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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

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Nr 74» Donnerstag, den 28. Juni 1906.

Beitellungen

auf das

& der Kreisblatt

Werder

ve r

dritte Quartal

ichen Postanstalten, Landbriefträgern und ton angenommen.

Amtlicher teil.

Gaffel, den 21. Juni 1906.

yom 1. Juli b. Js. ab von Volkmarsen nach zersetzten Straßenmeister H e n s e l habe ich wider, z»M Verstcherungsschützer her Hessischen Biandver- gS-Anstalt für den Bezirk II und zum fteOuertreten» Zersicherungsschätzer für die Bezirke I, III und IV be« S Hersfeld bestellt.

Liese Bezirke bestehen aus folgenden Ortschaften: Bezirk II: Allmershausen, Asbach mit EichhosSmühle, io, Biedebach, Friedlos, Giltersdorf, Hof Hählgans, eene», Kalkoder, Kohlhaufen, Meckbach, Mecklar, Meise, ach Hof, Obergets, Retlos, Rohrbach, Roßbach, Tann, UntergeiS.

Bezirk I: Hersfeld Stadt, Beiershausen, Bingartes Domäne, Eichhof Domäne, Eitro, Friedewald mit Weisen- börnerhof und Hermannshof, HillartShaufen, Hilperhausen, Holzheim, KerSpenhausen, Kleinensee, KruSpiS, Lautenhaufen, Oberhaun, Rotensee, SiegloS, Unterbaun, Wilhelmshof Domäne.

Bezirk III: Conrode, Dünkelrode, Hilmes, Kathus mit Kloppermühle, Lampertsseld, Landershausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Oberrode, Petersberg, SchenklengS- seld, Echenksolz, Sorga mit Sölzerhöfe, Unterweisenborn, Wehrshausen, Wippershain, Wüstfeld.

Bezirk IV: Aüendorf, Engelbach Hof, Frielingen, GerS- dorf, Gershausen, GoßmannSrove, Haltenbach, HedderSdorf, Kemmerode, Kirchheim, Kleba, MengShausen, Niederaula, Niederjossa, Reckerode, Retmboldshausen, Rotterterode mit BeyeiSgraben, Solms, StärkloS, WillingShatn.

Ich ersuche solches durch Veröffentlichung im Kreisblatt gefälligst zur Kenntnis der Interessenten der Hessischen Brandverstcherungsanstalt zu bringen.

Der Direktor der Hessischen BrandversicherungS - Anstalt.

Dr. Knorz.

An den Königlichen Herrn Landrat zu Hersfeld.

*

Hersfeld, den 25. Juni 1906 Wird veröffentlicht.

I. 5080. Der Königliche Landrat.

J. 8.:

Thamer.

Hersfeld, den 22. Juni 1906

Der auf Donnerstag den 12. Juli d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Auftrieb darf um 6V4 Uhr morgen» begonnen werden.

J. I. 5040. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Polizei-Verordnung.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizei-Verwaltung in den neuer­worbenen Landesteilen wird nach Anhörung der Gemeinde- Vertretung für den Gemeindebezirk Kirchheim folgende Polizei- Verordnung erlassen.

§ 1.

Das Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wendewege in hiesiger Gemarkung verboten.

§ 2.

Das Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschasten ist ver­boten.

§ 3.

Das Verunreinigen der Gräben sowie das Befahren derselben an den Wegen außer den vorgesehenen Uebersahrten ist verboten.

§ 4.

Das unbefugte Befahren sämtlicher Wirtschaftswege mit Lastfuhrwerken jeglicher Art ist für alle diejenigen, welche nicht Grundbesitzer in hiesiger Gemarkung sind, verboten.

§ 5.

Das Befahren hiesiger Wege von Grundbesitzern anderer Gemarkungen zum Bewirtschaften von Grundstücken der an­grenzenden Gemarkung ist verboten.

§ 6.

Das Wenden in hiesiger Gemarkung be>m Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.

§ 7.

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizei-Verordnung, welche mit dem Tage .der Bekanntmachung in Kraft tritt,

werden mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mark oder ent­sprechender Haft bestraft. -

Kirchheim, den 25. Mai 1906.

Der Bürgermeister

H.

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- graphenlinie an der Landstraße von Heimboldshausen nach Gethsemane liegt bei dem Postomte in Heringen (Werra) vom 26. Jum ab 4 Wochen au«.

Caffel, 20. Juni 1906.

Kaiserliche Oberpost-Direktion.

In Beiershausen, Kreis Hersfeld, ist eine Telk- grophenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fern- sprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Caffel, 20. Juni 1906.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. H 0 ffmann.

Saatenstand um die Mitte des Monates Juni 1906 im Kreise Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. s. L. I b 3646 M. d. I.)

Fruchtarten

Durchschnitts-

Anzahl der von den Ver. trauensmännern abgegebenen

noten

Staat

für den

Reg.-Bez.

Cassel

1

1

2

5

1

loten

III*

1O

4

5

Winterweizen

2,3

2,1

1

1

2

3

Sommerweizen

2,4

2,5

1

Winterspelz

2,5

Winterroggen

2.6

2,6

1

3

3

Sommerroggen

2,6

2,5

1

Sommergerste

2,4

2,5

1

4

Hafer . .

2,3

2,4

3

1

3

Kartoffeln .

2,7

2,8

2

1

3

1

Klee . . .

2.1

1,9

1

6

Luzerne. .

2,1

2,1

2

Wiesen:

Bewäfferungs-

2,0

1,9

2

2

1

Andere

2,3

2,0

2

3

1

1

Königliches

kaustisches Bureau.

Dr. Sien

nichtamtlicher teil.

HiWMt uni) tonten in RMM.

In Rußland treiben die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zustände die Dinge immer mehr zu einer ver.

3er gestoßene 3'

Roman von J. Garwin.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

In demselben Coupee, in dem Richard saß, befanden sich noch zwei Herren, ein junger Franzose von angenehlüem Aeußern und elegant gekleidet, dessen ganzes Wesen bekundete, daß er der besten Gesellschaft angehörte; der andere war ein Mann in den mittleren Jahren, anscheinend ein angesehener Kaufmann, aber offenbar mehr Geschäfts- als Weltmann.

Anfangs sprach keiner von ihnen ein Wort. Dann bot der scheinbare Kaufmann Richard eine Zigarre an, die dieser ablehnte und dann in seiner Zeitung weiterlas.

Das Reisen ist sehr ermüdend", sagte darauf der Ge- schästsmann. Was' meinen Sie zu einem Kartenspiel? Ich habe Karten bei mir."

Ich muß sehr danken," versetzte Richard,ich spiele nie mit Fremden."

Darauf wandte sich der Herr zu dem Franzosen und sprach diesen in seiner eignen Sprache an. Hier hatte er mehr Glück. Er holte die Karten hervor und sie singen an um Geld zu spielen; mehrere große Banknoten fanden ihren Weg aus der Tasche des Franzosen in die seines unternehmenden Reisege­fährten.

Richard war des Lesens müde und beobachtete unbemerkt das Spiel der beiden anderen. Sie spielten Eeartä, wobei das Ausdecken deS Königs eins gilt und von großer Wichtig­keit beim Spiele ist. Und von zehnmalen, wo der Geschäfts­mann Karte gab, gelang ihm das neunmal.

Richard fiel dies auf, und er paßte genauer auf, bis er deutlich sah, daß der Mensch einen König in den Rockärmel schob, um ihn zu rechter Zeit oben aus die Karten zu bringen.

Da faßte er denselben beim Arm und rief erregt:Sie Schurke! Ich sehe Ihre Intrigue, aber Sie sollen einen arg­losen Menschen nicht bestehlen, der, wie es scheint, mehr Geld als Scharfsinn besitzt."

Was soll das heißen?" fragte der Gauner.

Richard schüttelte ihn so heftig, daß die Karte aus dem Rockärmel zur Erde fiel und der Betrüger entdeckt war.

Sie sind bestohlen worden," fuhr daraus Richard zu dem Franzosen gewendet fort,aber Sie sollen ihr Geld zurückbe­kommen. Wieviel haben Sie verloren?"

Gegen 400 Franks," versetzte dieser.

Sie geben dem Herrn sein Geld zurück und verlassen bei der nächsten Station diesen Wagen", sprach Richard in strengem Ton zu dem Betrüger,oder ich überliefere Sie der Polizei."

Sie sind im Irrtum, mein Herr," sagte der Gauner,aber gleichviel! Wenn beim Kartenspiel ein Streit entsteht, ist es besser, das Geld zurückzugeben. Hier haben Sie es."

Mit diesen Worten händigte er dem Franzosen eine Hand voll Banknoten ein.

Ich werde Sie verlassen," fuhr er darauf fort,da ich ein Gentleman und nicht gewöhnt bin, daß man meine Ehren­haftigkeit in Zweifel zieht. In Zukunft werde ich auf der Reise vorsichtiger damit sein, mit wem ich rede."

Richards ganze Antwort war ein mißtrauisches Lächeln. Auf der nächsten Station stieg der Gauner aus, und als die beiden Herren allein waren, reichte der Franzose Richard seine Karte, welche Namen und Adresse desselben trug:Graf de Grenelle, Rue la Filte, Paris."

Richard tat ein Gleiches, und der Franzose sagte:Ich bin Ihnen für Ihre Güte sehr verbunden, Herr von BurgS- dvrs, denn dieser allein habe ich es zu verdanken, daß ich nicht in der schamlosesten Weise betrogen worden bin; freilich wäre mir ganz recht dafür geschehen, daß ich mit einem mir völlig Fremden spielte . . . Darf ich fragen, ob Sie vielleicht mit Frau von Burgsdorf verwandt sind?"

Ich bin der Sohn des Majors von Burgsdorf aus dessen erster Ehe. Frau von Burgsdorf ist meine Stiefmutter, doch stehen wir auf keineswegs freundschaftlichem Fuße miteinander."

«Ah! Das erklärt auch, warum Sie bei Baron Sunder- lands Trauung gestern nicht zugegen waren!"

Zählten Sie zu den Gästen?" fragte Richard.

Ich hatte die Ehre, eingeladen zu sein, da der Baron ein Freund von mir ist. Wir sind beide Mitglieder des Jockey- Klubs in Paris . . . Welches ist Ihr Reiseziel?"

Ich will nach Paris."

Da wird e§. mir das größte Vergnügen machen, Sie unter meine Fittiche zu nehmen und Sie soviel als möglich mit meinen Freunden bekannt zu machen," wiederholte Graf de Grenelle in liebenswürdigster Weise.Morgen ist Ball bei dem englischen Gesandten. Graf Lyons wird sich sehr freuen, einen Fremden aus so guter Familie bei sich zu sehen. Wenn Sie zu spät kommen, um noch eine Einladung zu er­halten, nehme ich Sie mit mir. Wir müssen Freunde sein, Herr von Burgsdorf."

Mit Freuden!" sagte Richard.Ich bin vollständig fremd in Paris."

Sie machen vermutlich eine Vergnügungsreise?"

Allerdings!"

Dann könnten Sie sich in gar keine besseren Hände geben, Herr von Burgsdorf," fuhr Gras de Grenelle fort.Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen; obwohl ich ziemlich reich bin, lasse ich mich doch nicht gern bestehlen; ich will Ihre Güte soviel ich vermag, vergelten.

Richard fühlte, daß er in dem Franzosen eine Bekannt­schaft gemacht hatte, die ihm wahrscheinlich von Nutzen sein würde, und in dessen angenehmer Gesellschaft beschloß er seine Fahrt nach der französischen Hauptstadt.Ha!" sprach er zu sich selbst.Du magst Dich für sicher halten, Fräulein Hor- negg, alias Frau von Burgsdorf, alias Baronin Sünder land, aber die Vergeltung ist Dir auf den Fersen. Hüte Dich ! Der Tag der Abrechung ist nahe!"

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Richard von Burgsdorf befand sich zum erstenmale in Paris, und er war von allem, was er sah, entzückt. Das Kaiserreich stand damals auf seinem Höhepunkte; der Krieg mit Deutschland, der für die Franzosen einen so unglücklichen Ausgang nahm, hatte noch nicht ftattgefunben, und Napoleon der dritte seines stolzen NamenS, wußte nichts von Sedan oder Chislehurst.

Reiche Fremde aller Nationen ließen sich in Paris nieder und lebten da von ihrem Vermögen, und so verschwenderisch die Engländer auch waren, sahen Sie sich doch durch die rus-