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Herrselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Änschlutz Nr. 8

Nr. 75

Sonnabend, den 30. Juni

1906.

auf das

ßersfelder Kreisblatt

Das Hersfelder Areisblatt bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen

des Königlichen Landratsamtes dahier sowie zahlreicher anderer Behörden zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der

Politik, Berichte aus dem Kreise, der Provinz und den nachbargebieten.

Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig ausgewählte

spannende Romane,

Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Teil des Lesestoffs.

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Illustrierte landwirtschaftliche Beilage.

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Amtlicher teil.

Hersfeld, den 27. Juni 1906.

Unter dem Schweinebestande des Barthel Nuhn zu Niederjoffa ist die Schweineseuche ausgebrochen. L 5187. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Bei der Stille, die gegenwärtig in der inneren Politik herrscht, wendet sich die Aufmerksamkeit naturgemäß in ver­stärktem Maße den vereinzelten Reichstags-Ersatz- mahlen zu, die hier und dort stattfinden. Auch während der verflossenen Woche ist eine solche Ersatzwahl im Reichs- tagswahlkreise Hannover vollzogen worden; sie hat gleich in der Hauptwahl mit dem Stege der Sozialdemo- kraten geendet. Es gehört eine starte Dosis Optimismus zu, wenn einzelne Blätter des Bürgertum» bei Betrachtung dieser Wahl ein Triumphlied anstimmen. Wohl entspricht die absolute Zunahme der sozialdemokratischen Stimmenzahl nicht dem Wachstum der Albeiterbevölkerung im Wahlkreise seit 1903, und es ist auch eine nicht unbeträchtliche Steige, rung der nationalliberalen Stimmenzahl zu verzeichnen. Aber diesen lichten Momenten stehen auf der andern Seite als dunkle Flecken einmal die klägliche Zerrissenheit und Uneinigkeit des Bürgertums und sodann eine starke Portion Lauheit gegenüber. Trotz der rastlosen Bemühungen des trefflichen Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozial- demokratte war es nicht gelungen, Welsen und NationaUtbe rale für eine eventuelle Stichwahl zu einen, und rund 16 000 Wähler, die zweifelsohne fast ausschließlich dem Bürgertum zuzuzählen sind, haben am Tage der Wahl ihre Wahlpflicht versäumt. So sind die beiden Haupthinder- nisse für eine erfolgreiche Bekämpfung der Sozialdemokratie, Uneinigkeit und Lauheit in Hannover grell zutage getreten. Der AuSgang dieser Wahl läßt sich daher nach unserer Meinung auch nicht anders verwerten, als daß man daran die eindringliche Mahnung zur Beseitigung der genannten Uebel knüpft.

Kaiser FranzIosef hat der großen deutsch-böh­mischen Industrie-Ausstellung in Reichenberg einen Besuch abgestattet. Diese Kaiserreise galt nicht bloß dem Interesse an der böhmischen Industrie, sondern diente auch dem Be­streben des Monarchen, den Gedanken des Friedens und der Eintracht zwischen Deutschen und Czechen, der letzthin ficht lich im Emporkeimen begriffen ist, durch Einsetzung persön­lichen Einflusses weiter zu fördern. Ein Handschreiben Kaiser irranz Josefs an den Statthalter von Böhmen, Grasen Coudenhove, hat diesem Streben unumwundenen Ausdruck geliehen. Nachdem der Monarch in dem betreffenden Schreiben dem hohen Stande der böhmischen Industrie Worte freudiger Anerkennung gespendet hat, knüpft er daran die dringende Mahnung zur Eintracht an die beiden Volksstämme und weist daraus hin, daß der gegenwärtige Augenblick, in dem Oesterreich sich anschickt, sein politische« Leben auf eine neue Basis zu stellen, zur Knüpfung des Einigungsbandes der denkbar geeignetste fei. Wir wünschen im Interesse unseres verbündeten Nachbarreiches von Herzen, daß die mahnenden Worte Kaiser Franz Josefs auf einen fruchtbaren Boden gefallen sein mögen.

Ueber die russischen Zustänve ist nach wie vor ein großes Fragezeichen zu setzen. Regierung und Duma stehen sich feindselig gegenüber, und durch diese Friktion der beiden zu gemeinsamer Leitung der Dinge berufenen Gewalten wird die StaatSmaschine natürlich aufs äußerste gehemmt. Das Schlimmste aber ist, daß die Regierung nicht Herr im eigenen Hause ist, daß sie sich nur in völlig un­zureichendem Maße auf ihre eigenen Organe zu stützen ver mag, daß diese Organe vielmehr aus eigene Faust Politik treiben und der RegierungSpolitik, wann und wo es ihnen beliebt, Schach bieten. Die parlamentarischen Enthüllungen des Deputierten Fürsten Urussow, des früheren Gehülfen des Ministers des Innern, haben hierauf höchst interessante Streiflichter fallen lassen. Dem Anarchismus von links entspricht zur Zeit in Rußland zweifellos ein Anarchismus von rechts. So liegt die Zukunft des Zarenreiches in tiefes Dunkel gehüllt vor uns.

In der ungarischenDelegation sind von einer Seite deutsch- und dreibundfeindliche Aeußerungen getan worden. Der Abgeordnete Hollo fühlte sich gemüßigt auf die angeblichen Gefahren hinzuweisen, denen Ungarn durch den Dreibund infolge derExpansionspolitik" Deutschlands ausgesetzt sei. Worin dieseExpansionspolitik" besteht, blieb und bleibt das Geheimnis des genannten Redners, und es lohnt, sich daher auch gar nicht, auf derartige lächerliche Insinuationen in ernsthafter Abwehr einzugehen. Als Symptom für die deutsch-feindliche Gesinnung einzelner Kreise des Magyarentums aber verdient das Auftreten beß Abgeordneten Hollo immerhin festgenagelt zu werden. Bei den leitenden Männern der ungarischen RegierungSpolitik findet diese Gesinnung jedenfalls keine Stütze. Das ging zur Evidenz aus der Erklärung des ungarischen Minister­präsidenten Dr. Wekerle hervor, der sich unumwunden zur Dreibundspolitik bekannte und den rein defensiven Charakter dieses Bundes mit Nachdruck betonte.

Zm 40. Zahttstage der Schicht bei Äwroti;.

Am kommenden Dienstag, dem 3. Juli, werden 4 Jahr­zehnte verflossen sein, seit auf den Gefilden bei Königgraetz jene blutige Schlacht zwischen den Oesterreichern und den Sachsen einerseits, den Preußen andererseits, tobte, welche die Entscheidung im deutschen Bruderkriege von 1866 zu­gunsten der preußischen Waffen brächte und die hiermit ausschlaggebend für die weitere Gestaltung der politischen Geschicke Deutschlands wurde. Zunächst machte der Tag von Königgraetz dem alten Eisersuchtszwist zwischen Preußen und Oesterreich um die Vorherrschaft in Deutschland ein Ende, denn zu den bemerkenswertesten politischen Folgen des entscheidenden Sieges Preußens gehörte der Austritt Oesterreichs aus dem Bunde der deutschen Staaten, womit die seltsame, jahrhundertelange Zwitterstellung der Habs­burgischen Monarchie beseitigt wurde und die politische Führerschaft in Deutschland an Preußen fiel. Der preußische Waffensieg bei Königgraetz bedeutete weiter zugleich die Zertrümmerung des deutschen Bundes, jener wunderlichen Schöpfung der Weisheit des Wiener Kongresses, dem von Anfang an nur eine klägliche Rolle zum Gespött der übrigen Welt beschieden war und in welcher die schon Jahrhunderte hindurch bestandene nationale Zerrissenheit Deutschlands und dessen politische Ohnmacht nach außen vielleicht am krassesten zum Ausdruck gelangte. Der Kanonendonner von Königgraetz vernichtete glücklicherweise für immer dieses trübselige Gebilde eines fast- und krastlosen Staatenbundes, von dem der Spötter Heinrich Heine fang:D Bund, du Hund, du bist nicht gesund", und nur in den Annalen der Geschichte wird der selige deutsche Bundestag fein nichts weniger als ruhmvolles Plätzchen behaupten.

Dafür wurde durch die Königgraetzer Entscheidungsschlacht

der Grundstein zum neuen deutschen Reiche gelegt, denn ihr folgte die Bildung des Norddeutschen Bundes unter Führung Preußens nach, der Vorstufe zum glanzvollen Kaiserreiche der Hohenzollern. Damals bewährte sich BiSmarcks unver­gleichliche StaatSkunst vielleicht am glänzenden mit, war er es doch, der sich nach Dem gewaltigen preußischen Waffen- erfolge von Königgraetz mit der ganzen Macht seiner Per­sönlichkeit und seines Einflusses gegen die hochgestimmten Friedensbedingungen der preußischen Militärpartei, denen König Wilhelm 1. selber stark zuneigte, mit aller Entschieden­heit stemmte, in weiser Voraussicht Der kommenden poli­tischen Ereignisse. Nach schweren Kämpfen mit den maß­gebenden militärischen Persönlichkeiten gelang eS BiSmarck, feine Ansichten durchzusetzen, so daß Oesterreich, Sachsen und den süddeutschen Staaten nur gelinde Friedensbeding- ungen von Preußen gewährt wurden. Diese Mäßigung des Sieges von Königgraetz sollte aber bald ihre schönen Früchte tragen, denn sie ermöglichten den immer engeren Anschluß aller übrigen deutschen Staaten an Preußen, so daß, als 1870 der große Krieg zwischen Frankreich und Deutschland auSbrach, ersteres sich dem geeinten deutschen Vo'ke geasnübersah, womit der siegreiche Ausgang Deß ge- waligen!kerringens für die deutschen Waffen schon im Voraus entschieden war. Die Schlacht von Sedan zer­trümmerte dann das bonapartistische Kaiseilum und am 18. Januar 1871 erfolgte nachher in der Spiegelgallerie des Versailler Königsschlosses die feierliche P oklamierung des neuen deutschen Kaiserreiches unter Wilhelm I., eine vielleicht nur von wenigen geahnte weittragende Folge des glänzen­den preußischen Waffensieg-« bei Königgraetz. Freilich stehen noch heute in Deutschland verschiedene grollende Volkselement! bet Seite, wenn wieder das Gedenken des Tages von Königgraetz heraussteigt, jene Elemente, welche Die Einverleibung von Hannover, Kurhessen und Nassau in das siegreiche Preußen nach dem Kriege von 1866 noch immer nicht vergessen und versöhnen können. Aber über jene Bruchteile des deutschen Volkes schreiten die ehernen Tatsachen mit wuchtigen Schritten hinweg, die längst es zur unumstößlichen Gewißheit gemacht haben, daß König, graetz nur die unerläßliche Vorbedingung für die Gründung des neuen deutschen Reiches und weiter für dessen spätere Bündnisse mit Oesterreich-Ungarn und Italien war. In diesem Bewußtsein begehen alle deutschen Patrioten und alle wahren Freunde des mitteleuropäischen Friedensbundes deshalb nur freudig die 40jährige Wiederkehr des Schlachtentages von Königgraetz, dessen Gedenken gewiß nimmer erlöschen wird.

Ler Aiifstii«i> in Mch-Mmsl-Amka.

Die Hottentotten waren vor Der verfolgenden Abteilung des Oberstleutnants v. Estorff in die Orangeberge nordwestlich ViolSdrift zurückgegangen. Von dort zogen sie in nordöstlicher Richtung an Auros vorbei, überfielen eine Postpatrouille unb stahlen bei Warmbad und Gabis eine Anzahl Rinder und Maultiere. Oberleutnant v. Stockt mit 70 Mann aus Warmbad, Major Rentel mit einer Kompagnie, 2 Geschützen, der Besatzung Kalkfontein mar­schierten dem Feinde entgegen, der nach mehrstündigem Kampfe wieder in südwestlicher Richtung zurückgeworfen wurde. Major Sieberg eilte mit 2 Kompagnien, 2 Ma­schinengewehren, 1 Geschütz, auf den Kanonendonner loß» marschierend, heran. Er fand bei Erreichung des Gefechts­feldes den Feind schon im Rückzüge begriffen, hartnäckig von Rentel verfolgt. Sieberg setzte diese Verfolgung fort.

ES fielen im ganzen 5 Reiter, 3 find verwundet, 1 wird vermißt.

In den Kleinen Karasbergen überfiel Patrouille G-n- schow eine Werft. Sie fanb dabei ein Kleidungs- und Nahrungsmittellager, das vernichtet wurde.

Der Gefangenenbestand ist seit Anfang Februar um 4000 gestiegen und beträgt jetzt 17 000 Köpfe.

Die Telegraphenlinie OmaruruOttjiwarongoOutjo Waterberg ist fertiggestellt. \

Unruhen in HM-Wrika.

Aus dem ostafrikanischenAufstandsgebiet liegt eine amtliche Meldung über neue Siege der deutschen Truppen über die Aufständischen in der Gegend von Liwale vor; sie lautet:

»Wie Leutnant Correck aus Nougosho nordwestlich Li­wale mitteilt, fand am 14. d. M. ein erfolgreiches Gefecht unter Verfolgung der Aufständischen statt, die den bereits unterworfenen Jumben und das Lager CorreckS Überfällen hatten. Die Gegend westlich von Liwale ist noch aufstän­disch. Aus Jraku liegen noch keine weiteren Nachrichten vor. Auch sind solche vor Anfang Juli nicht zu erwarten."

% ÄMW in Wack

Die Nachrichten über Meutereien im russischen Heere kommen jetzt aus den verschiedensten Teilen des Zarenreiches,