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herssel-er Kreisblatt
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. W. Donnerstag, den 5. Juli 19M
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Amtlicher teil.
Hersfeld, den 2. Juli 1906.
Im Monat Juni d. Js. sind diesseits den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 1/6. dem RechnungSrot Schultheiß in Hersfeld,
„ 5/6. „ Rentner Heinrich Hoßbach zu Hof Weißen- born bei Friedewald,
„ 6/6. „ Schuhmachermeisier Jak. Fink in Gershausen,
* 6/6. „ Bierbrauereibesttzer Wilhelm Steinweg in Hersfeld,
* 7/6. , Gutsbesitzer Heinrich August Schön zu Hermannshof,
„ 8/6. „ Postaffisienten Rudolf Köhler in Hersfeld,
* 15/6. „ Fabrik-Eleven Wilhelm Rechberg daselbst,
„ 21/6. „ Verwalter Walter Oeser zu Etchhof,
„ 21/6. , Schuhmacher Konrad Knoth in Obergeis, „ 26/6. „ Bauinspektor Günter in Hersfeld,
„ 26/6. „ Arzt Dr. Hans Prüß in Heringen,
„ 27/6. „ Verwalter Hermann Meyer zu Meisebach, b. unentgeltliche:
* 8/6. „ Königl. Förster Radeck zu Forsthaus Hilmes,
„ 9/6. „ von Baumbach'schen Waldwärter Philipp Paul in Willingshain»
„ 15/6. „ Stadtförster Janke in Hersfeld.
B. Tagesjagdscheine:
, 9/6. „ Assessor Walter Voigt in Weimar.
Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 2. Juli 1906.
Die Herren Bürgermeister von Beiershausen, Eitro, Frielingen, Gershausen, Gittersdorf, Hattenbach, HedderS- dorf, Heenes, Herfa, Hillartshausen, Holzheim, Kirchheim,
Ser gestohlene Zinmantenschatz.
Roman von I. G a r w i n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Im Opernhause war sie der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit, und als einer den andern nach ihrem Namen fragte, war es bald allgemein bekannt, daß diese zarte Schönheit in der reichen Toilette mit den unvergleichlichen Diamanten dir junge Gemahlin des Barons Sunderland war.
Aber sie war nicht glücklich in der Stunde ihres Triumphes. Ihre Gedanken wanderten von der herrlichen Musik und der glänzenden Oper in den Club, wo ihr Gemahl mit ihrem Feinde zusammentraf. Bevor die Oper zu Ende war, verließ sie die Loge und stieg in ihren Wagen.
Der Kutscher öffnete den Wagenschlag, da der Diener ganz unbegreiflicherweise nicht da war; in Wirklichkeit war er betrunken in dem nächstgelegenen Wirtshause, wohin zu gehen der Kutscher ihn verleitet hatte.
„Nach Hause!" befahl die Baronin, indem sie sich in die weichen Kissen zurücklehnte und dachte, ob ihr Gemahl wohl heimgekehrt sei und sie erwarte.
Der Wagen fuhr in schnellem Lause davon.
Plötzlich aber fuhr die Baronin ans ihrem Sinnen auf; die Fahrt kam ihr ungewöhnlich lang vor.
Als sie aus dem Fenster sah, fand sie die Straßen still und so verödet, wie wenn sie sich in einer der Vorstädte befände und nicht mitten in der großen Metropole, die selbst um Mitternacht sehr belebt ist.
Wo war das rege Treiben, das auf den Boulevards auf- und abwogte. Wo die vielen Gasflammen der zahlreichen GafeS und Restaurants?
Bestürzt zog sie an der Glocke im Wagen, aber der Kutscher achtete nicht daraus, hieb vielmehr um so stärker auf seine Pferde los und fuhr nur um so schneller. Die Pferde jagten in rasendem Galopp vorwärts und halbtot vor Schreck sank die Baronin zurück.
War der Kutscher betrunken oder gingen die Pferde durch?
Kleinensee, KruSpi«, Lampertsfeld, Malkomer, Meckbach, Mengshausen, Motzfeld, Obergeis, Oberhaun, Petersberg, Reckerode, Reimboldshausen, RöhrigShöfe, Roßbach, Rotter- lerode, Sieglos, Sorga, Unterbaun und Unterneurode sowie die Herren Gutsvorsteher der Gut-bezirke Bingartes, Engelbach, Heringen fiskalische Oberförsterei, Hersfeld fiskalische Oberförsterei, Oberrode und Wippershain, fiskalische Oberförsterei, welche noch mit Einsendung der Anbau- rc. Erhebungrkarten im Rückstände sind, werden hieran mit fünftägiger Frist erinnert.
I. 4466. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 2. Juli 1906.
Der Landwirtschaftslehrer Stuckmann zu Fulda beabsichtigt am Sonntag den 8. Juli d. Js. Nach, mittags 3Va Uhr in Goßmannsrode einen Vortrag zu Hallen über das Thema:
„Die Ansprüche unserer Kulturpflanzen an Boden, Düngung und Pflege."
Die Herren Ortsvorstände der zum Amtsgerichtsbezirk Niederaula gehörigen Gemeinden haben Vorstehende» zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
I. I. 5304. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 29. Juni 1906.
Die zweite Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel hat in ihrer Sitzung am 24. Januar d. I. mit Genehmigung des Herrn Landwirt- schaftsministers beschlossen, für das Rechnungsjahr 1906 zwei Drittel Prozent (2/s %), d. h. v 0 m Taler Grund- steuer-Reinertrag 2 Pfennig, als Beitrag zu den Unkosten Der Landwirtschaftskammer zu erheben.
Im laufenden Jahre sind bekanntlich neue Hebelisten aufzustellen. Das Formular hierzu wird den Herren Orts- Vorständen in den nächsten Tagen zugefandt werden. Bei Aufstellung der Listen ist mit größter Sorgfalt, unter Berücksichtigung der dem Titelblatte aufgedrucklen Bemerkungen zu Werke zu gehen. Zugleich wird empfohlen, zwischen den einzelnen Beitragspflichtigen jedesmal 2 Zeilen freizulassen, um die in den einzelnen Jahren etwa eintretenden Besitzveränderungen vermerken zu können.
Die aufgestellten Hebelisten sind mir bis z u m 12. Juli d. I. einzureichen.
Die Abführung der Landwirtschaftskammerbeiträge ist mit der Ablieferung der Staatssteuern für das 2. Vierteljahr jeden Rechnungsjahres zu verbinden.
Die den Herren Ortsvorständen mit dem Formular zu- gehenden älteren Hebelisten sind bei Aufstellung der neuen Listen zu benutzen. Die von der Landwirtschaftskammer
Aus dem Wagen springen war bei der Schnelligkeit, mit welcher derselbe dahinflog, unmöglich.
Die Häuser standen immer vereinzelter und Bäume und Hecken zeigten ihr, daß sie auf dem Lande war, und über alle Beschreibung verwirrt und bestürzt, wartete sie, was nun wohl geschehen möge. — Plötzlich hielt der Wagen und zwei maskierte Männer öffneten die Wagentüren.
Die Baronin stieß einen Schrei aus. „Was wollt Ihr?" rief sie, während sich ihr Schreck und ihre Angst noch steigerten, als sie sah, daß sie sich auf einem völlig einsamen Wege befand, von dem aus nach keiner Seite hin ein Licht zu erblicken war.
„Bitte, Madame, nehmen Sie Ihre Diamanten ab und geben Sie sie uns," antwortete einer der Maskierten höflich.
„Niemals!" versetzte sie. „Eher gäbe ich mein Leben hin !"
„Wie Sie wollen, Madame!" war die Antwort. „Ich bedauere, gegen eine Dame, besonders gegen eine so schöne wie Sie sind, Gewalt brauchen zu müssen, aber ich sehe mich gezwungen, Sie zu halten, während mein Begleiter Sie beraubt, wenn Sie die Diamanten, die wir haben müssen, nicht gutwillig hergeben wollen."
„Ihr seid Diebe!" schrie sie.
„Ganz nach Belieben, Madame!" erwiderte der Räuber mit einer höflichen Verbeugung.
Julia sah, daß sie sich in einer Falle befand, aus der es unmöglich war, zu entkommen.
Der Kutscher hatte sie verraten. Er war der Helfershelfer der Räuber, wahrscheinlich der Anführer einer Bande schlauer Diebe.
Das Herz brach ihr bei dem Gedanken daran, sich von den Diainanten trennen zu müssen, aber es blieb ihr nichts anderes übrig. Halb ohnmächtig ließ sie sich von dem Dieb ihre Armbänder Ringe, Diadem und Halsband abstreifen, und derselbe ließ jedes einzelne Stück in eine kleine metallene Schachtel fallen, welche der andere hielt.
Dieser andere hatte noch kein Wort gesprochen.
Als der ganze Schmuck in ihrem Besitz war, trat jener, der die Schachtel hielt, vom Wagentritte und schloß die Türe aus seiner Seite.
gefundenen Anstände find bei der Reuaufstellung zu berücksichtigen. Zu wenig erhobene Beiträge aus den Vorjahren müssen, soweit die Ursache des Rückgangs nicht nachweisbar ist, bei der diesjährigen Beitragserhebung nacherhoben. die zuviel gezahlten dagegen zurückerstattet werden.
Von den Herren Gutsvorstehern der fiskalischen Ober- förstereien des Kreises ist in den Listen zu bescheinigen, daß außer dem Forstfiskus Beitragspflichtige in dem betreffenden Gutsbezirk nicht vorhanden sind.
I. I. 5204. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 1. Juli 1906.
Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks umso größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises tunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach begonnener Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich, ein Jeder seine Vorräte gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine tunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Oberpräsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von Hauskollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in oeren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Ortsvorstände wollen für tunlichste Bekanntmachung des Gesagten Sorge tragen und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken.
I. Nr. I. 5345. Der Königliche Landrat. I. V.: Thamer.
Hersfeld, den 3. Juli 1906.
Die Räude unter der Schafherde des Caspar Claus in Mecklar ist erloschen.
I. I. 5351. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 30. Juni 1906.
Der Landwirt Heinrich Schneider zu Wippershain ist am 30. Juni 1906 als Ortsschätzer der Gemeinde Wippsrs- hain eidlich verpflichtet worden.
I. Nr. I. 5273. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Thamer.
„Wenigstens haben sie mir das Leben gelassen", dachte das unglückliche Opfer dieses verwegenen Verbrechens.
„Madame," sagte darauf der Sprecher, „ich habe die Ehre, Ihnen für Ihre Liebenswürdigkeit zu danken. Ich bedauere, Sie Ihrer Schätze berauben zu müssen. Aber was wollen Sie? Geschäft ist Geschäft. — Mögen Sie es sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen, denn was sind Diamanten im Grunde anderes als nichtiges Spielwerk, das nicht wert ist, daß man eine Träne darum vergießet und sich darum um die Ruhe einer einzigen Nacht bringen läßt? — Adieu, Madame! Ich bin Ihr ganz ergebener Diener." Und sich abermals höflich verneigend, zog auch er sich zurück, der Wagenschlag wurde geschlossen, und auf ein dem Kutscher gegebenes Zeichen fuhr dieser wieder in demselben schnellen Schritt in der Richtung von Paris weiter.
Von Kummer und Schreck überwältigt, verlor die Baronin das Bewußtsein. Wahrscheinlich hatten die Diebe aber auch Betäubungsmittel in den Wagen gelegt Als sie wieder zu sich kam, befand sie sich noch im Wagen und ein Diener hielt eine Laterne, während ihre Kammerjungfer ihre Hände und Gesicht mit Eau de Cologne rieb. „Wo bin ich?" stieß sie mühsam hervor.
„Im Hofe Ihres Hauses, Frau Baronin," antwortete die Jungfer.
„Wie lange bin ich schon hier?"
„Erst seit wenigen Minuten, Frau Baronin, der Kutscher rief uns und sagte, Sie wären unwohl."
„Arretiert ihn! Laßt ihn nicht entkommen!" rief die Baronin Sunderland erregt.
„Von wem sprechen die Frau Baronin?" fragte der Diener.
„Von dem Kutscher! Er ist der Mitschuldige der Räuber! Seht!" rief sie und zeigte ihre schmucklosen Arme. „Ich bin schändlich bestohlen worden .... meine Diamanten sind fort . . . Schickt nach der Polizei! Ruft Baron Sunderland!"
„Der Herr Baron ist noch nicht zurückgekehrt."
„Nehmt den Kutscher fest, damit er nicht entkommt!"
Man fragte nach dem neuen Kutscher, derselbe war aber nirgends zu finden. Er hatte sich die Verwirrung zu Nutze gemacht und war in der Dunkelheit entschlüpft.