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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 91. Dienstag, den 7. August 1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 4. August 1906.

Die Herren Bürgermeister und Gutsbezirksvorsteher des Kreises, welche meiner Verfügung vom 26. Juli d. Js. ?. I. Nr. 6126, Kreisblatt Nr. 87, betr. Anzeige über den Bedarf von Controll- bezw. Quittungsbüchern über die Reinigung der Schornsteine bis jetzt noch nicht nachgekommen sind, wer­den hieran erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben innerhalb 3 Tagen bestimmt entgegen.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs - Referendar.

I ASnigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr

an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher Ceil.

Ler WM in LM-SWWW.

Ueber ein verlustreiches Gefecht in Südwestafrika ver. äffen.licht derL. A." eine Meldung aus Kapstadt, nach der drei deutsche Offiziere und fünf Mann gefallen sein sollen. Dazu wird dem genannten Blatt von wohIinsormierterSeite mitgeteilt:

Eine Bestätigung des Telegramms aus Kapstadt mit der Meldung eines verlustreichen Gefecht» bei Violsdrift ist bisher noch nicht eingetroffen. Die Möglichkeit, daß Ereig. Nisse auf dem jetzigen Kriegsschauplatze in den Oranje-Bergen früher über Steinkock bekannt werden als über die deutsche Linie Warnbad Keetmanshop Windhuk Swakop- mund liegt vor. Die Engländer verfügen südlich der Grenze über eine Eisenbahn, den StaatSlelegrophen in Friedens­betrieb und vor allem über ein eigenes Kabel von ViolS- drist nach Kapstadt und nach London. Demgegenüber müssen Meldungen, die über Keetmannshoop Swakop- wund nach der Heimat gehen sollen, zunächst vom Gefechts, platz bis zur nächsten Station durch Signal-Apparate bei fördert werden, sie gehen dann auf onnährend 1000 km Telegrophenlinie bis Swakopmund. Diese Strecke ist viel- fachen Unterbrechungen und Störungen ausgesetzt, beten Beseitigung oftmals Tage erfordert Von Windhuk läuft dann die Depesche auf dem Bahndrabt nach Swakopmund und wird dort aus das englische Kabel über geleitet.

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wränget.

(Fortsetzung.)

Sechstes Kapitel.

Mit militärischer Pünktlichkeit erschien der Oberst um 7 Uhr vor der Tür seiner Villa und schalt nicht wenig, daß Johann noch damit beschäftigt war, die Koffer zuzuschließen, und Inge, die Plaidriemen umzulegen. Fünf Minuten später fuhren alle drei ab.

Die Nacht wurde in Schweiusurt zugebracht, und wirklich ging am anderen Morgen ein regelrechter Zug, der die Reisen­den nach Karlstadt brächte Johann trieb glücklich einen Wagen dort auf, und die Fahrt begann. Die Sonne brannte, und der Staub, den die Räder auswirbelten, wurde geradezu unerträglich.

Wildenfels fühlte längst, daß er sich mehr zugemutet hatte, als er eigentlich leisten konnte. Aber er wollte das nicht zu­geben und saß steif zurückgelehnt, ohne ein Wort zu sprechen, im Wagen.

Gegen zwei Uhr war Lohr erreicht.

Der Oberst bestand trotz seiner Erschöpfung darauf, mit dem Zuge, der in einer Viertelstunde abgehen sollte, weiter zu jähren. Er wetterte aber nicht wenig, wie er erfuhr, daß der Zug nur bis Lausach ginge, weil die hessischen Truppen, die um Aschaffenburg ständen, Beschlag auf diese Strecke gelegt hätten.

Ergrimmt und ratlos zugleich wandle sich der Oberst an Inge.Das ist ja eine nette Geschichte," stöhnte er.In dem Nest, dem Laufach bleiben wir sitzen, und wer weiß, wann und wie wir da herauskommen."

Doch seinweiblicher Kamerad" zeigte bei dieser Erklärung keineswegs ein entmutige? Gesicht.Was tut's? Wir werden schon irgendwo Unterkommen Und weißt du," fuhr sie leb- hast fort,ich habe einen rettenden Gedanken. In Lausach wohnt der reiche Fabrikherr Wacker, mit dem du geschäftlich

Schon öfters trafen Meldungen über Verluste früher in der Heimat ein, als ein Bericht der Ereignisse, durch die sie hervorgerufen wurden. In solchen Fällen sind die Ver. lustmeldungen mit Rücksicht auf die Angehörigen sofort Der» öffentlicht worden, wenngleich die Beobachtung ergab, daß dadurch öfters die Ansicht entstand, all würd^mit der Be­richterstattung über die Gefechte zurückgehalttti.

Was die Zuverlässigkeit der über Kapstadt früher an. kommenden Nachrichten betrifft, so hat die Erfahrung er­geben, daß es sich manchmal um eine zutreffende, öfters um eine übertriebene, manchmal um eine aus der Luft ge­griffene Darstellung handelte. Es braucht keine Absichtlich- keit zugrunde zu liegen. Vielfach liegt wohl eine falsche Information vor, die ein Farmer, Händler, Eingeborener dem ersten Absender der Depesche machte, und die dieser für zuverlässig hielt.

Kreta.

In der mehr scheinbaren als wirklichen Stille der politischen Sommerzeit taucht auch die kretische Frage wie­der auf. Der Hintergrund, von dem sie sich diesmal ab» hebt, ist die durch Rußlands Schwäche hervorgerufene ge­steigerte Tätigkeit der britischen und der französischen Diplomatie. Als Anlaß müssen die finanziellen Schwierig­keiten herhalten, mit denen die kretischen Behörden und die vier Schutzmächte der Minor-Jnsel, England, Frankreich, Rußland und Italien, zu kämpfen haben. Die Regierungen der vier Mächte sind neuerdings mit dem Gedanken hervor­getreten, neben einer Erhöbung der kretischen Zölle, die Finanzverwaltung der Insel unter eine internationale Auf­sicht zu stellen und diese Aufsicht der in Athen für Griechen­land ihres Amtes waltenden Kontroll-Kommission zu über­tragen.

Ueber diesen Plan, den die vier Schutzmächte ohne Zustimmung anderer Länder, darunter auch Deutschland, nicht leicht durchführen können, hat der PariserFigaro" aus der Schule geplaudert. Aufrichtig genug gibt er zu, die Ausdehnung der griechischen Finanzkontrolle auf Kreta bedeute den ersten amtlichen Schritt zur Einverleibung der kostspieligen, aber auch recht wertvollen Insel in Griechen­land, ein Eingeständnis, das man stch wird merken müssen. Dann sucht das Boulevard - Blatt gegen die Neuerung deutschen Widerstand geltend zu machen. Aber, angesichts der seit einer langen Reihe von Jahren geübten deutschen Nichteinmischung in die Kreta betreffenden Fragen, klingt der abgenutzte Hinweis auf Hindernisse, die von Berlin aus bereitet werden könnten, nicht überzeugend. DerFi­garo" macht dann auch selbst darauf aufmerksam, daß Mächte, die weder England noch Frankreich, auch nicht Deutschland und die Türkei seien, den AuSdehnungSbestrebungen Griechen­lands im östlichen Mittelmeer nicht freundlich gegenüber- ständen. Offenbar soll dies auf Italien und Rußland

zu tun hattest, als er bei uns in Burgau war. Der wird uns ausnehmen."

Wildenfels fühlte sich durch diesen Borschlag neu gestärkt und stimmte ihm in erwachendem Lebensmute bei. Der Zug ließ nicht lange auf sich warten und brächte die müden Reisenden ohne Schwierigkeit bis nach Laufach.

Die Abenddämmerung senkte sich bereits herab, als sie dort ankamen. Für Geld und gute Worte gelang es dem findigen Diener, auch hier für seinen Herrn eine Fahrgelegen­heit aufzuspüren, und so langten denn die unerwarteten Gäste zur späten Stunde bei dem Geschäftsfreunde des Obersten an. Die Villa, ein stattliches zweistöckiges Gebäude, lag am west­lichen Ausgange von Laufach auf einer kleinen Anhöhe, hart an der Chaussee. Vor dem Hause dehnte sich eine weite Wiese aus, und in dem wohlgepflegten Garten plätscherte ein Springbrunnen, der angenehme Kühle verbreitete, Rankenrosen umzogen den Balkon des Hauses. Das Ganze bot ein Bild des Friedens und Behagens.

Der Hausherr kam den Ankommenden in gewinnender Herzlichkeit entgegen. Seine Damen waren in einem Ostsee­bade, aber er versicherte, daß seine tüchtige Wirtschafterin die Hausfrau vertreten und alles aus das beste Anrichten werde.

Seine erste Sorge war, den alten Herrn mit Hülse Johannes zu Bett zu bringen und ihm eine kühlende Er- srischung zn reichen.

Der Oberst drückte dem gütigen Wirte dankbar die Hand. Es ist ein wahrer Segen, daß wir hier bei Ihnen einge­kehrt sind," murmelte er.Weiß der Himmel, ich konnte nicht mehr weiter."

Nun lasse ich Sie auch nicht eher weg, bi§ Sie wieder ganz auf dem Posten sind," versicherte der Fabrikherr voll herz­gewinnender Freundlichkeit.

Inge, die leise einen kühlen Umschlag auf die Stirn des Onkels legte, atmete jetzt sichtlich erleichtert auf, seitdem sie ihren Kranken in diesem behaglichen Heime so gut geborgen wußte.Nicht wahr, Onkelchen", meinte sie,daS war ein guter Gedanke von mir, unseren lieben Wirt so zu Überfällen. Nichts tat uns jetzt so not als freundlicheAusnahme meinem schönen, friedlichen Asyl."

gehen, deren überlieferter Jnteressenpolitik allerdings eine entschiedene Stärkung' der schon auf dem Balkan unbe­quemen hellenischen Nationalität im Orient kaum entsprechen würde. Umso weniger, wenn diese Stärkung sich unter einer Gönnerschaft Englands und Fram-eichs vollzöge, die kaum ganz uneigennützig gewährt würde und vielleicht mit der Offenhaltung kretischer Häfen für die französische und britische Kriegsflagge zu vergelten wäre.

Schon jetzt sind in der für Kreta tätigen Vierergruppe die beiden Westmächte der stärkere, tonangebende Faktor. Auch der Gedanke, Griechenland und Kreta durch eine ge­meinsame Finanzkontrolle zu verbinden, wird wohl weder in Rom noch in St. Petersburg, sondern zwischen London und Paris entstanden sein. Rußland kann indes zur Zeit Dingen, die von den Weltmächten vereinbart werden, keinen offenen Widerspruch entgegensetzen, und Italien will im kretischen Konzert nicht allein bleiben. Begeisterung scheint aber an der Tiber wie an der Newa für den neuen Finanz­plan nicht zu herrschen, und auch in Fraukreich sind die Meinungen über die Zweckmäßigkeit dieser hellenistischen Politik sehr geteilt. Die Griechen selbst find natürlich auch nicht zufrieden. Ihre Wünsche gehen auf baldige förmliche Einverleibung KretaS ohne Finanzkontrolle.

Sie Sorgängt in WM.

Wieder ist ein hoher russischer Beamter einem revolutio­nären Anschlag zum Opfer gesallen. Wie aus Samara gemeldet wird, wurde auf den dortigen Gouverneur eine Bombe geworfen, wodurch diesem der Kopf und beide Füße abgerissen wurden. Der Täter wurde.verhaftet.

Petersburg, 4. August. Der gestrige T c birch»r viele Ausschreitungen. Mit Gewalt wurden Leute zur Teilnahme am Streik gezwungen. Zahlreiche Versamm­lungen wurden abgehalten. Es streiken die Angestellten bei den Straßenbahnen, den Dampfer-Gesellschaften und in mehreren Fabriken. Der Bahnhof in Dem Badeort Sestrorjetzk, unweit Petersburg, ist von Arbeitern zerstört worden. Starke Militäraufgebote versuchen die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Ausgabe einiger Zeitungen ist unterbrochen; das Erscheinen des Kadettenorgans Rsetsch ist ganz verboten. Unter den in Sweaborg verhafteten Meuterern befindet sich der Dumadeputierte Onipko.

Helsingsors, 4. August. Die Meuterei in Swea­borg ist definitiv unterdrückt, nachdem die Kriegsschiffe 450 Bomben geworfen haben. Von den leitenden Offizieren der Meuterer sind Kahanski und Emiljanow ergriffen, Cyon entflohen. 150 Artilleristen und 100 finnländische Sozial» demokraten sind gefallen, 800 Artilleristen und 50 Sozial­demokratin gefangen. Die Gesamtziffer der Meuterer delief sich auf 1400. Das bereits inTätigkeit befindliche Kriegsgericht wird 700 Artilleristen, 300 Infanteristen und 100MannMarinetruppen

Wildenfels faßte die Hand des Freudespenders, die er noch immer hielt, fester mit einem vielsagenden Blicke, und dieser bat lächelnd:Sie müssen Nachsicht walten lassen, wenn es trotz allen guten Willens doch noch an verschiedenen Ecken fehlt. Es ist eben eine unruhige Zeit, in der wir leben."

Kriegszeit," ergänzte Inge;darum haben wir auch einen richtigen Ueberfall in Szene gesetzt, der auf das beste ge­lungen ist."

Der Oberst nickte seiner Nichte zu.Das Mädel war der kluge Feldherr, der den Schlachtenplan ersann, und doch ge­lang die Ueberrumpelung der Festung nur deshalb so glänzend, weil hier daS Herz offen stand. Beide sollen warmen Dank haben, der Feldherr wie der Festungskommandant. Aber nun laßt mich allein, ich will ruhen.

Bald darauf saß die junge Gräfin mit dem Hausherrn in dessen luftigem Eßzimmer beim Abendessen. Eine lebhafte Unterhaltung war im Gange, die sich hauptsächlich um die letzten kriegerischen Ereignisse drehte.

Ein Brief wurde Wacker überreicht, den er hastig erbrach; und dann, zu Inge gewandt, erklärte er:Ich habe auf die Bahn geschickt und gebeten, mir Mitteilung zu machen über die zuletzt Angegangenen Depeschen, die ihren Weg weiter nach Aschaffenburg genommen haben. Der Beamte ist mein Freund, er weiß, daß ich diskret bin. Ihnen darf ich das wohl vor­lesen. So hören Sie!"

Er warf einen raschen Blick um sich, und als er sah, daß der Bote das Zimmer verlassen hatte, las er:Von den ge­schlagenen Preußen sollen sich einige versprengte Abteilungen im Spessart umhertreiben."

Inge schüttelte den Kopf.Bei Kissingen haben diese Preußen gesiegt. Das wissen der Onkel und ich nur zu ge­nau !"

»Aber bei Hammelburg werden sie eine Schlappe bekommen haben," unterbrach sie der Hausherr,das soll am selben Tage gewesen sein. Unsere Truppen dort standen unter dem Gene­ral der Kavallerie dem Fürsten Taxis. Da war der Komman­dant der Artillerie der Major von Horn und der Täufenbach von der Infanterie! Lauter tüchtige Führer!"

Der Onkel hat diese Namen oft und mit der größten An-