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herssel-er UmMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernfprech-Nnschlutz Nr. 8 ,

Nr. 96. Sonnabend, den 18. August 1906.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 14. August 1906.

An Stelle des Oberingenieurs Ritzhaupt in Schmalkal- den der Fachschuldircklor Beil in Schmalkalden von dem Herrn RegierungsPräsidenten zum Sachverständigen für die Prüfung von Kraftfahrzeugen und Erteilung von Be- fähigungszeugniffen für deren Führer bestellt worden.

Der Sachverständige beansprucht dieselben Gebühren wie sein Vorgänger, nämlich:

1. für die Prüfung eines Kraftwagens . . 20,00 Mk.

2. für die Prüfung jedes ferneren an dem­selben Tage uno demselben Orte geprüf­ten Kraftwagens desselben Besitzers . . 10,00

3. für die Prüfung eine« Motorfahrrades. 12,00

4. für die Prüfung jedes ferneren an dem­selben Tags und demselben Orte geprüf­ten Motorfahrrades desselben BesttzerS . 8.00

5. für die Prüfung eines Kraftfahrzeug­

führers.......... 20,00

6. für die Prüfung eines Kraftfahrzeug- führers verbunden mit der Prüfung eine« "Kraftwagens....... . 30,00

7. für die Prüfung eines Kraftfahrzeug- führers verbunden mit der Prüfung eines Motorfahrrades........ 25,00

8. für die Prüfung jedes ferneren Kraft­wagens an demselben Tage und Orte deffelben Besitzer«, verbunden je mit der Prüfung eine» weiteren Kraftfahrzeug- führers ........... 20,00

9. für die Prüfung jedes ferneren Motor­fahrrades deffelben BesttzerS an demselben Tage und Orte verbunden je mit der Prüfung eines weiteren Führers . . . 15,00 10. außerdem die wirklich verauslagten Reise­kosten.

I. 6536. Der Königliche Landrat.

J. V.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 16. August 1906.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreise« werden hierdurch veranlaßt, für baldige Zahlung der am 15. d. Mts. fällig gewordenen 2. Rate der für das Jahr 1/4. 1906/7 zu entrichtenden Kretssteuer bet der Kreiskommunalkaffe dahier Sorge zu tragen.

Der Vorsitzende -es Kreisausschusses. J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 15. August 1906.

Der Bürgermeister Möller zu Meckbach ist für einen am 6. September d. Js. beginnenden weiteren 8jährigen Zeitraum wiedergewählt und bestätigt worden. A. 3112. Der Königliche Landrat.

3 V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 14. August 1906.

Die diesjährige technische Maß> und GewichtSreviston bei den Gewerbetreibenden in der Stadt Hersfeld wird vom 11. September d. I«. ab durch den Eichtechniker, Herrn Klempnermeister Georg Röffing hier vorgenommen werden. I. 6518. Der Königliche Landrat.

I. V : Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 15. August 1906.

Bei einer Kuh des Landwirt» Andreas Orth in Asbach ist Milzbrand festgestellt worden. L 6564. Der Königliche Landrat.

J. V.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 14. August 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Maurers Johannes Müller in Frielingen ausgebiochrne Rotlausseuche ist erloschen. ! 6546. Der Königliche Landrat.

I. V.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

MWim des LmiWftil-IenkMs zu Homburg.

Homburg v. d. H., 16. August. Seine Majestät der Kaiser mit Gefolge und Prinz und Prinzeffin Fried­rich Karl von Heffen trafen in Automobilen gegen 11 Uhr bet günstigem Wetter hier ein Die Stadt Homburg trägt Flaggenschmuck. An dem verhüllten Denkmal am Elisabethen- Brunnen hatten sich versammelt der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland mit dem Prinzen Georg und der Großfürstin Georg Michailowitsch und Gefolge, der Chef des Geheimen ZivilkabinettS, Exzellenz Dr. von LucanuS, der Chef des MilitärkabinettS Graf v. Hülsen- Haefeler, der Oberpräsident der Provinz Heffen-Raffau von Wrndhetm, der Regierungspräsident von Meister, der Land­rat Dr. Ritter von Marx, der kommandierende General des 18. Armeekorps von Eichhorn, die Hamburger Behör­den, die Geistlichkeit und die Bürgermeister des ehemaligen AmteS Homburg, die Schulen und die Vereine mit ihren Fahnen. Das Füsilierregiment von Gersdorf hatte die Ehrenkompagnie gestellt. Unter Glockengeläute traf der Kaiser am Denkmal ein. Er trug die Uniform des 1. Garderegiments z. F. mit den GeneralfsldmarfchallSabzeichen. Der Kaiser schritt die Front der Ehrenkompagnie ab und begrüßte die Anwesenden. Der Blumenthalsche Männerchor intonierte Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre. Hierauf hielt der Kaiser, indem er an da» Denkmal trat, folgende Ansprache:

So oft Ich in Homburg vor der Höhe Aufenthalr genommen, stets habe Ich es freudig empfunden, daß die hiesige Bevölkerung das Andenken an das Landgräfliche Haus Hessen-Homburg treu und liebevoll im Herzen bewahrt und gern alles dessen gedenkt, was Homburg der landesväterlichen Fürsorge seiner Landgrafen zu verdanken hat. Nachdem in den schönen Kuranlagen Meinen unvergeßlichen Eltern und Meinem in Gott ruhenden Herrn Großvater als Ausdruck der ihnen gezollten pietätvollen Dank­barkeit treffliche Denkmäler gewidmet sind, war es Mir ein Be­dürfnis des Herzens, Meinerseits diesem echt deutschen Fürsten­geschlechte hier in unmittelbarer Nähe der Heilquellen, die alljährlich so vielen Tausenden von nah und fern Gesundheit und Lebens­mut von neuem spenden, ein Zeichen inniger Verehrung und treuen Gedenkens zu errichten. Und wahrlich! Die Hamburger Landgrafen haben es verdient, daß ihre Persönlichkeiten und ihre Ruhmestaten im Herzen der Nachwelt einen Ehrenplatz behalten. Ist es nicht eine herrliche Reihe reckenhafter Heldengestalten, die an unserem geistigen Auge vorüberziehen? Mit einer stattlichen äußeren Erscheinung waren bei ihnen alle Vorzüge eines edlen Geistes und eines reinen Charakters verbunden.

Im Jahre 1622, als Tillys Scharen Westdeutschland ver­heerend durchzogen, von Friedrich I. begründet, einem Enkel Philipps des Großmütigen von Hessen, regierte das Landgräfliche Haus fast zwei ein halb Jahrhunderte lang zum Segen Hom­burgs und nicht ohne Einfluß auf die Geschicke Preußens und Deutschlands, getreu seinem WahlspruchSchlicht und recht, das behüte mich". Mit Meinem Hause waren die Hamburger Fürsten in treuer Waffenbrüderschaft verbunden, und stets haben sie ihren Heldenarm geliehen, wenn in schicksalsschwerer Zeit Hülfe willkommen war. ' Als der Große Kurfürst nach den schreckens- vollen Verwüstungen des dreißigjährigen Krieges seinen Staat wieder aufbaute, trat Friedrich mit dem silberen Bein mit seinem Reiter-Regiment Landgraf von Homburg in brandenburgische Dienste. Der 18. Juni 1675, der ruhmreiche und für die Größe des Hohenzollernstaates entscheidende Tag von Fehrbellin, an welchem die neu gebildeten Regimenter die Feuertaufe erhielten, schmückte auch sein Haupt mit wohlverdientem Lorbeer. Und wie er als todesmutiger Reiterführer, der selbst nach dem Verluste eines Beines seinem Heldenberufe treu bleibt, für alle Zeiten die höchste Bewunderung verdient, so hat er auch als Landesherr zum Wohle seines Landes und Volkes Großes getan. Er ist der Erbauer des jetzigen Schlosses. Den um ihres Glaubens willen vertriebenen französischen Reformierten und Waldensern schenkt er eine neue Heimat die blühenden Dörfer Friedrichs­dorf und Dornholzhausen geben davon noch heute beredtes Zeug­nis, Ackerbau und Gewerbe werden von ihm mit landesväter- licher Weisheit gefördert.

Den Enkel dieses Helden, Friedrich Karl, sehen wir fast noch im Knabenalter in das preußische Heer ein treten und unter den Fahnen Friedrichs des Großen in den Schlesischen Kriegen ruhmreiche Taten vollbringen. Und als Peußens Stern unter dem Wetterschlage von Jena und Auerstädt unterzugehen droht und nach trüben Jahren der Fremdherrschaft die Volkskraft sich aufrafft, die Schmach zu sühnen, da ist es Landgraf Friedrich Ludwig, der sechs herrliche Söhne für Deutschlands Freiheit ins Feld sendet. Der hoffnungsvolle Prinz Leopold fällt bei Groß- görschen und in der Völkerschlacht bei Leipzig, an welcher die übrigen fünf Brüder ruhmvollen Anteil nehmen, netzen zwei von ihnen das Schlachtfeld mit ihrem Heldenblute. Unvergessen wird es bleiben, daß der edle Fürst lieber die Ungnade des mächtigen Bedrückers auf sich nimmt, als seinem Befehle nachkommt, die Söhne aus dem österreichischen und preußischen Heere zurückzu- rufen und in den Jahren tiefster Entmutigung und Erniedrigung unerschütterlich an der Hoffnung festhält:Die deutsche Nation wird wieder aufleben und die Fesseln abwerfen, sie wird immer das Herz von Europa bleiben."

Auch der letzte der Landgrafen, Ferdinand, weiß sich, obwohl erst im späten Alter nach einem tatenreichen und ruhmvollen Soldatenleben zur Regierung gelangt, die Liebe und Dankbarkeit seines Volkes in hohen Maße zu erwerben; die allgemeine freudige Teilnahme an der Feier seines 80. Geburtstages tröstet ihn über das tragische Geschick seines Hauses.

Das herrliche Bild, welches uns der Rückblick auf das Helden­geschlecht gewährt, wäre nicht vollständig, wenn Ich nicht auch der edlen Frauen des Landgräflichen Hauses gedachte. Sie

haben sich durch echte Frauentugenden, Frömmigkeit, Herzensgüte und Charakterstärke ausgezeichnet und mehrfach zu Zeiten der Unmündigkeit der Thronerben die Geschicke des Landes muster­haft geleitet. Ich erinnere an die Landgräfin Elisabeth, eine Tochter des Königs Georgs des III. von England, wie sie, eine echte Landesmutter, zum Segen ihres Landes gewirkt und gesorgt hat. Ihrer wird auch noch heute im Herzen der Hamburger mit treuer Dankbarkeit und Verehrung gedacht. Ich erinnere ferner an jene anmutige Frauengestalt, die Prinzessin Marianne, Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preußen, eine Fürstin, die, wie Stein von ihr schreibt, mit allem Glänze äußerer Schönheit ein herrliches, für jedes Edle und Große empfängliches Gemüt verbindet.

Ju den schwersten Zeiten des Vaterlandes war sie dem tief« gebeugten Königspaar ein Trost und dem Lande ein Segen. Als der Gram über ihres Volkes Not das Herz der edlen Königin Luise gebrochen hatte, sorgte Prinzessin Wilhelm für die ver­waisten Königlichen Kinder in liebevoller mütterlicher Weise. Sie war es, die ihren Neffen, den späteren großen Kaiser Wilhelm den Trost warmer Verwandtenliebe empfinden ließ, als er am Abend seines Konfirmationstages in kriegsbewegter Zeit verein­samt war. Sie war es, die 1813 denAufruf der Königlichen Prinzessinnen an die Frauen im Preußischen Staat" zur Grün­dung des ersten Frauenvereins erließ, der sich die Linderung der Not im Vaterlande durch opferwillige Werke barmherziger Nächstenliebe zur Aufgabe setzte. Welch ein Segen hat auf dem Wirken dieser Frau geruht! ~

Und so übergebe Ich der Stadt Homburg vor der Höhe dieses Denkmal. Möge es allezeit in Ehren gehalten werden! Möge das Andenken an das erloschene Fürstengeschlecht wie die Liebe zu König und Vaterland, Kaiser und Reich ein unver­gängliches Erbe der Hamburger Bürgerschaft bleiben!

Hierauf lies Se. Majestät Die Ehrenkompagnie präsen­tieren, und die Hülle fiel. Der Kaiser salutierte vor dem Denkmal; während der Chor KreutzerS Dir möcht ich diese Lieder weihen sang, betrachteten der Kaiser und die Fürst­lichkeiten da» Denkmal.

Hierauf übernahm Oberbürgermeister Maß das Denkmal mit einer Rede, die in ein dreifaches Hurra auf Se. Majestät den Kaiser ausklang, in die Obhut der Stadt.

Die Truppen präsentierten und das Musikkorps spielte die Nationalhymne. Der Kaiser zog hierauf eine Anzahl Personen ins Gespräch und verteilte selbst die verliehenen Ordensauszeichnungen.

Während dessen wurden zahlreiche Kränze am Denkmal niedergelegt. Ein Parademarsch des Regiments v. Gersdorf beschloß die Feier, nach welcher sich der Kaiser unter den Zurufen des Publikums zum Landrat v. Marx begab um bei ihm das Frühstück einzunehmen.

Der Kaiser ist mit Gefolge am Donnerstag nachmittag

2 Uhr 20 Min. vom Bahnhof Homburg v. d. H. über FriedbergGießen nach Wilhelmshöhe abgereist.

Friedrich der Grstze

Ein Gedenkblatt zum 17. August.

An diesem Freitag sind 120 Jahre verflossen, seit Friedrich der Große, die Sonne der 18 Jahrhunderts, sein mühevolle«, tätiges Leben beendete. Was dieser König mit den Kräften seines armen Lande«. mit dem Heldenmuts feines kleinen Heeres für Preußen, für Deutschland gegen die Kriegsmacht fast Des ganzen Europas errungen hat, das steht unerreicht in der Geschichte da. Und so soll der 17. August uns erinnern an unsere Dankesschuld gegen ihn.

Versetzen wir uns zurück in die Stunden des 17. August des Jahres 1786. Nach einem Leben, das nur seinem Volke gewidmet war, leidend an Seele und Leib, gab es auch am Abend seines Lebens für den immer mehr verein­samten Monarchen, der alle die zu Grabe getragen hatte, welche er geliebt, mit denen er die großen Jahre seiner Heldenlaufbahn durchlebt, keine Ruhe, fonbern nur Arbeit vom frühesten Morgen bis spät in die Nacht hinein.

Im Winter 1786 war auch sein alter Zielen gestorben. Voll Todesahnung hatte der König ausgerufen:Der alte Zielen ist sich auch im Tod treu geblieben. Im Krieg hat er stets die Vorhut geführt, er ist mir auch im Tod vorauf» gegangen. Ich führe die Hauptarmes; bald werde ich ihm folgen! Aber das Gefühl der Nähe seiner Tode» ver­anlaßte den großen König nicht etwa zur Schonung seiner schwachen Kräfte, sondern im Gegenteil, er suchte seine Zeit noch mehr auszunutzen als bisher.

Man weiß, wie hart das Tagewerk des Königs war. Um 3 bis 4 Uhr im Sommer, um 5 Uhr im Winter er­hob er sich. Nachdem er zuerst die eingegangenen Brief­schaften gelesen, die Flöte gespielt hatte, traten die Kabinett», täte zum Vortrage ein. Und nun rollte der Tageslauf in ununterbrochener Arbeit dahin bis zum Abend. Jetzt aber befahl er seine Kabinettsräte schon um 4 Uhr früh.Mein Zustand nötigt mich, Ihnen diese Mühe zu machen, bis für Sie nicht lange dauern wird," redete er sie an.Mein Leben ist auf der Neige, die Zeit, die ich habe, muß ich benutzen, sie gehört nicht mir, sondern dem StaateI" So schaffte er unermüdlich bis zum letzten Tage. Nur der Tod setzte seinem Wirken sein Ziel, als er am 17. August zwanzig Minuten nach zwei Uhr Nachts entschlief. Wie bei seinem großen Nachsolger ein Jahrhundert später hieß er von ihm:Ich habe keine Zeit müde zu sein!" Einen Achtstunden-Arbeitötag" kannte deralte Fritz" nicht.

Als die Kunde des Todes des einsamen Arbeiter« im