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herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 94.
Dienstag, den 14. August
1906.
Amtlicher teil
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 23. April d. Js. — A. II. 3723 — (abgedruckt in Nr. 18 des Amtsblattes vom 2. Mai d. Js.) bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Herr Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 5. d. Mts. in. B 3.824 M. d. ö. A. Q , —zur Kennzeichnung von Kraftfahr
zeugen für den Regierungsbezirk Stettin die weiteren Nummern 901—1200 üb erwiesen haben. (A. II. 6555.)
Caffel, am 27. Juli 1906 Der Regierungs-Präsident. J. V. gez. M e j e r. * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 10. August 1906. Der Königliche Landrat.
Trott zu Solz Regiernngs-Rcferendar.
Hersseld, den 10. August 1906.
Die , unter dem Schweinebestande des Barthel Ruhn in Niederjossa ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. I. 6454.
Der Königliche Landrat.
J. V.:
Tr o t t z u Solz Regierungs-Reserendar.
RZniglicher Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr
an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Ceil.
MemW im fernen Wen.
Eine Nachricht aus Tientstn, wonach China ein neues Ministerium für Verkehrswesen (Eisenbahnen, Post, Telegraph, Telephon) errichten will, mag vielleicht verfrüht sein. Unzweifelhaft aber werden im Schoß der Zentral- regierung in Peking dahingehende Wünsche gehegt, und ihre Durchführung kann nur eine Frage der Zeit sein. Das Himmlische Reich hat mit seinen alten Einrichtungen,
Kampf.
Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wrangel. (Fortsetzung.)
Das Mädchen wandte sich zur Seite. „Ja, Onkelchen, das habe ich auch gedacht, aber es kommt eben oft ganz anders, und nachherjskann man gar nicht einmal so recht sagen, wie es geschah."
„Na, wirst schon wiederfinden, was du verloren hast", tröstete der Oberst, „deinen Kopf und die abhanden gekommene Courage."
Stimmen und Männertritte schallten vom Vorplätze herauf. Inge trat ans Fenster. „Sie bringen Verwundete," sagte sie gepreßt. „Ich will hinuntergehen nnd unseren gütigen Wirt fragen, ob ich ihm beim Unterbringen der Leute behülflich sein kann." .
Sie wartete kaum die Zustimmung des Onkels ab, sondern eilte flüchtigen Fußes nach unten. Ihre Hilfe wurde bereitwillig angenommen, denn es gab viel zu tun. Immer mehr Verwundete wurden gebracht, bis schließlich das ganze Haus besetzt war, und nur die Stube des Generals von Wrangel noch frei blieb.
Es dunkelte schon stark, als wieder zwei Träger eine Bahre die Freitreppe herauftrugen. Der Hausherr stand in der Tür. »Es ist absolut kein Platz mehr," erklärte er. „Sie müssen den Verwundeten wo anders unterbringen."
„Fronhofen ist mit Hessen überfüllt, und hier in Laufach ist auch alles belegt," antwortete einer der Lazarettwürter nachdenklich. „Vielleicht schließen der Herr eine Scheune aus, dann könnten wir ihn dahin bringen und noch andere dazu."
„Das kann gemacht werden! Also, Leute, bringt den Verwundeten wieder hinaus und »ach drüben."
Inge kam in diesem Augenblicke vorbei. Sie hatte die letzten Worte gehört nnd warf einen Blick auf die Bahre.
Da fühlte sie, wie ihre Kniee wankte» nnd alles Blut nach dem Herzen drängte. „Nur jetzt keine Schwäche, nur jetzt nicht!" flehte sie im Stoßgebet, und die Hand auf den Arm
soweit sie dem wirtschaftlichen Wetikampfe mit anderen Völkern hinderlich sind, innerlich gebrochen und will sich moderne Verwaltungsorgane schaffen. Der Umschwung vollzieht sich nicht aus Hochachtung für die Kultur der Weißen, sondern unter dem Eindruck der gewaltigen Erfolge Japans. Gerade die Chinesen, die ihr Land in altem Ansehen bei den Bewohnern Jnner-Asiens erhalten möchten, fühlen, daß sie innerhalb der gelben Menschheit auch des Festlandes durch Japan überflügelt werden müssen, wenn sie nicht von dem früher mißachteten Nebenbuhler lernen. Früher gab es in China keinen Patriotismus im europäischen Sinne. Erst angesichts der überraschenden Entfaltung des japanischen NationalgeisteS beginnt jetzt zunächst in den Küstenprovinzen des Reiches der Mitte etwas AehnlicheS zu erwachen. Die Forderung „China den Chinesen" ist der Leitstern einer neuen Schule. Offen wagt man sich freilich mit diesem Feldgeschrei noch nicht hervor. Denn auf längere Zeit kann zur Abstreifung der veralteten Formen die Mithülfe der Japaner und der Fremden weißer Raffe nicht entbehrt werden. Für die Dauer des Uebergangs muß Vorsicht beobachtet werden. Daraus erklärt es sich, daß fremdenfeindliche Mandarinen schon lange keine für die Beziehung Chinas zu anderen Mächten wichtige Stellungen mehr erhalten.
Nach jener Meldung aus Tientsin soll das neue Ver- kehrsministerum auch die Verwaltung der Seezölle übernehmen. Auch hier wird der Wunsch der Vater des Gedankens sein. Wenn aber behauptet worden ist, damit rücke die Unabhängigkeit der chinesischen Seezollverwaltung von fremden Einflüffen näher, so stehen diesem für die europäischen Interessen unerwünschten Wandel auf lange hinaus vertragsmäßige Hindernisse entgegen. Die Einkünfte der Seezölle dienen zur Zahlung der chinesischen Anleihezinsen, und die Verträge über diese Anleihen enthalten die Bestimmung, daß während ihrer Dauer an der Verwaltung der Seezölle keine grundsätzlichen Aenderungen vorgenommen werden dürfen. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß, als China vor einigen Monaten zwei neue Zolldirektoren ernannte, dieser Schritt zu einer Anfrage mehrerer Mächte in Peking geführt hat. Die chinesische Regierung mußte damals tue Erklärung abgeben, daß durch die von ihr begonnenen Neuerungen im Zollwesen das System der Seezölle und besonders auch die Befugnisse des langjährigen fremdländischen Leiters dieser Verwaltung, des Engländers Sir Robert Hart, nicht berührt werden sollen. An der ungestörten Wetterführung der Zollgeschäfte durch diese bewährte Persönlichkeit haben auch andere Mächte ein Interesse, und alles spricht gegen die Annahme, daß die chinesische Rrgierung es daraus abgesehen habe, durch weitere Maßregeln zur Zurückdrängung des fremden Einflusses im Zollwesen es mit sämtlichen Gläubigerstaaten zu
des Fabrikherrn legend, fragte sie tonlos: „Was soll mit dem Offizier hier geschehen?"
Der Hausherr hatte den Kopf zn voll von allem, was auf ihn einstürmte, er bemerkte daher nicht ihre quälende Angst und gab ihr kurzen Bescheid.
Doch Inge ließ ihn gar nicht aussprechen. „Nein, nein! Das darf nicht sein," rief sie, sobald sie begriffen, was man vorhatte. „Sehen Sie denn nicht, daß der Verwundete bewußtlos ist? Der muß in das Haus kommen."
„Ja, aber mein Gott, ich kann doch die Wände in der Geschwindigkeit nicht heransrücken, um mein Haus größer zu machen," meinte der Geplagte ärgerlich. „Dem General habe ich versprochen, das Zimmer für ihn zurückzubehalten, und einen anderen Raum besitze ich doch nicht. Meine Stube ist schon belegt, und Sie haben die Ihre auch hergegeben."
„Der General soll ein warmes Herz für feine Untergebenen haben. Er wird dem verwundeten Offizier sein Zimmer bereitwillig abtreten," beharrte die Gräfin, und als der Hausherr noch zögerte, setzte sie rasch hinzu: „Den Verwundeten kenne ich, es ist der Freiherr von Werbach. Er könnte im Notsall auch später umquartiert werden, wenn der General wirklich noch Anspruch auf sein Zimmer erheben sollte, was ich aber keinesfalls glaube."
„3a, Gräfin, wollen Sie seinerzeit dem Wrangel die Geschichte auseinandersetzen? Mir ist das peinlich.
„Ich übernehme die Verantwortung und werde alles besorgen."
Inge hatte das in sehr entschiedenem Tone gesagt, nnd winkte den Lazarettgehülfen, ihr zu folgen.
Eine halbe Stunde später erschien Wrangel in der Villa. »Also das ganze Haus ist in ein Lazarett umgewandelt," hörte die junge Gräfin ihn unten im Flur sagen. „Nun, hoffentlich findet sich hier doch noch ein Unterschlupf für mich. Wie steht es mit meiner Stube? Die sollte mir ja aufgehoben werden."
Inge war herabgeeilt und stand vor dem General. „Ein verwundeter Offizier wurde in Ihr Zimmer gebracht, — es war der letzte Raum, den wir zu vergeben hatten," sagte sie. Ihre schönen Augen sahen ihn dabei freimütig an, als sie sort-
verderben. Auf der anderen Seite geht eine Reulermeldung aus Hongkong zu weit, wenn sie die Vorstellung zu er« wecken sucht, nur durch Widerruf der letzten chinesischen Ernennungen in den höchsten Stellen der Zollverwaltung könne die Stellung Sir Robert Harts gesichert werden. Dazu gibt es noch andere Mittel und die Mächte würden erforderlichen Falles die Interessen ihres Handel« und ihrer Banken zu schützen wissen.
In der Mandschurei soll nun mit der im Friedensvertrag von Portsmouth vorgesehenen offenen Tür für den fremden Handel Ernst gemacht werden. Japan hat versprochen, den Hafen von Dalny am 1. September d. I. zu öffnen. Damit würde ein Wunsch der Kaufmannswelt erfüllt werden, dessen sich auch Deutschland durch seine Vertretung in Tokio angenommen hat.
MMe« in TM-WM.
Sansibar, 11. August. Von dem Sultan Schobruma liegen keine neuen Nachrichten vor, die übrigen Rädelsführer — Mohmakkiro Mkomanire, Omart, Kingalla und Magewa — sollen sich nördöstlich des Mohesie sammeln. Gegen sie geht, den Saffawara aufwärts, Leutnant von Blumenthal mit einem Zuge der 13. Kompagnie vor. Die portugiesische Grenze wird durch Mannschaften der Polizeiabteilung Ssongea beobachtet. Für die Landschaft Matumbi im Norden des Bezirks Ssongea, die treu geblieben war und dem Major Johannes 200 Mann Hilfskrieger zeitweise zur Verfügung gestellt hatte, ist das Kriegsrecht aufgehoben worden. In Jcaku schreitet die Beruhigung stetig fort. Oberleutnant Abel hat den Rückmarsch nach Moschi angetreten, nur die fünfte Kompagnie unter Hauptmanna Hirsch verbleibt bis auf weiteres in Jraku. Die fünfzehnte Kompagnie unter Hauptmann Wunderlich ist von Mpapua nach Tabora abmarschiert.
5er Aiifsimd in IM«Ust-Afrikü.
In Südwestafrika hat ein neuer Kampf der deutschen Truppen mit den Rebellen stattgefunden. Am 6. August griff eine Hottentoltenbande von etwa 50 Mann die Pferdewache der 2. Kompagnie 2. Regiments bei Alurisfontein südlich Warmbad an. Die sofort eingreifende Kompagnie schlug den Feind in die Flucht und verfolgte ihn weiter. Es fielen zwei Reiter, drei wurden schwer verletzt.
Oberst von Deimling ist mit seinem Stäbe auf dem Marsch von Keetmanshop nach Warmbad.
Als ganz unbegründet stellt sich die au« englischer Quelle stammende Nachricht von einem für die Deutschen verlustreichen Gefecht bei Violsdrift heraus.
fuhr: „Der Hausherr wollte die Stube eigentlich nicht herausrücken, aber ich war so fest davon überzeugt, daß General Wrangel zuerst für verwundete Offiziere sorgen und dann erst an sich denken würde, daß ich es auf mich nahm, den Verwundeten dort hinausbringen zu lassen. Nicht wahr, ich habe richtig geurteilt?"
Wrangel sah sie lächend an. „Was in aller Welt sollte ich wohl auf solche Frage anders erwidern, als, — ich trete mit Freuden zurück. Die junge Dame hat mich mit gewandter Kriegslist gefangen, um für ihren Schützling zu sorgen! Ein hessischer Offizier, vermute ich.
Ueber Inges Wangen schoß eine heiße Flut. Sie hob stolz den Kopf. „Einer Ihrer Untergebenen. Für einen anderen hätte ich Ihre Güte nicht in Anspruch genommen."
„Oho! Bin ich der jungen Dame an den Wagen gefahren ? Es war nicht meine Absicht," meinte Wrangel freundlich und fuhr ernster fort: „Sie haben vollkommen richtig geurteilt. Auch ohne Ihre Worte hätte ich selbstverständlich einem Verwundeten sofort mein Zimmer überlassen. Aber in einem Punkt irren Sie sich, ich würde das ebensogut für einen Hessen wie für einen Preußen tun. So, und nun keine Feindschaft darum," — er reichte ihr herzlich die Hand, — „sorgen Sie nur dafür, daß mir im Gartenhäuschen auf die Bank ein paar Kissen hingebracht werden, dann findet sich alles übrige."
Inge hatte ihre Hand in die dargebotene Rechte des Generals gelegt. „Ich danke Ihnen, das ist schön nnd groß gedacht," sagte sie einfach, und der warme Klang ihrer Stimme verriet, wie ihr die Worte von Herzen kamen.
Wrangel nickte ihr zu.
„Nun, also jetzt sind wir wieder gute Freunde. Dann regt sich bei Ihnen gewiß auch ein menschliches Verstehen dafür, daß ich mordsmäßig hungrig bin."
„Was irgend auszutreiben ist, soll in die Gartenlaube geschafft werden," versicherte Inge dienstbereit und eilte, um das Nötige zu besorgen.
Eine Flasche Rotwein, Brot und ein kaltes Huhn hatte der Hausherr noch für den General mit Beschlag gelegt und brächte nun diese Leckerbissen höchst eigenhändig hinab in die Laube; August, des Generals Ordonnanz, den er mit Kissen