können nicht leugnen, daß unsere heutige Kultur auf der dem Christentum ent­sprossenen Weltanschauung beruht.

Oder hat etwa die Kirche diese ihre Geisteskraft, die einst Bildung und Gestttung fördernd von ihr in die Völker ausströmte, in unsern Tagen verloren? Ein Blick auf die äußere und innere Mifftonstätigkeit der Kirche gibt Zeugnis von ihrer Lebenskraft, von ihrem GeisteSodem. Erst wo das Christentum in Heidenländern festen Fuß gefaßt hat, erst da kann von Zivilisation die Rede sein.

Und auch was uns betrifft: alle menschliche Tätigkeit auch für die äußere Kultur stammt aus der inneren Macht der Gestttung. Gestttung aber ist die Wirkung des heiligen Geistes. Aeuß-re Ordnung und sittliche Zucht, Treue und Gehorsam, Eintracht und Gemeingeist find die Bedingungen alles Gedeihens für das wirtschaftliche Streben und für die gesellschaftliche Verbesserung, und diese Bedingungen hängen aufs engste am Walten des heiligen Geistes. Man sucht in unserer Zeit so viel nach Mitteln zur Abhülfe der sozialen Schäden, aber wirkliche Hülfe, die zur Besserung, zur Gesundung unseres Volksleben« führt, ist doch nur dann zu erhoffen, wenn ein anderer Geist in alle Schichten unseres Volkes einzieht, wenn der heilige Geist reich und arm, vornehm und gering erfüllt, wenn man vom Palast bis zur Hütte bitten und beten lernt: Komm, heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn, dein brünstig Lieb' entzünd' in ihn'n.

Die Kirche wendet stch ja mit ihrer Predigt an da« Gewissen des Volkes und der einzelnen. Dazu treibt Re ihre innere Arbeit an den Abtrünnigen, an den Gefallenen und Verwahrlosten. Aber leider nicht weit von dieser mühevollen Liedesarbeit der Kirche, dicht neben den Rosen der Liebe blüht der Giftstrauch des Hasses, des Neide«, der Habsucht und anderer Leidenschaften. Wenn wir um uns schauen und die Finsternis erblicken, die trotz des Sonnenlichte« soviel Seelen erfüllt, dann wird uns wohl bange, und die Sorge um die Zukunft bedrückt uns das Herz. Aber ist denn heute nicht Pfingsten?Ich will euch ein Tröster senden", sagte der Herr, als er von seinen Jüngern schied. Und er sandte ihn am Pfingstseste. Und mit jedem neuen Pfingstseste naht stch uns der Tröster, der uns erheben will aus dem Staube der Alltäglichkeit, der unsere Blicke lenkt nach der Kraft aus der Höhe. Wenn uns Zuversicht fehlt, dann liegt es daran, daß wir selbst unsere Seelen verschlossen haben für das Licht von oben. Vielleicht Rnb unsere Herzen verhärtet in dem Kampfe des Lebens; darum spüren wir so wenig von dem Segen, der uns am Pfingstseste werden soll. Aber seien wir ge­trost, denn

Christ, unser Meister, Heiligt die Geister.

Es fehlt nur, daß wir ihm entgegengehen, daß wir die Herzen öffnen, damit der Geist des Pfingstseste- hineinziehe und da» Herz frei mache, von allem Unreinen. Sorgen wir nur, daß der heilige Geist nicht an uns vorübergehe!

2« Jesizit mn 236 Mimen im fran- zWen SnilfltL

Die französischen Minister haben den Steuerzahlern eine gewaltige Ueberraschung bereitet, das neue Budget zeigt ein Defizit von 230 Millionen Franc», also einen Fehlbetrag, wie er, abgesehen von den Kriegsjahren, in den französischen Finanzen noch nicht vorgekommen ist. Immer war es der Stolz der franzöfischen Patrioten, daß Frankreich Geld in Hülle und Fülle habe und Deutschland so halb und halb am Hungertuche nage, und nun gähnt die Franzosen auch ein grosses Defizit an. 230 Millionen Defizit ist auch für die französischen Steuerzahler ein böse» Aergerni«, und die Minister zerbrechen sich den Kopf, wie sie das Defizit decken sollen. Dem demokratischen Zeitalter, das Frankreich durchlebt, entsprechend, müßte das Defizit auf die Schultern aller französischen Patrioten nach dem Steuerzettel abgewälzt werden. Aber da käme man bei Den Patrioten schlecht an, denn sie haben" schon genug Steuer zu zahlen. Eine neue Steuer der Reichen, eine Personalsteuer von erworbenem Vermögen und vererbtem Besitz soll vielmehr dazu beitragen, das Defizit zu decken. Zudem hofft man auf die neuen Einnahmequellen, aus dem Petroleummonopol, das aber erst noch Geld kostet, weil es erst eingerichtet werden muß. Entstanden ist das Defizit aus den wachsenden laufenden Mehrausgaben und aus der besonderen Ausgabe von 70 Millionen für Frank­reich» Heer und Flotte. So hätten die französischen Aus­gaben für Heer und Flotte doch auch ihre Grenze gefunden, und der in französischen Militärzeitungen oft vertretenen

Ansicht, daß Frankreich im nächsten Kriege mit Deutschland schließlich Regen müsse, weil es mehr Geld als Deutschland habe, wäre der Boven entzogen, zumal wenn man die statistischen Untersuchungen der französischen Nationalöko- nomen über die Steuerlast des französischen und deutschen Volke» in Betracht zieht. Danach sprechen die französischen Nationalökonomen aus, daß das heutige Deutschland mit seiner großen Industrie und seinem mächtigen Handel kein armes Land im Vergleiche mit Frankreich mehr sei, wenn es auch in Frankreich viel mehr Rentner als in Deutsch­land gäbe. Auch sei bestimmt anzunehmen, daß das in seinem Wirtschaftsleben erstarkte deutsche Volk mit 60 Millionen Köpfen finanziell mehr leisten könne als Frank­reich mit nur 40 Millionen Einwohnern. In der That find für die französischen Finanzen ja schon Stützen ge­schaffen worden, die wir in Deutschland noch gar nicht in Anspruch genommen haben, nämlich das Tabaksmonopol und Das Petroleummonopol. Dazu ist die französische In­dustrie gegenüber der deutschen enorm zurückgeblieben und zudem besitzt Deutschland viel mehr Eisenbahnen, Trans­port- und Handelsschiffs als Frankreich. Die Mähr vom armen Deutschland und reichen Frankreich mag ja weiter in den Köpfen französischer Revanchepolitiker spuken, aber Re ist eben ein Märchen und Frankreich hat mindestens dieselben finanziellen Sorgen wie Deutschland.

Jer lufftend in WÄwtWii

Ein Truppentransport nach Südwestafrika hat gestern kurz nach 6 Uhr auf den Dampfern der Woermann-Linie Professor Woermann und Pisa den Hamburger Hasen ver­lassen. An Bord find 20 Offiziere und Militärbeamte, 294 Unteroffiziere und Mannschaften, sowie etwa 1000 Pferde. Unter den Mannschaften befindet sich eine Anzahl, die nach Wiederherstellung ihrer Gesundheit in das Schutzgebiet zu- rückkehrt.

Aus O m a r u r u wird der Deutsch-Südwestafrikanischen Zeitung geschrieben: Die Omaruruer wollen in treuer Dank- barkeit den zur Befreiung und bei der Verteidigung des Platzes gefallenen Helden auf dem Gesechtifelde ein Denk, mal errichten; den Verhältnissen entsprechend einfach und würdig. Auf dem Höhenrücken zwischen der alten Station und dem bekannten kleinen Revier soll sich ein trutziger, viereckiger Turm erheben, von dessen Zinnen am 4. Februar eines jeden Jahre» lodernde Feuer verkünden sollen: Wir gedenken eures Blulopser»! Das Material, roh behauene Granitsteine, wird den gewaltigen Granittrümmern bes Gesichtsfelde» entnommen, hinter denen sich am 4. Februar der schwarze Tod eingenistet hatte. Eine gegossene Tafel in Augenhöhe nennt die Namen jener Männer, die ihr Leben für Deutschland» Ehre und Omarurus Rettung ließen. Der Entschluß dazu wurde während der Festes gefaßt, an dem Omaruru seinen alten, lieben Hauptmann Franke willkommen hieß. E« war eine Feier, wie Re Omaruru noch nicht gesehen hat. Man merkte e» den Leuten an, eS war jedem Herzenssache, ihm, dem Befreier aus schwerer Not, zu zeigen: Wir werden dich nie vergessen!

Sie Soraanoe in Wand.

Warschau, 31. Mai. Au» Lodz wird gemeldet: Während einer Arbeiterberatung über Existenzverbefferungen drangen in den Fabriksaal, wo die Versammlung stattfand, mehrere sozialistische Arbeiter ein und forderten die An­wesenden zum Auseinandergehen auf. Als die Versammelten dies ablehnten, gaben die Sozialisten 40 Rovolverschüsse ab, durch welche eine Frau getötet und einige Arbeiter verletzt wurden. Während der Beratung der vereinigten Fabrikbesitzer über den fünfwöchigen Arbeiterstreik wurde bekannt, daß die Arbeiter 40 v. H. Lohnzulage und Zahlung des Lohnes während des Streiks verlangten und mit den heftigsten Terrormitteln drohten.

Warschau, 31. Mai. Der Chefingenieur der städtischen Kanalisation Grotowki wurde auf offener Straße angeschossen und durch drei Kugeln schwer verwundet. Die Täter Rnb vermutlich Sozialisten; die Veranlassung zu dem Ueberfall dürfte in einer Streikangelegenheit zu suchen sein.

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag hat in der abgelaufenen Woche seine Pforten geschlossen und ist bis zum 13. November vertagt worden. Freilich trifft bas alte SprichwortEnde gut, alle« gut* diesmal nicht zu; denn die Ablehnung eines selbständigen Kolonialamts, Das zu einer gedeihlichen Ent­wickelung unserer Kolonien durchaus notwendig ist, durch das Zentrum hat einen recht peinlichen Eindruck gemacht. Immerhin darf man auf bas sonstige Ergebnis der Reichs, tagssession im ganzen mit Befriedigung zurückblicken. Das neue Flottengesetz, die MilitSrpensionsgesetze, die Zustim­mung zum Bau der Kammerunbahn nach den Manenguba- bergen und der Südwestafrikabahn von Lüderitzbucht nach Kubub, die Handelsverträge mit Schweden, Bulgarien und