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herssel-er UmMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 9h Dienstag, den 31 August 1&0&

Nichtamtlicher teil.

Ach FrickiMf.

Die Monarchenbegegnung von Friedrichshof ist, wie deutsche und englische Teilnehmer übereinstimmend bezeugen, ohne jeden Mißklang verlausen. Der Reichskanzler wurde gleich nach der Abreise König Eduards durch Kaiser Wil­helm unmittelbar von dem befriedigenden Inhalt der zwischen den Monarchen und ihren diplomatischen Begleitern ge. pflogenen Unterredungen telegraphisch in Kenntnis gefitzt. Ihren Hauptzweck, eine vertrauliche persönliche Aussprache unter den gekrönten Oberhäuptern Deutschlands und Groß' Britanniens zu ermöglichen, hat die Zusammenkunft im Taunusgebirge vollkommen erfüllt. Kaiser und König ver­kehrten initetuauder in ungezwungener Freundlichkeit, und das neu bekundete gute Einvernehmen zwischen den beiden hohen Anverwandten wird so leicht nicht wieder getrübt werden. Auch die Politik ist zu ihrem Recht gekommen, nicht indem Einnne freilich, als ob schwierige internationale Ausgaben aus dem Handgelenk gelöst oder besondere deutsch-englische Aktionen verabredet worden wären. Aber in ausgedehnten und eingehenden Gesprächen ist keine der großen schweben­den Fragen unerörtert geblieben. Man hat die Ueber­zeugung austauschen können, daß die deutsche und die eng­lische Politik gewillt Rnb, die Verfolgung ihrer besonderen Interessen den Erwägungen unterzuordnen, die für die Er­haltung des Friedens zwischen den europäischen Großmächten ins Gewicht fallen. Angelegenheiten, die ein unaufschieb­bares Handeln der Kabinette von Berlin und London not» wendig machen, sind nicht vorhanden. Weder die russischen noch die türkischen Verhältnisse bieten Anlaß zu einer Ein­mischung. Für die Stimmung aber, in der Deutschland und England an die Lösung von Einzelfragen zu gegebener Zeit herantreten können, werden Die in Friedrichshof und Homburg empfangenen Eindrücke nicht ohne günstige Nach­wirkung bleiben. Es bedarf für jetzt keiner besondern Ab- machung zwischen uns und England. Sollten stch jedoch Umstände ergeben, die beiden Teilen eine Verständigung wünschenswert erscheinen lassen, so ist der Weg dazu frei gemacht. In diesem Ausblick läßt sich für ein besonne­nes Urteil die politische Bedeutung der deutsch-englischen Zwiesprache in Friedrichshof zusammenfassen.

Alls itm euröjjsiifrfjen Writtwillkel.

Der europäische Orient beginnt nachgerade das politische Tagesinteresse wieder mehr und mehr auf sich zu ziehen und die Aufmerksamkeit der europäischen Diplomatie zu erregen. Zu den schon so lange andauernden Wirren in Mazedonien, wie eS das schonungslose Treiben bulgarischer, griechischer und serbischer Banden in dieser türkischen Pro-

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wränget. (Fortsetzung.)

Inge kannte den Schluß des verhängnisvollen Blattes bei­nahe auswendig, und doch wollte sie sich jene Worte noch einmal einprägen, um sie gleichsam als Schutzwehr gegen ihre leidenschaftlichen Gefühle zu gebrauchen. Flüsternd, mit halb­lauter Stimme las sie:Nie darf aber jetzt von einer Ver­bindung mit dir und dem Sohne meines früheren Freundes die Rede sein. Versprich es mir heilig, Inge, daß, komme, was da wolle, du nie solchen Bewerbungen Gehör schenken willst, denn der Sohn ist des Vaters getreues Ebenbild. Trotz seiner Jugend hat er . . ."

Kein Wort schenkte sich Inge von diesen schwerwiegenden Zeilen. Sie bohrten sich voll schneidender Schärfe in ihr Herz, aber sie wollte anf ihrem Posten ausharren, unbeirrt, wie der Soldat im Kugelregen, ob sie glich, gleich jenem, die Todestreue mit dem Zasammenbrechen besiegeln müßte.

Fest legte Inge die Hand anf des Vaters Brief.Ich habe es dem Toten gelobt, nach seinem Willen zu handeln," sprach sie leise vor sich hin.Seine irdischen Ohren haben mein heiliges Versprechen nicht mehr vernommen, aber Gott weiß darum, und du auch mein geliebter verklärter Vater. Zch darf und will meinen Schwur nicht brechen. Gott gebe mir Kraft." Es war das wie eine Erneuerung deS Ge­lübdes, und mit einem schweren Senfzer setzte sie hinzu:So, jetzt bin ich gefeit, jetzt werde ich lesen, was der Sohn deines ehemaligen Freundes, mein Vater, mir zu sagen hat.

Sie griff nach Werbachs Brief und las.

Aschaffenburg, den 21. Juli 1866. Teuerste Gräfin!

Heute ist der Waffenstillstand bekannt gemacht, heute stehen wir uns nicht mehr als getrennte Parteien gegenüber, und nun ist es mir vergönnt, Ihnen rückhaltlos sagen zu dürfen, was meine ganze Seele erfüllt. Aber wozu die Worte! Ich war schon in Laufach nicht mehr imstande, Ihnen meine über-

vinz darstellt, haben sich in letzterer Zeit andere Vorgänge mehr oder minder bedenklicher Alt gesellt, wie der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rumänien und Griechenland, Kämpfe im türkisch-montenegrinischen Grenz­gebiet, blutige bulgarisch-türkische Grenzzwischenfälle und neuerdings die Griechenhetzen in Bulgarien. Namentlich die letzteren müssen als eine bedenkliche Erscheinung be­zeichnet werden, da sie weitere Verwickelungen nach sich zu ziehen drohen. Die brutalen Ausschreitungen in einer Reihe bulgarischer Städte gegen die daselbst wohnende griechische Bevölkerung, die mit den Mordbrennereien in der Grenzstadt Anchialo ihren Höhepunkt erreichten, können allerdings nicht genug verurteilt werden, wenngleich sie schließlich nur die Rückwirkung der von griechischen Banden fortwährend an dem bulgarischen Bevölkerungselement in Mazedonien verübten Greueltaten sind. Recht verdächtig ist auch das Verhalten der bulgarischen Regierung und der Behörden gegenüber den schweren antigriechischen Exzessen im Lande, denn trotz der wiederholten offiziösen Versicher­ung aus Sofia, die Regierung habe die strengsten Maß­nahmen zur Verhinderung weiterer Ausschreitungen gegen die griechische Bevölkerung angeordnet, sind solche Dank dem passiven Verhalten der Lokalbehörden doch immer wieder möglich geworden. Jetzt aber hat diese Angelegenheit eine kritische Wendung genommen Das ökumenische Patriarchat hat sich wegen der unaufhörlichen Vergewaltigungen der Griechen in Bulgarien beschwerdeführend an die Pforte und zugleich an die fremden Botschaften in Konstantinopel gewendet, worauf die Pforte in einer Rundnote an ihre Botschafter im Auslande erklärte, sie könne gegenüber solchen Gewalttaten nicht mehr gleichgültig bleiben und sie nicht länger mehr dulden.

Sollte es der Pforte Ernst mit dieser Versicherung sein, so stünde also wohl eine bewaffnete türkische Intervention zum Schutze des Griechentums in Bulgarien zu erwarten, da die bisherigen Vorstellungen der Pforte beim Kabinett von Sofia wegen der Griechenhetzen gar nichts gefruchtet haben. Falls man aber in Konstantinopel wirklich zur Ausführung einer solchen Intervention schreiten würde, dann wäre der längst drohende türkisch-bulgarische Krieg mit einem Male da, denn Bulgarien würde einen türkischen Einmarsch gewiß nicht ruhig hinnehmen. Es bedarf jedoch keiner besonderen Versicherung, daß eine kriegerische Aus­einandersetzung zwischen der Türkei und Bulgarien mit einem Schlage die gesamte Balkanhalbinsel in Flammen setzen würde und daß alsdann die Erhaltung des europäischen Friedens bei den mannigfach sich kreuzenden Interessen der Mächte im Südosten des Weltteiles ernstlich in Frage stünde. Man darf daher erwarten, daß die Mächte alles tun werden, um den Ausbruch eines bewaffneten Konfliktes zwischen der Türkei und Bulgarien zu verhindern, wozu in erster Linie sehr nachdrückliche Einsprüche der vereinigten Mächte in Sofia gegen weitere Griechenhetzen im Lande

mächtigen Gefühle zu verheimlichen. Nur das entscheidende Wort durfte noch nicht über meine Lippen kommen, so heiß ich mich auch damals schon danach sehnte. Jetzt aber, wo der erste Friedenslon erschallt, und wo ich zugleich aus dem Lazarett entlassen bin, jetzt darf ich vor Ihren Onkel Eintreten und um die teure Hand bitten, die zu besitzen mir als der Inbegriff alles irdischen Glückes erscheint. Nennen Sie mich nicht vermessen, Gräfin, wenn ich so kühn bin, zu hoffen, daß mein heißes Lieben auch in Ihrem Herzen einen Widerhall gefunden habe. Was habe ich gelitten, als Sie so Plötzlich von Laufach ausbrachen! Das Leben, so dünkt mich, ist nicht mehr zu ertragen ohne Ihre berückende Gegenwart. Aber ich habe es ja selbst eingesehen, Ihre Kräfte waren zu Ende, Sie mußten aus der Arbeit heraus! Ich habe sechs Wochen Ur­laub erhalten, um mich wieder vollständig zu erholen. Es ist nur die verzehrende Sehnsucht, die mich aufreibt und die Kräftigung verzögert. Ein Wink von Ihnen, und ich komme, dann ist jeder Schatten versunken, und ich darf die Hände nach einem Glück ausstrecken, nach dem meine ganze Seele verlangt. Sie müssen wissen, was ich in der Qual der Un­gewißheit leide, in diesem Wechsel zwischen jauchzender Freude und banger Sorge, darum lassen Sie mich keine Stunde un­nötig warten, teure, vielgeliebte Gräfin.

Ihr bis in den Tod getreuer

Karl Freiherr von Werbach."

Inge hatte langsam und ohne Tränen den Brief bis zu Ende gelesen. Es war wieder dieselbe Erstarrung über sie gekommen wie an dem Tage, als sie die Entdeckung gemacht hatte, woher der Talisman stammte. Totenblaß hob sie die brennenden Augen zum Himmel empor.Herr Gott," stöhnte sie,hilf mir aus dieser Qual heraus!" Die Hände krampf­haft verschlungen, stumme Verzweiflung in den schönen Zügen verharrte sie regungslos, nur ab und zu ging ein Zittern durch ihre Glieder, als ob Fiebersrost sie schüttele. Es war ein schwerer, heißer Kamps, denn Inge hier in der Stille, allein mit ihrem Gott, durchrang.

Es muß sein!" sagte sie jetzt entschlossen, griff nach Feder und Papier und schrieb.

gehören würden. Doch auch die Pforte müßte auf das Gefährliche eines militärischen Auftretens gegen Bulgarien hingewiesen werden, und andererseits hätten die Vertreter der Mächte in Athen der griechischen Regierung sehr energische Vorhalte wegen der unaufhörlichen Einfälle griechischer Banden in Mazedonien zu machen, welche gleichzeitigen Maßnahmen wohl den erhofften Erfolg haben würden. Mit Genugtuung ist es aber jedenfalls angesichts dieser Zuspitzung der Dinge im europäischen Wetterwinkel zu verzeichnen, daß im Gesundheitszustände des Sultans end­lich eine entscheidende günstige Wendung eingetreten ist, wie seine Gegenwart am Selamlik letzten Freitag beweist; ein kritischer Ausgang der Krankheit des Sultans würde die verhängnisvollsten politischen Folgen gezeitigt haben.

Utirulen in LM-LsWika.

In Deutsch-Ostafrika hat der Kleinkrieg in der Land­schaft Jraku zur Unterwerfung der dortigen Rebellen geführt. Anderwärts ist der Aufstand noch rmbezwmrgen, und die deutschen Truppen werden auf ihren Expeditionen durch fort­währende Angriffe aus dem Hinterhalt schwer belästigt.

Daressalam, 18. August. Major Johannes wird Ende August in Ki'wa erwartet. Im Bezirk Songea über« nimmt Hauptmann Kleist den militärischen Oberbefehl. Nach Meldung des Hauptmanns v. Schönberg sammeln sich Auf­ständische am Mohesi und Lihowera. Schönberg beabsichtigt demnächst dagegen vorzugehen. Fortwährend finden Beun­ruhigungen im Lager und auf dem Marsche statt. Unter­offizier Thurmann wollte sich abends im Lager eine Zigarre am Windleuchter anzünden, als ein vergifteter Pfeil den Leuchter zerschlug, durch die rechts Basttasche des Rockes drang, am Notizbuch abglitt uu« u,^« ou-H d a Rock hindurchging. In Jraku gelang es einer vom Leutnant Ruff befehligten Abteilung, nach einem nächtlichen Pa> trouillengefecht ohne eigene Verluste den Rebellenführer Dehandu zu ergreifen. Auch ein zweiter Führer, Tarinu, wurde dingfest gemacht. Der Rest der Aufständischen hat sich darauf dem Hauptmann von Hirsch unterworfen.

Ae Vorgänge in WM.

Reval, 18. August. Genau acht Tage später als erwartet ist das Urteil des hiesigen Kriegsgerichts über die Meuterer vom KreuzerPamjal Asowa" gefällt worden. Danach wurden heute früh 17 Matrosen sowie der Agita­tor, angeblich Student Petrow, mit wahrem Namen Ars« senja aus Captjug im Gouvernement Cherson, auf dem Wall der Schlosses erschossen. Sämtliche Delinquenten waren in Reih und Glied aufgestellt und mit Stricken ge­bunden ; doch blieben ihre Augen auf ihren eigenen Wunsch unverbunden. Die Salve wurde von Kosaken abgegeben, während Infanterie den Platz absperrte. Die Leichen

Wiesbaden, den 5. August 1866.

Ja, Sie haben recht gesehen, mein Herz hat Ihre Liebe empfunden und sie mit aller Innigkeit erwidert. Ich spreche das freimütig aus und danke Ihnen aus tiefster Seele für die beglückende Liebe, die über mein Leben einen unvergeßlichen Glanz verbreitet hat und dennoch wir müssen geschieden bleiben. Ersparen Sie mir und sich selbst die Erklärung des Warum. Es ist genug, zu wissen, daß die Trennung un­widerruflich ist. Schwere Schatten liegen zwischen uns; aber wäre es das allein, ich würde nicht zaudern, Ihnen die Hand zu reichen, denn ich glaube an die Allmacht der Liebe, die das Dunkel in Licht verwandeln kann. Mich aber bindet ein Versprechen, ein heiliges Gelübde, das ich nicht brechen kann und will. Wenn Sie meiner gedenken, dann erinnern Sie sich, daß ich Sie segne für jede Stunde, wo Sie mir durch Ihr treues Ich den Sonnenschein brachten. Gott helfe uns beiden, zu tragen, was unabänderlich ist.

Inge Hartenberg."

So, jetzt war sie mit dem Briefe fertig und auch zu Ende mit ihrer Kraft.

Ein leidenschaftlicher Tränenstrom löste die Spannung ihrer Seele, und erst nach geraumer Zeit, als sie wieder ruhiger geworden war, erhob sie sich müde von ihrem Platz, um den Brief selbst zur Post zu besorgen.

Der lachende Sommertag von vorhin war verschwunden, grau in grau zeigte sich der Himmel, und ein seiner Sprüh­regen riefelte hernieder. Inge merkte das erst, als die Tropfen ihr in das Gesicht schlugen, aber sie achtete nicht darauf, sondern ging langsam weiter zur Post, und ebenso schleppen­den Schrittes kehrte sie zurück.

Inge!"

Sie hörte ihren Namen nicht, und doch hallte er in dem verödeten Arkadengange, durch den sie jetzt ging, laut wider.

Inge," rief Tettenborn noch einmal. Er hatte sie er­reicht und beugte sich zu ihr nieder.Ich sah dich gehen ich kam dir nach! Fühlst du dich elend?"

Todunglücklich!" Das Wort war ihr ohne Nachdenken entschlüpft, ihr war so verzweifelt zumute, daß sie eS als eine Erlösung empfand, es nur einmal aussprechen zu dürfen.