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hersselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-^nschlutz Nr. 8

Nr. 92. Donnerstag, den 9. August 1906.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 4. August 1906.

Der Landwirt Heinrich Croll zu Gittersdorf ist am heutigen Tage als Ortsschätzer der Gemeinde Gittersdorf eidlich verpflichtet worden.

1. 6322. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Warnung.

Ein Vertreter der Firma V o ß u. C o in Frankfurt a. M. hat nach einer Mitteilung der Darlehnskaffe in Langen- schwarz -n dortiger Gegend einen Futterkalk zu 40 Psg. pro Pfund mit einem angeblichen Gehalte von 42 % citral- licher PhoSphölsäure mit dem besonderen Hinweis daraus angeboten, daß er von der Versuchsstation Marburg komme und doß der Vorstrher unserer Versuchsstation, Dr.Haselhoff, den Fulterkalk empfohlen habe; ferner hat er UntersuchungS- berichle unserer Versuchsstation sowie der Versuchsstationen in Göttingen, Darmstadt usw. vorgezeigt.

Eine unserer Versuchsstation eingesandte Probe hat ergeben:

Gesamt-PhoSphorsäure 33,64 %,

Citiallösliche Phosphoisäure 29,49 %; außerdem enthält die Probe Gewürzdrogen, wie Anis, Bockshornklee usw.

Es handelt sich also hier um einen mit scharfriechenden Substanzen versetzten phoSphorsauren Kalk, welcher dem bereits wiederholt von sachverständiger Seite gekennzeich­neten Fülle,kalkBrockmannS'S Marke B" gleich steht und den bekannten Mast- und Viehpulvern zuzurechnen ist. Der reelle Fulterwerl beträgt etwa 1012 Pfg. pro Pfund.

Zur Warnung der Landwirte teilen w i r mit:

I. Die Behauptungen des Vertreters der Firma Voß u. Co., daß er von unserer Versuchsstation komme ober daß der Vorsteher unserer Versuchsstation Dr. Haselhoff den Fulterkalk empfohlen habe, sind unwahr.

2. Unsere Versuchsstation hat niemals eine Probe Futter, kalk von der oben angegebenen Zusammensetzung für die Firma Voß u. Co. in Frankfurt untersucht.

Wenn der Vertreter der Firma Voß u. Co. einen Untersuchungsbericht unserer Versuchsstation vorgezeigt hat, so kann sich dieser Bericht nur auf einen reinen unvermischten phoSphorsauren Kalk bezogen haben, denn nur Proben dieser Art sind von der Versuchsstation untersucht worden und zwar in der Zeit von Mai vorigen Jahres bis heute im Ganzen 4 Proben. Der Gehalt derselben hat betragen:

Gesamt-PhoSphorsäure 40,0444,68 %,

CilratlöSliche Phosphorsäure 37,4539,69 % ;

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Seltenerem geb. von Wrangel.

(Fortsetzung.)

Der Nebel braute wunderliche Gebilde, und Werbachs Augen ruhen träumerisch daraus. Aber er sah nicht die spuk­haften weißen Gestalten, die sich aufbauten und wieder zer­rannen Vor seinem geistigen Blicke tauchte wieder und wieder das Bild des Mädchens aus mit der hohen Flechtenkrone und den nachtschwarzen, unergründlichen Augen.

Immer sieghafter trat der Mond seine Herrschaft an; wie flüssiges Silber schimmerte der Main unter seinem Glänze, der zugleich voll geheimnisvoller Schönheit das FelSgestein umschwebte und über Baum und Busch sein magisches Licht goß.

Wahrhaftig, ein Marsch wie durch ein Märchenland," dachte Werbach. Unwillkürlich tauchten dabei Klänge aus seiner Kinderzeit auf. Er erinnerte sich Dornröschens und Undinens, aber seltsam, auch diese Gestalten trugen die Züge der schönen Gräfin, hatten ihre wunderbaren Augen und winkten und lächelten ihm damit zu.

Aus diesen poetischen Träumen riß ihn jedoch bald die ernüchternde Gegenwart. Der Nachtmarsch war zu Ende. Ein enges Kantonnemenl in bem erbärmlichen Dörfchen Nanten- bach ließ nichts an Prosa zu wünschen übrig. Die dumpfige Bauernstube, die trotz ihrer Kleinheit sechs Kameraden auf­nehmen sollte, erschien dem Freiherr» so wenig verlockend, daß er es vorzog, in seinen Mantel gewickelt, unter einem Schuppen aus einer Strohschütte zu schlafen. Die Versammlung der Brigade sollte am anderen Morgen bei Lohr stattfinden, wo auf einer Wiese die Tornister der Leute abgelagert waren, die die Mainkähne dorthin gebracht hatten.

Am nächsten Tage ging es quer durch den Spessart. Heiß brannte die Sonne, und anstrengend war der Marsch durch das enge Gebirgstal.

Auch Werbach lüftete wiederholt den Helm und trocknete mit dem Tuche die Stirn, aber er ließ sich keine Ermüdung

in keinem Falle ist also der angegebene Gehalt von 42 % citratlöslicher Phosphorsäure erreicht.

4. Die Firma Voß u. Co. verlaust neben reinem phoS« phorsauren Kalk, bezeichnet als Praemin III, auch Gemische desselben mit 3040% chemischer und vegetabilischer Sub» stanzen, bezeichnet als Praemin I und II; durch die ähn, lieben Bezeichnungen können leicht Verwechslungen entstehen und durch die Abfassung des Reklamezettels bei nur ober« flächlicher Einsichtnahme desselben leicht Irrtümer über die Zusammensetzung der einzelnen Sorten veranlaßt werden.

Wir empfehlen deshalb unseren Landwirten besondere Vorsicht und raten dringend von dem Ankauf solcher minder­wertigen Freß- und Mastpulvern nahest-henden Gemische ab.

Caffel, den 24. Juli 1906.

Der Vorsitzende der LandwirtschaftSkammer für den Regierungsbezirk Cassel:H. E. von Stockhausen.

*

Hersseld, den 6. August 1906.

Vorstehende Warnung wird den Kre'.Seingeseffenen zur Kenntnis gebracht.

I. 6341. Der Königliche Landrat.

I. SB.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 6. August 1906.

Unter dem Schweinebestande des Knechtes Valentin Trinter in Unterbaun ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 6331. Der Königliche Landrat.

I. SB.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 6. August 1906.

Unter dem Schweinebestande der Maurermeisters Robert Wölbing dahier ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 6332. Der Königliche Landrat.

J. 58.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 6. August 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Bäckermeisters Walpert dahier ausgebrochene Rotlauffeuche ist erloschen. I. 6334. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz,

Regierungs-Referendar.

merken. Er sah, wie hier und da die Leute matt wurden, und das war für ihn nur ein Sporn mehr, keiner Schwäche nachzugeben.

Laufach sollte heute das Ziel sein, und als man etwa die Hälfte des Weges gemacht und einen herrlichen Buchenwald erreicht hatte, wurde eine Ruhepause angcordnet. Sie brächte nicht die erhoffte Erquickung, denn durch den dichten Wald drang kein Windhauch. Schwül und betäubend drückte die Lust hier, während Milliarden von Fliegen und Guitzen die Menschen quälten und die Pferde zur Verzweiflung trieben. Die Ruhepause wurde abgekürzt, der Marsch wieder ausge­nommen. Langsamer als sonst ging es vorwärts bei dieser sengenden Glut, und müde, fast trüge schleppten sich die Sol­daten weiter auf den steinigen Gebirgswegen.

Da sprengte ein Meldereiter heran. Ein Befehl von Goeben wurde Wrangel überreicht. Er sollte sofort mit seiner Brigade eiligst vorrücken, um den Waldessaum nach Hain zu eher zu besetzen als der Feind, die anrückenden Hessen.

Wie mit einem Zauberschlage kam Leben in die Abteilungen. Ordonnanzen sprengten hin und her, um Befehle zu überbringen, und wohin die Botschaft getragen wurde, da schien alle Müdig­keit vergessen zu sein, da zeigte sich nur der streng diszipli­nierte militärische Geist der preußischen Truppen, die für das eigene Ich keine Gedanken mehr haben, sobald die Pflicht ihre Anforderungen an sie stellt.

In beschleunigtem Marsche ging es vorwärts. Die Husarenschwadron Schmidt hatte bereits bei Hain einen Zu­sammenstoß mit sciudlicher Kavallerie gehabt und sich darauf zurückgezogen. General Goeben, der mit den Husaren voran­geritten war, langte jetzt auch am Waldessäume an und er­teilte Wrangel den Besehl, das Gefecht selbständig zu leiten, da er es nur als Zuschauer mitmachen werde.

Nun entwarf Wrangel seinen Plan nach eigenem Ermessen. Er sandte einige Kompagnien auf der Chaussee über Hain vor, andere längs der Höhe des Eisenbahndammes gegen Laufach und warf eine Abteilung südlich der Eisenbahn in die bewal­deten Berge.

Die hessische Kavallerie war den Husaren bis an den Eisenbahndamm, der hier von der Straße Lohr-Aschaffenburg

nichtamtlicher teil.

WehrUigkeit Der AM- will M- btüölkemll.

Der Reichskanzler Fürst Bülow hatte vor einiger Zeit dem Deutschen Landwirtschaftsrate eine Denkschrift über, reicht, in der die deutschen Heerespflichtigen vom Jahre 1902 nach Herkunft und Beruf in vier Gruppen eingeteilt worden sind. Das Material dieser Denkschrift hat Pro- fessor Sering eingehend bearbeitet und die Landbevölkerung alsdie Hauptquelle der physischen Kraft der Ration" be­zeichnet, da nicht einmal mehr ein Drittel der deutschen Rekruten industriellen und mehr als zwei Drittel nach ihrer Herkunft agrarischen Bezirken angehören. Es sei ferner ein gewisser günstiger Einfluß des landwirtschaft­lichen Berufs auf die körperliche Entwickelung erkennbar: die stadtgeborenen Landwirte feien ebenso tauglich wie die landgeborenen, dagegen seien die stadtgeborenen Heeres­pflichtigen der übrigen Berufe gegenüber ihren Berussge- nossen vom Lande minderwertig. Der ungünstige Einfluß des Stadtlebens auf die körperliche Tauglichkeit sei ganz besonders deutlich ersichtlich, wenn man die Bevölkerung Berlins mit der Landbevölkerung der Mark Brandenburg vergleiche. Es fei dabei auch noch auf die Ergebnisse einer amtlichen bayerischen Statistik vom Jahre 1902 hingewiesen, in der die Wehrpflichtigen sowohl nach ihrem eigenen als auch nach dem Beruf« ihrer Väter geordnet sind. Danach waren die Baueroföhne tauglicher als die Söhne von in Industrie und Handel Erwerbstätigen.

Einen wertvollen Beitrag zur Klärung der Frage ent­halten die alljährlich dem Reichstage zugehenden tabellarischen Uebersichten über die Ergebnisse des Heeresergänzungs« geschäftS und über die Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen, die fich auf sämtliche Aushebungsbezirke der Deutschen Reichs erstrecken. Danach wurden im Jahre 1904 in den alphabetischen und Restantenlisten insgesamt 1 088 801 Militärpflichtige geführt. Zur endgültigen Ab­fertigung kamen 508213 Militärpflichtige, und zwar 308 698 aus dem Lande und 199 515 in der Stadt ge­borene. DaS Land hat also gegenüber den Städten die bei weitem größere Anzahl von Militärpflichtigen hervor­gebracht. Von den endgültig Abgefertigten wurden eingestellt, einschließlich der Ueberzähligen und der wegen bürgerlicher Verhältnisse dem Landsturm, der Ersatzreserve und der Marine-Ersatzreserve Ueberwiesenen 180 822, das macht 63,1 v. H. Der auf dem Lande und 105 926, das sind nur 36,9 v. H. der in der Stadt Geborenen. Das Zahlen- verhältniS Der auf dem Lande geborenen zu den in der Stadt geborenen endgültig Abgefertigten war in den Aus- Hebungsbezirken sehr verschieden, doch zeigt die amtliche

in einem Tunnel durchbrochen wird, gefolgt. Weiter hatte sie nicht vorzudringen vermocht, denn das Karabinerfeuer der westfälischen Husaren, mit dem sie ihre Stellung verteidigten, wirkte zu nachdrücklich. Als gleich darauf in beschleunigter Gangart die Füsiliere des 55. Regiments anlangten, über­schritten diese ungehindert den Damm, entwickelten sich in Kompagniekolonnen und trieben die nur geringen Widerstand leistenden Hessen über Laufach und Fronhofen bis Eisenhammer und Weiberhöhe zurück, wo ihr Brigadegeneral Frey mit seinem Gros eine Stellung bezogen hatte.

General von Goeben erteilte nunmehr, da sein Marschziel erreicht war, den Befehl, die Biwaks zu beziehen. Das Füsi­lierbataillon wurde dem Feinde gegenüber belassen, und die Brigade Wrangel legte außerdem noch ihre Vorposten in einen bei Fronhosen befindlichen vorteilhaften Gebäudeabschnitt. Eine Husareneskadron und ein Bataillon des Regiments Nr. 15 waren dazu bestimmt. Werbach gehörte dazu Auf der Wiese am westlichen Ausgange Lausach richteten sich die Sol­daten zum Biwak ein. In der Villa, die dicht daneben lag, und die Tags zuvor Oberst Wildenfels und seine Nichte zum Asyl erkoren hatten, schlug General Wrangel sein Hauptquar­tier auf.

Der Fabrikherr und seine Leute waren eben damit be­schäftigt, von ihren Eßwaren an die Hungrigen zu verteilen, als Wrangel in dem Gärtchen erschien unb, dem gutmütigen Herrn aus die Schulter klopsend, freundlich meinte, er möchte von den herrlichen Dingen doch auch etwas für ihn und seine Offiziere zurückbehalten. Sie seien, wie die Leute, verhungert und verdurstet.

Ich glaube es wohl," versicherte treuherzig Herr Wacker, und will Herrichten, was ich noch habe. Alle Achtung, wenn es wirklich richtig ist, daß Sie der General Wrangel sind, der noch am 11. mittags in Kissingen war."

Stimmt auf den Kopf, mein guter Freund," antwortete Wrangel lachend.Wir haben eben festgestellt, daß im Spessart noch keine Chausseen angelegt sind, und fühlen unsere Knochen wie unsere Magen. Also, mein trefflichster Herr, sorgen Sie gütigst für Quartier und Essen. Wir sehen wie