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hersseloer Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Besage

Fernsprech-Flnschlutz Nr. 8

Nr. 71

Donnerstag, den 2L Juni

1906,

Almmmuls-SiMuH

auf das fimfelüer Msblan.

Das Hersfelder Kreisblatt bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes dahier sowie zahlreicher anderer Behörden zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der

Politik, Berichte aus dem Kreise, der Provinz und den nachbargebieten.

Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig ausgewählte spannende Romane,

Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Teil des Lesestoffs.

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Amtlicher teil.

Hersfeld, den 18. Juni 1906.

Unter dem Schweinebestands des Heinrich Sauer in Sieglos ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

4908. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Ter *|ht £'

Roman von I. G a r w i n.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

In sechs Wochen", sagte Conti,kann ich der jungen Dame durch eine Mischung, die nur mir bekannt ist, ihren früheren weißen Teint wiedergeben."

So lange sind Sie mein Gast und nachher noch, so lange Sie wollen!" rief Müller.

Ach!" seufzte Agnes,wenn Richard doch kommen wollte!"

Ich nehme eine große Verantwortung auf mich," be­merkte Conti,aber wie der große Dichter sagt: Armut und nicht mein Wille zwang mich dazu, und als die Dame, deren Namen ich nicht einmal kenne, mir Geld anbot, um ihren Wunsch zu erfüllen, war ich zu arm, um mich zu weigern."

Da wurde laut an die Türe angeklopft.

Müller eilte, dieselbe zu öffnen. Ein Polizeibeamter trat ein.Wohnt Fräulein Walther hier?" fragte er.

Ja, treten Sie ein", antwortete Müller.

Hier ist ein Brief für die Dame", sagte der Beamte.

Agnes hatte rasch den Inhalt des Brieses überflogen und sprach dann mit von Schluchzen unterbrochener Stimme: Richard ist abermals durch der Hornegg unerhörte Schänd­lichkeit verhaftet. Er ist wieder der alten Schuld angeklagt, von der er o, ich weiß es bestimmt frei ist. Er bittet mich, zu ihm zu kommen, damit wir beraten, was sich tun läßt."

Verzeihung, Fräulein!" sprach Conti, der aufmerksam zu­gehört hatte.Nannten Sie nicht den Namen Richard?"

Ja. Herr Richard von Burgsdors ist mein Verlobter und das Opfer der grausamsten Verfolgung einer bösen Frau."

Conti rieb sich vergnügt die Hände.Das ist heute ein außergewöhnlicher Tag," sagte er.Ich kann Herrn von Burgsdors von dem Verdacht reinigen und seine Freilassung bewirken.

Sie!" rief Agnes.

»Ja. Dieselbe Dame, welche mir jene verderbliche Essenz

nichtamtlicher teil.

Sie Sorgfalt in RuM.

Die Judenmetzeleien in Bialystok haben mehrere Tage gedauert. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Erst hieß es, die Juden selbst hätten das Blutbad dadurch verschuldet, daß von ihnen Petarden in eine christliche Prozession am Fronleichnamstag geworfen seien. Diese Angabe war von vornherein unwahrscheinlich und ist durch spätere Nachrichten widerlegt worden. Danach erscheint es kaum zweifelhaft, daß das Morden und Plündern in dem Judenviertel von langer Hand vorbereitet war und daß Polizeiorgane es begünstigt haben. Daß solche Greuel immer wieder vorkommen, ist ein Beweis, wie zerrüttet die innern Zustände Rußlands sind.

Im englischen Unterhause haben Vertreter der Arbeiter­partei von der Regierung verlangt, ihren Einfluß bei der russischen Regierung geltend zu machen, daß solchen Ver­brechen gegen die Zivilisation Einhalt getan würde. Auch wurde angefragt, ob nicht der Besuch der englischen Flotte in Kronstadt besser unterbleibe. Der Minister des Aus­wärtigen Grey erwiderte ausweichend. Wie sollte er auch anders antworten? Allgemeine humanitäre Vorstellungen, die nicht auf ein besonderes englisches Interesse gestützt sind, können nur verstimmen und nichts helfen, zumal so lange die innere Ordnung des ruffischen Reiches so gelockert ist. Wenn die deutsche Regierung Vorstellungen in Peters­burg erhoben hat, so geschah es zum Schutze deutscher In­teressen. Solche sind in der Tat bei den Unruhen in Bialystok vorhanden. Deutsches Kapital arbeitet in den dortigen Fabriken, in Bialystok befinden sich deutsche Unter­tanen, die an Leib und Gut getroffen werden können. Wenn eine neue Judenauswanderung aus Polen einsetzt, so ist Deutschland das nächste Land, wohin sie sich wendet. Das ist keine angenehme Aussicht, auch nicht für das deutsch­jüdische HülfSkomitee, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Flüchtlinge zu unterstützen und durch Deutschland durch- zuleiten. Die rufftsche Regierung hat sofort den verlangten Schutz deutscher Staatsangehöriger und deutschen Eigentums zugesagt.

Für die mittelbare Schädigung wirtschaftlicher Interessen, die in dem Stocken des Verkehrs und der Unsicherheit der Fabriklätigkeit und des Handels liegt, gibt es freilich keine befondere Abhülfe. Fremde Staaten können die russische Regierung nicht zwingen, stärker zu sein und ihre eigenen Angelegenheiten besser zu ordnen, als es tatsächlich der Fall ist. Jeder Fremde, der sich in einen Lande mit mangelhafter Zivilisation und mit ohnmächtigen oder feind­seligen öffentlichen Gewalten mit seiner Person oder seinem Kapitale niederläßt, hat schließlich das Risiko selber zu tragen, das in der allgemeinen Unsicherheit liegt.

abkauste, beauftragte mich, Richard von Burgsdors, den An­gestellten eines Bankhauses in der Stadt, in den Verdacht des Diebstahls zu bringen. Aber der wahre Dieb ist ein gewisser Harder ich kann es beweisen."

Gott sei Dank", rief Agnes,daß ich endlich anfange, ein glückliches Ende all meines Kummers zu sehen!"

Während Müller in seiner Freude munter schwatzte und wacker dem Glase zusprach, schrieb Agnes einen langen Brief an Richard, worin sie diesen bat, den Mut nicht sinken zu lassen, und ihm von Ihrer Begegnung mit Conti und was derselbe für sie beide zu tun gedenke, erzählte.

Dieser Brief riß Richard ein wenig aus der Verzweiflung, in die er versunken war.

Diesem Tage folgte ein glücklicher Abend, und Conti, der fest entschlossen war, all sein Unrecht wieder gut zu machen, bereitete seine Tropfen und gab Agnes noch an demselben Abend die erste Dosis davon.

Am nächsten Morgen versprach er in die Stadt zu gehen, um den Chef des Bankhauses zu sprechen und Ralph Har- ders Schuld und Richards Unschuld zu beweise».

Der schändlichen Julia schlimme Pläne schritten nicht so rasch vorwärts, wie sie erwartet hatte, aber sie befand sich in glücklicher Unwissenheit der wirklichen Sachlage, als sie neben Sunderland saß und seinen leidenschaftlichen Liebesbeteuerungen lauschte. Aber der Tag der Strafe war nahe.

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Der strenge, grausame Winter ist vorüber . . . grausam in mehr als einer Hinsicht, nicht nur in Bezug aus seinen Frost, seinen Schnee und seine unheilvollen Stürme, sondern auch in Bezug auf die Erlebnisse der Personen unserer Ge­schichte. Dieselben hatten lange und schwer gelitten, aber sie wurden durch einen glücklichen Ausgang für ihr Leiden be­lohnt.

Wir befinden uns in Doktor WaltherS kleinem, hübschen Landhause. Der Epheu, welcher die alte Mauer deckt, kleidet sich in sein Sommergewand, die Sträucher und Bäume im Garten verbergen ihre Nacktheit in einem grünen Anzug, und die Blumen sprießen stolz hervor und laden ihre junge Herrin,

In Petersburg dauert der Bäckerstreik fort; auch heute ist die Mehrzahl der Bäckereien geschlossen. Gestern sind die Erdarbeiter und Steinsetzer in den Ausstand ein­getreten. Der Streik aus der Syrzan-Wjasma-Eisenbahn hat eine Gärung unter den Eisenbahnarbeilern des Peters­burger Bahnknotens erzeugt. Die Maschinisten der Nikolai­bahn haben für morgen einen Streik angekündigt, falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Die Gendarmerie und die Bahnverwaltung erhielten Weisung, umfassende Vorsichtsmaßregeln zu treffen.

Petersburg, 19. Juni. Aus Bialystok meldet ein Petersburger Augenzeuge, daß die Zahl der Ermordeten gegen 200 betrage. Gestern wurden 70 beerdigt; einige Leichen lagen zwei Tage lang auf der Straße. Die rasende Menge gestattete den Sanitätspersonen nicht, fie fortzuräumen.

Einen fürchterlichen Eindruck gewinnt man im Hospital. Der ganze Weg über den Hof ist mit Blut getränkt. Viele Leichen bieten einen erschütternden Anblick; sie sind nur eine unförmige Fleischmasse. Einen Leichnam fand man mit gebundenen Händen, die Augen waren ihm durch lange Nägel ausgebohrt. Der Unglückliche ist der Kalligraphie­lehrer Eppstein. Außer ihm ist seine ganze Familie, aus sieben Personen bestehend, ermordet worden. Neben ihm liegt der Leichnam eines zehnjährigen Mädchens, dem beide Beine mit einem Beil abgehackt sind. Soldaten drangen in verschiedene Häuser ein und befahlen den Bewohnern, herauszutreten. Darauf wurden die christlichen von den jüdischen gesondert und die letzteren niedergeschossen. Ein Christ protestierte gegen diese Grausamkeit. Darauf wurde auch er erschossen.

Die Haftpflicht der Gastwirte.

Die Reisezeit ist wieder da, und überall rüstet man sich bereits, htnauszueilen aus der staubgeschwängerten Stadt an den kühlen Strand des blauen Meeres oder in die Berge, wo das Glück und die Freiheit wohnen, um Er­frischung und Kräftigung zu fußen für die arbeit des Berufs. Da ein großer Teil beS reisenden Publikums darauf angewiesen ist, in Hotels ober sonstigen Frewdenher« bergen längeren Aufenthalt zu nehmen, erscheint es nicht nur für die Reisenden, sondern auch für die Wirte von Nutzen, über die Haftpflicht der Gastwirte für das Gepäck und sonstige Eigentum der Gäste orientiert zu sein.

Nach den gesetzlichen Bestimmungen hat ein Gastwirt, bei gewerbsmäßig Fremde zur Beherbergung aufnimmt, einem im Betriebe dieses Gewerbes aufgenommenen Gäste den Schaden zu ersetzen, den der Gast durch den Verlust ober die Beschädigung eingebrachter Sachen erleidet. Es kommt also vor allem darauf an, daß aus der Beherbergung Fremder ein Gewerbe ober Geschäft gemacht wird. Nicht zum Schadenersatz verpflichtet ist dagegen der Gastwirt, wenn der Schaden von dem Gaste, einem Begleiter des

die sie so lange hat vernachlässigen müssen, zur Bewunderung ein.

Agnes Walther ist vollständig von dem Uebel geheilt, welches Julia Horneggs Bosheit ihr zugefügt hatte, dennSignor Conti war in der Heilung ebenso geschickt, als er bereit zu der bösen Tat gewesen war.

Agnes war in das Vaterhaus zurückgekehrt, wo man sie mit offenen Armen empfing. Doktor Walther vernahm ihre Geschichte voll Erstaunen. Nie hatte er von einer solchen Schlechtigkeit gehört wie die, deren die Gouvernante sich schul­dig gemacht hatte, und sehnlichst wünschte er den Augenblick herbei, in dem Richard von Burgsdorfs Unschuld der Welt kundgegeben würde und er Schritte tun könnte, die Frau be­strasen zu lassen, die sich so herzlos gegen seine Tochter be­nommen hatte.

Aber so leicht es gewesen war, Richard eines Verbrechens anzuklagen, so schwer war es dagegen, seine Unschuld zu be­weisen, obwohl Conti alles, was in seiner Macht lag, tat, um zu dem gewünschten Resultat zu kommen.

Endlich aber bekam Harder, der wirkliche Schuldige, solche Furcht vor Contis Drohungen, daß er dem Bankhause eine zweite noch größere Geldsumme veruntreute und sich damit aus dem Staube machte, aber ein schriftliches Bekenntnis seiner Schuld zurückließ.

Es war an einem herrlichen Morgen im Monat Mai; die Luft war vom Duft der verschiedensten Blumen erfüllt, die Sonne glänzte an einem tiefblauen Himmel, ein sanfter Zephir wehte und die Vögel besangen die köstliche Jahreszeit mit ihren schönsten Liedern. Agnes, die ihre frühere Schönheit wieder- erlangt hatte und doppelt glücklich im Wiederbesitz ihrer jugend­lichen Frische war, wanderte im Garten einher, betrachtete die Bäume und Blumenbeete, die sie seit ihrer frühesten Jugend kannte, besuchte die Bienenstöcke, um welche die Bienen ge­schäftig herumsummten, pflückte hier einige Veilchen, dort eine Hyazinthe und arrangierte einen kleinen Blumenstrauß, als sie den willkommenen Schritt des Postboten auf dem Kiese hörte.

Sie begrüßte den Mann wie einen alten Freund.Guten Morgen, Herr Simon!" rief sie.Haben Sie einen Brief für mich?"

Ja, Fräulein," erwiderte er und suchte in seinem Paket.